Entgiftung/Entschlackung

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Gesundheitsfragen an Dr. Laurence Froidevaux


Besonders im Frühling sprechen viele Leute von Entgiftung und Entschlackung. Was genau ist damit gemeint? Welche Vorteile hat eine Entschlackungskur, und gibt es dabei auch Nachteile? Ist bei einer gesunden veganen Ernährung Entschlackung ratsam bzw. überhaupt nötig? (Leserfrage von M.-C. K., Le Landeron)

Unter Entgiftung/Entschlackung versteht man generell eine Kur, während der über einen definierten Zeitraum meist nur Gemüsesäfte, Fruchtsäfte oder beides getrunken werden. Auch bei einer gesunden Ernährung absorbiert der Körper Schadstoffe, sogenannte Toxine, da wir nicht in einem sterilen Umfeld leben. Unser Körper wird mit Umweltbelastung, Medikamenten, Reinigungsmitteln, Kosmetika, neuen Materialien von Kleidung, Möbeln, Farbe etc. konfrontiert. Die Liste ist lang. Dabei tendiert der Körper dazu, Toxine anzusammeln, da es auf die Dauer schwierig ist, diese gänzlich auszuscheiden.
Die Idee der Entschlackung besteht darin, dem Körper die Möglichkeit zu geben, Schadstoffe auszuscheiden, um wieder auf optimale Weise funktionieren zu können. Hierzu ein Beispiel: Ist die Verdauung über einen gewissen Zeitraum stark eingeschränkt /reduziert, kann sich der Körper um den «grossen Frühjahrsputz» kümmern. Die Zellen können sich reinigen, indem sie sich von den Schadstoffen be­freien, die sie in ihrer Funktion beeinträchtigen. So gewinnen sie ihre optimale Fähigkeit zurück. Das Resultat: wiedergewonnene Energie, Vitalität und ein gesteigertes Wohlbefinden.

Die Symptome einer Ansammlung von Toxinen sind ebenso vielseitig wie zahlreich.

  • Müdigkeit, gesteigertes Schlafbedürfnis
  • Schlaflosigkeit
  • Träge Verdauung, Blähungen
  • Müdigkeitsanfälle nach den Mahlzeiten
  • Verstopfung, Durchfall
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit
  • Arthrose-Schmerzen
  • Asthma
  • Chronische Sinusprobleme
  • Häufige Erkältungen
  • Hautprobleme
  • Brüchige Haare und Nägel
  • Allergien
  • Gewichtsprobleme
  • Häufigerer Appetit
  • Beklemmung, Stimmungs­wechsel, Depressionen
  • Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisprobleme
  • Herz-Kreislaufbeschwerden

Wie wird eine Entschlackung geplant und durchgeführt ?

Es gibt eine Vielzahl simpler und komplexer Methoden. Generell dauert eine Entschlackung jedoch immer 7 bis 14 Tage, um einen nachhaltigen Effekt zu erreichen. Gesunde Menschen können auch nur 3 Tage entgiften, kranke Menschen bis zu 40 Tage. Im Falle einer Krankheit  und/oder bei Einnahme von Medikamenten muss eine ärztliche Begleitung gewährleistet sein, da eine Entschlackungskur in solchen Fällen starke Reaktionen hervorrufen kann.

Eine goldene Regel: Das Entgiftungsprogramm muss immer individuell auf die betreffende Person angepasst werden. Besonders wichtig dabei ist es, das Ziel genau zu kennen und zu wissen, unter welchen Bedingungen das Programm wenn nötig unterbrochen werden kann.

Ich bin der Meinung, dass es nicht sinnvoll ist, eine Menge Geld für ein kompliziertes Entschlackungsprogramm auszugeben, das zudem noch viele zusätzliche und oft zweifelhafte Punkte beinhaltet. Gemüse und Obst sind für diese Erfahrung sowohl am gesündesten als auch am effizientesten. Die bekannte Gemüsesaft-Kur mit Säften aus Flaschen beispielsweise ist nicht optimal, da gekochte Säfte aus gekochtem Gemüse einen Grossteil ihres Nährwerts verloren haben. Zudem ist diese Variante sehr teuer. Viel effizienter und günstiger ist es,  biologische Gemüse und Früchte im Mixer selber zu pürieren und dabei mithilfe eines Siebes das Fruchtfleisch zu entfernen (falls gewünscht). Man kann auch einen Entsafter verwenden. Selbst zubereitete Säfte sind etwas sehr Leckeres und steigern gleichzeitig die Freude an einer Entschlackungskur.

Ich habe letztes Jahr den Versuch einer Gemüsesaft-Kur gemacht und musste bereits nach 2 Tagen aufhören wegen Schwindelgefühlen und Kopfschmerzen. Habe ich etwas falsch gemacht? (Leserfrage von S. B., Peseux)


Eine Entschlackungskur kann viele Arten von Nebenwirkungen haben, wobei beachtet werden muss, dass es sich um natürliche Nebeneffekte handelt, direkt verbunden mit der Entschlackung selber. Wenn der Körper beginnt, Schadstoffe auszuscheiden, kann dies als sehr unangenehm empfunden werden. Normalerweise setzen die Be­gleiter­scheinungen ab dem 2. Tag ein und dauern ab diesem Zeitpunkt noch 1–2 Tage. Die häufigsten sind: Kopfschmerzen, Schwindel, Gelenkschmerzen, erhöhtes Schwitzen, leichtes Fieber, erhöhter oder niedriger Blutdruck … Betrachten Sie das Auftreten dieser Symptome als etwas Positives: Sie sind ein Zeichen dafür, dass Ihr Körper dabei ist, Schadstoffe auszuscheiden. Und natürlich sollte vermieden werden, Medikamente gegen die erwähnten Symptome einzunehmen, um dem Körper keine Toxine hinzuzufügen. Dauern die Beschwerden länger als 2–3 Tage, muss ein Gesundheitsexperte konsultiert werden.

Dr. Laurence Froidevaux
Übersetzung aus dem Französischen: Olivia Villard

Letzte Aktualisierung: 10.02.2017