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01.06.2026 | Sarah

Die Männer stehen am Grill, die Frauen kümmern sich um die Beilagen: Ein Bild dass sich in der Schweiz jeden Sommer tausendfach wiederholt. Obwohl die Gleichstellung der Geschlechter in vielen anderen Lebensbereichen etabliert ist, ist die Rollenverteilung beim Grillen bemerkenswert traditionell: Der Mann kümmert sich um die Fleischzubereitung, die Frau um die Beilagen. Der Grill als letzte Bastion klassischer Männlichkeit? 

Tatsächlich essen Männer mehr Fleisch als Frauen. Doch woran liegt das? Forschende untersuchten, wie sich die Gleichberechtigung auf den Fleischkonsum auswirkt.1 Die Ergebnisse sind bemerkenswert: In Ländern, in denen eine hohe Geschlechtergleichstellung herrscht, assen die Männer deutlich mehr Fleisch als die Frauen. Die Forschenden begründeten dies damit, dass sich die Frauen in solchen Ländern bewusst für fleischlose Optionen entscheiden können. Doch diese Erklärung greift zu kurz. Denn auch Männer hätten in gleichberechtigten Gesellschaften die Möglichkeit, pflanzliche Alternativen zu wählen. Doch warum tun sie dies noch viel zu selten? Verschiedenen Studien deuten darauf hin, dass männliches Geschlecht sowie Wohlstand am stärksten mit einem hohen Fleischkonsum korrelieren. Interessanterweise gibt es in drei grossen Ländern (China,Indien sowie Indonesien) keine geschlechterspezifischen Unterschiede was den Fleischkonsum angeht.

 

Doch warum essen Männer überhaupt mehr Fleisch als Frauen?

Eine mögliche Erklärung liegt weniger in biologischen Unterschieden als in sozialen und kulturellen Prägungen. Fleischkonsum ist seit jeher mit Vorstellungen von Stärke, Leistung und Status verbunden. Eigenschaften, die traditionell eher mit Männlichkeit assoziiert werden. Mehrere Studien zeigen, dass Männer stärker dazu tendieren, ihr Essverhalten an solchen gesellschaftlichen Erwartungen auszurichten. Fleisch wird dabei nicht nur als Lebensmittel wahrgenommen, sondern auch als Symbol. Pflanzliche Ernährung wird häufig mit Begriffen wie Gesundheit, Leichtigkeit oder Nachhaltigkeit verknüpft. Das sind jedoch alles Eigenschaften, die kulturell weniger stark mit klassischen Männlichkeitsbildern verbunden sind. Doch diese Zuschreibungen sind nicht naturgegeben, sondern sozial geprägt. Sie beeinflussen jedoch, oft unbewusst, unsere Entscheidungen im Alltag und dadurch auch beim Grillieren. Gerade deshalb lohnt es sich, das Bild vom «männlichen Grillieren» neu zu denken. Denn was heute als selbstverständlich gilt, ist oft das Resultat von Gewohnheit und kultureller Prägung und lässt sich nicht mit der «männlichen Biologie» erklären.

 

Traditionen neu gedacht

Wer sich an das pflanzliche Grillieren wagt, merkt schnell, dass sich ganz neue Möglichkeiten eröffnen: aus vielfältigen pflanzlichen Zutaten wie etwa Sellerie, Rote Bete oder Pilzen lassen sich herzhafte Gerichte zubereiten, die mit kräftigen Aromen begeistern und ebenso sättigend und genussvoll sind wie klassische Fleischgerichte. Und das beste daran: heissgeliebte Traditionen müssen nicht abgeschafft,  sondern lediglich neu gedacht werden. So kommt anstelle des Rumpsteaks ein saftiger veganer Burger oder für Gemüseliebhaber ein Randensteak auf den Grill. Ein kleiner Tausch mit grosser Wirkung für Tier, Mensch und Umwelt, der erst noch neue Geschmackswelten eröffnet. 

  1. Hopwood, C. J., Zizer, J. N., Nissen, A. T., Dillard, C., Thompkins, A. M., Graça, J., Waldhorn, D. R. & Bleidorn, W. (2024). Paradoxical gender effects in meat consumption across cultures. Scientific Reports, 14(1), 13033. https://doi.org/10.1038/s41598-024-62511-3
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