Seit der letztjährigen Swissveg-Auswertung 2025 hat sich der Markt für pflanzliche Fleischalternativen weiterentwickelt und die Diskussion um faire Preise für pflanzliche und tierische Produkte hat zusätzlich an Dynamik gewonnen. In den vergangenen Jahren haben sich die Regale der Detailhändler spürbar mit veganen Produkten gefüllt. Gleichzeitig schwankt der Anteil vegetarisch und vegan lebender Menschen leicht, was zeigt, dass Preisfragen und Kaufgewohnheiten weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund untersucht Swissveg regelmässig, wie sich die Preise von Fleisch und pflanzlichen Alternativen in der Schweiz entwickeln. Der aktuelle Report knüpft an die letztjährige Auswertung an und beleuchtet, wie sich Angebot, Nachfrage und Preisstruktur seit 2025 verändert haben.
Rückblick Preisvergleich 2025 und Markttrend
Die letztjährige Analyse zeigte, dass pflanzliche Fleischalternativen in der Schweiz je nach Produktkategorie noch immer teurer sind als die entsprechenden tierischen Produkte. Günstige Eigenmarken wie M-Budget oder Prix Garantie konnten diesen Preisaufschlag teilweise abfedern und sorgten in einzelnen Kategorien sogar für Preisparität oder leicht tiefere Preise. Insgesamt betonten die befragten Detailhändler, dass in den kommenden Jahren weitere Preissenkungen sowie eine Ausweitung des pflanzlichen Sortiments zu erwarten seien. Im Warenkorbvergleich kamen insbesondere Discounter gut weg, die mit tiefen Preisen bei pflanzlichen Produkten nahe an die Kosten für Fleisch herankamen. Ein besonderes Augenmerk lag bereits damals auf Aldi Suisse, wo ab 2026 ein gemeinsam mit Swissveg entwickeltes rein veganes Basissortiment dauerhaft erhältlich sein soll.
MACH-Umfrage 2025
Gemäss der aktuellen MACH-Umfrage ernähren sich 2025 rund 5,0 Prozent der Bevölkerung vegetarisch oder vegan, nach einem Höchststand von 5,3 Prozent im Vorjahr. Dieser leichte Rückgang deutet darauf hin, dass sich der starke Aufwärtstrend der letzten Jahre vorerst stabilisiert hat. Gleichzeitig greifen immer mehr Menschen unabhängig von ihrer grundsätzlichen Ernährungsweise zu pflanzlichen Alternativen. Bereits 55 Prozent der Gesamtbevölkerung konsumieren Fleischalternativen und 38,5 Prozent nutzen Milchalternativen. Diese Zahlen zeigen, dass vegane Produkte in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind und längst nicht mehr nur für eine klar definierte vegane oder vegetarische Zielgruppe relevant sind. Wie sich diese breite, flexitarisch geprägte Nachfrage weiterentwickelt, wird entscheidend dafür sein, wohin sich die Preise künftig bewegen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob und wie der Detailhandel im Jahr 2026 bereits auf diese veränderte Nachfrage reagiert hat.
Detailhändler unter der Lupe
Für den Preisvergleich 2026 wurden wie im Vorjahr die Sortimente von Fleisch und pflanzlichen Fleischalternativen bei Coop, Migros, Aldi Suisse und Lidl Schweiz untersucht. Dabei wurden pro Kategorie jeweils die günstigsten und teuersten Produkte erfasst, um die Preisunterschiede zwischen tierischen und pflanzlichen Varianten möglichst vergleichbar abzubilden.
Die erfassten Preise für 2026 zeigen, dass pflanzliche Alternativen je nach Händler und Produktkategorie weiterhin unterschiedlich stark über oder unter den Preisen der tierischen Vertreter liegen. Bei Lidl Schweiz und Aldi Suisse bewegen sich die Preisunterschiede meist in einem moderaten Bereich, einzelne vegane Produkte wie Hackfleisch sind dort bereits um ein Vielfaches günstiger als das tierische Pendant. In der Migros fällt insbesondere der vegane Aufschnitt deutlich teurer aus als die tierische Variante, während bei Coop mehrere vegane Produkte wie Aufschnitt oder paniertes Schnitzel Aufschläge von teils über einem Franken pro 100 Gramm aufweisen. Insgesamt wird damit klar, dass die Wahl der Verkaufsstelle einen erheblichen Einfluss darauf hat, ob sich pflanzliche Alternativen für Konsumentinnen und Konsumenten preislich lohnen.
Die Auswertung der Produktpreise zeigt, dass sich das generelle Preisniveau sowohl bei veganen Fleischalternativen als auch bei Fleischwaren tierischen Ursprungs zwischen 2025 und 2026 nur moderat verändert hat. Insgesamt sind eher feine Anpassungen in einzelnen Kategorien erkennbar als grundlegende Verschiebungen. Bei den veganen Produkten bleiben viele Artikel über alle Händler hinweg preislich stabil, einzelne Kategorien werden jedoch spürbar günstiger oder teurer. Auffällig ist insbesondere Aldi Suisse, wo veganes Geschnetzeltes von rund 2,45 auf etwa 1,28 Franken pro 100 Gramm fällt, das Hackfleisch von circa 1,70 auf 1,25 Franken sinkt und panierte Schnitzel von 1,43 auf 1,28 Franken günstiger werden. Auch bei Migros und Coop kommt es zu punktuellen Preissenkungen etwa bei Bratwürsten, Aufschnitt oder Hackfleisch, während andere Kategorien je nach Händler leicht steigen oder sinken. Lidl Schweiz zeigt insgesamt stabile bis steigende Preise: Während Aufschnitt und Burger auf Vorjahresniveau bleiben, verteuern sich insbesondere Bratwürste (von 1,59 auf 2,11 Franken pro 100 Gramm) deutlich, und auch Hackfleisch sowie panierte Schnitzel werden etwas teurer.
Die detaillierte Auswertung der Preisunterschiede nach Kategorien zeigt zusätzlich, dass veganes Hackfleisch und vegane unpanierte Burger in allen vier Detailhändlern deutlich günstiger sind als die entsprechenden Fleischprodukte. Die absolut günstigsten veganen Angebote jeder Kategorie finden sich jeweils bei Aldi Suisse oder Lidl Schweiz, was ihre Rolle als preisliche Anlaufstelle für pflanzliche Produkte unterstreicht. Die stärksten Aufschläge für vegane Varianten treten bei den Fischstäbchen im Coop und beim Aufschnitt in der Migros auf, wo die pflanzlichen Produkte jeweils mehr als doppelt so teuer sind wie die tierischen. Auffällig ist zudem, dass ausgerechnet die veganen Fischstäbchen in der Migros im direkten Vergleich klar günstiger sind als die Variante aus Fisch.
Ergänzend zur Betrachtung einzelner Produkte zeigt der Blick auf die durchschnittliche Preisentwicklung über alle Kategorien, dass die Preise veganer Fleischalternativen insgesamt stärker gesenkt wurden als jene der Fleischprodukte. Coop und Migros reduzieren die Preise ihrer veganen Artikel im Schnitt um rund 3 beziehungsweise 2 Prozent, bei Aldi Suisse liegt das Minus sogar bei gut 12 Prozent, während Lidl Schweiz seine veganen Produkte um etwa 4 Prozent verteuert. Bei den Fleischwaren fallen die Anpassungen deutlich kleiner aus: Coop erhöht die Preise im Mittel um rund 1,5 Prozent, Migros um etwa 0,3 Prozent, während Aldi Suisse seine Fleischprodukte im Schnitt um knapp 1,6 Prozent und Lidl Schweiz um rund 0,6 Prozent senkt.
Stellungnahme der Detailhändler
Die analysierten Detailhändler wurden um eine kurze Stellungnahme zu den präsentierten Resultaten und ihrer Preisstrategie bei pflanzlichen Fleischalternativen gebeten. Die folgenden Rückmeldungen fassen die wichtigsten Punkte zusammen.
Coop verweist darauf, dass pflanzliche Fleischalternativen aufgrund anderer Produktionsprozesse, höherer Entwicklungs- und Herstellungskosten sowie kleinerer Produktionsmengen nur bedingt mit Fleischprodukten vergleichbar sind. Diese Faktoren beeinflussten die Preise, während Fleischprodukten teils stark schwankende Marktmechanismen zugrunde liegen. Coop betont das Ziel, faire und marktgerechte Preise anzubieten, weist auf den Einfluss der Einkaufspreise bei Markenprodukten hin und hält fest, dass einzelne pflanzliche Alternativen preislich mit Fleisch mithalten oder sogar günstiger sein können.
Migros hält fest, dass sich die Preise je nach Kategorie unterschiedlich entwickeln und verweist darauf, dass pflanzliche Alternativen und Fleischprodukte teils unterschiedliche Rohstoffe, Herstellungsverfahren und Beschaffungswege haben. Ziel sei es, den Kundinnen und Kunden sowohl bei Fleischprodukten als auch bei pflanzlichen Alternativen – inklusive der Eigenmarke V‑Love – ein attraktives und breit abgestütztes Angebot zu bieten, wobei die Preise produktbezogen und auf Basis der jeweiligen Kosten- und Nachfragesituation festgelegt werden. Pflanzliche Produkte bleiben laut Migros ein wichtiger Teil des Sortiments, das laufend weiterentwickelt wird, damit die Kundschaft in verschiedenen Preislagen eine gute Auswahl findet; zu möglichen künftigen Preisanpassungen äussere man sich jedoch nicht im Voraus.
Aldi Suisse hebt hervor, dass das Unternehmen als Discounter auf gute Qualität zu möglichst tiefen Preisen setzt. Ermöglicht werde dies durch effiziente Prozesse, ein fokussiertes Sortiment und die Weitergabe von Kostenvorteilen an die Kundschaft. Ein direkter Vergleich mit Fleisch sei nur bedingt sinnvoll, insgesamt sieht Aldi jedoch keinen generellen Mehrpreis bei veganen Fleischalternativen und verweist auf ein bewusst ausgewähltes, laufend ausgebautes Sortiment, das durch Aktionen zusätzlich gefördert wird.
Lidl Schweiz versteht pflanzliche Proteinquellen als wichtigen Baustein einer bewussten Ernährung im Sinne der Planetary Health Diet. Gemäss eigener «Protein-Split»-Auswertung liegt der pflanzliche Anteil im Sortiment derzeit bei 18 Prozent und soll bis 2030 auf 20 Prozent steigen, bei Molkereiprodukten ist eine Verdoppelung von 5 auf 10 Prozent pflanzliche Alternativen geplant. Bei der Preisgestaltung betont Lidl die unterschiedlichen Rohstoffmärkte von Fleisch und pflanzlichen Alternativen und stellt Qualität, Textur und Geschmack in den Vordergrund, statt einen aggressiven Preiskampf mit Fleischprodukten zu führen.
Diskussion & Fazit
Der Vergleich der Jahre 2025 und 2026 zeigt, dass der Schweizer Detailhandel sein veganes Angebot zwar ausbaut, dies aber insgesamt in moderatem Tempo tut. Der Preisvergleich 2026 macht sichtbar, dass pflanzliche Alternativen in der Schweiz noch oft teurer sind als Fleisch, bei gewissen Produkten jedoch je nach Detailhändler deutlich näher an die tierischen Preise heranrücken oder bereits darunter liegen. Coop und Migros betonen in ihren Stellungnahmen Kostenstrukturen, Produktionsprozesse und den Anspruch auf faire, marktgerechte Preise, während die Zahlen zeigen, dass sie ihre veganen Artikel im Schnitt leicht verbilligen und Fleischprodukte nur geringfügig anpassen. Aldi hebt seine Discount-Strategie und Kostenvorteile hervor und setzt angekündigte Preissenkungen bei veganen Artikeln sichtbar um, während Lidl Schweiz das pflanzliche Sortiment strategisch ausbaut, preislich aber vorsichtiger agiert und stärker auf Qualitätsargumente verweist. Vor dem Hintergrund einer eher stabilen Zahl vegan und vegetarisch lebender Personen und leicht rückläufiger Verkäufe von Fleischalternativen justieren die Detailhändler ihre Sortimente und Preise gezielt, setzen aber noch keinen breit abgestützten Wachstumsschub hin zu durchgehend günstigeren pflanzlichen Alternativen in Gang. Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet dies, dass sich der Griff zu pflanzlichen Optionen finanziell immer häufiger lohnt, insbesondere wenn Preise bewusst verglichen und günstige Eigenmarken sowie Discounter genutzt werden.
Methodik
Die Datenerhebung erfolgte überwiegend online in Kalenderwoche 16 (2026). Einzelne Produkte wurden ergänzend direkt im Geschäft erfasst, wenn sie online nicht verfügbar waren. Für den Preisvergleich wurde jeweils das günstigste und das teuerste Produkt pro Kategorie berücksichtigt – sowohl für tierische als auch für pflanzliche Varianten. Aus diesen beiden Werten wurde ein Mittelwert gebildet. Um die Vergleichbarkeit zum Vorjahr zu gewährleisten, wurde versucht, dieselben Produkte zu berücksichtigen. Da einige Artikel nicht mehr im Sortiment waren, wurden in solchen Fällen möglichst ähnliche Alternativen gewählt.
Limitationen
Der Swissveg-Vergleich stellt eine Momentaufnahme dar. Saisonale Preisschwankungen wurden nicht berücksichtigt. Die Datenerhebung erfolgte online bei Coop und Migros sowie vor Ort bei Aldi Suisse und Lidl Schweiz. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Produkte (etwa aufgrund weniger auffälliger Platzierung) übersehen wurden. Zudem bestehen teilweise Abweichungen zwischen den berücksichtigten Produkten im Vergleich zum Vorjahr.

