Überschwemmung

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Hungry Sheep by Duneaton Water geograph org uk von Iain Thompson

Übergrasung führt zu enormen Umweltschäden. Englische Experten halten unkontrollierte Schafzucht für den Verursacher von Flutkatastrophen.

Als das Wasser im Winter 2000/2001 in einigen englischen Gebieten seinen höchsten Stand seit Jahrhunderten erreichte, brachten die Zeitungen Fotos von Schafen, die sich im Wohnzimmer eines Bauernhauses dicht aneinander drängten: Opfer der Überschwemmung – und auch deren Verursacher? Intensive Schafzucht ist nun als Urheber der dramatischen Fluten in Verdacht geraten, welche damals, doch im Winter 2013/2014 wieder, britische Städte heimsuchten. 
Ann Sansom, eine Boden-Expertin, sagt:

«Wir haben uns bis jetzt auf die Flüsse konzentriert, aber diese Fluten finden an Land ihren eigentlichen Ursprung.» 

Sie glaubt, dass die Moore nicht mehr wie bisher als riesige Schwämme funktionieren können, weil sie durch einen enormen Anstieg in der Schafzucht ruiniert wurden: In den 1860ern betrug die Zahl der Schafe in England ungefähr acht Millionen, während des Krieges zwölf und heute - dank Subventionen der EU - mehr als vierzig Millionen. 
Sansom und andere Experten sagen, dass das lockere Hochland nicht mehr als eineinhalb dieser Tiere pro Hektar verkraften kann, tatsächlich gehalten werden aber in einigen Gebieten sieben, und zwar ganzjährig. Der Boden kann sich also nicht mehr erholen. Eine Untersuchung hat ergeben, dass der Druck vieler Paarhufer die Oberflächen versiegelt, sodass schliesslich nur noch die oberste Schicht durchfeuchtet werden kann – darunter herrscht Trockenheit. Wenn dann auch noch die Vegetation durch Übergrasung vernichtet wird, führt diese schädliche Kombination zu einem immer schnelleren Ablaufen des Wassers talwärts: eine doppelte Fliessgeschwindigkeit vervierfacht die erosive Kraft und erhöht den Transport von Sedimenten sogar auf das Vierundsechzigfache. So entstehen tödliche Springfluten, durch die immer mehr Erde in die Flüsse gewaschen wird. Das gefährdet die Fischwelt und verstopft die Wasserreservoire.

«Die Menschen müssen verstehen, dass Veränderungen stromaufwärts zwangsläufig zu Auswirkungen flussabwärts führen»

... sagt Sansom und warnt sogar vor Versteppung des Hochlandes, hervorgerufen durch ausufernde Tierhaltung. 

Die amerikanische Regierung hat nach verheerenden Staubstürmen in den 30er Jahren Konsequenzen gezogen und weiträumige Gebiete gesperrt, um Übergrasung und die ihnen folgenden dramatischen Konsequenzen für Mensch und Umwelt zu verhindern. 

Herma Brockmann

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