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In den Medien wird derzeit (stark verkürzt) über eine Studie des WWF Deutschland berichtet, die angeblich behauptet, dass eine vegetarische Ernährung mehr Wasser verbraucht als eine omnivore. Und die vegane Ernährung in dieser Hinsicht noch schlechter abschneidet. Was ist da dran?

Die WWF-Analyse zum Wasserverbrauch und Wasserknappheit betrachtet den Verbrauch von Wasser, das bei der Nahrungsmittelproduktion zur künstlichen Bewässerung notwendig ist (exkl. Regenwasser und Trinkwasser für die Tiere). Als Grundlage wird die Ernährung der deutschen Bevölkerung genommen.

Ausgangslage

In Deutschland wird die Fleisch- und Milchproduktion massiv mit Steuergeldern subventioniert (wie in der Schweiz auch). Zudem wird ein Grossteil der landwirtschaftlichen Ackerfläche für den Anbau von Futtermittel ver(sch)wendet.  Die Folge: 63% des Gemüses und 80% des in Deutschland konsumierten Obstes muss importiert werden. Bei den Beeren sind es sogar weit über 90%. Das beliebteste Gemüse Deutschlands, die Tomate, muss sogar zu 97% importiert werden.
Deshalb hat der Wasserverbrauch der pflanzlichen Lebensmittel hauptsächlich damit zu tun, wo und wie diese in ihren Ursprungsländern angebaut werden.

Durstige Zitrusfrüchte, Mandeln und Reis

Bei der WWF-Analyse schneiden Zitrusfrüchte, Mandeln und Reis am schlechtesten ab. Das heisst: Sie benötigen am meisten künstliche Bewässerung. Dies hängt damit zusammen, dass diese Produkte an Orten angebaut werden, wo es wenig regnet. Oft sind auch die Bewässerungstechniken nicht effizient. Der WWF verweist in seiner Studie darauf, dass der Mandelanbau auch ganz ohne Bewässerung möglich wäre. Es geht hier also nicht darum, gewisse Nahrungsmittel gänzlich aus dem Speiseplan zu streichen, sondern die Anbaumethoden und den Anbauort zu überdenken.

Was hat dies mit einer veganen Ernährung zu tun?

Die gesunde vegane Ernährung beinhaltet mehr Gemüse und Obst als eine ungesunde omnivore Kost. Da für die Gemüse- und Obstproduktion – wie oben aufgezeigt – an manchen Orten viel Wasser benötigt wird, schneidet die ansonsten ökologischere Ernährungsweise in diesem speziellen Szenario schlechter ab. In allen anderen ökologischen Bewertungsbereichen schneidet die vegane Ernährung besser ab: Sie benötigt weniger Land, weniger Energie und erzeugt weniger Treibhausgase und gar keine Fäkalien.
Würde man anstelle der Fleisch- und Milchproduktion vermehrt den Anbau von einheimischen Gemüse und Früchte fördern, wären die Zahlen für die vegane Ernährung wesentlich günstiger. Doch dies ist politisch nicht gewollt.

Was folgt aus der Analyse des WWF?

Entgegen der Medienberichte folgt für den WWF Deutschland nicht, dass die vegane Ernährung weniger ökologisch sei als eine omnivore. Viel mehr sollte die Analyse auf ein Problem aufmerksam machen, dass jede Ernährungsform betrifft (da bei allen Ernährungsformen Gemüse und Obst ein wichtiger Bestandteil sein sollte): Im Inland wird grossen Wert auf ökologische Produktionsmethoden gelegt, bei den importierten Nahrungsmitteln zählt jedoch bisher nur der Preis. Dies muss sich ändern, wenn man alle ökologischen und gesundheitlichen Vorzüge einer veganen Ernährung ausschöpfen möchte.

Eigentlich vergleicht die Analyse nicht verschiedene Ernährungssysteme sondern verschiedene Klimazonen und Anbaumethoden miteinander. Ein Treibhaus, dass künstlich bewässert wird, benötigt immer mehr Bewässerung als ein offenes Feld. Selbst wenn das Wasser zur Bewässerung gesammeltes Regenwasser ist.

 

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