Mogelpackungen mit versteckten Tierprodukten

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Gummibärchen

Swissveg zertifiziert seit über 20 Jahren Produkte mit dem V-Label. Auf dieser Seite haben wir einige der Problembereiche bei der Zeritfizierung zusammengestellt:
Gewebe von Schweineborsten im Brot? Farbstoffmischungen aus Schildläusen in Süssigkeiten? Wein ist manchmal nicht mal vegetarisch? Dem Konsumenten werden viele tierische Inhaltsstoffe verschwiegen, die teilweise nicht einmal in Zutatenlisten deklariert werden müssen. Wir haben die Inhaltsstoffe der unten aufgelisteten Lebensmittel genauer unter die Lupe genommen. 

Käse

Damit die Milch eindickt und nicht sauer wird, benutzen Milchkonzerne häufig tierisches Lab. Dieses wird aus der Magenschleimhaut des Labmagens junger Kälber entnommen. Damit wird die Milch sozusagen vom Kalb für den Menschen vorverdaut. Es ist ein Gemisch aus den Enzymen Chymosin und Pepsin. Vor allem bei Hart- und Schnittkäsesorten sollte man aufpassen. Da tierisches Lab als Produktionshilfsstoff und nicht als Lebensmittelzusatzstoff eingestuft wird, muss es nicht auf der Verpackung deklariert sein. Eine Alternative zum tierischen Kälbermagenlabel wäre hier mikrobielles Lab.

Rot gefärbte Lebensmittel

Lebensmittel, die sich in einer intensiven roten Färbung zeigen, enthalten in den meisten Fällen echtes Karmin (E120). Dieses wird auf der Zutatenliste auch als Cochenille, Karminsäure oder Karminrot deklariert. Cochenille ist ein natürliches, rotes Farbstoff-Gemisch, das aus verschiedenen Schildlausarten gewonnen werden kann. Die Farbstoffmischung wird aus weiblichen Schildläusen gewonnen, die zuerst gekocht und danach ausgetrocknet werden. Nur bestimmte Lebensmittel dürfen damit gefärbt werden. Am Häufigsten kommt es in Süssigkeiten vor. Zudem wird es auch für Kosmetikartikel, Textilien, Medikamente oder als Pigment in der Malerei verwendet. Die weibliche Laus produziert zur Abwehr von Fraßfeinden den Farbstoff Carminsäure, der zu den Anthrachinon-Farbstoffen zählt. In der Laus findet sich neben der Carminsäure auch die Kermessäure, die chemisch ähnlich aufgebaut ist: Die Carminsäure ist aus einem Anthrachinon-Farbstoff und einer Glucose-Einheit aufgebaut. Wird die Glucose-Einheit durch ein Wasserstoff-Atom ersetzt, erhält man das Molekül der Mermessäure.6

Brot und Backwaren

Brot und Backwaren könnten meistens problemlos vegan hergestellt werden. Im Verkauf enthalten Gebäcke jedoch oft L-Cystein, Milch, Butter, Quark, Ei oder sogar Schlachtfett. Zur Produktion von Brezeln ist Schweineschmalz bei den Herstellern sehr beliebt.

L-Cystein
L-Cystein ist eine Aminosäure, die im menschlichen Körper vorkommt. In der Lebensmittelindustrie wird sie häufig als Mehlbehandlungsmittel benutzt, damit das Mehl schneller reift und sich die Backvorgänge beschleunigen. Sie macht den Teig elastischer, hält die Konsistenz des Gebäckes länger und gibt ihm einen intensiveren Geruch. Als Grundlage für diesen Stoff werden in der Regel keratinreiche Gewebe wie Schweineborsten, Menschenhaare oder Federn verwendet. L-Cystein kann heutzutage auch durch gentechnisch veränderte Bakterien hergestellt werden. Wenn L-Cystein den Lebensmitteln nicht als Lebensmittelzusatzstoff beigefügt wird, und natürlicherweise im jeweiligen Lebensmittel vorkommt, ist eine Deklaration nicht notwendig.34

Zucker

Um den Zucker zu entfärben und schön weiss zu machen, verwenden manche Hersteller Knochenkohlefilter. Sie wird aus der Asche von Tierknochen gewonnen. Doch nicht nur der weisse Zucker ist davon betroffen, auch brauner Zucker kann diesem Prozess unterworfen worden sein. Einige Sorten des braunen Zuckers werden zunächst raffiniert und dann nochmals braun gefärbt. 
Dies betrifft jedoch vor allem Rohrzucker. Beim Rübenzucker ist dies nicht nötig. Deshalb ist europäischer Rübenzucker immer vegan. Deshalb konnte Swissveg dem Zucker der "Schweizer Zucker AG" das V-Label vergeben. 

Kartoffelchips

Damit Chips würzig und deftig schmecken, werden Aromastoffe eingesetzt. Diese werden manchmal aus Schwein, Geflügel oder Fisch gewonnen. Die genaue Beschaffenheit der Aromastoffe müssen auf der Packung nicht aufgeführt werden, deshalb sollte man beim Hersteller nachfragen. Des weiteren können für die Produktion von Kartoffelchips Buttereinfett, Molkepulver, Honig, Schweinefleischpulver oder Shrimpextrakt verwendet werden. Diese Zutaten sind jeweils auf der Verpackung deklariert.

Joghurt, Quark, Pudding, Eiscreme und diverse Süssigkeiten

In zahlreichen süssen Speisen wird Gelatine eingesetzt. Das Bindemittel wird aus Haut, Knochen und Gewebe von Tieren gewonnen. Gelatine muss als solche in der Zutatenliste deklariert werden und ist immer tierisch. Bindemittel kann hingegen sowohl tierisch als auch pflanzlich sein (z.B. Agar-Agar).

Glasuren auf Süssigkeiten

Von Simon A. Eugster - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Für das Glasieren von Süssigkeiten wird oft Gelatine oder Schellack benutzt. Gelatine wird aus Haut, Knochen und Bindegewege hergestellt. Schellack ist eine harzartige Substanz, welche aus den Ausscheidungen von Lackschildläusen gewonnen wird.

 

Margarine

Margarine ist nicht automatisch pflanzlicher Herkunft, wie viele Konsumenten denken könnten. Oftmals setzt sich das Streichfett aus pflanzlichen und tierischen Fetten sowie aus Wasser oder Magermilch zusammen. Für den Geschmack können ihr Säuerungsmittel wie zum Beispiel Milchsäure, Sauermolke oder Joghurtkulturen beigemischt werden. Damit die Margarine eine Streichfestigkeit erlangt, werden Verdickungsmittel wie Gelatine oder Milcheiweiss eingesetzt.
Meist wird Margarine eingefärbt, damit sie nicht ganz weiss, sondern einen leicht gelblichen Farbton bekommt. Oft genutztes Färbemittel ist Beta-Carotine. Diese Substanz ist zwar selbst rein pflanzlich, ist jedoch sehr häufig mit Gelatine konserviert.

Frittierte Lebensmittel

Um einen besseren Geschmack zu erlangen, kann zum frittieren von verarbeiteten Lebensmitteln (z.B. Pommes Frites) Schweinefett (Bauchfett vom Schwein) verwendet worden sein.

Alkohol und weitere Flüssigkeiten

Wein, Bier oder Schnaps

Ist Alkohol vegan? Klar, in purem Ethanol ist kein Tier drin, aber das trinkt so ja auch keiner. Es kommt also immer auf das Getränk an, in dem der Alkohol steckt. Wein oder Bier können mit tierischen Produkten wie Gelatine, tierischem Albumin (aus Eiern oder getrocknetem Blut), Kasein (aus Milch), Chitin oder Hausenblase (getrocknete Schwimmblase des Hausenfischs) geklärt worden sein. Auch verwendete Farb- und Aromastoffe können tierischen Ursprungs sein.

Die gute Nachricht: Dank dem deutschen Reinheitsgebot ist in Deutschland gebrautes Bier immer vegan. Aufpassen gilt aber bei importierten Bieren, die beispielsweise mit Gelatine geklärt oder mit Honig aromatisiert sein können. Und auch bei Biermischgetränken wie Radler, Alster oder Berliner Weisse kommt es natürlich darauf an, ob der beigemischte Saft, die Limo oder der Sirup vegan ist. Wein wird aus Saft gemacht und hat dasselbe Problem: Er kann mit unveganen Mitteln geklärt worden sein. Genau wie beim Saft muss das auf dem fertigen Produkt nicht draufstehen, deshalb hilft nur, nachzufragen oder ausdrücklich vegane Weine zu kaufen ― für Sicherheit sorgt hier das V-Label. Für Schaumweine wie Sekt, Obstweine wie Cider und aromatisierten Wein wie Wermut gilt das natürlich auch.7

Spirituosen: Die meisten destillierten Getränke wie Gin, Whisky oder Wodka kommen ohne Tierprodukte aus. Offensichtlich unvegan wird es bei cremigen Likören wie Bailey’s oder den Kahlua-Varianten mit Sahne, bei Sorten wie Jack Daniel’s Honey und natürlich bei Eierlikör oder Met, aber auch Campari, Martini und Amaretto sind oft nicht vegan. Um sicherzugehen hilft auch hier nur, beim Hersteller nachzufragen oder auf das V-Label zu achten.

Und Cocktails oder Longdrinks? Hier wird es wie immer, wenn gemischt wird, schwierig. Am einfachsten sind Getränke, die aus möglichst wenigen Zutaten bestehen, also beispielsweise Whisky-Cola oder Gin Tonic. Wenn deren Bestandteile vegan sind, ist natürlich auch der Longdrink vegan. Bei Cocktails ist es oft unmöglich, sicherzugehen, was alles drinsteckt. Am besten also selbermixen..7

Fruchtsäfte 

Auch wenn das Etikett «100 Prozent Frucht» verspricht, ist der Saft nicht unbedingt vegan. Warum?

Viele Säfte werden immer noch mit Gelatine geklärt, die beispielsweise aus toten Fischen, Rindersehnen oder Schweineknochen besteht, also nicht einmal vegetarisch ist. Weil das im Herstellungsprozess passiert und nicht dem fertigen Produkt zugesetzt wird, müssen Hersteller das auf dem Etikett nicht angeben. Deshalb können Säfte, Nektare, Fruchtsaftgetränke, Weine und auch Limonaden unvegan sein, ohne dass es irgendwie zu erkennen ist. Das gilt auch für naturtrübe Säfte, denen das Fruchtfleisch teilweise nach dem Klären wieder zugefügt wird.
Wer solche Produkte vermeiden will, fragt also am besten beim Hersteller nach, bleibt bei Firmen, die ihre Säfte und Limos aus Prinzip vegan herstellen oder orientiert sich am V-Label.

Essig

Die Zutaten von Essig sind im Prinzip rein pflanzlich, jedoch kommt es bei der Herstellung vor, dass tierische Produkte verwendet werden. So wie es auch bei vielen Weinen gemacht wird, kann Essig im Herstellungsprozess durch tierische Gelatine geklärt werden. Somit ist Essig mit tierischer Klärung weder für Veganer noch für Vegetarier brauchbar. Problematisch wird es beim Kauf von Essig im Supermarkt, da aus der Zutatenliste nicht hervorgeht, wie der Klärungsvorgang vor sich ging. Eine Deklarationsvorschrift dazu gibt es bisher leider noch nicht.

Gemüsebrühe

Fertig gekaufte Gemüsebrühe enthält oft Aromastoffe, die aus Rinderfett oder Molke produziert werden. Auch Geschmacksverstärker wie zum Beispiel Natriumglutamat (kann tierischen Ursprungs sein) können darin enthalten sein. 

Geschmacks- und Durftstoffe 

Es gibt Lebensmittel, die Geschmacksstoffe tierischen Ursprungs enthalten. Dazu gehören zum Beispiel Stearinsäure, Moschus Öl und aus Schlachtabfällen gewonnene Aromen.

  • Stearinsäure: Fettsubstanz, die den Mägen von Schweinen entnommen wird

  • Moschus Öl: eine getrocknete Sekretion, die in schmerzhafter Weise von den Genitalien von Moschusochsen, Bibern, Bisamratten, Zibetkatzen oder Ottern gewonnen wird. In früheren Zeiten ausschließlich aus einer Bauchdrüse der Moschustiere gewonnen, wird der Duftstoff als synthetischer Stoff heute sehr vielen Parfüms der unterschiedlichsten Duftrichtungen beigegeben. In alter Zeit konnte der begehrte Duft nur durch die Jagd auf Moschushirsche und Entnahme der Drüse gewonnen werden. Später wurde er lebenden Tieren in der Zucht abgezapft. Bereits 1888 wurde jedoch die synthetische Herstellung von dem Chemiker Albert Baur entwickelt. Die Verwendung von natürlichem, tierischem Moschus findet in der traditionellen chinesischen Medizin noch Anwendung.8

Kaugummi, Rasierschaum oder Kerzen 

Die Stearinsäure in den Kaugummis kann pflanzlicher oder tierischer (Öle und Fette) Ursprungs sein. Auf Kaugummipackungen wird die Herkunft der Stearinsäure nicht deklariert. 

Stearinsäure wird in der Automobil-, Lebensmittel- und Arzneimittelindustrie als Zusatzstoff verwendet. Stearinkerzen werden aus Stearinsäure hergestellt. Rasierschaum enthält oft Stearinsäure. Das Natriumsalz Natriumstearat wird als Reinigungsmittel verwendet. Stearinsäure ist Ausgangsstoff zur Herstellung verschiedener Waschmittel. In der EU ist sie als Lebensmittelzusatzstoff (unter der Nummer E570 als Sammelbezeichnung für Fettsäuren) ohne Höchstmengenbeschränkung (quantum satis) für Lebensmittel allgemein zugelassen.

Medikamente

Verhütungspillen, Vitamin A, Vitaminpräparate, Hüllen von Medikamenten- und Vitaminkapseln, Trägerstoffe für Medikamente, Hormonbehandlungen können Stoffe tierischen Ursprungs beinhalten.

Vitamintabletten, Medikamente sowie Hüllen von Medikamenten- und Vitaminkapseln sowie Trägerstoffe, enthalten oftmals9 :

  • Gelatine und Milchzucker wird oft zur Herstellung von Tabletten verwendet
  • Enzyme aus dem Verdauungstrakt von Rindern und Schweinen Duodeum (Zwölffingerdarm)
  • Harnstoff (Urinsäure Carbamide Imidazolidinylharnstoff Imidazolidinyl Urea)
  • Insulin aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen
  • Kollagen, hergestellt aus Tiergewebe, Proteinsubstanz bei Vertebraten
  • Kortison (Kortikoide Cortisone Corticosteroid Hydrocortisone) Hormon der Nebennierenrinde
  • Lecithin (Choline Bitartrate Lezithin) Wachsige Substanz im Nervengewebe, Blut, Milch aller lebenden Organismen. Wird häufig aber auch pflanzlich gewonnen (z.B. Soja-Lecithin).
  • Ochsengalle Gallseife, aus der Galle von Rindern
  • Oleylalkohol, aus Fischölen
  • Östrogen (Östradiol Estrogen), weibliche Hormone von den Ovarien von Kühen und dem Urin schwangerer Stuten
  • Pepsin, Gerinnungsmittel aus den Mägen von Kälbern, Schafen, Schweinen
  • Vitamin A (Ritinol Retinal Retinsäure Retinpalmitat), ein aliphatischer Alkohol, kann aus Fischleberöl (z.B. Haifischleberöl), Butter oder Eigelb hergestellt werden
  • Nucleinsäure, kommt im Zellkern aller lebenden Zellen vor
  • Steroide, von verschiedenen tierischen Drüsen 

Inhaltsstoffe aller in der Schweiz zugelassenen Medikamente können hier nachgelesen werden: Kompendium.

Letzte Aktualisierung: 23.04.2020
Fussnoten:
  1. Echtes Karmin, Lebensmittel Lexikon.(aufgerufen am 10.12.19)
  2. Bildgeschichte: Haare im Brot (aufgerufen am 10.12.19)
  3. L-Cystein, Lebensmittel Lexikon (aufgerufen am 10.12.19)
  4. Mogelpackung, Praxisvita.de (aufgerufen am 10.12.19)
  5. Versteckte Tierprodukte, Tierrechtskochbuch (aufgerufen am 10.12.19)
  6. Cochenille - Geschichte und Verwendung (aufgerufen am 10.12.19)
  7. Ist Alkohol vegan?, Peta Zwei (aufgerufen am 10.12.19)
  8. Moschus – der besondere Duftstoff vom Tier; Parfumgeflüster (aufgerufen am 10.12.19)