In wessen Haut steckst du?

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Leder: Pelz ohne Haare

Genau wie auch beim Fleisch gibt es bei Leder ethische, ökologische und gesundheitliche Gründe, weshalb es ein NO-GO und untragbar ist. Die globale Lederindustrie schlachtet jährlich über eine Milliarde Tiere und verarbeitet ihre Häute zu Schuhen, Kleidern, Taschen, Möbeln, Autoleder und Accessoires.1Bis die Haut eines Tieres zu Leder verarbeitet wird, benötigt es giftige Chemikalien, die für Mensch und Umwelt erhebliche Schaden hervorrufen. 

Leder ist Pelz ohne Haare

Worin unterscheiden sich Pelz und Leder? Leder ist Pelz ohne Haare und somit genauso wenig vertretbar, wie Pelz. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung wird Leder nicht beiläufig hergestellt. Im grossen Stil werden unzählige Tiere ihrer Haut beraubt. Fernab im Osten, wo Tierschutzgesetze wie auch Menschenrechte nicht vergleichbar mit unseren sind, werden Tiere ausgebeutet und Menschen – inklusive Kinder – in Gerbereien grossen Gefahren ausgesetzt.

Es gibt eine solch grosse Nachfrage nach Leder, dass Tiere speziell für ihre Haut getötet werden. Das meiste Leder kommt aus China oder Indien. Es ist selbst für grosse Konzerne nicht möglich rückzuverfolgen, woher ihr Leder kommt und wessen Haut es einmal war.

 

Ist Schweizer Leder ok?

Nur rund ein Drittel eines geschlachteten Nutztieres landet auf den Schweizer Tellern. Die restlichen zwei Drittel – Haut, Knochen, Fett und Innereien wie Leber, Milz, Herz und Lunge – gelten als Nebenprodukte und werden entsorgt oder weiter verarbeitet. Das wirtschaftlich wichtigste Nebenprodukt der Fleischindustrie ist die Haut der Tiere.2 

Wer nun denkt, dass er/sie auf den Lederschuhen und -taschen Schweizer Tierhäute trägt, hat weit verfehlt, denn es gibt de Facto kein Schweizer Leder. 

Die schweizerische Lederverarbeitung ist höchstens noch ein Nischenmarkt. Lederhändler finden kaum Abnehmer, die in der Schweiz produzieren; es ist wirtschaftlich schlicht nicht rendabel. Doch nicht nur die Verarbeitung zu Lederprodukten ist in der Schweiz zu teuer: In der Schweiz gibt es praktisch keine Gerberei mehr, Leder kommt zu über 99% aus dem Ausland. Zum einen verursachen die aufwändigen Arbeitsschritte im Gerbprozess zu hohe Personalkosten, zum anderen sind die Umweltauflagen in der Schweiz so hoch, dass heimisch produziertes Leder dem internationalen Wettbewerb nicht standhalten kann. Von einst 150 Mitgliedern im Schweizer Lederverband bestehen heute noch knapp 10 Personen. Ein Label für Schweizer Leder gibt es nicht und wäre nicht umsetzbar, weil in der Schweiz keine Gerberei vorhanden ist, die das Schweizer Leder für Möbel oder andere Produkte überhaupt herstellen könnte. Diese Information bestätigte uns ein Lederhändler aus der Innerschweiz. 

Schweizer Tierhäute

Tierhäute aus Schweizer Schlachthöfen werden grösstenteils durch die Firma Centravo in Lyss ins Ausland verkauft. Eine Gerberei aus Italien beispielsweise, die daraus Leder herstellt, verkauft das Produkt im Anschluss als italienisches Leder. Das Leder in Schuhen, Taschen oder Kleidern, das in gängigen Schweizer Läden zu kaufen ist, stammt mit grösster Wahrscheinlichkeit NICHT von Schweizer Schlachttieren. Wahrscheinlich nicht einmal von Tieren aus dem Mitteleuropäischen Raum: Dieses Rindsleder hat durch die Stallhaltung der Tiere einen hohen Wert, weil sie selten Verletzungen aufweist und gut zu Möbeln oder Autoleder verarbeitet werden kann. Dies macht es noch unwahrscheinlicher, dass das Leder an Schuhen, die wir in der Schweiz in den gängigen Läden erwerben, von “glücklichen” Schweizer oder Europäischen Tieren stammt. 


Schweinehäute werden in der Schweiz in der Regel nicht verwertet. Der Schweizer Metzger lässt zu grossen Teilen die Haut am Speck. Hühnerhaut wird häufig beim Fleischverzehr mitgegessen. Reste in der Fleischindustrie werden zum Teil auch zu Leim oder Gelatine weiterverarbeitet.
Der Geschäftsbereich Häute&Felle der Centravo verarbeitet jährlich zirka 850'000 Häute und Felle mit einem Gesamtgewicht von über 16'000 Tonnen. Davon sind ca. 390‘000 Grosstierhäute, ca. 220‘000 Kalbsfelle und ca. 190‘000 Schaf- und Lammfelle und ca. 45‘000 Kleintierfelle (Hirsch, Ziegen, Kaninchen, etc.). Zum Vergleich: Jährlich werden in der Schweiz über 60 Millionen Tiere in Schlachthäusern geschlachtet. Nur ein geringer Teil der Schlachttiere wird entsprechend zu Leder verarbeitet. Lederprodukte in Schweizer Läden stammen von einem der weltweit 65 Milliarden Nutztiere, die ausserhalb unserer Landesgrenze gelebt haben und geschlachtet wurden. 
Die Häute und Felle werden von der Centravo Logistik bei den Schlachtbetrieben bzw. Metzgereien abgeholt, im Betrieb in Lyss gekühlt, zugeschnitten, konserviert (mit Eis bzw. Salz), nach Art, Qualität und Grösse sortiert, gelagert und versandbereit gemacht. Ein Grossteil der Häute und Felle wird an Gerbereien im EU-Raum verkauft, teilweise werden Häute auch in andere Kontinente verkauft. Sie unterliegen nach Versand den jeweils dort geltenden, weniger strengen gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich Umweltschutz und Arbeitsbedingungen. Der Ankaufs-Richtpreis für eine Kuhhaut beträgt rund CHF 30.-. (Stand November 2018)


Andere Schweizer Unternehmen im Bereich Häute und Felle sind die Fa. Johann Hofstetter AG in Flawil und die Fa. G. Neuenschwander Söhne AG in Oberdiessbach. Daneben gibt es noch einige kleinerer Spezialunternehmen.

Schweizer Gerbereien

Es gibt heute noch genau eine einzige Gerberei in der Schweiz, die von Centravo Tierhäute abnimmt und diese zu Leder verarbeitet: die Gerberei Zeller in Steffisburg, Bern. Die Gerberei ist spezialisiert auf das Fertigen von Häuten zur Herstellung von Trommeln als Rohhaut oder mit Fell. Sie produzieren mit dem gegerbten Leder auch Gürtel, Portemonnaies, Hundehalsbänder oder Kuhglockenriemen. Kühe, denen die Schlachtung noch bevorsteht, tragen dann die Haut ihrer Artgenossinnen, die für die (Land-)wirtschaft bereits ausgedient haben.

Die wenigen noch bestehenden Ledergerbereien und Zurichtereien in der Schweiz sind unter www.leder-gerbereien.ch aufgeführt.  

Sämtliche weiteren Lederprodukte werden nicht in der Schweiz gegerbt. Es ist sowohl für Zwischenhändler wie auch für den Endkonsumenten schwer bis unmöglich nachvollziehbar, wessen Haut das Lederprodukt einmal war. 

Globaler Markt

Der Markt für Häute und Felle ist einer der wenigen landwirtschaftsnahen Märkte, welche unreguliert sind. Das heisst, die weltweite Vermarktung der Produkte unterliegt unmittelbar den Gesetzmässigkeiten von Angebot und Nachfrage. (Quelle: https://www.centravo.ch/produktemaerkte/haeute-und-felle.html) Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Regulierung und Kontrolle ist der Ledermarkt undurchsichtig und schwer nachvollziehbar. 

"Könnes kämpft" hat mit seinem Beitrag über Leder den globalen Markt aufgezeichnet. Weil die grossen Schuhhersteller ihren Sitz nicht direkt in der Schweiz haben, trifft diese Produktionskette grösstenteils auch auf die in der Schweiz erhältlichen Produkte zu. 

Leder ist untragbar – aus ethischer Sicht

Besonders durch strenge Umweltschutzauflagen in der Schweiz und Deutschland hat sich die Gerberei in Niedriglohn- und Entwicklungsländer verlagert. 

Man nimmt bei Lederprodukten in Kauf, dass die Tiere gemäss den ausländischen Tierschutzvorgaben gehalten wurden: Zu wenig Platz, zu wenig Licht, Antibiotika, Kastrationen und Entfernung der Hörner ohne Betäubung usw. Dazu kommen der Transport zum Schlachthaus und die Schlachtung. 

Indien 

Um Rinder in Indien an einen Ort zu bringen, an dem sie legal getötet werden können, werden sie gezwungen, durch Hitze und Staub ohne Nahrung oder Wasser zu laufen. Tiere kollabieren vor dem Stress. Wenn sie schwach und langsam werden, werden sie wiederholt geschlagen, geknebelt; ihnen wird der Schwanz gebrochen oder die Augen mit Chili oder Tabak eingerieben – ein kranker Versuch, sie in Bewegung zu setzen. Händler benutzen Nasenseile, um ihre Hälse und Köpfe zu verdrehen. Andere Rinder werden eng eingepfercht stundenlang in einem Anhänger transportiert. Die Hälfte der Tiere ist bereits tot, bevor sie im Schlachthof ankommen. Sie werden in der Regel durch Hacken und Sägen mit einer stumpfen Klinge geschächtet.3 4

Indien – Vellore5

  • Zwangsfütterung der Kühe auf dem Tiermarkt, damit sie besser aussehen: Nach längerem Hungern und Dursten auf der Anreise an den Markt hat sich der Magen verkleinert, die Rinder leiden unter der schmerzhaften Zwangsfütterung. Dabei kann auch Wasser in die Lunge kommen, was für die Tiere tödlich enden kann.
  • Um die Kosten tief zu halten, werden Transporter oft so stark überfüllt, dass Tiere oft zusammenbrechen, ihre Knochen in den Beinen brechen.
  • Die Tiere können sich im Lastwagen kaum bewegen.
  • Beim Beladen klemmen die Männer mehrmals den Schwanz der Rinder ab. Dabei können leicht die Schwanzwirbel brechen. Das ist sehr schmerzhaft für die Tiere.
  • Kühe werden in Staaten wie dem südindischen Kerala geschlachtet, wo Hindus in der Minderheit sind. Dazu werden die Tiere oft über weite Strecken transportiert oder getrieben und erhalten weder Futter noch Wasser in dieser Zeit.
  • Rinder werden ohne Betäubung geschächtet. Die Metzger töten das Tier mit einem Schnitt durch die Kehle und lassen es Verbluten. Es dauert oft mehrere Minuten, bis das Tier stirbt. Ein qualvoller Tod.
  • Die Haut wird dann für umgerechnet CHF 10 an einen Händler verkauft, der sie dann an eine Gerberei weiter verkauft. Eine grosse Gerberei, die für Dosenbach und Ochsner Shoes – auch für die Schweiz – Leder produziert, verarbeitet im südindischen Tamil Nadu über 432’000 Rinderhäute jährlich. Woher die Rinder kommen, von denen die Häute stammen, wissen weder die Konzerne noch die Gerberei.

China 

Sogar Luxuslabels greifen auf Tierhäute zurück, die aus Indien, China oder einem anderen Land ohne angewandtes Tierschutzgesetz stammen. Trauriger Spitzenreiter ist China: Das weltweit grösste Produzentenland für Textilien verwendet Häute von Strassenkatzen und -hunden. In China sind Felle und Leder von diesen Tieren um ein Vielfaches billiger, als das von teuren Rindern. Wie viele von ihnen pro Jahr getötet werden, ist nicht klar. 
Doch wie kann man mit Sicherheit ausschliessen, dass für die gewünschte Lederjacke womöglich eine Miezekatze ihr Leben lassen musste? Leider gar nicht. 

„Es gibt keine Kennzeichnung oder Kennzeichnungspflicht, von welchem Tier das Leder stammt. Selbst das Gütesiegel ‚Made in Italy‘ heisst nicht immer gewaltfrei", sagt Dr. Edmund Haferbeck von Peta gegenüber stylbook.de.6 

Hunde und Katzen werden totgeknüppelt, erschlagen, mit Drahtschlingen erdrosselt und gehäutet, um aus ihrer Haut Lederprodukte oder Pelzbesätze und Bommeln herstellen. Diese Produkte werden in die ganze Welt exportiert, um an nichtsahnende Kunden verkauft zu werden. Haustierhaut von Hunden und Katzen werden häufig falsch oder gar nicht deklariert und so nach Europa exportiert. Die Tiere werden oft von der Strasse eingefangen und erleiden bis zu ihrem Tod schreckliche Qualen.7 

Wer Produkte aus Leder kauft, kann sich nie sicher sein, welches Tier dafür getötet wurde und wie es vorher gequält wurde. Man weiss nicht, in wessen Haut man steckt, wenn man einen Lederschuh oder -gürtel anzieht. Verhindern kann das nur, wer kein Leder kauft oder trägt. Sie lieben Hunde? Dann kaufen und tragen Sie bitte kein Leder. Egal ob von einem Hund, einer Kuh oder einem anderen Tier. Leder muss nicht aus Tieren sein. Erfahren Sie mehr dazu unter swissveg.ch/lederalternativen!

Bangladesch

Es ist eines der ärmsten Länder der Welt, wo immer noch Kinder verhungern. Menschen in solch armen Verhältnissen machen jede Arbeit. Sie fragen nicht nach ihrer Gesundheit morgen – sie müssen heute essen! Gift ist in Dhaka – der Hauptstadt von Bangladesch in Südasien – im Wasser, in der Luft und im Boden. Es stammt aus den vielen Gerbereien, die in der Stadt am Buriganga-Fluss angesiedelt sind. Die Lederproduktion ist der grösste Wirtschaftszweig des Landes überhaupt. Der Stadtteil Hazaribagh gilt als eines der meisten verschmutzten Gebiete der Welt. 
Die Umweltverschmutzung hat gravierende Auswirkungen auf das Leben tausender Menschen und bringt das Gebiet an den Rand einer Umweltkatastrophe. Es fliessen tausende Tonnen rohes Abwasser in die Gewässer ab, wodurch diese für die Bewohner extrem verschmutzt werden: täglich werden bis zu 40.000 Tonnen unbehandelte Gerbereiabfälle direkt in den Buriganga-Fluss abgegeben. Doch viele, die am Stadtrand leben, haben keine andere Wahl, als das verschmutzte Wasser zu nutzen.8

Auch Kinder schuften hier in Gerbereien. Dicht neben gefährlichen, veralteten Maschinen. Immer wieder verlieren Arbeitende bei Unfällen einzelne Finger oder ganze Gliedmassen. Eine Unfall- oder Krankenversicherung gibt es nicht. Knapp 30 Euro verdient ein Arbeiter in der Gerberei monatlich.9

  

Exotenleder

Der überwiegende Teil der verkauften Lederprodukte stammt denn auch von Kuh- und Kalbshäuten. Leder wird jedoch auch aus den Häuten von Pferden, Schafen, Lämmern, Ziegen und Schweinen hergestellt, die ihres Fleisches wegen umgebracht werden. Andere Tierarten werden alleine ihres Felles und ihrer Häute wegen gejagt und getötet. So fallen diesem grausamen Geschäft auch Hunde, Katzen, Zebras, Bisons, Wasserbüffel, Wildschweine, Kängurus, Elefanten, Aale, Haie, Delfine, Seehunde, Walrosse, Frösche, Schildkröten, Krokodile, Eidechsen und Schlangen zum Opfer. Kängurus werden jährlich millionenfach abgeschlachtet, da ihre Haut als erstklassiges Material für Fussballschuhe gilt.10 Nachdem Fussballstar David Beckham von den grausamen Methoden erfuhr, wie Jäger Kängurus qualvoll töten, stieg er im Jahr 2006 auf Schuhe aus synthetischen Materialien um.11  

Für Exotenleder werden Tiere oft lebendig gehäutet.12  Grossen Schlangen wie Pythons wird ein Schlauch in den Mund eingeführt. Anschliessend werden die Tiere mit Wasser vollgepumpt, damit sich die Haut löst. Schlangen sind oft noch bei vollem Bewusstsein, wenn sie mit Haken oder Nägeln durch den Kopf an einen Baum geschlagen und ihnen die Haut vom Körper gezogen wird. Sie winden sich noch, wenn ihre gehäuteten Körper auf einen Haufen geworfen und zurückgelassen werden, bis sie schliesslich an Schock oder Wassermangel sterben. Das kann bei Reptilien mehrere Tage dauern.13 Die Liste von Tieren, die ihre Haut für Leder hergeben müssen, ist sehr lange. Die Lederindustrie wirbt selbst mit einem Video, wie vielfältig die Herkunft des Leders ist. 

Gesundheits- und Umweltrisiko Leder

Ökologie

Die Herstellung von Leder ist nicht nur für Tiere, sondern auch für die Natur verheerend. Die Tierzucht an sich sorgt bereits für Umweltzerstörung in Form von Waldrodungen für den Anbau von Futtermitteln oder durch die grossen Mengen methanhaltiger Ausscheidungen der Tiere, die massiv zur Erwärmung des Klimas beitragen. Nach der Tötung der Tiere geht die Verschmutzung weiter, denn nun werden ihre Häute in der industriellen Gerbung mit Tonnen von Salz bedeckt. Auf diese Weise werden sie an der Verwesung gehindert und können an Gerbereien auf der ganzen Welt geliefert werden.14 Laut Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) haben Gerbereien ihre Produktion grösstenteils in Entwicklungsländer verlegt, da die Arbeit dort billig ist und Umweltstandards niedrig sind.15

Nebst der Gesundheitsgefährdung aller an der Produktion beteiligten Personen hat die Ledergerbung mit Farbstoffen, Chromsalzen und Pentachlorphenolen (PCP) natürlich auch auf die Umwelt negative Auswirkungen. Neben toxischen Substanzen enthalten Gerbereiabwässer auch enorme Mengen anderer Schadstoffe wie Proteine, Haare, Salze, Kalkschlamm, Sulfide und Säuren. Eine Chromgerberei verschwendet tausende Liter Wasser und produziert pro bearbeiteter Tonne Tierhaut bis zu 1.000 Kilogramm Feststoffabfall (z. B. Haare, Fleisch und Randabfälle) sowie grosse Mengen an giftiger Schlicke.16 

Pflanzliche Gerbung?

Die Gerbung der Tierhäute mit Pflanzen nimmt wesentlich mehr Zeit und somit mehr Energie und Wasser in Anspruch, was sich negativ auf die gesamte Umweltbilanz niederschlägt. Zudem ist pflanzlich gegerbtes Leder meist deutlich fester und eignet sich somit nicht für jeden Lederartikel. Handschuhe sollen beispielsweise fein und griffig sein. Das schafft selbst pflanzengegerbtes Leder nur mit chemischen Zusatzstoffen. Obwohl diese Stoffe auf dem Etikett nicht angegeben werden müssen, erhalten solche Lederartikel teilweise ein sogenanntes „Öko-Label“. 
Rinden, Hölzer oder Früchte gerbstoffreicher Pflanzen oder Bäume werden im Gerbprozess häufig mit Rinder- oder Schweineblut geklärt, um adstringente Bestandteile zu binden. Die Rückseite des abgetropften Fells (Fleischseite) wird zur Fettung mit Eigelb, Sojalecithin, Hirn oder Kombinationen davon mit Wasser gelöst eingerieben.17  

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Krebsverursacher Chrom VI 

Sind die Tiere geschlachtet worden, werden deren Häute gegerbt. Dies geschieht heutzutage zu 90 Prozent mit Chrom, wodurch allerdings Chromat ins Abwasser gelangt. Chromat enthält Chrom-VI-Verbindungen, was zu verschiedensten Vergiftungen (0,5g bis 1g sind tödlich), sowie zu Erbgutschäden führen kann. Dazu kommen weitere Verarbeitungsprozesse, bei denen z.B. Aluminium, Eisen, Zirkon, Phenol, Kresol, Naphtalin sowie Öle und Beschichtungen eingesetzt werden. Dies hat nicht «nur» Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch auf den Menschen. 
Die Risiken der Lederindustrie tragen heutzutage die ArbeiterInnen in Entwicklungsländern. Aufgrund oftmals mangelnder Gefahrenwarnungen vor krebserregenden Chrom(IV)-Verbindungen, die zudem schmerzhafte Allergien hervorrufen, waten die Menschen in Gerbereien dieser Länder durch Chrom- und Abwässer und beziehen ihr Trinkwasser teils aus verseuchten Flüssen und Grundwasserquellen. Vor allem in der direkten Nähe von Gerbereien erkranken die Menschen deshalb viel häufiger an Krebs als anderswo.9   

Zwar schreiben alle Öko- oder Prüfsiegel vor, dass Chrom(VI) im Leder überhaupt nicht zu finden sein dürfe, doch ist diese Forderung in der Praxis nicht durchzusetzen. Problematische Chrom-Verbindungen konnten zum Beispiel von der Stiftung Warentest in Babyschuhen und Arbeitshandschuhen nachgewiesen werden.19

Was können Sie tun?

  • Kaufen und Tragen Sie Lederalternativen. Alternative Materialien sind häufig preiswerter und tragen nicht zur Massenabschlachtung für die Fleischgewinnung oder zur wilden Jagd auf Tiere mit wundervoller Haut bei.
  • Fragen Sie im Handel nach lederfreien Artikeln und fordern Sie Designer und Hersteller zur Fertigung von Schuhen aus alternativen Materialien auf.
  • Lernen Sie Lederalternativen kennen und erfahren Sie, wo Sie sie erhalten können. 
  • Achten Sie auch auf lederfreie Materialien, wenn Sie ein Fahrzeug oder Möbel kaufen. 
Fussnoten:
  1. World statistical compendium for raw hides and skins, leather and leather footwear 1999-2015, 2016. 6.11.2018
  2. Centravo, 2018. 6.11.2018
  3. Kassensturz Beitrag: Das grosse Leiden für unser Leder, 2014. 06.11.2018
  4. Earthlings, deutsche Version, 2014. 06.11.2018
  5. Kassensturz Reportage 2014. 06.11.2018 
  6. Falsche Etiketten von Ledertextilien koennen aus Hunde- oder Katzenhaut sein. Stylebook.de August 2018. 06.11.2018
  7. In China werden Hunde für Leder geschlachtet. Petazwei.de, 2015. 06.11.2018.
  8. MOVING WALLS zeigt "River Bleeds Black: Pollution of the Buriganga in Bangladesh", 2018. 06.11.2018
  9. ZDF Doku 37 Grad: Gift auf unserer Haut, 2013. 06.11.2018
  10. Hofmann, René (2008): Kängurus an den Füßen, Süddeutsche.de. 06.11.2018.
  11. Independent (2006): Beckham hangs up his boots (the ones made out of baby kangaroos). 06.11.2018
  12. Mail online (2007): Pythons skinned and left to die. The shocking reality behind fashion's new obsession. 06.11.2018.
  13. The Guardian (2013): Inside a snake slaughterhouse in Indonesia – in pictures. 06.11.2018.
  14. Veganblog.de (2017): 7 Gründe warum Leder unnatürlich ist. 06.11.2018.
  15. FAO (2001): COMMITTEE ON COMMODITY PROBLEMS. 06.11.2018.
  16. Miga.org (2012-2018): Environmental Guidelines for Tanning and Leather Finishing. 06.11.2018.
  17. Lederpedia (2012): Vegetabile Gerbung oder pflanzliche Gerbung auch Hirnbehandlung. 06.11.2018.
  18. BIldquelle Centravo (2018): Schulungsvideo Häute & Felle. 06.11.2018.
  19. Stiftung Warentest (2013): Chrom VI in Leder: Immer noch ein Risiko. 06.11.2018.
Weitere Infos: