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27.05.2026 | Joelle

Ein kühles Getränk in der Hand, die Sonne im Gesicht und der vertraute Duft von Grilliertem in der Luft, so beginnt für viele der Sommer. Grillieren bedeutet heute weit mehr als reine Nahrungszubereitung und steht für gemeinsames Erleben, geselliges Zusammensein und genussvolles Speisen. Doch was genau passiert, wenn Hitze auf Lebensmittel trifft und woher stammen der Duft, der Geschmack und die appetitliche Bräunung, die wir mit Grillieren verbinden?

Warum Grilliertes so gut schmeckt

Der typische Geschmack von Gegrilltem entsteht vor allem durch die sogenannte Maillard-Reaktion. Diese wurde bereits 1912 vom französischen Chemiker Louis Camille Maillard beschrieben. Dabei reagieren Aminosäuren, also Bestandteile von Proteinen, mit Zucker, sobald Lebensmittel erhitzt werden.1 Es entstehen hunderte Aromastoffe, die für die goldbraune Farbe und die Röstaromen verantwortlich sind. Gleichzeitig verändern sich auch Textur und Mundgefühl, was wir als besonders herzhaft und «gegrillt» wahrnehmen. Entscheidend ist, dass diese Reaktion nicht an Fleisch gebunden ist. Sie findet überall dort statt, wo die passenden Bausteine vorhanden sind, also auch in pflanzlichen Lebensmitteln. Ob beim Backen von Brot, beim Rösten von Nüssen oder beim Anbraten von Gemüse, die Maillard-Reaktion sorgt in vielen Situationen für jene Aromen, die wir als besonders schmackhaft wahrnehmen.

 

Röstaromen gibt es auch pflanzlich

Gerade beim Grillieren zeigt sich, wie vielseitig pflanzliche Zutaten sind. Gemüse, Tofu und pflanzliche Alternativen bringen gute Voraussetzungen mit, um ausgeprägte Röstaromen zu entwickeln, ganz ohne tierische Produkte. So wird der Grill rasch zu einer bunt belegten Fläche aus unterschiedlichen Farben, Formen und Texturen. Wie vielfältig das in der Praxis aussehen kann, zeigen unsere Rezepte und Grillvideos mit Thomas Glässing auf unserer Kampagnenseite und unseren sozialen Kanälen besonders anschaulich.

Abbildung 1: Thurgauer Most-Bratwurst im Weggen. Ein regional inspirierter, rein veganer Grillgenuss von Thomas Glässing für unsere Grillkampagne 2026. Foto von Nora Dal Cero.

 

Mit ein paar Tipps und Tricks lassen sich pflanzliche Zutaten auch auf jedem Grill besonders gut in Szene setzen. Gemüse wie Zucchini, Auberginen oder Pilze enthalten viel Wasser, was zunächst das Bräunen hemmen kann. Werden sie vor dem Grillieren leicht gesalzen, kurz stehen gelassen und danach abgetupft, kann sich an der Oberfläche schneller eine aromatische Kruste bilden. Dünne Scheiben oder Spiesse profitieren von direkter Hitze, während grössere Stücke wie Maiskolben oder ganze Peperoni bei indirekter Hitze gleichmässig garen und innen saftig bleiben.

Auch Marinaden tragen entscheidend zum Geschmack bei. Kombinationen aus Öl, Säure und Gewürzen intensivieren das Aroma und fördern die Bräunung. Besonders geeignet sind Zutaten wie Sojasauce, Misopaste oder Tomatenmark, da sie von Natur aus Zucker und Aminosäuren liefern und somit die Entstehung von Röstaromen unterstützen. Wer mit Kräutern, Rauchsalz oder etwas Knoblauch arbeitet, kann das Grillaroma zusätzlich variieren. Fester Tofu nimmt Marinaden besonders gut auf, wenn er vorher leicht gepresst wird. Pflanzliche Zutaten haben zudem den Vorteil, dass bei ihrer Zubereitung in der Regel weniger heterozyklische aromatische Amine entstehen – also Stoffe, die mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht werden – als bei stark erhitztem Fleisch.2


Genuss mit Verantwortung

Beim Grillieren geht es nicht nur um Geschmack, sondern auch um das Zusammensein rund um den Grill. Viele verbinden damit gemeinsame Abende, Gespräche und das Teilen verschiedener Speisen. Pflanzliche Zutaten bieten hier viele Möglichkeiten. Sie lassen sich vielseitig kombinieren, bringen unterschiedliche Texturen auf den Teller und ermöglichen ein abwechslungsreiches Grillmenü. So wird der Grill zu einem Ort, an dem Vielfalt und gemeinsames Erleben zusammenkommen und an dem sich Genuss mit einem respektvollen Umgang gegenüber allen Lebewesen verbinden lässt. Denn kräftige Röstaromen sind kein Privileg von Fleisch, sondern entstehen durch Hitze, die richtigen Zutaten und etwas Geduld.

  1. El Hosry L, Elias V, Chamoun V, Halawi M, Cayot P, Nehme A, Bou-Maroun E, 2025. Maillard Reaction: Mechanism, Influencing Parameters, Advantages, Disadvantages, and Food Industrial Applications: A Review. Foods, 14 (11), 1881. https://doi.org/10.3390/foods14111881
  2. Nadeem HR, Akhtar S, Ismail T, Sestili P, Lorenzo JM, Ranjha MMAN, Jooste L, Hano C, Aadil RM, 2021. Heterocyclic Aromatic Amines in Meat: Formation, Isolation, Risk Assessment, and Inhibitory Effect of Plant Extracts. Foods, 10 (7), 1466. https://doi.org/10.3390/foods10071466
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