Schweizer essen immer mehr Fleisch?

DruckversionPDF version

Ende März 2014 haben unzählige Schweizer Medien die Mitteilung der Schweizerischen Depeschen Agentur sda übernommen.
Doch stimmt diese Schlagzeile überhaupt?

Proviande selbst behauptet dies jedenfalls in ihrer Pressemitteilung (auf die sich die SDA stützt) nicht.
Dort steht sogar: "Der Fleischkonsum blieb konstant".1

Was stimmt demnach? Am besten wir rechnen die Zahlen nach:

Fleischkonsum pro Kopf und Jahr in der Schweiz (gemäss Proviande):

2008:   53.43 kg
2009:   52.40 kg
2010:   53.59 kg
2011:   53.53 kg
2012:   51.72 kg
2013:   51.98 kg
2014:   52.44 kg
2015:   51,35 kg
2016:   50,98 kg

Seit Jahren ist der Pro-Kopf-Konsum in etwa konstant. Im letzten Jahr hat er gegenüber dem Vorletzten abgenommen.
Vergleicht man den Konsum jedoch mit früheren Jahren, liegt er aber sogar leicht tiefer.

Die Zahlen haben zudem eine grosse Ungenauigkeit, die wesentlich mehr als 1 % ausmacht:
Der Einkaufstourismus ist darin beispielsweise nicht enthalten. Und dieser kann sogar im zweistelligen Prozentbereich schwanken.

Hinzu kommt, dass bei den Zahlen jeweils der Fischkonsum (und der Konsum der Krustentiere) nicht enthalten ist.
Würde man diesen für die letzten beiden Jahre mit einbeziehen, wäre die Zunahme nur noch ein Viertelprozent.

Die Aussage, dass die Schweizer immer mehr Fleisch konsumieren, ist so also kaum haltbar.

Dennoch ist es bedenklich, dass der Fleischkonsum nach seinem Maximum in den 80er jahren nicht mehr merklich zurück geht.
Es bleibt also noch viel zu tun um die Öffentlichkeit über die Folgen des Fleischkonsums aufzuklären.

Schliesslich ist der Schweizer Fleischkonsum zwar etwas niedriger als derjenige in Deutschland, jedoch noch immer deutlich höher als der weltweite Durchschnitt.

Wir bleiben auf jeden Fall dran!

Letzte Aktualisierung: 12.07.2017
Weitere Infos:
  • 47 Medien übernahmen unbesehen die falsche Schlagzeile der sda: Medienartikel