Rinder

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Rinder

Rinder sind in der ganzen Welt weit verbreitete Haustiere. Sie leben in Herden und bilden dabei im Herdenverband individuelle Freundschaften, die man auf den Weiden beobachten kann. Es grasen oft zwei bestimmte Tiere gemeinsam in der Nähe oder es liegen zwei nahe beieinander. Rinder habe eine der striktesten Rangordnungen überhaupt. Befreundete Tiere betreiben meistens gegenseitige Körperpflege. Rinder sind – ähnlich den Pferden – intelligent und zeichnen sich durch ihre besondere Neugier aus. Man kann ihnen einen Namen geben. Sie wissen genau, wenn man sie ruft.

Milchkühe

Eine erfahrene Mutter- oder Milchkuh stellt sich schon früh auf die nahende Geburt ein und so wird schon vor der Geburt der Lockruf für das noch ungeborene Kälbchen geübt. Kommt das Kalb dann zur Welt wird es sofort trocken geleckt. Dadurch wird die sogenannte Prägung hergestellt. So erkennt die Mutter- oder Milchkuh schon am ersten Tag ihr Kind am Geruch. Dieses Verhalten dient auch gleichzeitig zur Vorbeugung von Krankheiten. Sie lässt nur unter besonderen Bedingungen ein anderes Jungtier an ihren Euter. Nach gut einer Woche kann die Mutter ihr Kleines auch an der Stimme aus einer Gruppe von Kälbern heraushören und nach zwei Wochen erkennt sie es auch am Aussehen. Junge Kühe lernen von den älteren Tieren. 

In den Milchkuhbetrieben werden die Kühe jährlich, meistens künstlich, besamt, denn nur nachdem sie ein Kalb auf die Welt gebracht haben, geben sie auch Milch. Heutzutage liefert eine Kuh bis zu 10'000 kg Milch pro Jahr oder bis zu 50-60 kg Milch pro Tag! Diese hohe angezüchtete Milchleistung führt immer öfter zu schweren Euterentzündungen, Tiermissachtungen, ein lebenslängliches Tierunwohl und vorzeitigen Tierabgängen. Antibiotikaeinsatz ist Standard in der Milchproduktion. 

Nach der Geburt wird der Mutter das Kalb so früh wie möglich, meistens sofort (jedenfalls noch am selben Tag), abgenommen, damit sie keine zu enge Bindung zu ihrem Jungen aufbaut. Dieser Verlust ist für die Mutterkuh ein traumatisierendes Erlebnis. Tagelang ruft sie nach ihrem Jungen. Das erschütternde Klagen der Kühe ist ein vertrauter Klang auf dem Land. Die Milch ist für die Milchproduktion reserviert. Diese Praxis ist auch bei der sogenannten Bio-Haltung nicht unüblich!

Menschliche Qualitätsparameter und immer öfters rein wirtschaftliche Faktoren führen dazu, dass diese hochentwickelten und sehr intelligenten Tiere sobald eine kleine Beeinträchtigung ihrer Gesundheit ansteht oft geschlachtet werden. Tierarztkosten dürfen in den meisten Fällen einen sehr niedrigen Maximalbetrag nicht übersteigen.

Kälber

Die Mutter-Kind-Haltung gibt es üblicherweise nur bei Rindern, die zur Fleischgewinnung gehalten werden. Die Kälber, die aufgezogen werden, um Kalbfleisch zu bekommen, werden den Müttern nur wenige Tage nach der Geburt entrissen, damit die Milch, die ja eigentlich für das Kälbchen bestimmt wäre, für die Menschen gemolken werden kann.
Doch die Neugeborenen leiden nebst Sehn­sucht nach mütterlicher Geborgenheit unter starker Sauglust, sodass sie in Einzelhaft gesperrt werden, damit sie die anderen Tiere nicht wundsaugen. Anstelle der Muttermilch werden die Kälber mit einem Milchersatz gefüttert, der oft mit Hormonen angereichert ist und dem Eisen entzogen wurde, denn Blutarmut macht das Fleisch schön weiss und zart. Im Alter von 16 Wochen werden sie dann geschlachtet. Oft sind sie schon zu schwach und verkrüppelt, um noch laufen zu können. Beat Mühlethaler, Geschäftsführer der Kälbermastorganisation «Univo» bestätigt in einer Sendung des SRF: «Kälbermast in Grossbetrieben ist heute ohne Antibiotika gar nicht mehr möglich.»1

Verhalten

Hierzulande haben 9 von 10 Kühen keine Hörner mehr. Sie werden ihnen entfernt, damit sich die Tiere nicht gegenseitig verletzen, aber auch um Zeit und Geld zu sparen. Denn hornlose Kühe benötigen weniger Platz und weniger Betreuung im Stall. Bei einer tier- und artgerechten Haltung würde sich das erübrigen, da die Tiere eigentlich gern im Herdenverband leben. In der freien Natur sind die Hörner für die Kühe ein wichtiges Kommunikationsmittel und sie regeln damit die Rangordnung innerhalb der Gruppe. 

Auf dem Weg zum Schlachthof werden Kühe in Europa in einem Transporter befördert, der ihnen lediglich 1,5 m2 Platz pro Tier bietet. Das ist das gleiche Verhältnis, wie wenn ein 180 cm grosser Mensch auf einem Autokindersitz festgeschnallt und in den Kofferraum eines mittel­grossen PKW verladen würde. So müsste er dann ca. 4 Tage ohne Verpflegung ausharren.

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