Das Schaf – ein Tier, welches einfach liebenswert ist! Schafe sind soziale, sanfte Tiere, welche täglich viel Unrecht erfahren. In der Schweiz leben rund 400'000 Schafe. Im Jahr 2025 wurden in der Schweiz rund 220'000 Schafe geschlachtet.1 Nebst dem Herstellen von Fleisch- und Milchprodukten wird das Schaf auch aufgrund seiner Wolle ausgebeutet. Auf dieser Seite berichten wir über alle Facetten rund um das Schaf: von seiner Geschichte, seinem Leiden, seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten.
Fakten und Interessantes
Steckbrief
- Schafe sind Pflanzenfresser: Sie gehören zur Gruppe der Herbivoren und fressen Gras, Kräuter, frische Äste, Samen, Körner, Heu, Wurzeln, Knollen und andere Pflanzen.
- Schafe sind sanftmütig: Unter anderem aus diesem Grund gehören sie zu den ersten Tieren, die vom Menschen domestiziert wurden.
- Schaf ist nicht gleich Schaf: Ein männliches Schaf nennt man Bock oder Widder, ein weibliches Schaf heisst Mutterschaf, Aue oder Zibbe.
- Schafe sind sozial: Sie bauen Freundschaften auf, kämpfen nur sehr selten und empfinden Trauer, wenn eines ihrer Herdenmitglieder stirbt.
- Schafe entscheiden Dinge: Sie sind in der Lage, bewusste Entscheidungen zu treffen. Ihre Gehirngrösse und Struktur gleichen deren einiger Primatenarten.
- Schafe haben interessante Augen: Genau wie Ziegen haben Schafe waagerecht langgezogene Pupillen und seitlich angeordnete Augen. Als Fluchttiere haben sie so ein weites Sehfeld, um potenzielle Raubtieren frühzeitig zu erkennen.
- Schafe sind wetterfühlig: Sie werden beispielsweise nervös, wenn ein Gewitter droht.
- Schafe empfinden verschiedene Emotionen: Studien haben ergeben, dass Schafe verschiedene Gefühle wie Angst, Wut, Verzweiflung, Langeweile, Ekel und Glück empfinden können.
- Schafe erkennen Gesichter: Diese Fähigkeit ist bei Schafen sehr fortgeschritten. Sie entwickeln individuelle Sympathien, können sich mindestens 50 Gesichter ihrer Artgenossen und sogar zehn von Menschen über mindestens zwei Jahre hinaus merken. Zudem sind sie in der Lage, Gesichtszüge zu unterscheiden.
- Schafe wedeln während dem Trinken mit dem Schwanz: Nur wenige Minuten nach der Geburt stehen Lämmer auf, um am Euter der Mutter zu trinken. Ein typisches Merkmal, wenn beim Trinken alles gut läuft, ist das Schwanzwedeln.2

Interessantes
Schafe sind eine Gattung der Säugetiere, wobei aus dem Wildschaf schliesslich das Hausschaf, welches auf dieser Seite besprochen wird, gezüchtet wurde. Wildschafe sind sowohl am Mittelmeer wie auch in kalten Regionen wie Sibirien oder Alaska zu finden. Aufgrund ihrer Kletterfähigkeit können sie gut im Gebirge leben. Es hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass das Hausschaf vom armenischen Mufflon abstammt. Als genügsames und robustes Tier frisst das Schaf oft hartes oder zähes Futter, ist jedoch wählerischer als Ziegen oder Esel. Schafe sind ausserdem sehr anpassungsfähige Tiere, was klimatische Bedingungen betrifft.
Erwachsene Tiere werden Bock oder Widder (männlich) oder Mutterschaf, Aue oder Zibbe (weiblich) genannt. Ein Lamm ist ein Jungtier, das nicht älter als ein Jahr ist. Unter einem Hammel versteht man ein männliches, kastriertes Tier, welches älter als ein Jahr ist. Wenn man sie lässt, können Schafe ein Alter von 10-12 Jahren erreichen.
Schafe werden seit mehreren tausend Jahren vom Menschen primär als Milch-, Fleisch- und Felllieferant domestiziert. Aus Schlacht- und Schurabfällen, die vom Schaf stammen, wird auch Rohmaterial für Leime, Kerzen, Seifen und kosmetische Produkte gemacht. Der Schafdarm wird oft für Saiten von Musikinstrumenten und Tennisschlägern verwendet.
Desweiteren werden Schafe als eine Form der Landschaftspflege genutzt. Durch ihr wiederholtes Abfressen eines Gebiets erhalten sie Heiden und Grünflächen in ihrer Form und Funktion, welche sonst versteppen oder verwalden würden.3 Leider können Wildtiere wie Rehe und Hirsche dieselbe Funktion heutzutage nicht mehr übernehmen, weil der Mensch dies verhindert: Denn einerseits werden Grünflächen meist eingezäunt und sperren die Wildtiere somit aus, andererseits werden diese auch durch die Jagd von den Grünflächen in den Wald gedrängt. Zwar ist die Beweidung mit Schafen noch etwas effektiver als dies der Natur zu überlassen, jedoch fressen sie dabei auch alles kahl.

Bedürfnisse
Bewegen
Schafe sind Herdentiere und werden in Gruppen gehalten. Die Gruppe funktioniert jedoch nur, wenn allen Tieren genügend Platz zur Verfügung steht. Genügend Bewegung ist wichtig und wirkt sich positiv auf Gesundheit, Kondition und Fruchtbarkeit der Tiere aus. Schafe dürfen deshalb keinesfalls angebunden werden. Die Tiere werden oft extensiv, das heisst draussen und mit viel Auslauf gehalten. Jedoch brauchen sie Schutz vor grosser Hitze oder starker Nässe und Kälte. Diesen suchen sich Schafe in einem trockenen, windgeschützten Unterstand. Wichtig dabei ist, dass dieser gross genug ist für alle Tiere.4

Ruhen
Schafe sind vorwiegend tagaktiv, ruhen aber auch tagsüber, wenn es sehr heiss wird und weiden dann dementsprechend nachts. Sie brauchen genügend Platz, damit sie entspannt liegen und sich ausruhen können. Schafe suchen sich dafür einen sauberen, trockenen und zugfreien Liegebereich aus. Die Tiere haben nur kurze Schlafphasen von jeweils einer halben Stunde und fressen die meiste Zeit.5

Fressen
Schafe grasen während 4-5 Fressperioden rund 8-10 Stunden pro Tag. Einen grossen Teil dieser Zeit sind sie mit dem Wiederkäuen beschäftigt. Je nach Rasse nehmen ausgewachsene Tiere zwischen 3 und 10 Kilogramm Grünfutter auf, was circa 10% ihres eigenen Körpergewichts darstellt. Bezüglich der Futterart sind Schafe relativ anspruchslos und sehr anpassungsfähig. Wichtig ist aber die Sauberkeit des Futters, denn Schafe meiden Futtertröge und Tränken, welche verschmutzt sind. Ausserdem benötigen sie Lecksteine, um wichtige Mineralstoffe aufzunehmen.

Fortpflanzung und Stillen
Das Mutterschaf (die Aue, die Zibbe) bringt nach einer fünfmonatigen Tragezeit in der Regel ein bis zwei Lämmer zur Welt. Wenn die Geburt kurz bevorsteht, wird sie nervös und verlässt die Herde, um einen ruhigen Platz zu suchen. Ist das Lamm auf der Welt, wird es von der Mutter abgeleckt (geruchliche Prägung), was für die bei Schafen sehr ausgeprägte Mutter-Kind-Beziehung sehr wichtig ist. Eine Stunde nach der Geburt können Lämmer in der Regel bereits stehen und haben das erste Mal gesaugt. Die Aufnahme der Erstmilch (Kolostralmilch) ist für das Überleben der Tiere in den ersten 12 Stunden essenziell, da sie das Lamm mit Immunstoffen, wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen versorgt. Mutterschafe, welche kurz vor dem Ablammen sind sowie neugeborene Lämmer sind gegenüber Umwelteinflüssen sehr empfindlich.

Sozialkontakt
Das mitunter auffälligste Merkmal von Schafen ist ihr ausgeprägtes Herdenverhalten. Die Tiere zeichnen sich durch eine geringe Aggressivität aus und besitzen kaum ausgeprägte Rangbeziehungen. Innerhalb der Herde sind viele Aktivitäten stark synchronisiert. Wenn sich die Tiere beispielsweise in Gefahr fühlen, fliehen sie gemeinsam.
Schafe mögen es sehr, nahe beieinander zu stehen oder zu liegen. Aufgrund dieses Bedürfnisses ist es wichtig, Schafe niemals alleine zu halten. Selbst wenn ein Tier aufgrund des Ablammens oder einer Krankheit vorübergehend von der Herde getrennt wird, muss der Sichtkontakt zu den Artgenossen bestehen bleiben.

Haltungsformen
Schafrassen lassen sich bezüglich ihrer Ausbeutung durch den Menschen in vier Gruppen einteilen: Wollschafe, Fleischschafe, Milchschafe und Landschafe. Die Haltung der Schafe richtet sich dabei nach ihrer Nutzung: die extensive Haltung, auch Weidehaltung genannt, dient vor allem zur Produktion von Wolle und Fleisch. Diese Haltungsform entspricht den Schafen am ehesten und ist weltweit das häufigste Haltungssystem. Nebst der extensiven Haltung existiert die intensive Haltung, welche vor allem zur Milchproduktion genutzt wird.6
In diesem Kapitel sollen beide Formen vorgestellt werden.
Intensivhaltung
In der Intensivhaltung werden Schafe sowohl im Ausland wie auch in der Schweiz unter unwürdigen Bedingungen in grosser Anzahl auf engem Raum gehalten. Die Tiere besitzen in dieser Massentierhaltung dabei nur wenig Platz und die Lämmer werden deutlich früher als in der extensiven Haltung von ihren Müttern getrennt. Von der Öffentlichkeit und den KonsumentInnen wird dies kaum wahrgenommen, weil es vo aussen nicht sichtbar ist. Deshalb ist die Illusion weit verbreitet, Schafe würden grundsätzlich geweidet und relativ natürlich gehalten.

Extensivhaltung
Die extensive Haltung von Schafen zeichnet sich durch eine grossflächige Landnutzung mit geringem Viehbesatz aus. Dabei reicht sie von einer eingezäunten Haltung kleinerer Tiergruppen im Flachland bis zur Haltung von grösseren Tiergruppen auf nicht eingezäunten Weiden. Diese Haltungsform mag idyllisch klingen, doch es ist nicht aufgrund von Tierliebe, dass Schafe draussen gehalten werden, sondern meist eher aus Bequemlichkeit. Schöne, saftige Wiesen haben die Tiere selten zur Verfügung. Oftmals werden sie auf einer eingezäunten Parzelle alleine gelassen. Die Wiesen sind zum Teil abgefressen, es fehlt an Wasser und dem eigentlich gesetzlich vorgeschriebenen Unterstand. Somit sind die Tiere der Kälte, Nässe, Hitze oder Trockenheit schutzlos ausgeliefert.
Es sieht zwar idyllisch aus, wenn Schafe auf einer Weide liegen, jedoch erkennt man beim genaueren Hinsehen oft, dass viele Schafe mager sind, humpeln oder an der berüchtigten Schafkrankheit "Moderhinke" leiden. Diese entsteht, wenn die Tiere auf permanent feuchtem Boden stehen müssen und ihre Klauen mangelhaft gepflegt werden. Sie führt zu extrem schmerzhaften Klauenentzündungen. Im Sommer leiden die Tiere oftmals unter Durst und im Winter, wenn sie eingestallt werden, haben sie zu wenig Platz zur Verfügung.7

Zucht
Schafe werden je nach Verwendungszweck unterschiedlich gezüchtet. Die Tiere werden für die Zucht nach der äusseren Erscheinung, der Wolle und der Bemuskelung ausgewählt.
Milchschafe
Schafe ernähren sich von Weidegras, dieses darf aber weder zu jung, noch zu alt sein. Zu junges Gras bedeutet, dass die Tiere aufgrund des zu hohen Eisengehaltes und des zu niedrigen Rohfasergehaltes Durchfall erleiden. Zu altes Gras wiederum hat zu wenig Eiweiss und zu viele Kohlenhydrate, welche schwer verdaulich sind. Die Milchleistung geht in diesem Fall zurück und Lämmer werden weniger gut genährt. Oft werden Milchschafe eingezäunt, damit sie nicht weglaufen und „nicht zu viel frisches Gras fressen können“. Dies geschieht häufig durch Elektronetze. Daneben werden die Tiere auch mit Diagonal- oder Knotengitter eingezäunt. Wären sie in der freien Natur, könnten sie sich selbst aussuchen, wo sie grasen und hätten diese Probleme nicht.
Milchschafe werden in der Regel zweimal pro Tag gemolken. Wird ein Lamm oder werden mehrere Lämmer geboren, will die Mutter diese umsichtig betreuen und säugen. Die Lämmer benötigen die Muttermilch mindestens während dreier Monate. In der Milchindustrie werden sie danach von ihren Müttern getrennt und die Milchschafe bis zum Ende der Laktation gemolken. Da die Lämmer in den ersten drei Monaten jedoch beinahe die halbe Jahresmilchmenge trinken, werden sie oftmals viel früher von ihren Müttern getrennt, was mit viel Leid verbunden ist. Lämmer, welche für die Nachzucht bestimmt sind, kommen auf eine separate Weide. Überzählige Lämmer werden entweder verkauft oder geschlachtet. Mutterschafe, deren „Geburtsleistung“ nachlässt, werden ebenfalls geschlachtet.
Fleischschafe
In den letzten Jahren hat in der Schweiz ein Aufschwung der Milchschafhaltung stattgefunden. Aus diesem Grund fallen mehr Lämmer zur Lammfleischproduktion an. Die süssen Babies werden im zarten Alter von wenigen Monaten bereits geschlachtet, um auf dem Teller zu landen. Viele Lämmer aus der Milchschafhaltung werden bereits nach einer Woche von ihrer Mutter getrennt. Bis zum Lebendgewicht von 15 Kilogramm werden die Lämmer an einem Automaten mit Milchersatz getränkt.
Bei der Mutterschafhaltung werden Lämmer entweder extensiv mit der Mutter auf einer Weide gehalten oder intensiv bei den Müttern gehalten, bis sie nach drei Monaten abgesetzt und ausgemästet werden.8 Nach etwa vier bis zwölf Monaten werden die Tiere geschlachtet, obwohl sie ein Alter von 10 - 12 Jahren erreichen könnten.
Wollschafe
Viele Menschen begrüssen Kleidungsstücke aus Wolle, da diese als besonders warm und qualitativ hochwertig gelten. Auch beim Hausbau wird Wolle gerne als Isolationsmaterial verwendet. Das Geschäft mit Wolle floriert weltweit. Schweizer Wolle findet man heute jedoch kaum noch im Handel, da diese gegenüber importierter Wolle nicht konkurrenzfähig ist. Stattdessen wird sie oftmals einfach verbrannt. Wolle ist zum Entsorgungsproblem geworden.
Ein Grossteil der weltweiten Wollproduktion stammt vorwiegend von Merino-Schafen. Diese Wollschafe werden darauf gezüchtet, faltige Haut zu bekommen, damit umso mehr Wolle entsteht, was den Profit pro Tier erhöht. In heissen Monaten sterben viele Schafe an Hitze, wegen der Übermenge an Wolle, die sie tragen. Zudem sammeln sich in den Hautfalten Feuchtigkeit und Urin an, was Fliegen anzieht. Diese legen ihre Eier in die Falten ab und die später entstehenden Larven können Schafe regelrecht von Innen auffressen. In vielen Ländern wird versucht, dies mit dem sogenannten „Mulesing“ zu verhindern. Bei dieser Methode werden Lämmer zwischen Metallstäben fixiert, um ihnen oftmals ohne Betäubung Fleischstücke rund um den Schwanz abzuschneiden. Dadurch bildet sich eine vernarbte Fläche, welche von den Fliegen weniger oft heimgesucht wird. Die Methode ist äusserst grausam und die Tiere leiden immens.
Das Scheren der Schafe wird nach Masse bezahlt, nicht pro Stunde. Das bedeutet, dass die Tiere oftmals grob behandelt werden. Auch führt das Fixieren der Schafe immer wieder zu Verletzungen. Um ultra-feine Wolle zu generieren, werden Wollschafe in Intensivhaltung gehalten. Sie sehen nie eine Weide, können sich nie frei bewegen und werden in kleinen, einzelnen Abteilen eingesperrt. Ab einem bestimmten Alter werden sie schliesslich zum Schlachten verkauft.9

Landschafe
In der Schweiz gewinnen behirtete Schafherden mehr und mehr an Bedeutung in der Landschaftspflege. Die Tiere werden oft in hügeligen oder steilen Gebieten gehalten, wo kaum gemäht werden kann. Da die Bewirtschaftung solcher Landflächen nicht besonders rentabel ist, bietet sich das Schaf als günstiger Landschaftspfleger an. Schafe, welche ohne Aufsicht auf der Alp sind, weiden grossflächig Grasfächen ab, welche für Wildtiere wichtig sind. Die Nutztierindustrie konkurriert also unsere Wildtiere.
Nutzung
Schafe werden in der Schweiz insbesondere für die Fleisch- und die Milchproduktion gezüchtet. In diesem Kapitel sollen die verschiedenen Produktionszweige vorgestellt sowie auf die damit verbundenen Leiden der Schafe eingegangen werden. Dazu gehören auch Transport, Betäubung und Schlachtung der Tiere.
Fleisch- und Milchproduktion
Schaffleisch wird im Gegensatz zu Schweine-, Rind- und Hühnerfleisch in der Schweiz eher selten gegessen. Trotzdem wurden im Jahr 2025 rund 220'000 Schafe geschlachtet. Dies deckt circa die Hälfte des Gesamtkonsums ab. Das restliche Schaffleisch wird aus dem Ausland importiert. Pro Kopf werden jährlich circa 1.1 Kilogramm Lamm- oder Schaffleisch gegessen. 2023 wurden in der Schweiz 3578 Tonnen Schafmilch produziert.10
Transport, Betäubung und Schlachtung
Sind Schafe zur Schlachtung bestimmt, müssen sie zum Schlachthof transportiert werden. Die Transporte stellen für jedes Tier eine Belastung dar. In der Schweiz dürfen Viehtransporte bis zu acht Stunden dauern.11
Beim Schlachthof angekommen, werden die Tiere in der Regel eine gewisse Zeit provisorisch eingestallt, bevor sie schliesslich getötet werden. Die Betäubung erfolgt bei den Schafen entweder anhand eines Bolzenschusses durch das Gehirn oder anhand einer elektrischen Betäubung, wobei Elektroden an Kopf und/oder Rücken und/oder Herz angebracht werden, welche Strom durch den Körper des Tieres fliessen lassen. Der anschliessende Entblutungsschnitt muss bei der Bolzenschussbetäubung innerhalb von 60 Sekunden, bei der elektrischen Betäubung innerhalb von 20 Sekunden erfolgen.12
Immer wieder kommt es vor, dass Tiere nicht korrekt betäubt werden und die Tötung bei lebendigem Leib miterleben. In der Schweiz wurden im Jahr 2018 zwei Waadtländer Schlachthöfe angezeigt, da diese einen brutalen Umgang mit den Tieren zeigten. Bilder zeigen, wie vergeblich versucht wird, die Schafe mit der Betäubungszange einzufangen. Die Tiere werden unsanft an den Beinen durch die Räume gezogen. Sie versuchen zu fliehen, sind gestresst, während neben ihnen tote Tiere hängen. Da die Betäubung nicht korrekt gelingt, sind sie beim Entblutungsschnitt bei Bewusstsein und erleben höllische Qualen.13
Wollproduktion
Aufgrund der grossen Nachfrage nach synthetischen Fasern führt das Geschäft mit der Wolle heute oftmals zum Verlust. Ein Fünftel der produzierten Wolle in der Schweiz wird gar verbrannt, weil keine Verwertungsmöglichkeiten erwünscht sind. Wolle, welche weiterverarbeitet wird, erhält Subventionen. Laut dem Bundesamt für Landwirtschaft produzieren die in der Schweiz gehaltenen Schafe etwa 900 Tonnen Rohwolle pro Jahr. Die Hälfte davon wird im Ausland weiterverarbeitet.14
Die meiste Wolle stammt nicht aus der Schweiz, wo es nur noch wenige wollverarbeitende Betriebe gibt. Weltweit werden in fast 100 Ländern – durch die Ausbeutung von rund 1.3 Milliarden Schafen – jährlich rund 2 Millionen Tonnen Wolle produziert, das meiste davon in Neuseeland, China und allen voran in Australien. Mit den dort lebenden c.a. 70 Millionen Schafen werden jährlich rund 280'000 Tonnen Rohwolle produziert. 50% der Tiere zu den Merinoschafen, dem weltweit häufigsten Feinwollschaf. Im Durchschnitt ist das geschorene, noch vollständig zusammenhängende Wollkleid drei bis fünf Kilogramm schwer, wobei die Hälfte des Gewichts Schmutz, Wollfett, Schweiss und Pflanzenreste sind. Merinowolle wird in Oberbekleidung, Sportkleidung, Strickwaren, Strümpfen, Socken und als Handstrickgarn verwendet.15
Das Geschäft mit der Wolle ist ein blutiges und schmerzhaftes. Tiere, welche speziell für die Wolle gezüchtet werden, besitzen oftmals sehr faltige Haut, weshalb sie stark schwitzen und damit Fliegen anziehen, welche sich in den Falten einnisten und dort ihre Eier ablegen. Die daraus schlüpfenden Larven essen die Schafe dann sozusagen von Innen heraus auf, was enorm schmerzhaft ist. Damit die Fliegenplage eingedämmt werden kann, findet bereits bei jungen Lämmern das sehr sogenannte "Mulesing" statt, eine äusserst grausame und schmerzhafte Praxis. (Mehr dazu unter "Eingriffe".)
Wer sich in der Schweiz Wollprodukte wie zum Beispiel Kleidung kauft, hat es in der Regel mit ausländischer Wolle zu tun, die aus einer Produktion stammt, die mit viel Tierleid verbunden ist. Das Leid ist rund um die Wollgewinnung noch längst nicht zu Ende: Wenn die Wollproduktion der Schafe nachlässt, werden auch die älteren Tiere mit etwa sechs Jahren zum Schlachten verkauft. Ihre natürliche Lebenserwartung liegt bei bis zu 10-12 Jahren. Abermillionen Schafe werden jedoch nicht in einem nahegelegenen Schlachthaus getötet, sondern auf Schiffe verfrachtet und auf eine lange, beschwerliche Reise geschickt. Australien ist weltweiter Exportmeister im Lebendtransport von Schafen. Das Verladen und die anschließende Reise auf dem Schiff sind für die Tiere enorm stressig und verursachen Aggressionen und Angst. Dicht gedrängt werden bis zu 75'000 Schafe auf ein Schiff gesperrt.16 An Bord stehen die Tiere teils mehrere Wochen in ihren eigenen Fäkalien, sind Temperaturen von bis zu 40° Celsius ausgeliefert und bekommen ungewohnte Nahrung in Form von Pellets, die sie häufig ablehnen. Viele Tiere sterben unterwegs an den Folgen eines Hitzeschlags oder erliegen Stress, Traumata und Erkrankungen.17
Wer Wollprodukte trägt, unterstützt mit grosser Wahrscheinlichkeit auch diese Tierquälerei.
Störung des Sozialverhaltens
Wenn die Bedürfnisse von Schafen nicht erfüllt sind, entwickeln die Tiere Verhaltensstörungen. Dies ist beispielsweise bei der Intensivhaltung der Fall. Die Tiere haben zu wenig Platz und können keine sozialen Kontakte pflegen. Das Leben ist eintönig, was die Schafe apathisch werden lässt. Da die Tiere nicht ins Freie gehen können, um ungestört und grossflächig zu grasen, beginnen sie, sich hin und her zu wiegen oder beissen an Holzstäben und Drähten der Stallungsvorrichtungen herum. Diese Verhaltensweisen, welche sich in wiederholten und gleichbleibenden Handlungen zeigen, welche keine Funktion haben, nennt man "Stereotypien".
Eingriffe
Kürzen des Schwanzes
In der Schweiz ist es erlaubt, Schwänze von bis zu 1 Woche alten Lämmern ohne Betäubung zu kürzen. Die Schwänze werden gekürzt, um eine Verschmutzung des Hinterns der Tiere beispielsweise im Fall von Durchfällen zu vermeiden. Der Schwanzstummel muss nach dem Eingriff noch 15 cm lang sein, damit er den After bedecken kann. Ganz verboten sein wird das Schwanzkürzen in der Schweiz erst ab 2040.18 Die Prozedur ist für die jungen Tiere sehr schmerzhaft.
Kastration
Männliche Lämmer werden in der Regel kastriert, da deren Geschlechtsreife Unruhe in die Herde bringen kann. In der Schweiz ist es verboten, Lämmer ohne Betäubung zu kastrieren. Jedoch dürfen Tierhalter ihre Tiere bis im Alter von zwei Wochen selbst kastrieren, wenn sie dazu zuvor einen Kurs abgelegt haben.
Mulesing
Die Mulesing-Methode beschreibt die Entfernung von Hautlappen um den Schwanz von Schafen. Diese Entfernung wird mit einer Schere vollzogen, wobei im Ausland oftmals ohne Betäubung tellergrosse Hautfetzen herausgeschnitten werden. Ziel ist es, den Fliegenbefall, welcher bei Schafen zu Entzündungen, Krankheiten und sogar bis zum Tod führen kann, einzudämmen, da sich Fliegen weniger auf einer vernarbten, glatten Haut absetzen. Oftmals ist es jedoch so, dass durch diesen Eingriff erst recht Entzündungen entstehen. Die Tiere leiden darunter immens. Um diese Tierquälerei einzudämmen, muss es eine bessere Kontrolle von Herden geben, sowie auf die Zucht von faltigen Schafrassen wie dem Merinoschaf verzichtet werden.19
Mulesing ist in der Schweiz nicht verbreitet, allerdings ist auch die Wollindustrie hier nicht rentabel und kaum vorhanden. Produkte aus Wolle stammen in der Regel aus dem Ausland.
Die Nationalrätin Aline Trede hat im März 2019 eine Motion zur Deklarationspflicht für Mulesing-Merinowolle und deren Produkte eingereicht. Diese wurde jedoch 2021 vom Nationalrat abgelehnt.20
Auswirkungen des Tierschutzgesetzes
Leider wird im Tierschutzgesetz nicht festgelegt, was man unter den Bedürfnissen von «Nutztieren» versteht. Es ist auch nicht festgehalten, was genau mit «Misshandeln» und «starker Vernachlässigung» gemeint ist. Das Gesetz lässt deshalb viel Interpretationsspielraum und schützt die Tiere kaum wirkungsvoll.21 Privatpersonen und Tierschutzorganisationen haben zudem keine Möglichkeit bei Verstössen gegen Tierhalter zu klagen. Sie können einen Fall lediglich beim kantonalen Veterinäramt melden, welches dann die Zustände vor Ort anschaut. Was jedoch fehlt ist ein wirkungsvoller Vollzug. Unangemeldete Kontrollen und eine konsequente Durchsetzung der geltenden Tierschutzbestimmungen fehlen, auch die Durchsetzung von empfindlichen Sanktionen gegenüber den Tierhaltern würde helfen zu vermeiden, dass Tierleid sich auszahlt.
- ↑ Schlachtzahlen Schweiz, Swissveg, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ 10 Fakten über Schafe, Vier Pfoten, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Hausschaf, Wikipedia, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Schafe, BLV, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Schafe, Wikipedia, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Schafproduktion, Wikipedia, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Lämmer: Tierbabys leiden für Lammfleisch, Lammfell & Wolle, Peta, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Neue Mastformen, UFA-Revue, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Wolle - ein Tierquälerprodukt, VGT, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Milchstatistik der Schweiz, Schweizer Bauernverband, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Tiertransporte, BLV, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Verordnung des BLV über den Tierschutz beim Schlachten, der Bundesrat, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Kälber waren beim Ausbluten vermutlich bei Bewusstsein, Blick, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Die Geschichte vom guten und vom bösen Schaf, SRF, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ 50+ Schafwollstatistiken: Weltproduktion und Naturfasernachfrage, woola.io, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Live export sheep stressed and seasick in shipping pens, Queensland study finds, ABC News, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Australia Exports of sheep and goats, live to Qatar, Australian Government, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Schafe, BLV, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Das Leiden der Lämmer, Tierquälerei für Merino-Wolle, SRF, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Einführung einer Deklarationspflicht für Mulesing-Merinowolle, die Bundesversammlung, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- ↑ Tierschutzgesetz, der Bundesrat, zuletzt aufgerufen am 18.08.2026
- Zur Kampagnen-Seite: Tierfreunde essen anders

