Drupal blog posts https://www.swissveg.ch/de de Agrarpolitik 2030+ Teil 1: Chancen und Risiken https://www.swissveg.ch/de/agrarpolitik-2030-Teil-1 <span>Agrarpolitik 2030+ Teil 1: Chancen und Risiken</span> <span><span lang="" about="/de/user/3032" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Nurdin</span></span> <span>16. Oktober 2026 - 0:00</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="text-align-justify western einleitung" style="font-weight:normal;">In der Artikelserie «Agrarpolitik 2030+» untersucht Swissveg, welche Chancen und Risiken die kommende Landwirtschaftsreform für Tier, Mensch und Umwelt birgt, verfolgt den Vernehmlassungsprozess des Gesetzespakets im 4. Quartal 2026 und nimmt Stellung zu den konkreten Ergebnissen.</p><div data-ui-role="accordion"><h3 class="text-align-justify western einleitung" style="font-weight:normal;">Das Wichtigste in Kürze:</h3><ul><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Die «Agrarpolitik 2030+» basiert auf einer ganzen Reihe wichtiger Strategiepapiere in den Bereichen Landwirtschaft, Klima, Ernährung und Gesundheit.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Insbesondere die «Ernährungsstrategie 2025-2032» des Bundes enthält viele gute Ansätze, die auch den Tieren in der Schweizer Landwirtschaft zugunste kämen.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Es gibt einige inhaltliche Zusammenhänge mit der «Initiative für eine sichere Ernährung», etwa die Forderung nach einem höheren Selbstversorgungsgrad und einer nachhaltigeren Schweizer Landwirtschaft.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Am 3. September 2026 startete die Vernehmlassung für das Gesetzespaket. An diesem Prozess politischer Teilhabe wirken verschiedene Gruppen mit teils sehr gegensätzlichen Interessen mit. Deshalb wird daraus ziemlich sicher eine stark verwässerte und für die Tiere in der Schweizer Landwirtschaft nur wenig hilfreiche Gesetzesvorlage hervorgehen.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><u>Ausblick:</u> In Teil 2 wird es näher um die Vernehmlassung gehen. Was steht in der Vorlage und was fehlt darin? Wie positionieren sich Swissveg und andere Tier-Organisationen dazu? Und gäbe es eine bessere Vision für die Zukunft unserer Landwirtschaft, als diese Reform anstrebt?</p></li></ul></div><p class="text-align-justify western"> </p><p class="text-align-justify western"><strong><u>Hinweis:</u> Dieser Artikel ist ziemlich lang und detailliert. Deshalb werden im </strong><a href="#fazit"><strong><u>Fazit</u></strong></a><strong> noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse dieses Artikels zusammengefasst.</strong></p><p class="text-align-justify western"> </p><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/V-Mais_0.JPG" data-entity-uuid="0bb7c182-150a-4150-b667-5e2586f7695f" data-entity-type="file" alt="" width="1920" height="797" /><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;">Futtermais oder Mais für den Menschen? – Was auf Schweizer Äckern wächst, hat weitreichende Folgen. Bildquelle: Swissveg 2006</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Es ist vielleicht gut, sich zuerst einmal ein ungeschöntes Bild davon zu machen, in welchem Zustand die vorwiegend tierbasierte Landwirtschaft der Schweiz sich aktuell befindet und welche Folgen dies für Menschen, Tiere und die Umwelt hat. Deshalb hier ein paar Zahlen und Fakten:</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3 class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Die Schweizer Landwirtschaft – Zahlen und Fakten</h3><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/G%C3%BClle-Bauer.jpg" data-entity-uuid="2c8f83c7-313c-4e7e-8946-4a587ed32ae1" data-entity-type="file" alt="" width="1475" height="581" class="align-center" /><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;">Der Überschuss an Fäkalien ist eines der Probleme, mit denen die Schweizer Landwirtschaft kämpft. Bildquelle: Swissveg 2004</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><ul><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">2025 wurden in der Schweiz <a href="/schlachtzahlen_schweiz"><strong>über 86 Millionen «Nutztiere» geschlachtet</strong></a>. Das sind <strong>über 230'000 Tiere pro Tag</strong>, die meist unter unwürdigen Bedingungen gezüchtet, gemästet und getötet werden. Aus veganer Sicht ist dieses überflüssige Leid der Tiere eine moralische Katastrophe, denn zu jedem tierbasierten Produkt gibt es heutzutage gesunde, wohlschmeckende und bezahlbare pflanzliche Alternativen. Deutliche Veränderungen hin zu einer vermehrt pflanzenbasierten Landwirtschaft sollte deshalb der erste und wichtigste Punkt sein, den ein Reformpaket anstrebt.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Durch die Verlängerung der Nahrungskette über das Tier – also wenn Futter für Tiere angebaut wird, die dann von Menschen gegessen werden, anstatt einfach direkt Pflanzen für die menschliche Ernährung anzubauen – werden Land, Wasser und andere Ressourcen verschwendet und es entstehen enorm viele <strong>unnötige Emissionen</strong>. Tatsächlich liessen sich mit der Umstellung auf eine umweltfreundlichere Ernährungsweise, die unter anderem eine deutliche Reduktion tierischer Produkte beinhaltet, rund drei Viertel der Emissionen der Ernährung vermeiden – diese Zahl haben wir direkt vom Bundesamt für Landwirtschaft.<a href="#1_unten"><strong><sup>1</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="1_oben"></a></p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Der Einsatz von Pestiziden und der Anbau in Monokulturen hat <strong>gravierende Folgen für Wildbienen und andere bestäubende Insekten</strong>, deren Zahl seit Jahrzehnten <a href="/insektensterben"><strong>massiv zurückgeht</strong></a>. Eine pflanzenbasierte Landwirtschaft ist effizienter als eine tierbasierte, benötigt deshalb <a href="/land"><strong>deutlich weniger Land</strong></a> und ist somit besser geeignet für den Erhalt der Biodiversität.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Weil Tiere in der Landwirtschaft oftmals in sehr grosser Anzahl auf sehr engem Raum gehalten werden (z.B. Legehennen, Masthühner und Schweine), werden bei einem Krankheitsausbruch viele Tiere auf einmal mit Antibiotika behandelt. Hierdurch steigt das Risiko, dass sich <a href="/krankmachende-burger"><strong>resistente Keime</strong></a> unter den Tieren ausbreiten und letztlich auch auf den Menschen übertragen.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Weil die tierbasierte Landwirtschaft <strong>Unmengen an Fäkalien</strong> («Gülle») produziert, mit denen Wiesen- und Ackerflächen gedüngt werden, steigen die Ammoniak- und Phosphorwerte in den Böden und im Grundwasser. In den Böden führt das zu einer problematischen Übersäuerung. Und besonders die Seen in der Schweiz sind von den Phosphorüberschüssen betroffen – <a href="/blaualgen-tierische-landwirtschaft"><strong>manche müssen deshalb sogar seit Jahren künstlich beatmet werden</strong></a>.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>Die Schweiz importiert über die Hälfte ihrer Nahrungsmittel</strong> und ist damit abhängig von politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, die sie nicht selbst steuern kann. Eine pflanzenbasierte Landwirtschaft verringert diese Abhängigkeit, indem sie den <a href="/initiative-Ernaehrungssicherheit-gegenargumente"><strong>Selbstversorgungsgrad</strong> </a>erhöht.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>Die Direktzahlungen (Subventionen) des Bundes sind hauptsächlich auf die Förderung der tierbasierten Landwirtschaft ausgerichtet.</strong> So fliessen <a href="/subventionspolitik"><strong>rund 2.24 Milliarden Franken jedes Jahr in die Produktion von Fleisch, Milch, Eiern und anderen tierischen Produkten</strong></a>, während dem Anbau von Pflanzen nur 0.56 Milliarden Franken zukommen. In anderen Worten: rund 80% der Gelder fliessen in eine ineffiziente, unökologische und Tierleid erzeugende Landwirtschaft, während nur rund 20% die effizientere, ökologischere und tierleidfreie Alternative unterstützen. Es ist offensichtlich, dass dieses Subventionsregime nichts mit Nachhaltigkeit zu tun hat und damit sein Ziel verfehlt.</p></li></ul><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p></div><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Wie man sieht: Die Schweizer Landwirtschaft ist ein System, welches tagtäglich enormes Leid und den tausendfachen Tod sogenannter «Nutztiere» hervorbringt. Ein System, das für einen grossen Teil unserer CO<sub>2</sub>-Emissionen, massive Biodiversitätsverluste, gefährliche antibiotikaresistente Keime, die Vergiftung von Seen und eine hohe Importabhängigkeit vom Ausland verantwortlich ist. Und ein System, welches es den Landwirtinnen und Landwirten mit seinem ideologischen Subventionsregime verunmöglicht, ihre Kernaufgabe angemessen zu erfüllen – nämlich die Schweizer Bevölkerung mit gesunden und nachhaltigen Nahrungsmitteln zu versorgen. <strong>Es besteht also ein enormer Reformbedarf.</strong></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Jede Reform auf Gesetzesebene muss sich an die Rahmenbedingungen halten, die durch die Bundesverfassung vorgegeben werden. Es lohnt sich, kurz einen Blick darauf zu werfen, um besser zu verstehen, wohin die Reise mit der «Agrarpolitik 2030+» gehen soll:</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3 class="western">Landwirtschaft und Ernährungssicherheit: Was fordert die Bundesverfassung?</h3><ul><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Gemäss </span><a href="https://www.swissrights.ch/gesetze/Artikel-104-BV-2024-DE.php" target="_blank"><span style="font-weight:normal;"><strong>Artikel 104 der Bundesverfassung</strong></span></a><span style="font-weight:normal;"> muss der Bund unter anderem die </span><strong>Versorgunssicherheit</strong><span style="font-weight:normal;"> gewährleisten (Art. 104, Abs. 1a BV), die landwirtschaftliche </span><strong>Produktion nachhaltig gestalten</strong><span style="font-weight:normal;"> und auf den Markt ausrichten (Abs. 1b) und sie, wo nötig, </span><strong>ergänzend fördern</strong><span style="font-weight:normal;"> (Abs. 2).</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Zwei zentrale Förderwerkzeuge, die der Bund verwendet, sind </span><strong>Direktzahlungen</strong><span style="font-weight:normal;"> und </span><strong>wirtschaftliche Anreize</strong><span style="font-weight:normal;">: Direktzahlungen sind an </span><strong>ökologische Leistungsnachweise</strong><span style="font-weight:normal;"> seitens der Landwirtschaftsbetriebe geknüpft (Abs. 3a) und wirtschaftliche Anreize sollen besonders</span><strong> </strong><span style="font-weight:normal;">naturnahe, umwelt- und </span><strong>tierfreundliche Produktionsformen</strong><span style="font-weight:normal;"> fördern (Abs. 3b).</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Auch bezüglich Umweltschutz in der Landwirtschaft ist der Bund aktiv. Er </span><strong>schützt die Umwelt</strong><span style="font-weight:normal;"> vor überhöhtem Einsatz von </span><strong>Dünger</strong><span style="font-weight:normal;">, Chemikalien und anderen Hilfsstoffen (Art. 3d).</span></p></li></ul><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Zuerst fällt auf, dass hier nicht näher definiert ist, was mit einer «nachhaltigen» Produktion gemeint ist. Bezieht sich diese Formulierung auf rein <span style="text-decoration:none;"><strong>ökonomische Nachhaltigkeit</strong></span>, also einer Lenkung von Inputs und Outputs des Produktionssystems, sodass langfristig immer genügend Nahrungsmittel auf dem Markt verfügbar sind? Oder ist damit auch eine <a href="https://www.aktionstag-nachhaltigkeit.de/wissen/starke-nachhaltigkeit/" target="_blank"><strong>stärkere </strong><span style="text-decoration:none;"><strong>ökologische Nachhaltigkeitskonzeption</strong></span></a><span style="text-decoration:none;"> </span>gemeint, nach der auch der langfristige Erhalt von Naturkapital (mit oder ohne Erlaubnis der Substitution durch andere Kapitalformen) sichergestellt wird? Dies bleibt hier offen für Interpretation.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Die Voraussetzung, dass für den Erhalt von Direktzahlungen ökologische Leistungsnachweise erbracht werden müssen und die Ausrichtung wirtschaftlicher Anreize an besonders naturnahe, umwelt- und tierfreundliche Produktionsformen geknüpft wird, klingt beides gut und fortschrittlich. Da in der Bundesverfassung wirtschaftliche Interessen kategorisch über das Tierwohl gestellt werden, kann hier auch auf Gesetzesebene nicht sehr viel bewirkt werden. Denn was als «besonders tierfreundlich» gilt, orientiert sich in der Praxis meistens einfach an den gerade vorhandenen Methoden und nicht an den Bedürfnissen und Interessen der Tiere. <a href="/welfare-washing"><strong>Der Begriff «Tierwohl» ist oft nicht mehr als «Welfare-Washing»</strong></a>.</p><p class="text-align-justify western"> </p><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Zur </span><strong>Versorgungssicherheit</strong><span style="font-weight:normal;"> gibt es in der Bundesverfassung zusätzlich noch den </span><a href="https://www.swissrights.ch/gesetze/Artikel-104a-bv-2022-DE.php" target="_blank"><span style="font-weight:normal;"><strong>Artikel 104a</strong></span></a><span style="font-weight:normal;">. Dieser legt fest, dass der Bund die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sichern muss, indem er die Voraussetzungen dafür schafft,</span></p><ul><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">dass die </span><strong>Lebensmittelproduktion standortangepasst und effizient</strong><span style="font-weight:normal;"> gestaltet werden kann (Art. 104a, Abs. b BV),</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">dass der Handel mit dem Ausland zur </span><strong>nachhaltigen Entwicklung</strong><span style="font-weight:normal;"> der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen (Abs. d)</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">und dass </span><strong>ressourcenschonend</strong><span style="font-weight:normal;"> mit Lebensmitteln umgegangen wird (Abs. e).</span></p></li></ul><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Durch die Verkürzung der Nahrungskette ist die pflanzenbasierte Landwirtschaft automatisch effizienter, weniger abhängig von Importen und schont deutlich besser unsere Ressourcen als der Status Quo. Es müsste nämlich kein Kraftfutter mehr für die Tiere in der Mast importiert werden, <a href="/wasserverbrauch"><strong>der Wasserverbrauch würde dramatisch sinken</strong></a> und es liessen sich <a href="/land"><strong>mit weniger Fläche mehr Kalorien für den menschlichen Verbrauch</strong></a> produzieren.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Wer die Forderungen von Art. 104 und 104a BV also wirklich ernst nimmt, wird erkennen, dass sie durch eine Verlagerung von der tierbasierten hin zu einer pflanzenbasierten Landwirtschaft am besten erfüllt werden. Dazu gehört auch eine Beendigung der Subventionierung von Fleisch, Eiern, Milchprodukten und deren Bewerbung und eine deutlich stärkere Subventionierung der pflanzenbasierten Landwirtschaft, entsprechender Informationskampagnen und Bildungsmassnahmen.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-07/SwissmilkKampagne_0.jpg" data-entity-uuid="7b6efee7-dacb-49af-bd1a-63dd07222d24" data-entity-type="file" alt="" width="70.58%" height="1414" class="align-center" /><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;">Auch Swissmilk erhält jedes Jahr Millionen Franken Absatzförderung vom Bund. Das Bild zeigt, was wir von ihrer <a href="/Pflanzenmilch-Swissmilk-Kampagne">WM-Kampagne</a> halten.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p></div><p> </p><h2 class="western">Was sind die Voraussetzungen für die Agrarpolitik 2030+?</h2><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Alle die Landwirtschaft betreffenden Gesetze und Verordnungen müssen den genannten Verfassungsgrundsätzen entsprechen, wobei es hier natürlich grosse Spielräume gibt. Deshalb soll nun näher betrachtet werden, wie genau der Bund die Landwirtschaft verändern möchte. Er hat nämlich eine ganze Reihe relevanter Dokumente und Strategiepapiere publiziert, an welche die «Agrarpolitik 2030+» inhaltlich anschliessen soll. Die wichtigsten davon werden nun der Reihe nach vorgestellt:</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><br /><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"></p><h3 class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>Juni 2022:</strong> Bericht «Zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik»</span></h3><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Am 22. Juni 2022 veröffentlicht der Bundesrat seinen </span><a href="https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/72187.pdf" target="_blank"><span style="font-weight:normal;"><strong>Bericht zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik</strong></span></a><span style="font-weight:normal;">.  Der Bericht stellt fest, dass weniger als 40% der Schweizer Ackerfläche zur direkten menschlichen Ernährung genutzt werden und dass sich die Futtermittelimporte in den letzten 20 Jahren nahezu verdoppelt haben (S. 5). Das Schweizer Ernährungssystem ist «ineffizient», denn «nur gerade ein Sechstel des produzierten Proteins landet am Schluss auf dem Teller» (S. 45). Zudem sei «die Ernährung der Schweizer Bevölkerung unausgewogen und verbunden mit einem grossem ökologischen Fussabdruck» (S. 5).</span><a href="#2_unten"><span style="font-weight:normal;"><strong><sup>2</sup></strong></span></a><a class="ck-anchor" id="2_oben"></a><span style="font-weight:normal;"> </span><strong>Deshalb fordert der Bericht auch konkrete Massnahmen, um die Landwirtschaft vermehrt pflanzenbasiert zu gestalten und die Ernährungssicherheit besser zu fördern.</strong><a href="#3_unten"><strong><sup>3</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="3_oben"></a><span style="font-weight:normal;"> Ausserdem brauche es «neben der Landwirtschaft auch eine Weiterentwicklung auf den nachgelagerten Stufen und dem Konsum, […] damit das Ernährungssystem deutlich nachhaltiger und eine Verlagerung von Umwelteffekten ins Ausland vermieden wird» (S. 23). Und </span><strong>der Bericht fordert auch Verbesserungen beim Tierwohl</strong><span style="font-weight:normal;">, «insbesondere in den Bereichen Unterbringung, Pflege und regelmässiger Auslauf der Nutztiere» sowie Tiergesundheit (S. 61). Obwohl der Bericht einen Abschnitt zu «Verarbeitung, Vermarktung und Handel» (S. 54) enthält, geht er nicht auf Missstände bei der Schlachtung von Tieren ein, sondern fordert bloss, dass die Verfütterung von Schlachtnebenprodukten erlaubt werden soll (S. 72). Insgesamt macht der Bericht aber einen recht fortschrittlichen Eindruck und stellt wichtige Forderungen, deren konsequente Umsetzung das massive Tierleid in der Landwirtschaft sowohl quantitativ als auch qualitativ deutlich reduzieren würde.</span></p><div id="sdfootnote1"><p class="sdfootnote"> </p></div><h3 class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>September 2023:</strong> «Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050»</h3><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Am 5. September 2023 veröffentlichen die Bundesämter für Landwirtschaft (BLW), Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und Umwelt (BAFU) gemeinsam die zweiteilige <a href="https://www.blw.admin.ch/de/klimastrategie-landwirtschaft-und-ernaehrung-2050" target="_blank"><strong>«Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050»</strong></a>. Die Klimastrategie fordert, dass in Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Detailhandel und Gastronomie im Sinne der gesetzten Klimaziele wichtige Veränderungen vollzogen werden, damit die Auswirkungen auf den Klimawandel abgemindert und die Schweiz besser auf die Konsequenzen des Klimawandels vorbereitet werden kann. Sie spricht sich deswegen aus für eine «Ernährung, die reich an pflanzlichen Lebensmitteln ist und weniger Fleisch enthält», wodurch die ernährungsbasierten Emissionen «theoretisch um drei Viertel reduziert werden» könnten (Teil 1, S. 14). Zudem sei «bei den Emissionen aus der landwirtschaftlichen Inlandproduktion […] theoretisch eine Reduktion um gut ein Drittel bzw. eine Halbierung gegenüber 1990 bei höherem Selbstversorgungsgrad möglich» (Teil 1, S. 20). <strong>Um dies zu erreichen, fordert die Klimastrategie eine konsequente Feed-No-Food-Strategie</strong>: «Auf Ackerflächen sollen in erster Linie gesunde und nachhaltig erzeugte pflanzliche Produkte für die direkte menschliche Ernährung angebaut werden, während das Grasland ausserhalb der Ackerfläche sowie die unvermeidbaren Verluste aus der Lebensmittelproduktion für die Fütterung der Nutztiere genutzt werden», wodurch die «feed-food-competition» vermindert wird (Teil 2, S. 5).<a href="#4_unten"><strong><sup>4</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="4_oben"></a> <strong>Desweiteren sollen «Direktzahlungen und Marktzulagen gezielter eingesetzt werden»</strong> (Teil 2, S. 5), denn «mit einer Anpassung der bestehenden Beiträge und Zulagen kann der Wandel der Landwirtschaft hin zu einer vermehrten Produktion von Nahrungsmitteln zur direkten menschlichen Ernährung gefördert werden» (Teil 2, S. 42).<a href="#5_unten"><strong><sup>5</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="5_oben"></a> Bei der Förderung (klima-)resistenter Sorten soll unter anderem auch deren «Eignung als Alternative zu tierischen Erzeugnissen» mit in Betracht gezogen werden (Teil 2, S. 39). Diese und weitere Massnahmen sollen mit der Agrarpolitik 2030+ umgesetzt werden (Teil 2, S. 42).</p><div id="sdfootnote2"><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/ZHAW%20Foodvision%20THG-Emissionen%202016%20S.%2024_0.jpg" data-entity-uuid="64c449b6-e16a-4afc-bb1c-a6ae31fbab63" data-entity-type="file" alt="" width="1329" height="504" class="align-center" /><p class="text-align-center sdfootnote">Fast die gesamten Emissionen der Schweizer Landwirtschaft entstehen durch die tierische Produktion. Bildquelle: <a href="https://www.greenpeace.ch/static/planet4-switzerland-stateless/2026/03/ee3ae5b2-foodvision_zhaw_final.pdf#page=24" target="_blank">Vision PLANT50 (ZHAW/Greenpeace)</a>, S. 24</p></div><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><h3 class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>April 2025:</strong> «Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032» und «Aktionsplan 2025-2028»</h3><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/CH-ES%20Ern%C3%A4hrungssituation%20in%20der%20CH_0.jpg" data-entity-uuid="b7512bc2-ba1a-4e27-adcf-12951d1cb5b5" data-entity-type="file" alt="" width="994" height="557" class="align-center" /><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;">Die Schweizerinnen und Schweizer essen zu viele tierische und zu wenig pflanzliche Nahrungsmittel. Bildquelle: <a href="https://web.archive.org/web/20260914143228/https://www.blv.admin.ch/dam/de/sd-web/bjyWlVLt1D-D/DE%20ERNST%202025-2032%2C%20aktualisiert%202026.pdf#page=6" target="_blank">Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032,</a> S. 6</p><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Am 16. April 2025 veröffentlichen das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und das Eidgenössische Departement des Inneren (EDI) gemeinsam die <a href="https://www.blv.admin.ch/de/schweizer-ernaehrungsstrategie" target="_blank"><strong>«Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032»</strong></a> und den damit verbundenen «Aktionsplan 2025-2028».</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Das Ernährungssystem der Schweiz ist eng verflochten mit anderen wichtigen strategischen Bereichen. Deshalb «integriert» die Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032 «verschiedene gesundheits- und <span style="background:transparent;">nachhaltigkeitsbezogene Ansätze» (S. 3).</span></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/CH-ES%206%20Kreise.jpg" data-entity-uuid="cf7bac33-dea9-460c-b22e-7a564e25d89f" data-entity-type="file" alt="" width="59.43%" height="1861" class="align-center" /><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;">Die Schweizer Ernährungsstrategie ist eng verflochten mit anderen wichtigen strategischen Bereichen. Bildquelle: <a href="https://web.archive.org/web/20260914143230/https://www.blv.admin.ch/dam/de/sd-web/bjyWlVLt1D-D/DE%20ERNST%202025-2032%2C%20aktualisiert%202026.pdf#page=5">Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032</a>, S. 5</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><ul><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><span style="background:transparent;"><strong>NCD-Strategie:</strong> Die </span><a href="https://www.bag.admin.ch/de/nationale-strategie-zur-praevention-nichtuebertragbarer-krankheiten" target="_blank"><span style="background:transparent;"><strong>Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten</strong></span></a><span style="background:transparent;"> versucht, die Zunahme nichtübertragbarer Krankheiten («NCD» von Englisch «noncommunicable diseases») zu verhindern und nennt «Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates» als die wichtigsten Beispiele (S. 4). Es liegt auf der Hand, dass die Ernährung bei NCD eine grosse Rolle spielt und es gibt </span><a href="/govegan"><span style="background:transparent;"><strong>etliche Belege</strong></span></a><span style="background:transparent;">, dass die vegane Ernährungsweise das Risiko, an NCD zu erkranken, beträchtlich senkt.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><span style="background:transparent;"><strong>Agrarpolitik (2030+ und vorherige):</strong> Selbstverständlich müssen die politischen Strategien in den Bereichen Ernährung (Konsum) und Landwirtschaft (Produktion) zusammen gedacht werden. Die nächste Version der Agrarpolitik (AP 2030+) ist am 3.9.2026 in die Vernehmlassung gegangen. Wie der Vernehmlassungsprozess genau abläuft, wird weiter unten erklärt. Und was dabei herauskommt, ist Gegenstand des zweiten Artikels dieser Serie.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><span style="background:transparent;"><strong>Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050:</strong> Siehe oben.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>One-Health Ansatz:</strong> Die Idee bei <a href="https://www.blv.admin.ch/de/one-health-de" target="_blank"><strong>«One Health»</strong></a> ist, Gesundheit ganzheitlich zu denken. So schreibt der Bund auf seiner Webseite: «Der One-Health-Ansatz beschreibt, wie die Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und Umwelt zusammenhängen und wie unterschiedliche Sektoren, Disziplinen und die Bevölkerung gemeinsam zu einem nachhaltigen Schutz beitragen.» Mit «Gesundheit» ist hier vor allem der medizinische Begriff gemeint, das heisst, es geht (nebst Krankheiten bei Nutzpflanzen) um Themen wie antibiotikaresistente Keime und Zoonosen (von Tieren auf Menschen übertragbare Erkrankungen, die wiederum Pandemien auslösen können). Dass die <a href="/krankmachende-burger"><strong>extreme Zunahme antibiotikaresistenter Keime eine direkte Folge der Massentierhaltung</strong></a> ist, dürfte inzwischen allseits bekannt sein. Und auch, dass die <a href="/pandemien"><strong>meisten Pandemien durch zu engen Kontakt zwischen Tier und Mensch</strong></a> entstehen und zudem eng mit der Massentierhaltung zusammenhängen, ist nichts Neues. Es würde also sehr dem One-Health-Ansatz entsprechen, die Landwirtschaft mehr auf die Produktion pflanzlicher Lebensmittel auszurichten.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><span style="background:transparent;"><strong>Aktionsplan gegen die Lebensmittelverschwendung:</strong> Diesen hat der Bundesrat </span><a href="https://www.bafu.admin.ch/dam/de/sd-web/2vVtDYhy5B9N/aktionsplan_gegen_die_lebensmittelverschwendung.pdf" target="_blank"><span style="background:transparent;"><strong>am 25. September 2018 veröffentlicht</strong></span></a><span style="background:transparent;">. Laut dem Bericht geht «rund ein Drittel aller essbaren Anteile von Lebensmitteln […] zwischen Acker und Teller verloren oder wird verschwendet» (S. 5). Aufgrund der Verkürzung der Nahrungskette würde bei einer pflanzenbasierten Landwirtschaft Lebensmittelverschwendung weniger stark ins Gewicht fallen, da bei der Verschwendung tierbasierter Produkte immer auch die zuvor dem Tier verfütterten Pflanzen mit verschwendet werden. Vegane Ernährung hilft also auch mit, dieses Ziel zu erreichen. (Davon steht im Bericht jedoch nichts.)</span></p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><span style="background:transparent;"><strong>Gesundheit 2030</strong>, die </span><a href="https://www.bag.admin.ch/de/gesundheitspolitische-strategie-des-bundesrats-20202030" target="_blank"><span style="background:transparent;"><strong>gesundheitspolitische Strategie des Bundesrates für die Jahre 2020-2030</strong></span></a><span style="background:transparent;">: Die Umwelt wurde neu als ein wichtiger äusserer Einflussfaktor auf die Gesundheit aufgenommen. Da eine Transformation von der tierbasierten zur pflanzenbasierten Landwirtschaft sich äusserst positiv auf die Umwelt auswirkt, würde dies demnach – nebst der direkten positiven Auswirkungen – auch positive indirekte Effekte via die Umwelt auf die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung bewirken.</span></p></li></ul><div id="sdfootnote1"><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/CH-ES%20Ziele%20S.%2010.jpg" data-entity-uuid="3bc13eac-3c32-4d30-8609-0fe80535aeea" data-entity-type="file" alt="" width="66.94%" height="850" class="align-center" /><p class="text-align-center sdfootnote">Die Zielsetzung der Ernährungsstrategie ist grundsätzlich recht fortschrittlich. Bildquelle: <a href="https://web.archive.org/web/20260914143230/https://www.blv.admin.ch/dam/de/sd-web/bjyWlVLt1D-D/DE%20ERNST%202025-2032%2C%20aktualisiert%202026.pdf#page=10" target="_blank">Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032</a>, S. 10</p><p class="text-align-center sdfootnote"> </p></div><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>Nun zur inhaltlichen Betrachtung der Ernährungsstrategie:</strong> Sie verlangt, dass Ernährungsempfehlungen glaubwürdig, verständlich und wissenschaftlich basiert sind (S. 4). Sie «sollen die Gesundheit fördern, nachhaltig sein, den kulturellen Gewohnheiten entsprechen und in der Praxis umsetzbar sein» (S. 4). Alle diese Punkte (bis auf einen: dass sie den kulturellen Gewohnheiten entspricht) deckt die vegane Ernährungsweise übrigens ab.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Desweiteren kritisiert das Dokument an der aktuellen Ernährungssituation in der Schweiz, dass <strong>zu viel</strong> <span style="text-decoration:none;"><strong>tierische Fette und Fleisch</strong> und <strong>zu wenig hochwertige Pflanzenöle, Früchte und Gemüse</strong> konsumiert w</span>erden (S. 6),<a href="#6_unten"><strong><sup>6</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="6_oben"></a> weshalb sie sich unter anderem der «Stärkung der pflanzenbasierten Ernährung» verschrieben hat (Ziel 3, S. 10). Swissveg engagiert sich schon seit 30 Jahren für eine solche Veränderung unserer Essgewohnheiten. Wer seinen Konsum tierischer Produkte reduzieren will, weiss, dass die von uns <a href="/label-umfrage_2026"><strong>mit dem V-Label als vegan gekennzeichneten Produkte nur pflanzenbasierte Inhaltsstoffe</strong></a> enthalten. Zudem liefert die Zielsetzung des Bundes auch gute Gründe, die Subventionierung von Fleisch, Milch und Eiern zu reduzieren und stattdessen Obst- und Gemüsebauern stärker zu fördern.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Trotz dieser positiv klingenden Zielsetzungen fällt auf, dass zwar oft von der Umwelt die Rede ist, aber nur selten von den Tieren. Der Begriff «Umwelt» wird verwendet, als handle es sich dabei bloss um die unbelebten Anteile der Natur (Klima, Sauberkeit etc.), wodurch das Leid der Tiere – und insbesondere der «Nutztiere» – verschleiert wird.</p><p> </p><p> </p><h3 class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>Dezember 2025:</strong> Studie «Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei weniger Umweltbelastung»</h3><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Am 9. Dezember 2025 publizieren das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und die ETH Zürich die <a href="https://doi.org/10.34776/afs16-212" target="_blank"><strong>bahnbrechende Studie</strong></a><strong> «Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei weniger Umweltbelastung»</strong>. Hier die wichtigsten Punkte:</p><ul><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Die Studie berechnet, dass sich der Netto-Selbstversorgungsgrad (SVG) der Schweiz von aktuell knapp 50% durch kurz- und mittelfristige Optimierungen auf «knapp 70% bis über 100%» erhöhen liesse.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Dabei liegen laut der Studie «die grössten Hebel […] in der Reduktion der Nutzung von Ackerland für die Futter- statt direkte Nahrungsmittelproduktion […] und beim Food Waste». Die Studie greift also die </span><strong>Feed-No-Food-Strategie</strong><span style="font-weight:normal;"> auf und prognostiziert, dass dies mit einer «Reduktion der Tier- und eine[r] Erhöhung der Pflanzenproduktion» einherkäme.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Es ergäbe sich damit eine Produktionsweise, die verglichen mit der heutigen Situation «deutlich besser im Einklang mit den offiziellen Ernährungsempfehlungen und der Klimastrategie des Bundes» wäre.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Weiter entstünden durch die Umsetzung vieler der Massnahmen nicht einmal grössere Investitionskosten oder finanzielle Einbussen für die Betriebe.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Auch die Unausgeglichenheit der Subventionen, die mit den Zielen der Ernährungs- und Klimastrategie im Widerspruch stehen, wird angesprochen.</p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Werden diese Massnahmen umgesetzt, «ergibt sich die Chance, einen Wandel hin zu einem deutlich versorgungssichereren, effizienteren und nachhaltigeren Ernährungssystem einzuleiten.»</span></p></li></ul><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Es wäre äusserst wünschenswert, dass die Vernehmlassungsvorlage und das schlussendlich zu verabschiedende Gesetzespaket zur AP2030+ diese Erkenntnisse mit einbeziehen.</span></p><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/Studie%202025%20SVG%20Massnahmen.jpg" data-entity-uuid="6b2d03c0-2549-4afe-b4f3-35e653a288ea" data-entity-type="file" alt="" width="1093" height="1065" class="align-center" /><p class="text-align-center sdfootnote" style="font-weight:normal;">Durch den Anbau von Nahrungs- statt Futtermitteln liesse sich der Selbstversorgungsgrad der Schweiz markant erhöhen. Bildquelle: <a href="https://www.agrarforschungschweiz.ch/wp-content/uploads/2025/12/212-224_Mueller_Lebensmittel_Selbstversogungsgrad.pdf#page=4" target="_blank">Studie «Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei weniger Umweltbelastung»</a>, S. 215</p><p class="text-align-justify sdfootnote" style="font-weight:normal;"> </p><h3 class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>Januar 2026:</strong> Vernehmlassung für das «Landwirtschaftliche Verordnungspaket 2026»</h3><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Am 28. Januar 2026 eröffnet der Bundesrat die <strong>Vernehmlassung für das «Landwirtschaftliche Verordnungspaket 2026»</strong>, welches ab 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Darin werden schon jetzt einige Veränderungen vorweggenommen, die mit der Agrarpolitik 2030+ dann auch auf Gesetzesebene realisiert werden. <a href="https://umweltallianz.ch/wp-content/uploads/2026/04/2026-05-6-UWA-Musterstellungnahme-Landwirtschaft-Verordnungspaket-2026-2026-04-17.pdf" target="_blank"><strong>Die Umweltallianz hat dazu kritisch Stellung bezogen.</strong></a></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><h3 class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>Februar 2026:</strong> Aussprache des Bundesrates zur kommenden «Agrarpolitik 2030+»</h3><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/Aussprache%20Folien%20Bisheriger%20Reformprozess_0.jpg" data-entity-uuid="9b9fbd4c-dcb9-4959-9b34-c6aba9121bd8" data-entity-type="file" alt="" width="1566" height="727" class="align-center" /><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;">Die stufenweise Weiterentwicklung der Schweizer Agrarpolitik. Bildquelle: <a href="https://web.archive.org/web/20260721094220/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf#page=5" target="_blank">Folien «Agrarpolitik 2030+»</a>, BLW, S. 5</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Am 18. Februar 2026 hielt der Bundesrat seine Aussprache zur kommenden «Agrarpolitik 2030+». In der dazugehörigen <a href="https://www.admin.ch/de/newnsb/6lmKbSWzDwQZM9AeZnB7S" target="_blank"><strong>Medienmitteilung</strong></a><strong> </strong>stellt er folgende vier Ziele für die AP 2030+ vor:</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>(1) Handlungsspielräume vergrössern und administrativen Aufwand reduzieren</strong></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Das 1. Ziel ist für die Tiere von hoher Relevanz, denn neu sollen Direktzahlungen in den Bereichen Ökologie und Tierwohl nicht mehr an die Einhaltung von Handlungsanweisungen geknüpft sein, sondern sich an der Erzielung konkreter Ergebnisse ausrichten. Wie genau die Landwirtinnen und Landwirte diese Ergebnisse erzielen, ist dabei ihnen überlassen – ihr Handlungsspielraum vergrössert sich also. Ob dies für die Tiere letztlich eine Verbesserung oder eine Verschlechterung ihrer Lebens-(und Sterbens-)bedingungen bedeuten wird, ist schwer zu sagen. Administrative Vereinfachungen waren bisher allerdings meist negativ für die Tiere. Und oft bedeuten diese auch weniger (Tierschutz-)Kontrollen. Tierschutzorganisationen sehen darin eine grosse Gefahr.<a href="#7_unten"><strong><sup>7</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="7_oben"></a></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>(2) Gutes Funktionieren der Märkte unterstützen</strong></p><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Das 2. Ziel beinhaltet eine Umsetzung der «vom Parlament geforderten Erhöhung der Milchpreisstützung». </span>Der Milchmarkt funktioniert schon seit längerer Zeit nicht mehr ohne staatliche Unterstützung. Hier von einem «guten Funktionieren der Märkte» zu sprechen ist schon eine grosse Augenwischerei. Nach den Regeln eines freien Marktes könnten heute eigentlich alle tierischen Produkte nur noch vom Ausland importiert werden. Einheimische Produkte wären so viel teurer als importierte (oder besser: pflanzliche) Alternativen, dass sie kaum noch jemand kaufen würde.</p><p class="text-align-justify western"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>(3) Produktionsgrundlagen und Ressourceneffizienz verbessern</strong></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Das 3. Ziel sieht bezüglich der Ernährungssicherheit (unter anderem) «Massnahmen […] zur verstärkten Insektenförderung […] sowie zur selektiv stärkeren Förderung von pflanzlichen Kulturen für die menschliche Ernährung» vor.<a href="#8_unten"><strong><sup>8</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="8_oben"></a> Insekten besser schützen zu wollen ist natürlich lobenswert. Und den Anbau von Pflanzen stärker zu fördern ist immerhin eine Hälfte der Rechnung. Was jedoch fehlt, ist eine Reduktion (oder noch besser: Beendigung) der Förderung tierbasierter Landwirtschaftsformen. Diese Forderung war im «Bericht zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik» von 2022 <span style="background:transparent;">noch vorhanden (siehe oben).</span></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>(4) Nachhaltigkeit der Wertschöpfungskette fördern</strong></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Das 4. Ziel sieht freiwillige Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel vor. Das heisst, die vier grössten Detailhändler (Migros, Coop, Aldi und Lidl) sollen an einen Tisch gebracht werden und sich gemeinsam zur Einhaltung bestimmter Nachhaltigkeitsziele verpflichten. Hierzu könnten zum Beispiel auch Zielsetzungen bezüglich des Umfangs von Tierwohl-Sortimenten oder pflanzlicher Proteine gehören; die Zielsetzungen sind also direkt relevant für die Tiere in der Schweizer Landwirtschaft. Wenn es gelingt, alle vier Unternehmen mit ins Boot zu holen, ist dies ein realistischer Weg, um wirklich etwas zu verändern. Wenn hingegen nicht alle Detailhändler gewillt sind, zu unterschreiben, dürfte das Vorhaben scheitern. Die nicht-unterschreibenden Parteien wären dann nämlich gegenüber den unterschreibenden Parteien im Vorteil, was Letztere bestimmt nicht akzeptieren würden. Immerhin soll der Bund, wie er in einem weiteren Dokument schreibt, «bei ungenügend wirksamen Massnahmen […] zudem subsidiäre Regelungen erlassen können» (<a href="https://web.archive.org/web/20260402065147/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/j4dTCC49sYwg/Medienrohstoff%20AP30%2B%20Aussprache%20Bundesrat_de.pdf" target="_blank"><strong>Medienrohstoff AP2030+</strong></a>, S. 4).</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Ebenfalls Bestandteil des 4. Ziels ist die Verstärkung von Kennzeichnungsvorschriften für importierte Produkte. Im Lebensmittelrecht soll demnach «die Rechtsgrundlage für eine Beweislastumkehr geschaffen werden. Importeure müssten dann bei nichtdeklarierten Produkten belegen können, dass diese nicht nach den in der Schweiz verbotenen Produktionsmethoden produziert worden sind.» (Ebd.) Diese Methode klingt grundsätzlich gut und konsequent. <a href="/strenges-tierschutzgesetz-mangelhafter-vollzug"><strong>Ihre tatsächliche Auswirkung auf die Tiere</strong></a> hängt aber stark davon ab, welche Produktionsmethoden in der Schweiz selbst erlaubt sind. Zudem könnte es sein, dass die Regelung vor allem für den Grenzschutz, das heisst, für den Schutz der inländischen Fleischwirtschaft verwendet wird.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><h3 class="western"><strong>Ausblick:</strong> Welche weiteren Meilensteine sind geplant?</h3><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;text-decoration:none;"><strong>Folgende Meilensteine sind ausserdem für die Zukunft vorgesehen:</strong></p><ul><li><p class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>Juli – September 2026: Unterzeichnung der Zielvereinbarungen Detailhandel-Bund</strong></span><span style="font-weight:normal;text-decoration:none;">.</span><span style="font-weight:normal;"> Freiwillige Zielvereinbarungen zwischen Bund und Detailhandel haben viel Potenzial. In der Schweiz ist die Situation so, dass die vier grössten Detailhändler (Migros, Coop, Aldi und Lidl) den Lebensmittelmarkt dominieren. Diese vier sollen an einen Tisch gebracht werden und sich gemeinsam zur Einhaltung bestimmter Nachhaltigkeitsziele verpflichten, wozu auch Zielsetzungen bezüglich des Umfangs von Tierwohl-Sortimenten oder pflanzlicher Proteine gehören können.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><strong>3. September 2026: Vernehmlassungsvorlage Agrarpolitik 2030+</strong><span style="font-weight:normal;"><strong>.</strong> Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) präsentiert </span><span style="font-weight:normal;text-decoration:none;">eine Vorlage für die Vernehmlassung der Agrarpolitik 2030+.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>27. September 2026: </strong></span><span style="font-style:normal;text-decoration:none;"><strong>Abstimmung über die «Initiative für eine sichere Ernährung»</strong></span><span style="font-weight:normal;">. Die Initiative beabsichtigte, die Artikel 104 und 104a BV zu reformieren. Unter anderem sollte der Bund einen Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 % anstreben. Die Initiative griff damit viele Themen auf, die auch in der Agrarpolitik 2030+ behandelt werden – wenn auch der Bund hier etwas weniger ambitionierte Ziele verfolgt. </span><a href="/unterstuetzung-ernaehrungssicherheit"><span style="font-weight:normal;"><strong>Swissveg unterstützte die Initiative</strong></span></a><span style="font-weight:normal;"> und hat sich bereits ausführlich mit den </span><a href="/initiative-Ernaehrungssicherheit-gegenargumente"><span style="font-weight:normal;"><strong>Argumenten der Gegner</strong></span></a><span style="font-weight:normal;"> auseinandergesetzt. Leider wurde die Initiative von der Schweizer Stimmbevölkerung </span><a href="https://www.admin.ch/de/ernaehrungsinitiative" target="_blank"><span style="font-weight:normal;">deutlich abgelehnt</span></a><span style="font-weight:normal;">.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>3. September – 8. Dezember 2026: Vernehmlassungsprozess des Gesetzespakets «Agrarpolitik 2030+»</strong></span><span style="font-weight:normal;">, unter der Teilnahme verschiedenster Institutionen und Interessenvertreter. Wie der Vernehmlassungsprozess ablaufen wird, siehe nächstes Kapitel. Swissveg wird den Prozess nahe verfolgen. Im zweiten Artikel dieser Serie wird darauf eingegangen werden, was aus der Vernehmlassung schlussendlich hervorgeht.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>Vor Ende 2027: Unterbreitung einer bundesrätlichen Botschaft für Gesetzesänderungen im Rahmen der AP 2030+</strong></span>. Der Bundesrat unterbreitet dem Parlament seine Vorlage für das Gesetz zur AP 2030+.<a href="#9_unten"><strong><sup>9</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="9_oben"></a></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>2028: Parlamentarische Beratung zur AP 2030</strong></span><span style="font-weight:normal;">: Mit dem Beginn der nächsten Legislaturperiode (2028-2031) berät das Parlament über die Gesetzesvorlage.</span><a href="#10_unten"><span style="font-weight:normal;"><strong><sup>10</sup></strong></span></a><a class="ck-anchor" id="10_oben"></a><span style="font-weight:normal;"> Es kann dann entweder das Gesetz in der vorliegenden Form verabschieden, Änderungen vornehmen und es verabschieden oder die Vorlage als Ganzes an den Bundesrat zurückweisen. Wenn das Gesetz vom Parlament verabschiedet wird, beginnt die hunderttägige Frist für ein Referendum. Wird ein Referendum ergriffen und ist es erfolgreich, kommt es zur Volksabstimmung über das Gesetz. Bleibt das Referendum erfolglos, tritt das Gesetz in der Form, wie es das Parlament verabschiedet hat, in Kraft.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><strong>2029: Das Parlament verabschiedet die zum Gesetz gehörenden Verordnungen.</strong><a href="#11_unten"><strong><sup>11</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="11_oben"></a></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>2030: Einführung der Agrarpolitik 2030+.</strong></span><a href="#12_unten"><span style="text-decoration:none;"><strong><sup>12</sup></strong></span></a><a class="ck-anchor" id="12_oben"></a></p></li></ul><div id="sdfootnote1"><p class="sdfootnote"> </p></div><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><span style="font-weight:normal;"><sup></div></sup></span></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><h2 class="western">Die Vernehmlassung: ein vielschichtiger Prozess</h2><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Um sich ein umfassendes Bild davon zeichnen zu können, welche Chancen und Risiken die «Agrarpolitik 2030+» birgt, muss auch betrachtet werden, durch welche politischen Prozesse sie </span>überhaupt <span style="font-weight:normal;">zustande kommt. Hier geht es deshalb nun um die Vernehmlassung, welche zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels gerade begonnen hat. Im zweiten Artikel dieser Serie kann dann ein Blick auf die Resultate der Vernehmlassung geworfen werden.</span></p><p class="western"> </p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3 class="western">Wie läuft der Vernehmlassungsprozess ab?</h3><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/Aussprache%20Folien%20Zeitplan%20S.20_0.jpg" data-entity-uuid="dda6adb2-2921-4f61-ac7d-dc52a0eb7025" data-entity-type="file" alt="" width="1166" height="461" class="align-center" /><p class="text-align-center western">Es vergeht viel Zeit bis zur Einführung der neuen Agrarpolitik. Bildquelle: <a href="https://web.archive.org/web/20260721094220/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf#page=20" target="_blank">Folien «Agrarpolitik 2030+»</a>, BLW, S. 20</p><p class="western"> </p><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Am 3. September dieses Jahres veröffentlichte das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), zu dem auch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) gehört, eine Vernehmlassungssvorlage. Nun – bis zum 8. Dezember 2026 – läuft der eigentliche Vernehmlassungsprozess. In einer Reihe von Konsultationen (siehe unten) dürfen verschiedene Interessengruppen und politischen Vertreter die Vorlage prüfen und Rückmeldungen dazu geben. Die Gesetzesvorlage wird also partizipativ erarbeitet:</span><a href="#13_unten"><span style="font-weight:normal;"><strong><sup>13</sup></strong></span></a><a class="ck-anchor" id="13_oben"></a></p><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/AP%2030%20Folien%20Partizipative%20Erarbeitung_0.jpg" data-entity-uuid="672b00d5-0c1c-4977-8cf6-03f7a06be327" data-entity-type="file" alt="" width="1559" height="648" class="align-center" /><p class="text-align-center western">Die Gesetzesvorlage wird partizipativ erarbeitet. Bildquelle: <a href="https://web.archive.org/web/20260721094220/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf#page=6" target="_blank">Folien «Agrarpolitik 2030+»</a>, BLW, S. 6</p><p class="text-align-justify western"> </p><p class="western"><span style="font-weight:normal;">Zentral ist hier die «</span><span style="background:transparent;font-weight:normal;">Begleitgruppe AP30+», denn hierbei handelt es sich um diverse «Akteure der Lebensmittelkette und agrarpolitisch relevante Interessenvertretungen». Es lohnt sich ein Blick auf die Liste der teilnehmenden Organisationen:</span></p><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/AP30%20Folien%20Zusammensetzung%20der%20Begleitgruppe_0.jpg" data-entity-uuid="c8c3f6e2-3100-44f2-b671-6a72009b2df8" data-entity-type="file" alt="" width="1606" height="770" class="align-center" /><p class="text-align-center western">Unterschiedlichste Organisationen sind Teil der «Begleitgruppe AP30+». Bildquelle: <a href="https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/ST9Tj2hmOs9i/AP30%2B%20Zukünftige%20Politik%20für%20eine%20nachhaltige%20Land-%20und%20Ernährungswirtschaft%20(Folienset).pdf#page=12" target="_blank">Folien «AP30+: Zukünftige Politik für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft»</a>, BLW, S. 12</p><p class="text-align-justify western"> </p><p class="western">Wie aus dieser Liste leicht ersichtlich ist, sitzen viele Lobby-Organisationen, die das gegenwärtige System vertreten, mit am Tisch. Proviande vertritt die Fleischbranche, Economiesuisse ist ein neoliberaler Wirtschafts-Thinktank und auch der Schweizerische Bauernverband ist nicht gerade für seine fortschrittliche Einstellung in Sachen Tierrechte bekannt. Auf der anderen Seite fehlen zudem der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP), sowie der Schweizer Obstverband.</p><p class="western">Und welche von diesen Organisationen, stellt sich nun die Frage, vertritt eigentlich die Interessen der Tiere? Am ehesten ist dies von der <strong>Umweltallianz</strong> zu erwarten, welche die sechs Umweltorganisationen <a href="https://umweltallianz.ch/ueber-uns/" target="_blank"><strong>BirdLife, Greenpeace, Pro Natura, SES (Schweizerische Energiestiftung), VCS (Verkehrs-Club der Schweiz) und WWF (World Wide Fund for Nature)</strong></a> zusammenbringt. Vertreten wird diese im Vernehmlassungsprozess von Marcel Liner, Leiter Agrarpolitik bei Pro Natura. <a href="https://umweltallianz.ch/wp-content/uploads/2026/04/2026-05-6-UWA-Musterstellungnahme-Landwirtschaft-Verordnungspaket-2026-2026-04-17.pdf" target="_blank"><strong>Die Umweltallianz hat sich bereits am Vernehmlassungsprozess zum landwirtschaftlichen Verordnungspaket 2026 beteiligt</strong></a>, welches viele Massnahmen vorwegnimmt, die mit der Agrarpolitik 2026 auf Gesetzesebene angedacht sind.</p><p class="western">Die Mitglieder der Begleitgruppe werden während den Monaten, in denen die Vernehmlassung läuft, Stellung nehmen zur Vernehmlassungsvorlage. Auch Swissveg wird eine eigene Stellungnahme veröffentlichen, denn diese Option steht grundsätzlich allen Organisationen offen. Für den Bund liefert dieser Prozess wichtige Anhaltspunkte für etwaige Anpassungen im Gesetzespaket.</p><div id="sdfootnote1"><p class="sdfootnote"> </p></div><h3 class="western">Welche Resultate wünschen wir uns vom Vernehmlassungsprozess?</h3><p class="western">Der Bund setzt sich für die Erneuerung seiner Agrarpolitik folgende Ziele, die weiter oben eingehend behandelt wurden:</p><ul><li><p class="western">Steigerung des Selbstversorgungsgrades</p></li><li><p class="western">Vernetzung mit sechs anderen Strategiepapieren des Bundes</p></li><li><p class="western">Komplexitätsreduzierung für Landwirtschaftsbetriebe</p></li><li><p class="western">Übertragung von mehr Verantwortung auf Landwirtschaftsvertriebe und Detailhändler</p></li><li><p class="western">Direktzahlungen: Umstieg von Handlungsvorschriften zu Ergebnisorientierung</p></li><li><p class="western">Detailhandel: Freiwillige Zielvereinbarungen zu Nachhaltigkeitszielen, die in einer späteren Phase durch subsidiäre Regelungen ergänzt werden können</p></li></ul><p class="western">Die <strong>Steigerung des Selbstversorgungsgrades hat vielleicht das grösste Potenzial, das massive Tierleid in der Schweizer Landwirtschaft zu reduzieren</strong>. Denn durch die konsequente Umsetzung der Feed-No-Food-Strategie und eine damit einhergehende stärkere Subventionierung des Pflanzenanbaus bei gleichzeitiger Reduktion oder Aufhebung der Subventionen für Fleisch, Milch, Eier und Fleischwerbung könnten viele Landwirtschaftsbetriebe den Umstieg schaffen und zukünftig leidfreie Nahrung für Menschen anbauen.</p><p class="western"><strong>Eine weitere Chance besteht mit den freiwilligen Zielvereinbarungen zwischen Bund und Detailhandel. </strong>Wenn es den vier grössten Detailhändlern (Migros, Coop, Lidl, Aldi) gelingt, sich auf Zielsetzungen zu einigen, die zu einer deutlichen Reduktion tierbasierter und einer Erweiterung pflanzenbasierter Sortimente führt, wäre das ein messbarer Erfolg. So könnten sie sich etwa dazu verpflichten, die Preise der am wenigsten nachhaltigen Produkte – was vor allem tierbasierte Produkte betreffen wird – mit einem pauschalen oder relativen Aufschlag zu versehen, wodurch sich die Nachfrage zugunsten der pflanzenbasierten Produkte ändern dürfte.<span style="font-weight:normal;"> Eine zusätzliche Option wäre der gemeinsame</span><strong> Verzicht auf Aktionen und andere zeitlich begrenzte Preisnachlässe bei tierbasierten Produkten.</strong> Bestimmt dürften den Detailhändlern noch weitere gute Ideen kommen, wenn ihnen etwas an der Verbesserung der Nachhaltigkeits- und Tierschutzsituation in der Schweiz liegt.</p><p class="western">Es besteht also eine Hoffnung, dass die Agrarpolitik 2030+ zu Verbesserungen in der tierbasierten Landwirtschaft führt. Wie realistisch diese Hoffnung jedoch ist, wird dadurch in Zweifel gezogen, dass in der partizipativen Erarbeitung verschiedenste grosse und einflussreiche Lobby-Organisationen mitreden, die den Status Quo vertreten. Es fehlen in der Begleitgruppe zudem wichtige Organisationen, die für den pflanzenbasierten Teil der Schweizer Landwirtschaft sprechen (Verband Schweizer Gemüseproduzenten, Schweizer Obstverband). Da der Bund und das Parlament ein Interesse daran haben, dass die Agrarpolitik 2030+ am Ende erfolgreich verabschiedet werden kann und auch nicht an einem Referendum scheitert, kann davon ausgegangen werden, dass die vor Ende 2027 vorliegende Gesetzesvorlage verglichen mit der Vision aus früheren Strategiepapieren (Klimastrategie 2050, Ernährungsstrategie 2025-2032) stark verwässert sein wird.</p><p class="western"> </p></div><h2><br /><a class="ck-anchor" id="fazit"></a>Fazit</h2><p class="western">Zusammengefasst lässt sich sagen: Der Bund hat viel Vorarbeit geleistet und sich im Rahmen verschiedener Strategiepapiere für Veränderungen in der Schweizer Landwirtschaft ausgesprochen. Die wichtigsten Zielsetzungen des Bundes lauten folgendermassen:</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3 class="western">Die wichtigsten Zielsetzungen des Bundes</h3><p class="western">1. Bericht «Zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik» (22. Juni 2022)</p><ul><li><p class="western">Fordert <strong>mehr pflanzenbasierte Landwirtschaft</strong></p></li><li><p class="western">Will die <strong>Ernährungssicherheit besser fördern</strong></p></li><li><p class="western">Verlangt <strong>Verbesserungen beim Tierwohl</strong></p></li><li><p class="western">Und strebt einen ganzheitlichen Ansatz an, das heisst: Reformen in den Bereichen Produktion, Verarbeitung, Handel und Konsum sollen gemeinsam angegangen werden</p></li></ul><p class="western"><span style="background:transparent;">2. «Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050» (5. September 2023)</span></p><ul><li><p class="western">Sieht Potenziale, die ernährungsbasierten Emissionen um drei Viertel und die Emissionen aus der Landwirtschaft um ein Drittel zu reduzieren und gleichzeitig den Selbstversorgungsgrad anzuheben</p></li><li><p class="western">Fordert hierzu eine konsequente Feed-no-Food-Strategie: <strong>Äcker sollen Nahrung für Menschen Produzieren, nicht für Nutztiere</strong></p></li><li><p class="western">Direktzahlungen sollen gezielter eingesetzt werden, um diese Ziele zu erreichen</p></li></ul><p class="western">3. «Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032» (16. April 2025)</p><ul><li><p class="western">Steht in Verbindung zu sechs weiteren wichtigen Strategiepapieren des Bundes – denn was wir essen und trinken hat weitreichende Folgen für Klima, Umwelt und Gesundheit</p></li><li><p class="western">Es sollen <strong>deutlich weniger tierische und mehr hochwertige pflanzliche Produkte auf den Schweizer Tellern</strong> landen</p></li><li><p class="western">Die Ernährungspyramide wurde entsprechend angepasst</p></li></ul><p class="western">4. Aussprache des Bundesrates zur Agrarpolitik 2030+ (18. Februar 2026)</p><ul><li><p class="western">Die Berechnung der Direktzahlungen soll neu nicht mehr aus Basis von Handlungsanweisungen, sondern anhand des Erreichens bestimmter Zielsetzungen erfolgen (welche Folgen dies für die Tiere in der Landwirtschaft hat, ist unklar)</p></li><li><p class="western">Es soll <strong>mehr Förderung für den Anbau von Pflanzen</strong> (inkl. Blühstreifen für bestäubende Insekten) geben – hier fehlt jedoch, dass man auch die Förderung für tierische Produkte reduzieren sollte</p></li><li><p class="western">Detailhandel und Bund sollen <strong>freiwillige Zielvereinbarungen</strong> treffen, die z.B. eine gemeinsame Erweiterung pflanzenbasierter Sortimente bewirken könnten</p></li></ul><p class="western">Auffallend ist, dass der Bundesrat mit seiner Medienmitteilung zur Agrarpolitik 2030+ schon weniger deutliche Forderungen stellt, als dies noch beim Bericht von 2022 und in der Klimastrategie der Fall war.</p></div><p class="western"> </p><p class="western">Vom 3. September 2026 bis zum 8. Dezember 2026 befindet sich das Gesetzespaket «Agrarpolitik 2030+» in der Vernehmlassung.</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3 class="western">Zum Prozess der Vernehmlassung</h3><p class="western">Während der Vernehmlassung können verschiedenste Organisationen und Interessenvertretungen ihre Ideen mit einbringen. Hier gibt es aber folgendes Problem:</p><ul><li><p class="western">Der Gesetzgeber ist daran interessiert, dass das Gesetzespaket <strong>erfolgreich und ohne Referendum</strong> realisiert wird. Deshalb muss er alle relevanten Interessengruppen berücksichtigen.</p></li><li><p class="western"><strong>Die Fleisch- und Milchlobby sind enorm einflussreiche Akteure</strong> und die tierbasierte Landwirtschaft hat in der Schweiz nach wie vor einen sehr guten Ruf.</p></li><li><p class="western">Es kann daher davon ausgegangen werden, dass das <strong>Resultat noch einmal deutlich verwässert</strong> ausfallen wird und sich für die Tiere in der Landwirtschaft durch dieses Gesetzespaket nicht viel verbessern wird.</p></li></ul><p class="western"><span style="font-weight:normal;">Dies, obwohl eigentlich ein grosser Handlungsbedarf besteht. </span>Denn die tierbasierte Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Treiber des Klimawandels, eine zentrale Ursache für die Zunahme nichtübertragbarer Erkrankungen und antibiotikaresistenter Keime und einer der grössten Verursacher von unnötigem Leid.</p><p class="western"> </p></div><p class="western"> </p><p class="western"> </p><p class="western"><a href="swissveg.ch/beitrittsformular" target="_blank"><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/Mitglied_0.png" data-entity-uuid="e8780796-cdee-4f3b-bf16-33fdfcc539fa" data-entity-type="file" alt="" width="14.22%" height="295" class="align-right" /></a></p><p class="western">Ob diese Landwirtschaftsreform nun wirklich etwas für die Tiere verändert oder nicht – <strong>Swissveg bleibt auf jeden Fall engagiert für Tiere, Umwelt und Gesundheit</strong> und wird sich darum ebenfalls am Vernehmlassungsprozess beteiligen. Dafür braucht es Zeit und Geld, darum: Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt und Sie es gut finden, wenn wir auch weiterhin solche komplexen Thematiken für die vegane Community und alle anderen Interessierten aufbereiten, dann <a href="/beitrittsformular"><strong><u>denken Sie bitte über eine Mitgliedschaft nach</u></strong></a>. Als Swissveg-Mitglied unterstützen Sie unseren Einsatz und profiteren zudem von einigen attraktiven Vorteilen. Vielen Dank! :)</p><p class="text-align-justify western">Um keine weiteren Neuigkeiten von Swissveg zu verpassen, folgen Sie uns auf:</p><ul><li><p class="text-align-justify western"><a href="https://www.linkedin.com/company/swissveg" target="_blank">Linkedin</a></p></li><li><p class="text-align-justify western"><a href="https://www.facebook.com/swissveg/" target="_blank">Facebook</a></p></li><li><p class="text-align-justify western"><a href="https://www.instagram.com/swissveg.ch/" target="_blank">Instagram</a></p></li></ul><p class="text-align-justify western"> </p><p class="text-align-justify western"> </p><p class="text-align-center western">Bildquelle Titelbild: Ein Sojafeld in Winterthur, Swissveg 2012</p><p class="text-align-center western"> </p><p class="text-align-center western"> </p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <p><a class="ck-anchor" id="1_unten"></a>1: &nbsp; Vgl. Bundesamt für Landwirtschaft (2023): Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050, Teil 1, S. 14: «Eine Vielzahl von Studien kommt zum Schluss, dass eine Ernährung, die reich an pflanzlichen Lebensmitteln ist und weniger Fleisch enthält, sowohl der Gesundheit als auch der Umwelt zugute­ kommt. Gemäss den aktuell zur Verfügung stehenden wissen­schaftlichen Informationen könnten die Emissionen der Ernäh­rung pro Person bei einer entsprechenden Ernährungsweise und der Minimierung von Lebensmittelverlusten bis 2050 gegenüber dem heutigen Stand theoretisch um drei Viertel reduziert werden. Bei den Emissionen aus der landwirtschaftlichen Inland­produktion ist theoretisch eine Reduktion um gut einen Drittel bzw. eine Halbierung gegenüber 1990 bei höherem Selbstversor­gungsgrad möglich.» <a href="https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/-bBGw0kfxxh3/KSLE_2050_Teil_1_D.pdf" target="_blank">(https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/-bBGw0kfxxh3/KSLE_2050_Teil_1_D.pdf</a>, S. 14.)&nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;<a href="#1_oben">↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="2_unten"></a>2: &nbsp; Auf S. 45 wird dies konkretisiert: «Die Ernährung der Schweizer Bevölkerung ist unausgewogen. Einerseits wird zu viel Süsses, Salziges, Alkohol, tierisches Fett und Fleisch konsumiert. Andererseits werden zu wenig Milchprodukte, stärkehaltige Produkte, Früchte und Gemüse gegessen. Der Pro-Kopf-Konsum von Fleischprodukten beträgt das Dreifache der empfohlenen Menge. Hingegen werden nur zwei statt drei Portionen Milchprodukte konsumiert.» Die Behauptung, dass tierbasierte Milchprodukte für ein gesundes Leben nötig sind, entspricht nicht mehr der heutigen Faktenlage. Hier gibt es einen Artikel zu den in der Schweiz weitverbreiteten Milch-Mythen: <a href="/die_milch_im_mythen-check">https://www.swissveg.ch/de/die_milch_im_mythen-check</a>. &nbsp; &nbsp;&nbsp;<a href="#2_oben">↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="3_unten"></a>3: &nbsp; Der Bericht zitiert (auf S. 21) eine Studie, derzufolge der Selbstversorgungsgrad auf 70% erhöht werden kann, indem deutliche Reduktionen bei allen tierischen Lebensmitteln (ausser Milch – hier hatte wohl die Milchlobby ihre Finger im Spiel) und Zucker (Zuckerrüben haben einen Zweitnutzen als Futtermittel) bewirkt werden, während von den pflanzlichen Lebensmitteln deutlich mehr produziert werden soll (Früchte +120%, Gemüse +190%, Hülsenfrüchte und Nüsse +300%). Vgl. von Ow, Waldvogel und Nemecek: «Environmental optimization of the Swiss population’s diet using domestic production resources», Journal of Cleaner Production, 1. März 2020, doi: 10.1016/j.jclepro.2019.119241, <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0959652619341113?via%3Dihub" target="_blank">https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0959652619341113?via%3Dihub</a><a href="#3_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="4_unten"></a>4: &nbsp; Vgl. Teil 2, S. 42: «Die feed-food-competition tritt zum einen auf, wenn bei Tieren Futtermittel zum Einsatz kommen, die auch für die menschliche Ernährung geeignet wären (Nahrungsmittelkonkurrenz). […] Zum anderen entsteht feed-food-competition, wenn die Futtermittel von Flächen stammen, auf denen auch Nahrungsmittel angebaut werden könnten (Flächenkonkurrenz).» Vgl. auch die konkrete Ausformulierung des Teilziels Produktionsportfolios: «Durch die Produktion von Lebensmitteln statt Futtermitteln kann der Beitrag der inländischen Produktion zum Nahrungsmittelbe­ darf der Bevölkerung in der Schweiz und somit zur Ernährungs­ sicherheit erhöht werden. Die pflanzliche Produktion ist zudem klimafreundlicher als die tierische, weil sie in der Regel weniger THG-Emissionen verursacht» (Teil 2, S. 36).<br><a href="#4_oben">&nbsp; &nbsp; &nbsp;↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="5_unten"></a>5: &nbsp; Dementsprechend lautet das Teilziel Konsummuster: «Die Produktion pflanzlicher Lebensmittel belastet in der Regel die Umwelt weniger stark als die Produktion tierischer Produkte. Aus diesem Grund sollen die Mittel für die Absatzförderung für pflanzliche Produkte in Zukunft gestärkt werden, während jene für tierische Produkte angepasst werden. Ausserdem sollen strengere Auflagen für staatlich subventionierte Werbe-Aussagen gelten» (Teil 2, S. 21) Auffällig ist hier die Formulierung «angepasst» (anstatt «abgeschwächt») bei der Absatzförderung für tierische Produkte.<a href="#5_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="6_unten"></a>6: &nbsp; Übergewicht, Adipositas und Diabetes befinden sich deutlich im Anstieg (Ernährungsstrategie, S. 7). <a href="/uebergewicht">Die vegane Ernährung kann hier unter anderem aufgrund der höheren Aufnahme von Ballaststoffen (Pflanzenfasern) eine positive Wirkung haben.</a><a href="#6_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="7_unten"></a>7: &nbsp; Bisher kommen vor allem Produktionssystembeiträge (PSB) und Biodiversitätsbeiträge (BDB) für ergebnisorientierte Direktzahlungen (EDZ) in Frage. Zudem soll im Direktzahlungsprogramm besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme (BTS) der Vollzug vereinfacht werden. Vgl. «Medienrohstoff AP30+», <a href="https://cms.news.admin.ch/fileservice/sdweb-docs-prod-nsbcch-files/files/2026/02/18/2b629850-6ea6-436b-a07d-08c6b8de0a29.pdf" target="_blank">https://cms.news.admin.ch/fileservice/sdweb-docs-prod-nsbcch-files/files/2026/02/18/2b629850-6ea6-436b-a07d-08c6b8de0a29.pdf</a>, S. 1.<a href="#7_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="8_unten"></a>8: &nbsp; Bei den Insekten setzt der Bund vor allem auf zusätzliche Nützlings- und Rückzugsstreifen sowie den Verzicht auf Mähaufbereiter. Die Förderung pflanzlicher Kulturen soll mittels Einzelkulturbeiträgen für bestimmte Sorten, welche «sich für den Anbau unter den klimatischen Bedingungen der Schweiz eignen und für die eine Nachfrage besteht», vonstatten gehen, Vgl. «Medienrohstoff AP30+», S. 3.<a href="#8_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="9_unten"></a>9: &nbsp;&nbsp;<a href="https://web.archive.org/web/20260402065148/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf">https://web.archive.org/web/20260402065148/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf,</a> S. 20.<a href="#9_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="10_unten"></a>10: &nbsp; Ebd.<a href="#10_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="11_unten"></a>11: &nbsp; Ebd.<a href="#11_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="12_unten"></a>12: &nbsp; Ebd.<a href="#12_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="13_unten"></a>13: &nbsp;&nbsp;<a href="https://web.archive.org/web/20260402065148/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf">https://web.archive.org/web/20260402065148/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf</a><a href="https://web.archive.org/web/20260402065148/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf,">,</a> S. 6.<a href="#13_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="/land">Landflächenverbrauch tierbasierter und pflanzenbasierter Landwirtschaft</a></li><li><a href="/blaualgen-tierische-landwirtschaft">Gefährliche Blaualgenexplosion: Tierische Landwirtschaft zerstört Schweizer Seen</a></li><li><a href="/subventionspolitik">Landwirtschafts-Subventionen</a></li><li><a href="https://www.greenpeace.ch/static/planet4-switzerland-stateless/2026/03/ee3ae5b2-foodvision_zhaw_final.pdf" target="_blank">Vision PLANT50 (ZHAW/Greenpeace)</a></li><li><a href="/strenges-tierschutzgesetz-mangelhafter-vollzug">Strenges Tierschutzgesetz vs. mangelhafter Vollzug</a></li><li><a href="/welfare-washing">Welfare-Washing: Ist die Schweiz wirklich ein Vorbild in Sachen «Tierschutz»?»</a></li><li><a href="/beitrittsformular">Swissveg Beitrittsformular: Mitglied werden</a></li></ul></div> Thu, 15 Oct 2026 22:00:00 +0000 Nurdin 4233 at https://www.swissveg.ch Agrarpolitik 2030+ Teil 1: Chancen und Risiken https://www.swissveg.ch/de/agrarpolitik-2030-Teil-1 <span>Agrarpolitik 2030+ Teil 1: Chancen und Risiken</span> <span><span lang="" about="/de/user/3032" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Nurdin</span></span> <span>16. Oktober 2026 - 0:00</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="text-align-justify western einleitung" style="font-weight:normal;">In der Artikelserie «Agrarpolitik 2030+» untersucht Swissveg, welche Chancen und Risiken die kommende Landwirtschaftsreform für Tier, Mensch und Umwelt birgt, verfolgt den Vernehmlassungsprozess des Gesetzespakets im 4. Quartal 2026 und nimmt Stellung zu den konkreten Ergebnissen.</p><div data-ui-role="accordion"><h3 class="text-align-justify western einleitung" style="font-weight:normal;">Das Wichtigste in Kürze:</h3><ul><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Die «Agrarpolitik 2030+» basiert auf einer ganzen Reihe wichtiger Strategiepapiere in den Bereichen Landwirtschaft, Klima, Ernährung und Gesundheit.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Insbesondere die «Ernährungsstrategie 2025-2032» des Bundes enthält viele gute Ansätze, die auch den Tieren in der Schweizer Landwirtschaft zugunste kämen.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Es gibt einige inhaltliche Zusammenhänge mit der «Initiative für eine sichere Ernährung», etwa die Forderung nach einem höheren Selbstversorgungsgrad und einer nachhaltigeren Schweizer Landwirtschaft.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Am 3. September 2026 startete die Vernehmlassung für das Gesetzespaket. An diesem Prozess politischer Teilhabe wirken verschiedene Gruppen mit teils sehr gegensätzlichen Interessen mit. Deshalb wird daraus ziemlich sicher eine stark verwässerte und für die Tiere in der Schweizer Landwirtschaft nur wenig hilfreiche Gesetzesvorlage hervorgehen.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><u>Ausblick:</u> In Teil 2 wird es näher um die Vernehmlassung gehen. Was steht in der Vorlage und was fehlt darin? Wie positionieren sich Swissveg und andere Tier-Organisationen dazu? Und gäbe es eine bessere Vision für die Zukunft unserer Landwirtschaft, als diese Reform anstrebt?</p></li></ul></div><p class="text-align-justify western"> </p><p class="text-align-justify western"><strong><u>Hinweis:</u> Dieser Artikel ist ziemlich lang und detailliert. Deshalb werden im </strong><a href="#fazit"><strong><u>Fazit</u></strong></a><strong> noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse dieses Artikels zusammengefasst.</strong></p><p class="text-align-justify western"> </p><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/V-Mais_0.JPG" data-entity-uuid="0bb7c182-150a-4150-b667-5e2586f7695f" data-entity-type="file" alt="" width="1920" height="797" /><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;">Futtermais oder Mais für den Menschen? – Was auf Schweizer Äckern wächst, hat weitreichende Folgen. Bildquelle: Swissveg 2006</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Es ist vielleicht gut, sich zuerst einmal ein ungeschöntes Bild davon zu machen, in welchem Zustand die vorwiegend tierbasierte Landwirtschaft der Schweiz sich aktuell befindet und welche Folgen dies für Menschen, Tiere und die Umwelt hat. Deshalb hier ein paar Zahlen und Fakten:</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3 class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Die Schweizer Landwirtschaft – Zahlen und Fakten</h3><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/G%C3%BClle-Bauer.jpg" data-entity-uuid="2c8f83c7-313c-4e7e-8946-4a587ed32ae1" data-entity-type="file" alt="" width="1475" height="581" class="align-center" /><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;">Der Überschuss an Fäkalien ist eines der Probleme, mit denen die Schweizer Landwirtschaft kämpft. Bildquelle: Swissveg 2004</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><ul><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">2025 wurden in der Schweiz <a href="/schlachtzahlen_schweiz"><strong>über 86 Millionen «Nutztiere» geschlachtet</strong></a>. Das sind <strong>über 230'000 Tiere pro Tag</strong>, die meist unter unwürdigen Bedingungen gezüchtet, gemästet und getötet werden. Aus veganer Sicht ist dieses überflüssige Leid der Tiere eine moralische Katastrophe, denn zu jedem tierbasierten Produkt gibt es heutzutage gesunde, wohlschmeckende und bezahlbare pflanzliche Alternativen. Deutliche Veränderungen hin zu einer vermehrt pflanzenbasierten Landwirtschaft sollte deshalb der erste und wichtigste Punkt sein, den ein Reformpaket anstrebt.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Durch die Verlängerung der Nahrungskette über das Tier – also wenn Futter für Tiere angebaut wird, die dann von Menschen gegessen werden, anstatt einfach direkt Pflanzen für die menschliche Ernährung anzubauen – werden Land, Wasser und andere Ressourcen verschwendet und es entstehen enorm viele <strong>unnötige Emissionen</strong>. Tatsächlich liessen sich mit der Umstellung auf eine umweltfreundlichere Ernährungsweise, die unter anderem eine deutliche Reduktion tierischer Produkte beinhaltet, rund drei Viertel der Emissionen der Ernährung vermeiden – diese Zahl haben wir direkt vom Bundesamt für Landwirtschaft.<a href="#1_unten"><strong><sup>1</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="1_oben"></a></p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Der Einsatz von Pestiziden und der Anbau in Monokulturen hat <strong>gravierende Folgen für Wildbienen und andere bestäubende Insekten</strong>, deren Zahl seit Jahrzehnten <a href="/insektensterben"><strong>massiv zurückgeht</strong></a>. Eine pflanzenbasierte Landwirtschaft ist effizienter als eine tierbasierte, benötigt deshalb <a href="/land"><strong>deutlich weniger Land</strong></a> und ist somit besser geeignet für den Erhalt der Biodiversität.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Weil Tiere in der Landwirtschaft oftmals in sehr grosser Anzahl auf sehr engem Raum gehalten werden (z.B. Legehennen, Masthühner und Schweine), werden bei einem Krankheitsausbruch viele Tiere auf einmal mit Antibiotika behandelt. Hierdurch steigt das Risiko, dass sich <a href="/krankmachende-burger"><strong>resistente Keime</strong></a> unter den Tieren ausbreiten und letztlich auch auf den Menschen übertragen.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Weil die tierbasierte Landwirtschaft <strong>Unmengen an Fäkalien</strong> («Gülle») produziert, mit denen Wiesen- und Ackerflächen gedüngt werden, steigen die Ammoniak- und Phosphorwerte in den Böden und im Grundwasser. In den Böden führt das zu einer problematischen Übersäuerung. Und besonders die Seen in der Schweiz sind von den Phosphorüberschüssen betroffen – <a href="/blaualgen-tierische-landwirtschaft"><strong>manche müssen deshalb sogar seit Jahren künstlich beatmet werden</strong></a>.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>Die Schweiz importiert über die Hälfte ihrer Nahrungsmittel</strong> und ist damit abhängig von politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, die sie nicht selbst steuern kann. Eine pflanzenbasierte Landwirtschaft verringert diese Abhängigkeit, indem sie den <a href="/initiative-Ernaehrungssicherheit-gegenargumente"><strong>Selbstversorgungsgrad</strong> </a>erhöht.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>Die Direktzahlungen (Subventionen) des Bundes sind hauptsächlich auf die Förderung der tierbasierten Landwirtschaft ausgerichtet.</strong> So fliessen <a href="/subventionspolitik"><strong>rund 2.24 Milliarden Franken jedes Jahr in die Produktion von Fleisch, Milch, Eiern und anderen tierischen Produkten</strong></a>, während dem Anbau von Pflanzen nur 0.56 Milliarden Franken zukommen. In anderen Worten: rund 80% der Gelder fliessen in eine ineffiziente, unökologische und Tierleid erzeugende Landwirtschaft, während nur rund 20% die effizientere, ökologischere und tierleidfreie Alternative unterstützen. Es ist offensichtlich, dass dieses Subventionsregime nichts mit Nachhaltigkeit zu tun hat und damit sein Ziel verfehlt.</p></li></ul><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p></div><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Wie man sieht: Die Schweizer Landwirtschaft ist ein System, welches tagtäglich enormes Leid und den tausendfachen Tod sogenannter «Nutztiere» hervorbringt. Ein System, das für einen grossen Teil unserer CO<sub>2</sub>-Emissionen, massive Biodiversitätsverluste, gefährliche antibiotikaresistente Keime, die Vergiftung von Seen und eine hohe Importabhängigkeit vom Ausland verantwortlich ist. Und ein System, welches es den Landwirtinnen und Landwirten mit seinem ideologischen Subventionsregime verunmöglicht, ihre Kernaufgabe angemessen zu erfüllen – nämlich die Schweizer Bevölkerung mit gesunden und nachhaltigen Nahrungsmitteln zu versorgen. <strong>Es besteht also ein enormer Reformbedarf.</strong></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Jede Reform auf Gesetzesebene muss sich an die Rahmenbedingungen halten, die durch die Bundesverfassung vorgegeben werden. Es lohnt sich, kurz einen Blick darauf zu werfen, um besser zu verstehen, wohin die Reise mit der «Agrarpolitik 2030+» gehen soll:</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3 class="western">Landwirtschaft und Ernährungssicherheit: Was fordert die Bundesverfassung?</h3><ul><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Gemäss </span><a href="https://www.swissrights.ch/gesetze/Artikel-104-BV-2024-DE.php" target="_blank"><span style="font-weight:normal;"><strong>Artikel 104 der Bundesverfassung</strong></span></a><span style="font-weight:normal;"> muss der Bund unter anderem die </span><strong>Versorgunssicherheit</strong><span style="font-weight:normal;"> gewährleisten (Art. 104, Abs. 1a BV), die landwirtschaftliche </span><strong>Produktion nachhaltig gestalten</strong><span style="font-weight:normal;"> und auf den Markt ausrichten (Abs. 1b) und sie, wo nötig, </span><strong>ergänzend fördern</strong><span style="font-weight:normal;"> (Abs. 2).</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Zwei zentrale Förderwerkzeuge, die der Bund verwendet, sind </span><strong>Direktzahlungen</strong><span style="font-weight:normal;"> und </span><strong>wirtschaftliche Anreize</strong><span style="font-weight:normal;">: Direktzahlungen sind an </span><strong>ökologische Leistungsnachweise</strong><span style="font-weight:normal;"> seitens der Landwirtschaftsbetriebe geknüpft (Abs. 3a) und wirtschaftliche Anreize sollen besonders</span><strong> </strong><span style="font-weight:normal;">naturnahe, umwelt- und </span><strong>tierfreundliche Produktionsformen</strong><span style="font-weight:normal;"> fördern (Abs. 3b).</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Auch bezüglich Umweltschutz in der Landwirtschaft ist der Bund aktiv. Er </span><strong>schützt die Umwelt</strong><span style="font-weight:normal;"> vor überhöhtem Einsatz von </span><strong>Dünger</strong><span style="font-weight:normal;">, Chemikalien und anderen Hilfsstoffen (Art. 3d).</span></p></li></ul><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Zuerst fällt auf, dass hier nicht näher definiert ist, was mit einer «nachhaltigen» Produktion gemeint ist. Bezieht sich diese Formulierung auf rein <span style="text-decoration:none;"><strong>ökonomische Nachhaltigkeit</strong></span>, also einer Lenkung von Inputs und Outputs des Produktionssystems, sodass langfristig immer genügend Nahrungsmittel auf dem Markt verfügbar sind? Oder ist damit auch eine <a href="https://www.aktionstag-nachhaltigkeit.de/wissen/starke-nachhaltigkeit/" target="_blank"><strong>stärkere </strong><span style="text-decoration:none;"><strong>ökologische Nachhaltigkeitskonzeption</strong></span></a><span style="text-decoration:none;"> </span>gemeint, nach der auch der langfristige Erhalt von Naturkapital (mit oder ohne Erlaubnis der Substitution durch andere Kapitalformen) sichergestellt wird? Dies bleibt hier offen für Interpretation.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Die Voraussetzung, dass für den Erhalt von Direktzahlungen ökologische Leistungsnachweise erbracht werden müssen und die Ausrichtung wirtschaftlicher Anreize an besonders naturnahe, umwelt- und tierfreundliche Produktionsformen geknüpft wird, klingt beides gut und fortschrittlich. Da in der Bundesverfassung wirtschaftliche Interessen kategorisch über das Tierwohl gestellt werden, kann hier auch auf Gesetzesebene nicht sehr viel bewirkt werden. Denn was als «besonders tierfreundlich» gilt, orientiert sich in der Praxis meistens einfach an den gerade vorhandenen Methoden und nicht an den Bedürfnissen und Interessen der Tiere. <a href="/welfare-washing"><strong>Der Begriff «Tierwohl» ist oft nicht mehr als «Welfare-Washing»</strong></a>.</p><p class="text-align-justify western"> </p><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Zur </span><strong>Versorgungssicherheit</strong><span style="font-weight:normal;"> gibt es in der Bundesverfassung zusätzlich noch den </span><a href="https://www.swissrights.ch/gesetze/Artikel-104a-bv-2022-DE.php" target="_blank"><span style="font-weight:normal;"><strong>Artikel 104a</strong></span></a><span style="font-weight:normal;">. Dieser legt fest, dass der Bund die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sichern muss, indem er die Voraussetzungen dafür schafft,</span></p><ul><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">dass die </span><strong>Lebensmittelproduktion standortangepasst und effizient</strong><span style="font-weight:normal;"> gestaltet werden kann (Art. 104a, Abs. b BV),</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">dass der Handel mit dem Ausland zur </span><strong>nachhaltigen Entwicklung</strong><span style="font-weight:normal;"> der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen (Abs. d)</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">und dass </span><strong>ressourcenschonend</strong><span style="font-weight:normal;"> mit Lebensmitteln umgegangen wird (Abs. e).</span></p></li></ul><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Durch die Verkürzung der Nahrungskette ist die pflanzenbasierte Landwirtschaft automatisch effizienter, weniger abhängig von Importen und schont deutlich besser unsere Ressourcen als der Status Quo. Es müsste nämlich kein Kraftfutter mehr für die Tiere in der Mast importiert werden, <a href="/wasserverbrauch"><strong>der Wasserverbrauch würde dramatisch sinken</strong></a> und es liessen sich <a href="/land"><strong>mit weniger Fläche mehr Kalorien für den menschlichen Verbrauch</strong></a> produzieren.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Wer die Forderungen von Art. 104 und 104a BV also wirklich ernst nimmt, wird erkennen, dass sie durch eine Verlagerung von der tierbasierten hin zu einer pflanzenbasierten Landwirtschaft am besten erfüllt werden. Dazu gehört auch eine Beendigung der Subventionierung von Fleisch, Eiern, Milchprodukten und deren Bewerbung und eine deutlich stärkere Subventionierung der pflanzenbasierten Landwirtschaft, entsprechender Informationskampagnen und Bildungsmassnahmen.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-07/SwissmilkKampagne_0.jpg" data-entity-uuid="7b6efee7-dacb-49af-bd1a-63dd07222d24" data-entity-type="file" alt="" width="70.58%" height="1414" class="align-center" /><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;">Auch Swissmilk erhält jedes Jahr Millionen Franken Absatzförderung vom Bund. Das Bild zeigt, was wir von ihrer <a href="/Pflanzenmilch-Swissmilk-Kampagne">WM-Kampagne</a> halten.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p></div><p> </p><h2 class="western">Was sind die Voraussetzungen für die Agrarpolitik 2030+?</h2><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Alle die Landwirtschaft betreffenden Gesetze und Verordnungen müssen den genannten Verfassungsgrundsätzen entsprechen, wobei es hier natürlich grosse Spielräume gibt. Deshalb soll nun näher betrachtet werden, wie genau der Bund die Landwirtschaft verändern möchte. Er hat nämlich eine ganze Reihe relevanter Dokumente und Strategiepapiere publiziert, an welche die «Agrarpolitik 2030+» inhaltlich anschliessen soll. Die wichtigsten davon werden nun der Reihe nach vorgestellt:</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><br /><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"></p><h3 class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>Juni 2022:</strong> Bericht «Zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik»</span></h3><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Am 22. Juni 2022 veröffentlicht der Bundesrat seinen </span><a href="https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/72187.pdf" target="_blank"><span style="font-weight:normal;"><strong>Bericht zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik</strong></span></a><span style="font-weight:normal;">.  Der Bericht stellt fest, dass weniger als 40% der Schweizer Ackerfläche zur direkten menschlichen Ernährung genutzt werden und dass sich die Futtermittelimporte in den letzten 20 Jahren nahezu verdoppelt haben (S. 5). Das Schweizer Ernährungssystem ist «ineffizient», denn «nur gerade ein Sechstel des produzierten Proteins landet am Schluss auf dem Teller» (S. 45). Zudem sei «die Ernährung der Schweizer Bevölkerung unausgewogen und verbunden mit einem grossem ökologischen Fussabdruck» (S. 5).</span><a href="#2_unten"><span style="font-weight:normal;"><strong><sup>2</sup></strong></span></a><a class="ck-anchor" id="2_oben"></a><span style="font-weight:normal;"> </span><strong>Deshalb fordert der Bericht auch konkrete Massnahmen, um die Landwirtschaft vermehrt pflanzenbasiert zu gestalten und die Ernährungssicherheit besser zu fördern.</strong><a href="#3_unten"><strong><sup>3</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="3_oben"></a><span style="font-weight:normal;"> Ausserdem brauche es «neben der Landwirtschaft auch eine Weiterentwicklung auf den nachgelagerten Stufen und dem Konsum, […] damit das Ernährungssystem deutlich nachhaltiger und eine Verlagerung von Umwelteffekten ins Ausland vermieden wird» (S. 23). Und </span><strong>der Bericht fordert auch Verbesserungen beim Tierwohl</strong><span style="font-weight:normal;">, «insbesondere in den Bereichen Unterbringung, Pflege und regelmässiger Auslauf der Nutztiere» sowie Tiergesundheit (S. 61). Obwohl der Bericht einen Abschnitt zu «Verarbeitung, Vermarktung und Handel» (S. 54) enthält, geht er nicht auf Missstände bei der Schlachtung von Tieren ein, sondern fordert bloss, dass die Verfütterung von Schlachtnebenprodukten erlaubt werden soll (S. 72). Insgesamt macht der Bericht aber einen recht fortschrittlichen Eindruck und stellt wichtige Forderungen, deren konsequente Umsetzung das massive Tierleid in der Landwirtschaft sowohl quantitativ als auch qualitativ deutlich reduzieren würde.</span></p><div id="sdfootnote1"><p class="sdfootnote"> </p></div><h3 class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>September 2023:</strong> «Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050»</h3><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Am 5. September 2023 veröffentlichen die Bundesämter für Landwirtschaft (BLW), Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und Umwelt (BAFU) gemeinsam die zweiteilige <a href="https://www.blw.admin.ch/de/klimastrategie-landwirtschaft-und-ernaehrung-2050" target="_blank"><strong>«Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050»</strong></a>. Die Klimastrategie fordert, dass in Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Detailhandel und Gastronomie im Sinne der gesetzten Klimaziele wichtige Veränderungen vollzogen werden, damit die Auswirkungen auf den Klimawandel abgemindert und die Schweiz besser auf die Konsequenzen des Klimawandels vorbereitet werden kann. Sie spricht sich deswegen aus für eine «Ernährung, die reich an pflanzlichen Lebensmitteln ist und weniger Fleisch enthält», wodurch die ernährungsbasierten Emissionen «theoretisch um drei Viertel reduziert werden» könnten (Teil 1, S. 14). Zudem sei «bei den Emissionen aus der landwirtschaftlichen Inlandproduktion […] theoretisch eine Reduktion um gut ein Drittel bzw. eine Halbierung gegenüber 1990 bei höherem Selbstversorgungsgrad möglich» (Teil 1, S. 20). <strong>Um dies zu erreichen, fordert die Klimastrategie eine konsequente Feed-No-Food-Strategie</strong>: «Auf Ackerflächen sollen in erster Linie gesunde und nachhaltig erzeugte pflanzliche Produkte für die direkte menschliche Ernährung angebaut werden, während das Grasland ausserhalb der Ackerfläche sowie die unvermeidbaren Verluste aus der Lebensmittelproduktion für die Fütterung der Nutztiere genutzt werden», wodurch die «feed-food-competition» vermindert wird (Teil 2, S. 5).<a href="#4_unten"><strong><sup>4</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="4_oben"></a> <strong>Desweiteren sollen «Direktzahlungen und Marktzulagen gezielter eingesetzt werden»</strong> (Teil 2, S. 5), denn «mit einer Anpassung der bestehenden Beiträge und Zulagen kann der Wandel der Landwirtschaft hin zu einer vermehrten Produktion von Nahrungsmitteln zur direkten menschlichen Ernährung gefördert werden» (Teil 2, S. 42).<a href="#5_unten"><strong><sup>5</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="5_oben"></a> Bei der Förderung (klima-)resistenter Sorten soll unter anderem auch deren «Eignung als Alternative zu tierischen Erzeugnissen» mit in Betracht gezogen werden (Teil 2, S. 39). Diese und weitere Massnahmen sollen mit der Agrarpolitik 2030+ umgesetzt werden (Teil 2, S. 42).</p><div id="sdfootnote2"><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/ZHAW%20Foodvision%20THG-Emissionen%202016%20S.%2024_0.jpg" data-entity-uuid="64c449b6-e16a-4afc-bb1c-a6ae31fbab63" data-entity-type="file" alt="" width="1329" height="504" class="align-center" /><p class="text-align-center sdfootnote">Fast die gesamten Emissionen der Schweizer Landwirtschaft entstehen durch die tierische Produktion. Bildquelle: <a href="https://www.greenpeace.ch/static/planet4-switzerland-stateless/2026/03/ee3ae5b2-foodvision_zhaw_final.pdf#page=24" target="_blank">Vision PLANT50 (ZHAW/Greenpeace)</a>, S. 24</p></div><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><h3 class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>April 2025:</strong> «Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032» und «Aktionsplan 2025-2028»</h3><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/CH-ES%20Ern%C3%A4hrungssituation%20in%20der%20CH_0.jpg" data-entity-uuid="b7512bc2-ba1a-4e27-adcf-12951d1cb5b5" data-entity-type="file" alt="" width="994" height="557" class="align-center" /><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;">Die Schweizerinnen und Schweizer essen zu viele tierische und zu wenig pflanzliche Nahrungsmittel. Bildquelle: <a href="https://web.archive.org/web/20260914143228/https://www.blv.admin.ch/dam/de/sd-web/bjyWlVLt1D-D/DE%20ERNST%202025-2032%2C%20aktualisiert%202026.pdf#page=6" target="_blank">Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032,</a> S. 6</p><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Am 16. April 2025 veröffentlichen das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und das Eidgenössische Departement des Inneren (EDI) gemeinsam die <a href="https://www.blv.admin.ch/de/schweizer-ernaehrungsstrategie" target="_blank"><strong>«Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032»</strong></a> und den damit verbundenen «Aktionsplan 2025-2028».</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Das Ernährungssystem der Schweiz ist eng verflochten mit anderen wichtigen strategischen Bereichen. Deshalb «integriert» die Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032 «verschiedene gesundheits- und <span style="background:transparent;">nachhaltigkeitsbezogene Ansätze» (S. 3).</span></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/CH-ES%206%20Kreise.jpg" data-entity-uuid="cf7bac33-dea9-460c-b22e-7a564e25d89f" data-entity-type="file" alt="" width="59.43%" height="1861" class="align-center" /><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;">Die Schweizer Ernährungsstrategie ist eng verflochten mit anderen wichtigen strategischen Bereichen. Bildquelle: <a href="https://web.archive.org/web/20260914143230/https://www.blv.admin.ch/dam/de/sd-web/bjyWlVLt1D-D/DE%20ERNST%202025-2032%2C%20aktualisiert%202026.pdf#page=5">Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032</a>, S. 5</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><ul><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><span style="background:transparent;"><strong>NCD-Strategie:</strong> Die </span><a href="https://www.bag.admin.ch/de/nationale-strategie-zur-praevention-nichtuebertragbarer-krankheiten" target="_blank"><span style="background:transparent;"><strong>Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten</strong></span></a><span style="background:transparent;"> versucht, die Zunahme nichtübertragbarer Krankheiten («NCD» von Englisch «noncommunicable diseases») zu verhindern und nennt «Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates» als die wichtigsten Beispiele (S. 4). Es liegt auf der Hand, dass die Ernährung bei NCD eine grosse Rolle spielt und es gibt </span><a href="/govegan"><span style="background:transparent;"><strong>etliche Belege</strong></span></a><span style="background:transparent;">, dass die vegane Ernährungsweise das Risiko, an NCD zu erkranken, beträchtlich senkt.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><span style="background:transparent;"><strong>Agrarpolitik (2030+ und vorherige):</strong> Selbstverständlich müssen die politischen Strategien in den Bereichen Ernährung (Konsum) und Landwirtschaft (Produktion) zusammen gedacht werden. Die nächste Version der Agrarpolitik (AP 2030+) ist am 3.9.2026 in die Vernehmlassung gegangen. Wie der Vernehmlassungsprozess genau abläuft, wird weiter unten erklärt. Und was dabei herauskommt, ist Gegenstand des zweiten Artikels dieser Serie.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><span style="background:transparent;"><strong>Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050:</strong> Siehe oben.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>One-Health Ansatz:</strong> Die Idee bei <a href="https://www.blv.admin.ch/de/one-health-de" target="_blank"><strong>«One Health»</strong></a> ist, Gesundheit ganzheitlich zu denken. So schreibt der Bund auf seiner Webseite: «Der One-Health-Ansatz beschreibt, wie die Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und Umwelt zusammenhängen und wie unterschiedliche Sektoren, Disziplinen und die Bevölkerung gemeinsam zu einem nachhaltigen Schutz beitragen.» Mit «Gesundheit» ist hier vor allem der medizinische Begriff gemeint, das heisst, es geht (nebst Krankheiten bei Nutzpflanzen) um Themen wie antibiotikaresistente Keime und Zoonosen (von Tieren auf Menschen übertragbare Erkrankungen, die wiederum Pandemien auslösen können). Dass die <a href="/krankmachende-burger"><strong>extreme Zunahme antibiotikaresistenter Keime eine direkte Folge der Massentierhaltung</strong></a> ist, dürfte inzwischen allseits bekannt sein. Und auch, dass die <a href="/pandemien"><strong>meisten Pandemien durch zu engen Kontakt zwischen Tier und Mensch</strong></a> entstehen und zudem eng mit der Massentierhaltung zusammenhängen, ist nichts Neues. Es würde also sehr dem One-Health-Ansatz entsprechen, die Landwirtschaft mehr auf die Produktion pflanzlicher Lebensmittel auszurichten.</p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><span style="background:transparent;"><strong>Aktionsplan gegen die Lebensmittelverschwendung:</strong> Diesen hat der Bundesrat </span><a href="https://www.bafu.admin.ch/dam/de/sd-web/2vVtDYhy5B9N/aktionsplan_gegen_die_lebensmittelverschwendung.pdf" target="_blank"><span style="background:transparent;"><strong>am 25. September 2018 veröffentlicht</strong></span></a><span style="background:transparent;">. Laut dem Bericht geht «rund ein Drittel aller essbaren Anteile von Lebensmitteln […] zwischen Acker und Teller verloren oder wird verschwendet» (S. 5). Aufgrund der Verkürzung der Nahrungskette würde bei einer pflanzenbasierten Landwirtschaft Lebensmittelverschwendung weniger stark ins Gewicht fallen, da bei der Verschwendung tierbasierter Produkte immer auch die zuvor dem Tier verfütterten Pflanzen mit verschwendet werden. Vegane Ernährung hilft also auch mit, dieses Ziel zu erreichen. (Davon steht im Bericht jedoch nichts.)</span></p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><span style="background:transparent;"><strong>Gesundheit 2030</strong>, die </span><a href="https://www.bag.admin.ch/de/gesundheitspolitische-strategie-des-bundesrats-20202030" target="_blank"><span style="background:transparent;"><strong>gesundheitspolitische Strategie des Bundesrates für die Jahre 2020-2030</strong></span></a><span style="background:transparent;">: Die Umwelt wurde neu als ein wichtiger äusserer Einflussfaktor auf die Gesundheit aufgenommen. Da eine Transformation von der tierbasierten zur pflanzenbasierten Landwirtschaft sich äusserst positiv auf die Umwelt auswirkt, würde dies demnach – nebst der direkten positiven Auswirkungen – auch positive indirekte Effekte via die Umwelt auf die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung bewirken.</span></p></li></ul><div id="sdfootnote1"><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/CH-ES%20Ziele%20S.%2010.jpg" data-entity-uuid="3bc13eac-3c32-4d30-8609-0fe80535aeea" data-entity-type="file" alt="" width="66.94%" height="850" class="align-center" /><p class="text-align-center sdfootnote">Die Zielsetzung der Ernährungsstrategie ist grundsätzlich recht fortschrittlich. Bildquelle: <a href="https://web.archive.org/web/20260914143230/https://www.blv.admin.ch/dam/de/sd-web/bjyWlVLt1D-D/DE%20ERNST%202025-2032%2C%20aktualisiert%202026.pdf#page=10" target="_blank">Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032</a>, S. 10</p><p class="text-align-center sdfootnote"> </p></div><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>Nun zur inhaltlichen Betrachtung der Ernährungsstrategie:</strong> Sie verlangt, dass Ernährungsempfehlungen glaubwürdig, verständlich und wissenschaftlich basiert sind (S. 4). Sie «sollen die Gesundheit fördern, nachhaltig sein, den kulturellen Gewohnheiten entsprechen und in der Praxis umsetzbar sein» (S. 4). Alle diese Punkte (bis auf einen: dass sie den kulturellen Gewohnheiten entspricht) deckt die vegane Ernährungsweise übrigens ab.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Desweiteren kritisiert das Dokument an der aktuellen Ernährungssituation in der Schweiz, dass <strong>zu viel</strong> <span style="text-decoration:none;"><strong>tierische Fette und Fleisch</strong> und <strong>zu wenig hochwertige Pflanzenöle, Früchte und Gemüse</strong> konsumiert w</span>erden (S. 6),<a href="#6_unten"><strong><sup>6</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="6_oben"></a> weshalb sie sich unter anderem der «Stärkung der pflanzenbasierten Ernährung» verschrieben hat (Ziel 3, S. 10). Swissveg engagiert sich schon seit 30 Jahren für eine solche Veränderung unserer Essgewohnheiten. Wer seinen Konsum tierischer Produkte reduzieren will, weiss, dass die von uns <a href="/label-umfrage_2026"><strong>mit dem V-Label als vegan gekennzeichneten Produkte nur pflanzenbasierte Inhaltsstoffe</strong></a> enthalten. Zudem liefert die Zielsetzung des Bundes auch gute Gründe, die Subventionierung von Fleisch, Milch und Eiern zu reduzieren und stattdessen Obst- und Gemüsebauern stärker zu fördern.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Trotz dieser positiv klingenden Zielsetzungen fällt auf, dass zwar oft von der Umwelt die Rede ist, aber nur selten von den Tieren. Der Begriff «Umwelt» wird verwendet, als handle es sich dabei bloss um die unbelebten Anteile der Natur (Klima, Sauberkeit etc.), wodurch das Leid der Tiere – und insbesondere der «Nutztiere» – verschleiert wird.</p><p> </p><p> </p><h3 class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>Dezember 2025:</strong> Studie «Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei weniger Umweltbelastung»</h3><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Am 9. Dezember 2025 publizieren das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und die ETH Zürich die <a href="https://doi.org/10.34776/afs16-212" target="_blank"><strong>bahnbrechende Studie</strong></a><strong> «Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei weniger Umweltbelastung»</strong>. Hier die wichtigsten Punkte:</p><ul><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Die Studie berechnet, dass sich der Netto-Selbstversorgungsgrad (SVG) der Schweiz von aktuell knapp 50% durch kurz- und mittelfristige Optimierungen auf «knapp 70% bis über 100%» erhöhen liesse.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Dabei liegen laut der Studie «die grössten Hebel […] in der Reduktion der Nutzung von Ackerland für die Futter- statt direkte Nahrungsmittelproduktion […] und beim Food Waste». Die Studie greift also die </span><strong>Feed-No-Food-Strategie</strong><span style="font-weight:normal;"> auf und prognostiziert, dass dies mit einer «Reduktion der Tier- und eine[r] Erhöhung der Pflanzenproduktion» einherkäme.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Es ergäbe sich damit eine Produktionsweise, die verglichen mit der heutigen Situation «deutlich besser im Einklang mit den offiziellen Ernährungsempfehlungen und der Klimastrategie des Bundes» wäre.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Weiter entstünden durch die Umsetzung vieler der Massnahmen nicht einmal grössere Investitionskosten oder finanzielle Einbussen für die Betriebe.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Auch die Unausgeglichenheit der Subventionen, die mit den Zielen der Ernährungs- und Klimastrategie im Widerspruch stehen, wird angesprochen.</p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Werden diese Massnahmen umgesetzt, «ergibt sich die Chance, einen Wandel hin zu einem deutlich versorgungssichereren, effizienteren und nachhaltigeren Ernährungssystem einzuleiten.»</span></p></li></ul><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Es wäre äusserst wünschenswert, dass die Vernehmlassungsvorlage und das schlussendlich zu verabschiedende Gesetzespaket zur AP2030+ diese Erkenntnisse mit einbeziehen.</span></p><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/Studie%202025%20SVG%20Massnahmen.jpg" data-entity-uuid="6b2d03c0-2549-4afe-b4f3-35e653a288ea" data-entity-type="file" alt="" width="1093" height="1065" class="align-center" /><p class="text-align-center sdfootnote" style="font-weight:normal;">Durch den Anbau von Nahrungs- statt Futtermitteln liesse sich der Selbstversorgungsgrad der Schweiz markant erhöhen. Bildquelle: <a href="https://www.agrarforschungschweiz.ch/wp-content/uploads/2025/12/212-224_Mueller_Lebensmittel_Selbstversogungsgrad.pdf#page=4" target="_blank">Studie «Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei weniger Umweltbelastung»</a>, S. 215</p><p class="text-align-justify sdfootnote" style="font-weight:normal;"> </p><h3 class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>Januar 2026:</strong> Vernehmlassung für das «Landwirtschaftliche Verordnungspaket 2026»</h3><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Am 28. Januar 2026 eröffnet der Bundesrat die <strong>Vernehmlassung für das «Landwirtschaftliche Verordnungspaket 2026»</strong>, welches ab 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Darin werden schon jetzt einige Veränderungen vorweggenommen, die mit der Agrarpolitik 2030+ dann auch auf Gesetzesebene realisiert werden. <a href="https://umweltallianz.ch/wp-content/uploads/2026/04/2026-05-6-UWA-Musterstellungnahme-Landwirtschaft-Verordnungspaket-2026-2026-04-17.pdf" target="_blank"><strong>Die Umweltallianz hat dazu kritisch Stellung bezogen.</strong></a></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><h3 class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>Februar 2026:</strong> Aussprache des Bundesrates zur kommenden «Agrarpolitik 2030+»</h3><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/Aussprache%20Folien%20Bisheriger%20Reformprozess_0.jpg" data-entity-uuid="9b9fbd4c-dcb9-4959-9b34-c6aba9121bd8" data-entity-type="file" alt="" width="1566" height="727" class="align-center" /><p class="text-align-center western" style="font-weight:normal;">Die stufenweise Weiterentwicklung der Schweizer Agrarpolitik. Bildquelle: <a href="https://web.archive.org/web/20260721094220/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf#page=5" target="_blank">Folien «Agrarpolitik 2030+»</a>, BLW, S. 5</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Am 18. Februar 2026 hielt der Bundesrat seine Aussprache zur kommenden «Agrarpolitik 2030+». In der dazugehörigen <a href="https://www.admin.ch/de/newnsb/6lmKbSWzDwQZM9AeZnB7S" target="_blank"><strong>Medienmitteilung</strong></a><strong> </strong>stellt er folgende vier Ziele für die AP 2030+ vor:</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>(1) Handlungsspielräume vergrössern und administrativen Aufwand reduzieren</strong></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Das 1. Ziel ist für die Tiere von hoher Relevanz, denn neu sollen Direktzahlungen in den Bereichen Ökologie und Tierwohl nicht mehr an die Einhaltung von Handlungsanweisungen geknüpft sein, sondern sich an der Erzielung konkreter Ergebnisse ausrichten. Wie genau die Landwirtinnen und Landwirte diese Ergebnisse erzielen, ist dabei ihnen überlassen – ihr Handlungsspielraum vergrössert sich also. Ob dies für die Tiere letztlich eine Verbesserung oder eine Verschlechterung ihrer Lebens-(und Sterbens-)bedingungen bedeuten wird, ist schwer zu sagen. Administrative Vereinfachungen waren bisher allerdings meist negativ für die Tiere. Und oft bedeuten diese auch weniger (Tierschutz-)Kontrollen. Tierschutzorganisationen sehen darin eine grosse Gefahr.<a href="#7_unten"><strong><sup>7</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="7_oben"></a></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>(2) Gutes Funktionieren der Märkte unterstützen</strong></p><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Das 2. Ziel beinhaltet eine Umsetzung der «vom Parlament geforderten Erhöhung der Milchpreisstützung». </span>Der Milchmarkt funktioniert schon seit längerer Zeit nicht mehr ohne staatliche Unterstützung. Hier von einem «guten Funktionieren der Märkte» zu sprechen ist schon eine grosse Augenwischerei. Nach den Regeln eines freien Marktes könnten heute eigentlich alle tierischen Produkte nur noch vom Ausland importiert werden. Einheimische Produkte wären so viel teurer als importierte (oder besser: pflanzliche) Alternativen, dass sie kaum noch jemand kaufen würde.</p><p class="text-align-justify western"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>(3) Produktionsgrundlagen und Ressourceneffizienz verbessern</strong></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Das 3. Ziel sieht bezüglich der Ernährungssicherheit (unter anderem) «Massnahmen […] zur verstärkten Insektenförderung […] sowie zur selektiv stärkeren Förderung von pflanzlichen Kulturen für die menschliche Ernährung» vor.<a href="#8_unten"><strong><sup>8</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="8_oben"></a> Insekten besser schützen zu wollen ist natürlich lobenswert. Und den Anbau von Pflanzen stärker zu fördern ist immerhin eine Hälfte der Rechnung. Was jedoch fehlt, ist eine Reduktion (oder noch besser: Beendigung) der Förderung tierbasierter Landwirtschaftsformen. Diese Forderung war im «Bericht zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik» von 2022 <span style="background:transparent;">noch vorhanden (siehe oben).</span></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><strong>(4) Nachhaltigkeit der Wertschöpfungskette fördern</strong></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Das 4. Ziel sieht freiwillige Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel vor. Das heisst, die vier grössten Detailhändler (Migros, Coop, Aldi und Lidl) sollen an einen Tisch gebracht werden und sich gemeinsam zur Einhaltung bestimmter Nachhaltigkeitsziele verpflichten. Hierzu könnten zum Beispiel auch Zielsetzungen bezüglich des Umfangs von Tierwohl-Sortimenten oder pflanzlicher Proteine gehören; die Zielsetzungen sind also direkt relevant für die Tiere in der Schweizer Landwirtschaft. Wenn es gelingt, alle vier Unternehmen mit ins Boot zu holen, ist dies ein realistischer Weg, um wirklich etwas zu verändern. Wenn hingegen nicht alle Detailhändler gewillt sind, zu unterschreiben, dürfte das Vorhaben scheitern. Die nicht-unterschreibenden Parteien wären dann nämlich gegenüber den unterschreibenden Parteien im Vorteil, was Letztere bestimmt nicht akzeptieren würden. Immerhin soll der Bund, wie er in einem weiteren Dokument schreibt, «bei ungenügend wirksamen Massnahmen […] zudem subsidiäre Regelungen erlassen können» (<a href="https://web.archive.org/web/20260402065147/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/j4dTCC49sYwg/Medienrohstoff%20AP30%2B%20Aussprache%20Bundesrat_de.pdf" target="_blank"><strong>Medienrohstoff AP2030+</strong></a>, S. 4).</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;">Ebenfalls Bestandteil des 4. Ziels ist die Verstärkung von Kennzeichnungsvorschriften für importierte Produkte. Im Lebensmittelrecht soll demnach «die Rechtsgrundlage für eine Beweislastumkehr geschaffen werden. Importeure müssten dann bei nichtdeklarierten Produkten belegen können, dass diese nicht nach den in der Schweiz verbotenen Produktionsmethoden produziert worden sind.» (Ebd.) Diese Methode klingt grundsätzlich gut und konsequent. <a href="/strenges-tierschutzgesetz-mangelhafter-vollzug"><strong>Ihre tatsächliche Auswirkung auf die Tiere</strong></a> hängt aber stark davon ab, welche Produktionsmethoden in der Schweiz selbst erlaubt sind. Zudem könnte es sein, dass die Regelung vor allem für den Grenzschutz, das heisst, für den Schutz der inländischen Fleischwirtschaft verwendet wird.</p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><h3 class="western"><strong>Ausblick:</strong> Welche weiteren Meilensteine sind geplant?</h3><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;text-decoration:none;"><strong>Folgende Meilensteine sind ausserdem für die Zukunft vorgesehen:</strong></p><ul><li><p class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>Juli – September 2026: Unterzeichnung der Zielvereinbarungen Detailhandel-Bund</strong></span><span style="font-weight:normal;text-decoration:none;">.</span><span style="font-weight:normal;"> Freiwillige Zielvereinbarungen zwischen Bund und Detailhandel haben viel Potenzial. In der Schweiz ist die Situation so, dass die vier grössten Detailhändler (Migros, Coop, Aldi und Lidl) den Lebensmittelmarkt dominieren. Diese vier sollen an einen Tisch gebracht werden und sich gemeinsam zur Einhaltung bestimmter Nachhaltigkeitsziele verpflichten, wozu auch Zielsetzungen bezüglich des Umfangs von Tierwohl-Sortimenten oder pflanzlicher Proteine gehören können.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><strong>3. September 2026: Vernehmlassungsvorlage Agrarpolitik 2030+</strong><span style="font-weight:normal;"><strong>.</strong> Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) präsentiert </span><span style="font-weight:normal;text-decoration:none;">eine Vorlage für die Vernehmlassung der Agrarpolitik 2030+.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>27. September 2026: </strong></span><span style="font-style:normal;text-decoration:none;"><strong>Abstimmung über die «Initiative für eine sichere Ernährung»</strong></span><span style="font-weight:normal;">. Die Initiative beabsichtigte, die Artikel 104 und 104a BV zu reformieren. Unter anderem sollte der Bund einen Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 % anstreben. Die Initiative griff damit viele Themen auf, die auch in der Agrarpolitik 2030+ behandelt werden – wenn auch der Bund hier etwas weniger ambitionierte Ziele verfolgt. </span><a href="/unterstuetzung-ernaehrungssicherheit"><span style="font-weight:normal;"><strong>Swissveg unterstützte die Initiative</strong></span></a><span style="font-weight:normal;"> und hat sich bereits ausführlich mit den </span><a href="/initiative-Ernaehrungssicherheit-gegenargumente"><span style="font-weight:normal;"><strong>Argumenten der Gegner</strong></span></a><span style="font-weight:normal;"> auseinandergesetzt. Leider wurde die Initiative von der Schweizer Stimmbevölkerung </span><a href="https://www.admin.ch/de/ernaehrungsinitiative" target="_blank"><span style="font-weight:normal;">deutlich abgelehnt</span></a><span style="font-weight:normal;">.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>3. September – 8. Dezember 2026: Vernehmlassungsprozess des Gesetzespakets «Agrarpolitik 2030+»</strong></span><span style="font-weight:normal;">, unter der Teilnahme verschiedenster Institutionen und Interessenvertreter. Wie der Vernehmlassungsprozess ablaufen wird, siehe nächstes Kapitel. Swissveg wird den Prozess nahe verfolgen. Im zweiten Artikel dieser Serie wird darauf eingegangen werden, was aus der Vernehmlassung schlussendlich hervorgeht.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>Vor Ende 2027: Unterbreitung einer bundesrätlichen Botschaft für Gesetzesänderungen im Rahmen der AP 2030+</strong></span>. Der Bundesrat unterbreitet dem Parlament seine Vorlage für das Gesetz zur AP 2030+.<a href="#9_unten"><strong><sup>9</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="9_oben"></a></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>2028: Parlamentarische Beratung zur AP 2030</strong></span><span style="font-weight:normal;">: Mit dem Beginn der nächsten Legislaturperiode (2028-2031) berät das Parlament über die Gesetzesvorlage.</span><a href="#10_unten"><span style="font-weight:normal;"><strong><sup>10</sup></strong></span></a><a class="ck-anchor" id="10_oben"></a><span style="font-weight:normal;"> Es kann dann entweder das Gesetz in der vorliegenden Form verabschieden, Änderungen vornehmen und es verabschieden oder die Vorlage als Ganzes an den Bundesrat zurückweisen. Wenn das Gesetz vom Parlament verabschiedet wird, beginnt die hunderttägige Frist für ein Referendum. Wird ein Referendum ergriffen und ist es erfolgreich, kommt es zur Volksabstimmung über das Gesetz. Bleibt das Referendum erfolglos, tritt das Gesetz in der Form, wie es das Parlament verabschiedet hat, in Kraft.</span></p></li><li><p class="text-align-justify western"><strong>2029: Das Parlament verabschiedet die zum Gesetz gehörenden Verordnungen.</strong><a href="#11_unten"><strong><sup>11</sup></strong></a><a class="ck-anchor" id="11_oben"></a></p></li><li><p class="text-align-justify western"><span style="text-decoration:none;"><strong>2030: Einführung der Agrarpolitik 2030+.</strong></span><a href="#12_unten"><span style="text-decoration:none;"><strong><sup>12</sup></strong></span></a><a class="ck-anchor" id="12_oben"></a></p></li></ul><div id="sdfootnote1"><p class="sdfootnote"> </p></div><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"><span style="font-weight:normal;"><sup></div></sup></span></p><p class="text-align-justify western" style="font-weight:normal;"> </p><h2 class="western">Die Vernehmlassung: ein vielschichtiger Prozess</h2><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Um sich ein umfassendes Bild davon zeichnen zu können, welche Chancen und Risiken die «Agrarpolitik 2030+» birgt, muss auch betrachtet werden, durch welche politischen Prozesse sie </span>überhaupt <span style="font-weight:normal;">zustande kommt. Hier geht es deshalb nun um die Vernehmlassung, welche zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels gerade begonnen hat. Im zweiten Artikel dieser Serie kann dann ein Blick auf die Resultate der Vernehmlassung geworfen werden.</span></p><p class="western"> </p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3 class="western">Wie läuft der Vernehmlassungsprozess ab?</h3><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/Aussprache%20Folien%20Zeitplan%20S.20_0.jpg" data-entity-uuid="dda6adb2-2921-4f61-ac7d-dc52a0eb7025" data-entity-type="file" alt="" width="1166" height="461" class="align-center" /><p class="text-align-center western">Es vergeht viel Zeit bis zur Einführung der neuen Agrarpolitik. Bildquelle: <a href="https://web.archive.org/web/20260721094220/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf#page=20" target="_blank">Folien «Agrarpolitik 2030+»</a>, BLW, S. 20</p><p class="western"> </p><p class="text-align-justify western"><span style="font-weight:normal;">Am 3. September dieses Jahres veröffentlichte das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), zu dem auch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) gehört, eine Vernehmlassungssvorlage. Nun – bis zum 8. Dezember 2026 – läuft der eigentliche Vernehmlassungsprozess. In einer Reihe von Konsultationen (siehe unten) dürfen verschiedene Interessengruppen und politischen Vertreter die Vorlage prüfen und Rückmeldungen dazu geben. Die Gesetzesvorlage wird also partizipativ erarbeitet:</span><a href="#13_unten"><span style="font-weight:normal;"><strong><sup>13</sup></strong></span></a><a class="ck-anchor" id="13_oben"></a></p><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/AP%2030%20Folien%20Partizipative%20Erarbeitung_0.jpg" data-entity-uuid="672b00d5-0c1c-4977-8cf6-03f7a06be327" data-entity-type="file" alt="" width="1559" height="648" class="align-center" /><p class="text-align-center western">Die Gesetzesvorlage wird partizipativ erarbeitet. Bildquelle: <a href="https://web.archive.org/web/20260721094220/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf#page=6" target="_blank">Folien «Agrarpolitik 2030+»</a>, BLW, S. 6</p><p class="text-align-justify western"> </p><p class="western"><span style="font-weight:normal;">Zentral ist hier die «</span><span style="background:transparent;font-weight:normal;">Begleitgruppe AP30+», denn hierbei handelt es sich um diverse «Akteure der Lebensmittelkette und agrarpolitisch relevante Interessenvertretungen». Es lohnt sich ein Blick auf die Liste der teilnehmenden Organisationen:</span></p><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/AP30%20Folien%20Zusammensetzung%20der%20Begleitgruppe_0.jpg" data-entity-uuid="c8c3f6e2-3100-44f2-b671-6a72009b2df8" data-entity-type="file" alt="" width="1606" height="770" class="align-center" /><p class="text-align-center western">Unterschiedlichste Organisationen sind Teil der «Begleitgruppe AP30+». Bildquelle: <a href="https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/ST9Tj2hmOs9i/AP30%2B%20Zukünftige%20Politik%20für%20eine%20nachhaltige%20Land-%20und%20Ernährungswirtschaft%20(Folienset).pdf#page=12" target="_blank">Folien «AP30+: Zukünftige Politik für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft»</a>, BLW, S. 12</p><p class="text-align-justify western"> </p><p class="western">Wie aus dieser Liste leicht ersichtlich ist, sitzen viele Lobby-Organisationen, die das gegenwärtige System vertreten, mit am Tisch. Proviande vertritt die Fleischbranche, Economiesuisse ist ein neoliberaler Wirtschafts-Thinktank und auch der Schweizerische Bauernverband ist nicht gerade für seine fortschrittliche Einstellung in Sachen Tierrechte bekannt. Auf der anderen Seite fehlen zudem der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP), sowie der Schweizer Obstverband.</p><p class="western">Und welche von diesen Organisationen, stellt sich nun die Frage, vertritt eigentlich die Interessen der Tiere? Am ehesten ist dies von der <strong>Umweltallianz</strong> zu erwarten, welche die sechs Umweltorganisationen <a href="https://umweltallianz.ch/ueber-uns/" target="_blank"><strong>BirdLife, Greenpeace, Pro Natura, SES (Schweizerische Energiestiftung), VCS (Verkehrs-Club der Schweiz) und WWF (World Wide Fund for Nature)</strong></a> zusammenbringt. Vertreten wird diese im Vernehmlassungsprozess von Marcel Liner, Leiter Agrarpolitik bei Pro Natura. <a href="https://umweltallianz.ch/wp-content/uploads/2026/04/2026-05-6-UWA-Musterstellungnahme-Landwirtschaft-Verordnungspaket-2026-2026-04-17.pdf" target="_blank"><strong>Die Umweltallianz hat sich bereits am Vernehmlassungsprozess zum landwirtschaftlichen Verordnungspaket 2026 beteiligt</strong></a>, welches viele Massnahmen vorwegnimmt, die mit der Agrarpolitik 2026 auf Gesetzesebene angedacht sind.</p><p class="western">Die Mitglieder der Begleitgruppe werden während den Monaten, in denen die Vernehmlassung läuft, Stellung nehmen zur Vernehmlassungsvorlage. Auch Swissveg wird eine eigene Stellungnahme veröffentlichen, denn diese Option steht grundsätzlich allen Organisationen offen. Für den Bund liefert dieser Prozess wichtige Anhaltspunkte für etwaige Anpassungen im Gesetzespaket.</p><div id="sdfootnote1"><p class="sdfootnote"> </p></div><h3 class="western">Welche Resultate wünschen wir uns vom Vernehmlassungsprozess?</h3><p class="western">Der Bund setzt sich für die Erneuerung seiner Agrarpolitik folgende Ziele, die weiter oben eingehend behandelt wurden:</p><ul><li><p class="western">Steigerung des Selbstversorgungsgrades</p></li><li><p class="western">Vernetzung mit sechs anderen Strategiepapieren des Bundes</p></li><li><p class="western">Komplexitätsreduzierung für Landwirtschaftsbetriebe</p></li><li><p class="western">Übertragung von mehr Verantwortung auf Landwirtschaftsvertriebe und Detailhändler</p></li><li><p class="western">Direktzahlungen: Umstieg von Handlungsvorschriften zu Ergebnisorientierung</p></li><li><p class="western">Detailhandel: Freiwillige Zielvereinbarungen zu Nachhaltigkeitszielen, die in einer späteren Phase durch subsidiäre Regelungen ergänzt werden können</p></li></ul><p class="western">Die <strong>Steigerung des Selbstversorgungsgrades hat vielleicht das grösste Potenzial, das massive Tierleid in der Schweizer Landwirtschaft zu reduzieren</strong>. Denn durch die konsequente Umsetzung der Feed-No-Food-Strategie und eine damit einhergehende stärkere Subventionierung des Pflanzenanbaus bei gleichzeitiger Reduktion oder Aufhebung der Subventionen für Fleisch, Milch, Eier und Fleischwerbung könnten viele Landwirtschaftsbetriebe den Umstieg schaffen und zukünftig leidfreie Nahrung für Menschen anbauen.</p><p class="western"><strong>Eine weitere Chance besteht mit den freiwilligen Zielvereinbarungen zwischen Bund und Detailhandel. </strong>Wenn es den vier grössten Detailhändlern (Migros, Coop, Lidl, Aldi) gelingt, sich auf Zielsetzungen zu einigen, die zu einer deutlichen Reduktion tierbasierter und einer Erweiterung pflanzenbasierter Sortimente führt, wäre das ein messbarer Erfolg. So könnten sie sich etwa dazu verpflichten, die Preise der am wenigsten nachhaltigen Produkte – was vor allem tierbasierte Produkte betreffen wird – mit einem pauschalen oder relativen Aufschlag zu versehen, wodurch sich die Nachfrage zugunsten der pflanzenbasierten Produkte ändern dürfte.<span style="font-weight:normal;"> Eine zusätzliche Option wäre der gemeinsame</span><strong> Verzicht auf Aktionen und andere zeitlich begrenzte Preisnachlässe bei tierbasierten Produkten.</strong> Bestimmt dürften den Detailhändlern noch weitere gute Ideen kommen, wenn ihnen etwas an der Verbesserung der Nachhaltigkeits- und Tierschutzsituation in der Schweiz liegt.</p><p class="western">Es besteht also eine Hoffnung, dass die Agrarpolitik 2030+ zu Verbesserungen in der tierbasierten Landwirtschaft führt. Wie realistisch diese Hoffnung jedoch ist, wird dadurch in Zweifel gezogen, dass in der partizipativen Erarbeitung verschiedenste grosse und einflussreiche Lobby-Organisationen mitreden, die den Status Quo vertreten. Es fehlen in der Begleitgruppe zudem wichtige Organisationen, die für den pflanzenbasierten Teil der Schweizer Landwirtschaft sprechen (Verband Schweizer Gemüseproduzenten, Schweizer Obstverband). Da der Bund und das Parlament ein Interesse daran haben, dass die Agrarpolitik 2030+ am Ende erfolgreich verabschiedet werden kann und auch nicht an einem Referendum scheitert, kann davon ausgegangen werden, dass die vor Ende 2027 vorliegende Gesetzesvorlage verglichen mit der Vision aus früheren Strategiepapieren (Klimastrategie 2050, Ernährungsstrategie 2025-2032) stark verwässert sein wird.</p><p class="western"> </p></div><h2><br /><a class="ck-anchor" id="fazit"></a>Fazit</h2><p class="western">Zusammengefasst lässt sich sagen: Der Bund hat viel Vorarbeit geleistet und sich im Rahmen verschiedener Strategiepapiere für Veränderungen in der Schweizer Landwirtschaft ausgesprochen. Die wichtigsten Zielsetzungen des Bundes lauten folgendermassen:</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3 class="western">Die wichtigsten Zielsetzungen des Bundes</h3><p class="western">1. Bericht «Zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik» (22. Juni 2022)</p><ul><li><p class="western">Fordert <strong>mehr pflanzenbasierte Landwirtschaft</strong></p></li><li><p class="western">Will die <strong>Ernährungssicherheit besser fördern</strong></p></li><li><p class="western">Verlangt <strong>Verbesserungen beim Tierwohl</strong></p></li><li><p class="western">Und strebt einen ganzheitlichen Ansatz an, das heisst: Reformen in den Bereichen Produktion, Verarbeitung, Handel und Konsum sollen gemeinsam angegangen werden</p></li></ul><p class="western"><span style="background:transparent;">2. «Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050» (5. September 2023)</span></p><ul><li><p class="western">Sieht Potenziale, die ernährungsbasierten Emissionen um drei Viertel und die Emissionen aus der Landwirtschaft um ein Drittel zu reduzieren und gleichzeitig den Selbstversorgungsgrad anzuheben</p></li><li><p class="western">Fordert hierzu eine konsequente Feed-no-Food-Strategie: <strong>Äcker sollen Nahrung für Menschen Produzieren, nicht für Nutztiere</strong></p></li><li><p class="western">Direktzahlungen sollen gezielter eingesetzt werden, um diese Ziele zu erreichen</p></li></ul><p class="western">3. «Schweizer Ernährungsstrategie 2025-2032» (16. April 2025)</p><ul><li><p class="western">Steht in Verbindung zu sechs weiteren wichtigen Strategiepapieren des Bundes – denn was wir essen und trinken hat weitreichende Folgen für Klima, Umwelt und Gesundheit</p></li><li><p class="western">Es sollen <strong>deutlich weniger tierische und mehr hochwertige pflanzliche Produkte auf den Schweizer Tellern</strong> landen</p></li><li><p class="western">Die Ernährungspyramide wurde entsprechend angepasst</p></li></ul><p class="western">4. Aussprache des Bundesrates zur Agrarpolitik 2030+ (18. Februar 2026)</p><ul><li><p class="western">Die Berechnung der Direktzahlungen soll neu nicht mehr aus Basis von Handlungsanweisungen, sondern anhand des Erreichens bestimmter Zielsetzungen erfolgen (welche Folgen dies für die Tiere in der Landwirtschaft hat, ist unklar)</p></li><li><p class="western">Es soll <strong>mehr Förderung für den Anbau von Pflanzen</strong> (inkl. Blühstreifen für bestäubende Insekten) geben – hier fehlt jedoch, dass man auch die Förderung für tierische Produkte reduzieren sollte</p></li><li><p class="western">Detailhandel und Bund sollen <strong>freiwillige Zielvereinbarungen</strong> treffen, die z.B. eine gemeinsame Erweiterung pflanzenbasierter Sortimente bewirken könnten</p></li></ul><p class="western">Auffallend ist, dass der Bundesrat mit seiner Medienmitteilung zur Agrarpolitik 2030+ schon weniger deutliche Forderungen stellt, als dies noch beim Bericht von 2022 und in der Klimastrategie der Fall war.</p></div><p class="western"> </p><p class="western">Vom 3. September 2026 bis zum 8. Dezember 2026 befindet sich das Gesetzespaket «Agrarpolitik 2030+» in der Vernehmlassung.</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3 class="western">Zum Prozess der Vernehmlassung</h3><p class="western">Während der Vernehmlassung können verschiedenste Organisationen und Interessenvertretungen ihre Ideen mit einbringen. Hier gibt es aber folgendes Problem:</p><ul><li><p class="western">Der Gesetzgeber ist daran interessiert, dass das Gesetzespaket <strong>erfolgreich und ohne Referendum</strong> realisiert wird. Deshalb muss er alle relevanten Interessengruppen berücksichtigen.</p></li><li><p class="western"><strong>Die Fleisch- und Milchlobby sind enorm einflussreiche Akteure</strong> und die tierbasierte Landwirtschaft hat in der Schweiz nach wie vor einen sehr guten Ruf.</p></li><li><p class="western">Es kann daher davon ausgegangen werden, dass das <strong>Resultat noch einmal deutlich verwässert</strong> ausfallen wird und sich für die Tiere in der Landwirtschaft durch dieses Gesetzespaket nicht viel verbessern wird.</p></li></ul><p class="western"><span style="font-weight:normal;">Dies, obwohl eigentlich ein grosser Handlungsbedarf besteht. </span>Denn die tierbasierte Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Treiber des Klimawandels, eine zentrale Ursache für die Zunahme nichtübertragbarer Erkrankungen und antibiotikaresistenter Keime und einer der grössten Verursacher von unnötigem Leid.</p><p class="western"> </p></div><p class="western"> </p><p class="western"> </p><p class="western"><a href="swissveg.ch/beitrittsformular" target="_blank"><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-10/Mitglied_0.png" data-entity-uuid="e8780796-cdee-4f3b-bf16-33fdfcc539fa" data-entity-type="file" alt="" width="14.22%" height="295" class="align-right" /></a></p><p class="western">Ob diese Landwirtschaftsreform nun wirklich etwas für die Tiere verändert oder nicht – <strong>Swissveg bleibt auf jeden Fall engagiert für Tiere, Umwelt und Gesundheit</strong> und wird sich darum ebenfalls am Vernehmlassungsprozess beteiligen. Dafür braucht es Zeit und Geld, darum: Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt und Sie es gut finden, wenn wir auch weiterhin solche komplexen Thematiken für die vegane Community und alle anderen Interessierten aufbereiten, dann <a href="/beitrittsformular"><strong><u>denken Sie bitte über eine Mitgliedschaft nach</u></strong></a>. Als Swissveg-Mitglied unterstützen Sie unseren Einsatz und profiteren zudem von einigen attraktiven Vorteilen. Vielen Dank! :)</p><p class="text-align-justify western">Um keine weiteren Neuigkeiten von Swissveg zu verpassen, folgen Sie uns auf:</p><ul><li><p class="text-align-justify western"><a href="https://www.linkedin.com/company/swissveg" target="_blank">Linkedin</a></p></li><li><p class="text-align-justify western"><a href="https://www.facebook.com/swissveg/" target="_blank">Facebook</a></p></li><li><p class="text-align-justify western"><a href="https://www.instagram.com/swissveg.ch/" target="_blank">Instagram</a></p></li></ul><p class="text-align-justify western"> </p><p class="text-align-justify western"> </p><p class="text-align-center western">Bildquelle Titelbild: Ein Sojafeld in Winterthur, Swissveg 2012</p><p class="text-align-center western"> </p><p class="text-align-center western"> </p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <p><a class="ck-anchor" id="1_unten"></a>1: &nbsp; Vgl. Bundesamt für Landwirtschaft (2023): Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050, Teil 1, S. 14: «Eine Vielzahl von Studien kommt zum Schluss, dass eine Ernährung, die reich an pflanzlichen Lebensmitteln ist und weniger Fleisch enthält, sowohl der Gesundheit als auch der Umwelt zugute­ kommt. Gemäss den aktuell zur Verfügung stehenden wissen­schaftlichen Informationen könnten die Emissionen der Ernäh­rung pro Person bei einer entsprechenden Ernährungsweise und der Minimierung von Lebensmittelverlusten bis 2050 gegenüber dem heutigen Stand theoretisch um drei Viertel reduziert werden. Bei den Emissionen aus der landwirtschaftlichen Inland­produktion ist theoretisch eine Reduktion um gut einen Drittel bzw. eine Halbierung gegenüber 1990 bei höherem Selbstversor­gungsgrad möglich.» <a href="https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/-bBGw0kfxxh3/KSLE_2050_Teil_1_D.pdf" target="_blank">(https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/-bBGw0kfxxh3/KSLE_2050_Teil_1_D.pdf</a>, S. 14.)&nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;<a href="#1_oben">↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="2_unten"></a>2: &nbsp; Auf S. 45 wird dies konkretisiert: «Die Ernährung der Schweizer Bevölkerung ist unausgewogen. Einerseits wird zu viel Süsses, Salziges, Alkohol, tierisches Fett und Fleisch konsumiert. Andererseits werden zu wenig Milchprodukte, stärkehaltige Produkte, Früchte und Gemüse gegessen. Der Pro-Kopf-Konsum von Fleischprodukten beträgt das Dreifache der empfohlenen Menge. Hingegen werden nur zwei statt drei Portionen Milchprodukte konsumiert.» Die Behauptung, dass tierbasierte Milchprodukte für ein gesundes Leben nötig sind, entspricht nicht mehr der heutigen Faktenlage. Hier gibt es einen Artikel zu den in der Schweiz weitverbreiteten Milch-Mythen: <a href="/die_milch_im_mythen-check">https://www.swissveg.ch/de/die_milch_im_mythen-check</a>. &nbsp; &nbsp;&nbsp;<a href="#2_oben">↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="3_unten"></a>3: &nbsp; Der Bericht zitiert (auf S. 21) eine Studie, derzufolge der Selbstversorgungsgrad auf 70% erhöht werden kann, indem deutliche Reduktionen bei allen tierischen Lebensmitteln (ausser Milch – hier hatte wohl die Milchlobby ihre Finger im Spiel) und Zucker (Zuckerrüben haben einen Zweitnutzen als Futtermittel) bewirkt werden, während von den pflanzlichen Lebensmitteln deutlich mehr produziert werden soll (Früchte +120%, Gemüse +190%, Hülsenfrüchte und Nüsse +300%). Vgl. von Ow, Waldvogel und Nemecek: «Environmental optimization of the Swiss population’s diet using domestic production resources», Journal of Cleaner Production, 1. März 2020, doi: 10.1016/j.jclepro.2019.119241, <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0959652619341113?via%3Dihub" target="_blank">https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0959652619341113?via%3Dihub</a><a href="#3_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="4_unten"></a>4: &nbsp; Vgl. Teil 2, S. 42: «Die feed-food-competition tritt zum einen auf, wenn bei Tieren Futtermittel zum Einsatz kommen, die auch für die menschliche Ernährung geeignet wären (Nahrungsmittelkonkurrenz). […] Zum anderen entsteht feed-food-competition, wenn die Futtermittel von Flächen stammen, auf denen auch Nahrungsmittel angebaut werden könnten (Flächenkonkurrenz).» Vgl. auch die konkrete Ausformulierung des Teilziels Produktionsportfolios: «Durch die Produktion von Lebensmitteln statt Futtermitteln kann der Beitrag der inländischen Produktion zum Nahrungsmittelbe­ darf der Bevölkerung in der Schweiz und somit zur Ernährungs­ sicherheit erhöht werden. Die pflanzliche Produktion ist zudem klimafreundlicher als die tierische, weil sie in der Regel weniger THG-Emissionen verursacht» (Teil 2, S. 36).<br><a href="#4_oben">&nbsp; &nbsp; &nbsp;↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="5_unten"></a>5: &nbsp; Dementsprechend lautet das Teilziel Konsummuster: «Die Produktion pflanzlicher Lebensmittel belastet in der Regel die Umwelt weniger stark als die Produktion tierischer Produkte. Aus diesem Grund sollen die Mittel für die Absatzförderung für pflanzliche Produkte in Zukunft gestärkt werden, während jene für tierische Produkte angepasst werden. Ausserdem sollen strengere Auflagen für staatlich subventionierte Werbe-Aussagen gelten» (Teil 2, S. 21) Auffällig ist hier die Formulierung «angepasst» (anstatt «abgeschwächt») bei der Absatzförderung für tierische Produkte.<a href="#5_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="6_unten"></a>6: &nbsp; Übergewicht, Adipositas und Diabetes befinden sich deutlich im Anstieg (Ernährungsstrategie, S. 7). <a href="/uebergewicht">Die vegane Ernährung kann hier unter anderem aufgrund der höheren Aufnahme von Ballaststoffen (Pflanzenfasern) eine positive Wirkung haben.</a><a href="#6_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="7_unten"></a>7: &nbsp; Bisher kommen vor allem Produktionssystembeiträge (PSB) und Biodiversitätsbeiträge (BDB) für ergebnisorientierte Direktzahlungen (EDZ) in Frage. Zudem soll im Direktzahlungsprogramm besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme (BTS) der Vollzug vereinfacht werden. Vgl. «Medienrohstoff AP30+», <a href="https://cms.news.admin.ch/fileservice/sdweb-docs-prod-nsbcch-files/files/2026/02/18/2b629850-6ea6-436b-a07d-08c6b8de0a29.pdf" target="_blank">https://cms.news.admin.ch/fileservice/sdweb-docs-prod-nsbcch-files/files/2026/02/18/2b629850-6ea6-436b-a07d-08c6b8de0a29.pdf</a>, S. 1.<a href="#7_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="8_unten"></a>8: &nbsp; Bei den Insekten setzt der Bund vor allem auf zusätzliche Nützlings- und Rückzugsstreifen sowie den Verzicht auf Mähaufbereiter. Die Förderung pflanzlicher Kulturen soll mittels Einzelkulturbeiträgen für bestimmte Sorten, welche «sich für den Anbau unter den klimatischen Bedingungen der Schweiz eignen und für die eine Nachfrage besteht», vonstatten gehen, Vgl. «Medienrohstoff AP30+», S. 3.<a href="#8_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="9_unten"></a>9: &nbsp;&nbsp;<a href="https://web.archive.org/web/20260402065148/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf">https://web.archive.org/web/20260402065148/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf,</a> S. 20.<a href="#9_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="10_unten"></a>10: &nbsp; Ebd.<a href="#10_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="11_unten"></a>11: &nbsp; Ebd.<a href="#11_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="12_unten"></a>12: &nbsp; Ebd.<a href="#12_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p><p><a class="ck-anchor" id="13_unten"></a>13: &nbsp;&nbsp;<a href="https://web.archive.org/web/20260402065148/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf">https://web.archive.org/web/20260402065148/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf</a><a href="https://web.archive.org/web/20260402065148/https://www.blw.admin.ch/dam/de/sd-web/JjecUxAi3NtN/AP30%2B%20Folien%20Aussprache%20Bundesrat_d.pdf,">,</a> S. 6.<a href="#13_oben"> &nbsp; &nbsp; ↑ Nach oben ↑</a></p></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="/land">Landflächenverbrauch tierbasierter und pflanzenbasierter Landwirtschaft</a></li><li><a href="/blaualgen-tierische-landwirtschaft">Gefährliche Blaualgenexplosion: Tierische Landwirtschaft zerstört Schweizer Seen</a></li><li><a href="/subventionspolitik">Landwirtschafts-Subventionen</a></li><li><a href="https://www.greenpeace.ch/static/planet4-switzerland-stateless/2026/03/ee3ae5b2-foodvision_zhaw_final.pdf" target="_blank">Vision PLANT50 (ZHAW/Greenpeace)</a></li><li><a href="/strenges-tierschutzgesetz-mangelhafter-vollzug">Strenges Tierschutzgesetz vs. mangelhafter Vollzug</a></li><li><a href="/welfare-washing">Welfare-Washing: Ist die Schweiz wirklich ein Vorbild in Sachen «Tierschutz»?»</a></li><li><a href="/beitrittsformular">Swissveg Beitrittsformular: Mitglied werden</a></li></ul></div> Thu, 15 Oct 2026 22:00:00 +0000 Nurdin 4233 at https://www.swissveg.ch Weshalb wird noch immer Fleisch konsumiert? https://www.swissveg.ch/de/umfrage-warum-fleisch-2026 <span>Weshalb wird noch immer Fleisch konsumiert?</span> <span><span lang="" about="/de/user/2566" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Renato</span></span> <span>1. Oktober 2026 - 8:00</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">«Weshalb ernähren Sie sich nicht vegetarisch/vegan?» Diese Frage haben wir schon mehrmals in repräsentativen Umfragen gestellt. Die neuste Umfrage von 2026 an 964 Personen bestätigt einige Gründe, beinhaltet aber auch leichte Veränderungen.</p><h3>Weil es schmeckt</h3><p>Auch wenn der Grund «weil mir Fleisch/Fisch schmeckt» etwas zurückgegangen ist, so ist dies nach wie vor der am häufigsten genannte Grund, weshalb jemand Fleisch konsumiert.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Es ist der einzige Grund, der von mehr als der Hälfte der Befragten angegeben wurde.</p><p>Darauf folgen – mit grossem Abstand – «kein Interesse an veganer/vegetarischer Ernährung» und «aus Gewohnheit». Geschmack ist und bleibt für viele das wichtigste Argument. Umso erfreulicher ist, dass die pflanzliche Küche und hochwertige Alternativprodukte heute mehr Auswahl denn je bieten und zunehmend auch geschmacklich überzeugen, was auch im Rückgang der Befragten, denen vegetarische Speisen nicht schmecken, ersichtlich ist.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Auch wenn die gesundheitlichen Gründe, nur von einer Minderheit als Grund für ihren Fleischkonsum angegeben werden (2017 waren es 31 % und im Jahr 2020 waren es noch 23 %, heute nur noch 18 %), so werden gesundheitliche Argumente wie «wegen Proteinbedarf», «wegen Mangelerscheinungen» oder «ungesunde Alternativprodukte» noch immer häufig bei den «anderen Gründen» genannt.&nbsp;</p><a href="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/Umfrage-2026_Ernaehrung.webp"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/Umfrage-2026_Ernaehrung.webp" alt="Vollständige Tabelle der antworten weshalb jemand Fleisch isst."></a><h3>Unterschied <b title="Essen bewusst wenig Fleisch"><strong>Flexitarier</strong></b> – <b title="Essen &apos;alles&apos; - auch tierische Produkte ohne Einschränkung"><strong>Omnivoren</strong></b></h3><p>Während 14 % der Flexitarier gerne vegetarisch oder vegan leben würden, es aber nicht kontinuierlich schaffen, liegt der Anteil bei den Omnivoren nur bei 2 %. Und 32 % der Omnivoren geben an, dass sie sich nicht dafür interessieren (gegenüber 6 % bei den Flexitariern).</p><p>Rund doppelt so viele Omnivoren als Flexitarier geben an, dass sie die Fleisch- und Milchproduzenten mit ihrem Konsum unterstützen möchten (20 % gegenüber 9 %). Der kontinuierliche Anstieg des flexitarischen Bevölkerungsanteils spricht dafür, dass sich auch die Konsumpräferenzen verändern: Die Bereitschaft, pflanzliche Lebensmittel und deren Produktion zu unterstützen, nimmt zu, während die explizite Unterstützung der Tierproduktion für viele weniger wichtig wird.&nbsp;</p><h3>Weitere deutliche Unterschiede</h3><p>Gut Verdienende (mit einem monatlichen Einkommen über 10000) sind gut über die vegetarische und vegane Ernährung informiert. Nur 2 % davon gaben an, dass sie zu wenig darüber wissen. Im Gegensatz zu den Geringverdienenden mit 11 %.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Jeder zehnte Mann (10 %) gab an, dass ihm vegetarische Speisen nicht schmecken. Bei den Frauen waren dies nur 4 %.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Über ein Drittel der Jungen (15 – 29 Jahre) isst aus Gewohnheit Fleisch. Bei den Älteren sind dies nur halb so viele.</p><h3>Vergleich mit 2020</h3><p>2020 hatten noch 53 % der Befragten angegeben, dass die vegane bzw. vegetarische Ernährung zu kompliziert sei und sie deshalb Fleisch essen. Bei der neusten Umfrage – nur 6 Jahre später – sind es nur noch 9 %, welche es zu kompliziert finden kein Fleisch zu essen. Dies könnte auf die bessere Verfügbarkeit von Alternativprodukten zurückzuführen sein. Aber auch auf die häufigere Produktekennzeichnung mit dem V-Label. Auch das V-Label wurde in diesen Jahren deutlich bekannter.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>&nbsp;</p><a href="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/Umfrage-2026_Ernaehrung-2.webp"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/Umfrage-2026_Ernaehrung-2.webp" alt="veg. Ernährung ist zu kompliziert: Diese Meinung ist stark zurückgegangen (Diagramm)"></a><p>Vor sechs Jahren waren 15 % der Meinung, dass es zu teuer sei sich vegetarisch oder vegan zu ernähren. Diese Zahl ist nun auf 7 % zurückgegangen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Und wegen des Umfelds konnten 2020 13 % nicht umstellen. Heute sind dies nur noch 4 %. Dies zeigt deutlich, dass vegetarische/vegane Ernährung in der Gesellschaft viel akzeptierter ist.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Diese Ernährungsformen werden allgemein kaum noch bekämpft.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>&nbsp;</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <p>Hintergrund zur Umfrage:</p><p>Die repräsentative Umfrage wurde von YouGov im Auftrag von Swissveg zwischen dem 15. und 24. Juni 2026 durchgeführt. Befragt wurden 1020 Personen im Alter zwischen 15 und 79 Jahren, die in der Schweiz leben. Die obige Frage wurde nur den Personen gestellt, die Fleisch konsumieren. Deshalb wurden diese Auswertungen über 964 Personen erstellt.</p></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li>Umfrage 2024: <a href="/umfrage_warum_fleisch_2024">Weshalb wird Fleisch konsumiert?</a></li><li>Vortrag an der Veggie-Planet Bregenz 2018: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=dBdGs-u5NU4" target="_blank" rel="noopener">Warum wird heute noch Fleisch gegessen?</a></li></ul></div> Thu, 01 Oct 2026 06:00:03 +0000 Renato 4216 at https://www.swissveg.ch Herbstsession 2026 https://www.swissveg.ch/de/herbstsession-2026 <span>Herbstsession 2026</span> <span><span lang="" about="/de/user/2566" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Renato</span></span> <span>14. September 2026 - 8:00</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Die Herbstsession der Räte findet vom 14. September bis 2. Oktober 2026 statt. In diesem Artikel finden Sie eine Übersicht über Themen, die aus unserer Perspektive von Bedeutung sind.</p><h2><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Logos/Stopfleberinitiative.webp" alt="Logo der Stopfleber-Initiative" width="14.51%" class="align-right" /><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20240089" target="_blank">24.089 Volksinitiative</a>: «Ja zum Importverbot für Stopfleber (Stopfleber-Initiative)».<br /><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20250404" target="_blank">25.404 Parlamentarische Initiative</a>: Indirekter Gegenentwurf zur Stopfleber-Initiative</h2><p>Der Ständerat behandelt am 15. September die Stopfleber-Initiative und den indirekten Gegenvorschlag dazu.</p><p>Am 22. September folgt dann die Differenzbereinigung mit dem Nationalrat.</p><p><em>Die Räte lehnen die Initiative ab. Sie sprechen sich aber für den indirekten Gegenvorschlag aus. Dieser baut auf der bestehenden Deklarationspflicht auf und führt ein Monitoring des gewerblichen Imports ein. Gehen diese Importe innerhalb von fünf Jahren nicht zurück, kann der Bundesrat Massnahmen ergreifen. Es wird also mindestens weitere 5 Jahre nichts gegen den Import der Stopfleberprodukte unternommen.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20250059" target="_blank">25.059 Volksinitiative</a>: «Ja zum Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte (Pelzinitiative)». Volksinitiative und indirekter Gegenvorschlag (Änderung des Tierschutzgesetzes)</h2><p>Am 15. September wird auch die Initiative zum Importverbot von tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte im Ständerat behandelt.<br />Am 22. September folgt dann die Differenzbereinigung mit dem Nationalrat.</p><p><em>15.9.26: Die Räte haben sich auf einen </em><a href="https://www.parlament.ch/de/services/news/Seiten/2026/20260915102829900194158159026_bsd063.aspx" target="_blank"><em>Gegenvorschlag geeinigt</em></a><em>. Es müssen nur noch Details spezifiziert werden. Über die Initiative selbst werden sie erst diskutieren, wenn der Gegenvorschlag fix ist. Die Räte waren sich einig, dass die Deklarationspflicht nicht funktioniert hat. Deshalb muss dies nun anders geregelt werden.</em></p><p><em>2.10.2026: In der Schlussabstimmung hat das Parlament den indirekten Gegenvorschlag zur Pelz-Initiative definitiv angenommen. Künftig dürfen somit Pelze und Pelzprodukte, die unter Bedingungen erzeugt wurden, die nach Schweizer Tierschutzrecht als tierquälerisch gelten, nicht mehr in die Schweiz importiert oder hier gehandelt werden.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20260046" target="_blank">26.046 Geschäft des Bundesrates</a>: Tierseuchengesetz. Änderung</h2><p>Im Ständerat für 15. September geplant: Der Bundesrat möchte <a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/fga/2026/1700/de" target="_blank">nicht zugelassene Impfstoffe bei Tierseuchen befristet bewilligen</a> können.</p><p><em>15.9.26: Der Ständerat hat dem Bundesrat </em><a href="https://www.parlament.ch/de/services/news/Seiten/2026/20260915100640124194158159026_bsd056.aspx" target="_blank"><em>zugestimmt</em></a><em>: Künftig sollen Nutztiere auch mit Impfstoffen behandelt werden können, die noch nicht eingehend kontrolliert und zugelassen sind, wenn der Bundesrat dies für nötig erachtet. Nun muss sich der Nationalrat damit befassen.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20260033" target="_blank"><img src="https://thumb.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9a/Flag_of_Mercosur.svg/500px-Flag_of_Mercosur.svg.png" alt="Mercosur Logo" width="22.93%" class="align-right" />26.033 Geschäft des Bundesrates</a>: Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und Mercosur. Genehmigung</h2><p>17. September: Differenzbereinigung im Ständerat. Am 28. September erfolgt eine weitere Differenzbereinigung.</p><p>Im Nationalrat wird das Thema am 16. September behandelt. Und am 24. September findet die Differenzbereinigung im Nationalrat statt.</p><p>Das Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosurstaaten würde es ermöglichen zollfrei Fleisch aus Argentinien, Brasilien und den anderen angeschlossenen Staaten in die Schweiz zu importieren. Aus Tierschutzsicht ist dies sehr problematisch.</p><p><em>14.9.2026: Nachdem der Nationalrat das Abkommen abgelehnt hat, hat nun der </em><a href="https://www.parlament.ch/de/services/news/Seiten/2026/20260914185817333194158159026_bsd118.aspx" target="_blank"><em>Ständerat zugestimmt</em></a><em>. Um die Einnahmeausfälle der Schweizer Landwirtschaft abzufedern, hat der Ständerat der Landwirtschaft zusätzliche 517 Millionen Franken für sechs Jahre angeboten. Das Geschäft geht damit wieder zurück zum Nationalrat.</em></p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20263596" target="_blank">26.3596 Interpellation</a>: Sicherstellung des Tierwohls und Rechtssicherheit bei langdauernden Beschlagnahmungen von Tieren</h2><p>Da das Tierschutzgesetz kantonal vollzogen wird, gibt es keine einheitliche Regelung, wie mit beschlagnahmten Tieren umgegangen wird. Oft fehlen sogar Unterbringungsmöglichkeiten für Grosstiere. Eine tiergerechte Versorgung bei langanhaltenden Verfahren ist für die Behörden schwierig umzusetzen.</p><p><em>Die Interpellation konnte in dieser Session doch nicht behandelt werden.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20263901" target="_blank">26.3901 Interpellation</a>: Agroscope zwischen Sparpolitik und nachhaltiger Transformation der Land- und Ernährungswirtschaft. Wie sollen die Ziele bis 2050 erreicht werden?</h2><p>Bei Agroscope sollen 58 Vollzeitstellen abgebaut werden und verschiedene Forschungsthemen reduziert oder aufgegeben werden. Für eine Wende in der Landwirtschaft sind die Forschungsbereiche von Agroscope (z.B. angepasste Nutzpflanzen für unsere Klimazonen selektieren/züchten) wichtig. Hier zu viel Sparen könnte eine Neuausrichtung auf mehr Pflanzenanbau verzögern.</p><p><em>1.10.2026: Über diese Interpellation wurde </em><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=83043" target="_blank"><em>im Ständerat diskutiert</em></a><em>.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20244611" target="_blank">24.4611 Motion</a>: Weniger Anforderungen und Kontrollen für die Alpwirtschaft</h2><p>Die Motion will erreichen, dass die Alpwirtschaftsbetriebe nur noch alle 5 Jahren kontrolliert werden. Dies sehen wir für die Tierhaltung problematisch.</p><p><em>21.9.2026: Die Motion wurde zurückgezogen.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20244672" target="_blank">24.4672 Motion</a>: Stopp der übermässigen Vermehrung von Streunerkatzen!</h2><p>Es soll eine Kastrationspflicht für Katzen geben. Ausnahme: Bauernhofkatzen erst nach dem ersten Wurf.</p><p><em>21.9.2026: Der Nationalrat hat diese Motion </em><a href="https://www.parlament.ch/poly/Abstimmung/52/out/vote_52_33008.pdf" target="_blank"><em>abgelehnt</em></a><em>.</em></p><p> </p><p> </p></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="https://www.swissveg.ch/sessionen?language=de">Sessionen</a></li><li><a href="/sommersession-2026">Sommersession 2026</a></li><li><a href="/fruehlingssession-2026">Frühlingssession 2026</a></li><li><a href="/wintersession-2025">Wintersession 2025</a></li><li>Aktuelles zur Session: <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/sessionen/aktuelle-session" target="_blank">parlament.ch</a></li></ul></div> Mon, 14 Sep 2026 06:00:00 +0000 Renato 4232 at https://www.swissveg.ch Herbstsession 2026 https://www.swissveg.ch/de/herbstsession-2026 <span>Herbstsession 2026</span> <span><span lang="" about="/de/user/2566" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Renato</span></span> <span>14. September 2026 - 8:00</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Die Herbstsession der Räte findet vom 14. September bis 2. Oktober 2026 statt. In diesem Artikel finden Sie eine Übersicht über Themen, die aus unserer Perspektive von Bedeutung sind.</p><h2><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Logos/Stopfleberinitiative.webp" alt="Logo der Stopfleber-Initiative" width="14.51%" class="align-right" /><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20240089" target="_blank">24.089 Volksinitiative</a>: «Ja zum Importverbot für Stopfleber (Stopfleber-Initiative)».<br /><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20250404" target="_blank">25.404 Parlamentarische Initiative</a>: Indirekter Gegenentwurf zur Stopfleber-Initiative</h2><p>Der Ständerat behandelt am 15. September die Stopfleber-Initiative und den indirekten Gegenvorschlag dazu.</p><p>Am 22. September folgt dann die Differenzbereinigung mit dem Nationalrat.</p><p><em>Die Räte lehnen die Initiative ab. Sie sprechen sich aber für den indirekten Gegenvorschlag aus. Dieser baut auf der bestehenden Deklarationspflicht auf und führt ein Monitoring des gewerblichen Imports ein. Gehen diese Importe innerhalb von fünf Jahren nicht zurück, kann der Bundesrat Massnahmen ergreifen. Es wird also mindestens weitere 5 Jahre nichts gegen den Import der Stopfleberprodukte unternommen.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20250059" target="_blank">25.059 Volksinitiative</a>: «Ja zum Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte (Pelzinitiative)». Volksinitiative und indirekter Gegenvorschlag (Änderung des Tierschutzgesetzes)</h2><p>Am 15. September wird auch die Initiative zum Importverbot von tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte im Ständerat behandelt.<br />Am 22. September folgt dann die Differenzbereinigung mit dem Nationalrat.</p><p><em>15.9.26: Die Räte haben sich auf einen </em><a href="https://www.parlament.ch/de/services/news/Seiten/2026/20260915102829900194158159026_bsd063.aspx" target="_blank"><em>Gegenvorschlag geeinigt</em></a><em>. Es müssen nur noch Details spezifiziert werden. Über die Initiative selbst werden sie erst diskutieren, wenn der Gegenvorschlag fix ist. Die Räte waren sich einig, dass die Deklarationspflicht nicht funktioniert hat. Deshalb muss dies nun anders geregelt werden.</em></p><p><em>2.10.2026: In der Schlussabstimmung hat das Parlament den indirekten Gegenvorschlag zur Pelz-Initiative definitiv angenommen. Künftig dürfen somit Pelze und Pelzprodukte, die unter Bedingungen erzeugt wurden, die nach Schweizer Tierschutzrecht als tierquälerisch gelten, nicht mehr in die Schweiz importiert oder hier gehandelt werden.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20260046" target="_blank">26.046 Geschäft des Bundesrates</a>: Tierseuchengesetz. Änderung</h2><p>Im Ständerat für 15. September geplant: Der Bundesrat möchte <a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/fga/2026/1700/de" target="_blank">nicht zugelassene Impfstoffe bei Tierseuchen befristet bewilligen</a> können.</p><p><em>15.9.26: Der Ständerat hat dem Bundesrat </em><a href="https://www.parlament.ch/de/services/news/Seiten/2026/20260915100640124194158159026_bsd056.aspx" target="_blank"><em>zugestimmt</em></a><em>: Künftig sollen Nutztiere auch mit Impfstoffen behandelt werden können, die noch nicht eingehend kontrolliert und zugelassen sind, wenn der Bundesrat dies für nötig erachtet. Nun muss sich der Nationalrat damit befassen.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20260033" target="_blank"><img src="https://thumb.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9a/Flag_of_Mercosur.svg/500px-Flag_of_Mercosur.svg.png" alt="Mercosur Logo" width="22.93%" class="align-right" />26.033 Geschäft des Bundesrates</a>: Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und Mercosur. Genehmigung</h2><p>17. September: Differenzbereinigung im Ständerat. Am 28. September erfolgt eine weitere Differenzbereinigung.</p><p>Im Nationalrat wird das Thema am 16. September behandelt. Und am 24. September findet die Differenzbereinigung im Nationalrat statt.</p><p>Das Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosurstaaten würde es ermöglichen zollfrei Fleisch aus Argentinien, Brasilien und den anderen angeschlossenen Staaten in die Schweiz zu importieren. Aus Tierschutzsicht ist dies sehr problematisch.</p><p><em>14.9.2026: Nachdem der Nationalrat das Abkommen abgelehnt hat, hat nun der </em><a href="https://www.parlament.ch/de/services/news/Seiten/2026/20260914185817333194158159026_bsd118.aspx" target="_blank"><em>Ständerat zugestimmt</em></a><em>. Um die Einnahmeausfälle der Schweizer Landwirtschaft abzufedern, hat der Ständerat der Landwirtschaft zusätzliche 517 Millionen Franken für sechs Jahre angeboten. Das Geschäft geht damit wieder zurück zum Nationalrat.</em></p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20263596" target="_blank">26.3596 Interpellation</a>: Sicherstellung des Tierwohls und Rechtssicherheit bei langdauernden Beschlagnahmungen von Tieren</h2><p>Da das Tierschutzgesetz kantonal vollzogen wird, gibt es keine einheitliche Regelung, wie mit beschlagnahmten Tieren umgegangen wird. Oft fehlen sogar Unterbringungsmöglichkeiten für Grosstiere. Eine tiergerechte Versorgung bei langanhaltenden Verfahren ist für die Behörden schwierig umzusetzen.</p><p><em>Die Interpellation konnte in dieser Session doch nicht behandelt werden.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20263901" target="_blank">26.3901 Interpellation</a>: Agroscope zwischen Sparpolitik und nachhaltiger Transformation der Land- und Ernährungswirtschaft. Wie sollen die Ziele bis 2050 erreicht werden?</h2><p>Bei Agroscope sollen 58 Vollzeitstellen abgebaut werden und verschiedene Forschungsthemen reduziert oder aufgegeben werden. Für eine Wende in der Landwirtschaft sind die Forschungsbereiche von Agroscope (z.B. angepasste Nutzpflanzen für unsere Klimazonen selektieren/züchten) wichtig. Hier zu viel Sparen könnte eine Neuausrichtung auf mehr Pflanzenanbau verzögern.</p><p><em>1.10.2026: Über diese Interpellation wurde </em><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=83043" target="_blank"><em>im Ständerat diskutiert</em></a><em>.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20244611" target="_blank">24.4611 Motion</a>: Weniger Anforderungen und Kontrollen für die Alpwirtschaft</h2><p>Die Motion will erreichen, dass die Alpwirtschaftsbetriebe nur noch alle 5 Jahren kontrolliert werden. Dies sehen wir für die Tierhaltung problematisch.</p><p><em>21.9.2026: Die Motion wurde zurückgezogen.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20244672" target="_blank">24.4672 Motion</a>: Stopp der übermässigen Vermehrung von Streunerkatzen!</h2><p>Es soll eine Kastrationspflicht für Katzen geben. Ausnahme: Bauernhofkatzen erst nach dem ersten Wurf.</p><p><em>21.9.2026: Der Nationalrat hat diese Motion </em><a href="https://www.parlament.ch/poly/Abstimmung/52/out/vote_52_33008.pdf" target="_blank"><em>abgelehnt</em></a><em>.</em></p><p> </p><p> </p></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="https://www.swissveg.ch/sessionen?language=de">Sessionen</a></li><li><a href="/sommersession-2026">Sommersession 2026</a></li><li><a href="/fruehlingssession-2026">Frühlingssession 2026</a></li><li><a href="/wintersession-2025">Wintersession 2025</a></li><li>Aktuelles zur Session: <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/sessionen/aktuelle-session" target="_blank">parlament.ch</a></li></ul></div> Mon, 14 Sep 2026 06:00:00 +0000 Renato 4232 at https://www.swissveg.ch Ernährungsinitiative: Die Gegenargumente https://www.swissveg.ch/de/initiative-Ernaehrungssicherheit-gegenargumente <span>Ernährungsinitiative: Die Gegenargumente</span> <span><span lang="" about="/de/user/2566" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Renato</span></span> <span>14. August 2026 - 7:40</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Am 27. September 2026 stimmt die Schweizer Bevölkerung über die «<a href="https://www.initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch" target="_blank">Initiative für eine sichere Ernährung</a>» ab. Keine der grösseren Parteien unterstützt die Initiative. Das Parlament und der Bundesrat lehnen sie einstimmig ab. Swissveg unterstützt die Initiative dennoch. Darum ist es interessant sich anzusehen, welche Gegenargumente vorgebracht werden.</p><p>Die Initiative setzt zur Stärkung der Ernährungssicherheit auf drei Hauptpunkte:</p><ul><li>Inländische Produktion nachhaltig stärken</li><li>Eine Selbstversorgung von 70% anstreben, dafür pflanzliche Lebensmittel fördern</li><li>Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und sauberes Trinkwasser sicherstellen</li></ul><p class="zitat">«In der Schweiz vergisst man, dass wir bei einem Problem an den Grenzen <a href="https://www.youtube.com/live/6iQU-ebAIQY?si=NTxpZYUnoSf1gApd&amp;t=776" target="_blank">jeden zweiten Tag nichts zu essen</a> haben, weil wir importieren.» Bundesrat Guy Parmelin</p><p>Die Gegner der Initiative versuchen der Stimmbevölkerung einzureden, dass sie mit Annahme der Initiative keine tierischen Produkte mehr essen dürften. Der <a href="https://www.instagram.com/bauernverband_zuerich/" target="_blank">Zürcher Bauernverband</a> hat für diese Botschaft bereits über 50 Videos auf Instagram gepostet. Sie kämpfen dabei vor allem um ihre Privilegien als Fleisch- und Milchproduzenten, die derzeit Hauptnutzniesser der Landwirtschaftspolitik des Bundes sind. Deshalb haben sich bei den Gegnern vor allem die verschiedensten Vertreter der <a href="https://www.ernaehrungsinitiative-nein.ch/ueber-uns/allianz.html" target="_blank">Fleischbranche</a> zusammen getan, damit sie weiterhin von den Milliarden des Bundes profitieren können. Da es um enorm viel Geld geht, ist ihnen jedes Mittel recht. Die Wahrheit bleibt dabei auf der Strecke. Deshalb hier eine Einordnung der Aussagen der Fleischlobbyisten:</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3>«Vegan-Zwang»-Initiative</h3><p>Die Gegner der <a href="https://www.initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch/" target="_blank">Initiative</a><span class="fussnotenlink">1</span> versuchen sie als Ernährungsvorschrift zu diffamieren. Sie haben sogar einen «<a href="https://www.ernaehrungsinitiative-nein.ch/unterstuetzung/tag-des-letzten-cervelats.html" target="_blank">Tag des letzten Cervelats</a>» lanciert, um Angst vor den Folgen der Initiative zu verbreiten. Dabei kommen im Initiativtext keinerlei Verbote vor. Auch mit Annahme der Initiative dürfen alle weiter das essen, was sie möchten. Was sich aber ändern würde: Der Bund würde nicht mehr 6 Millionen Franken Steuergelder in Fleischwerbung investieren. Die Landwirtschaftssubventionen würden nicht mehr sehr einseitig die Tierhaltung fördern. Die Bevölkerung würde nicht mehr zum Fleischkonsum gedrängt. Falls man diese Verlagerung als «Vegan-Zwang» ansieht, wäre die heutige Situation ein «Fleisch-Zwang».</p><p><strong>Der heutige «Fleisch-Zwang» durch den Bund:</strong></p><ul><li>Finanzierung von Fleischwerbung (rund 6 Millionen)</li><li>Finanzierung der <a href="https://www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/milchkuehe-millionen-von-steuerfranken-fuer-die-zucht-von-turbokuehen" target="_blank">Rinderzuchtverbände</a> (24 Millionen)</li><li>Agrarsubventionen für den Tierhaltungsbereich (78 % der 3,6 Milliarden)</li><li>Intensives Dauergrünland (Weideflächen): 600 Franken pro Hektare (mehrere hundert Millionen pro Jahr als «<a href="https://www.agrarbericht.ch/de/politik/direktzahlungen/versorgungssicherheitsbeitraege" target="_blank">Versorgungssicherheitsbeiträge</a>»)</li><li>In der Kochausbildung, werden alle gezwungen Fleisch zuzubereiten</li></ul><p>Das Argument des «Vegan-Zwangs» beruht auf der Annahme, dass ein Selbstversorgungsgrad von 70 % nur durch eine <a href="https://web.archive.org/web/20260902144220/https://www.ernaehrungsinitiative-nein.ch/argumente.html" target="_blank">radikale Ernährungsumstellung</a>, weg von tierischen Produkten, möglich ist. Diese Annahme der Gegner bedeutet: Die Gegner der Initiative gehen davon aus, dass die Fleischproduktion eine riesige Verschwendung von wertvollem Ackerland ist. Deshalb ist ein höherer Selbstversorgungsgrad nur mit mehr Lebensmittelproduktion für die menschliche Ernährung möglich.<br />Ausserdem hungern sie in Krisenzeiten lieber als auf ihr Fleisch zu verzichten.</p><p>Da heute gemäss Bund in der Schweiz rund <a href="https://www.blv.admin.ch/de/menuch-ergebnisse" target="_blank">dreimal mehr Fleisch konsumiert</a> wird, als gesund wäre, ist eine Verlagerung von der Fleischwerbung hin zur Bewerbung pflanzlicher Lebensmittel überfällig. Dadurch könnte mit der Umstellung der Landwirtschaft auch indirekt auf die Nachfrage Einfluss genommen werden. Doch selbst, wenn das Ernährungsverhalten sich kurzfristig nicht stark ändern würde, liesse sich zumindest der Import von pflanzlichen Lebensmitteln und den Futtermitteln stark verringern.</p><p>Gemessen an der <a href="https://link.springer.com/article/10.1186/s44263-026-00306-6" target="_blank">Planetary Health Diet</a> wird in der Schweiz 8,5 Mal soviel Fleisch konsumiert, wie empfohlen. Und 3,5 Mal soviel Milchprodukte, als gut wären. Hingegen wird rund zwanzig Mal weniger Gemüse konsumiert, als gut für die Gesundheit und den Planeten wäre. Auch unter diesem Gesichtspunkt wäre es gut, wenn der Bund seine finanzielle Bevorzugung der Produktion tierischer Nahrungsmittel beendet. Es braucht definitiv keine vom Bund bezahlte Fleischwerbung.</p><p class="zitat">Heute fördern 78% der 3,6 Milliarden Agrarsubventionen die Tierproduktion.<span class="fussnotenlink">2</span> </p><h3>«60 bis 70 % der landwirtschaftlichen Fläche ist Grasland und kann nur für Fleisch- und Milchproduktion genutzt werden»</h3><p>Die Prozentzahl stammt vom Schweizer Bauernverband und wurde vom Bundesamt für Statistik ungeprüft übernommen. Wenn auf einer Fläche eine Kuh steht, gilt die Fläche als «<a href="/grasland-schweiz">Grasland</a>», völlig unabhängig von der Bodenqualität. An vielen Orten, wo heute Kühe weiden, könnte auch Ackerbau betrieben werden. Und an den Orten, wo dies nicht möglich ist, könnte auch mit der Initiative eine standortangepasste Lebensmittelproduktion betrieben werden. Daran ändert die Initiative nichts. Sie würde aber verändern, dass heute auf mehr als der Hälfte der fruchtbaren Ackerflächen Tierfutter produziert wird. Wegen dieser enormen Verschwendung müssen zurzeit noch rund zwei Drittel der in der Schweiz konsumierten pflanzlichen Lebensmittel importiert werden.<span class="fussnotenlink">3</span>  <br />Im Jahr 2024 wurden 29,2 Millionen Tonnen Futtermittel an die Schweizer Nutztiere verfüttert (neuere Zahlen sind noch nicht verfügbar). 22,5 Millionen Tonnen davon sind Gras, Heu etc. – also nicht sehr energiereiche Futtermittel. Insgesamt wurden 2024 rund 1,45 Millionen Tonnen Futter (hauptsächlich Kraftfutter) aus dem Ausland importiert, Tendenz steigend: Innert 20 Jahren hat sich der Import praktisch verdoppelt. <strong>Ohne diese energiereichen Importfuttermittel könnte nur halb so viel Fleisch in der Schweiz erzeugt werden.</strong><span class="fussnotenlink"><strong>4</strong> </span> <br />Das Graslandargument gilt nur für einen sehr kleinen Teil der tierischen Produkte, die in der Schweiz produziert werden (und dieser Teil wird durch die Initiative nicht beeinträchtigt). Weder Schweine noch Hühner leben vom Grasland. Diese beiden Tierarten machen aber bereits rund <a href="/grasland-schweiz">drei Viertel</a> des Schweizer Fleischkonsums aus.</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/Futtermittelimporte.webp" alt="Jährliche Futttermittelimporte steigen" /><p class="zitat">Auf 60% unserer Ackerflächen werden Futtermittel angebaut statt pflanzliche Lebensmittel für uns Menschen.</p><h3>«Der Boden muss zur Fruchtbarkeit auch ab und zu als Weide genutzt werden»</h3><p>Die Düngung mit Fäkalien (Mist und Gülle) ist in der Schweiz weit verbreitet. Dies liegt vor allem daran, dass es in der Schweiz einen <a href="https://www.nzz.ch/gesellschaft/schweizer-bauern-spritzen-zu-viel-guelle-auf-ihre-felder-ld.1790031" target="_blank">Überschuss an Fäkalien</a> gibt. Leider gehen sogar viele «Experten» davon aus, dass für die Bodenfruchtbarkeit nur zwei Varianten bestehen: Düngung mit Fäkalien oder mit Kunstdünger. Der dritte Weg ist allerdings für den Boden wesentlich besser: Bio-vegane Landwirtschaft. Diese arbeitet mit der Natur und kann so die Bodenfruchtbarkeit langfristig verbessern. Im Gegensatz zu den Fäkalien werden dabei keine Schädlinge angezogen. Und E-Coli-Bakterien oder Salmonellen werden ebenso wenig auf die Felder ausgebracht, wie Antibiotikarückstände aus der Behandlung der sogenannten "Nutztiere".  <br />Dass es auch auf Ackerflächen eine Fruchtfolge mit Kunstwiesen braucht, ist nicht ganz korrekt. Um die bio-vegane Landwirtschaft zu fördern, gibt es seit 2025 das <a href="/V-Label-Vegan-Agriculture">V-Label für vegane Landwirtschaft</a>. Auf der Homepage der <a href="https://www.biocyclic-vegan.org" target="_blank">Biocyclic Vegan Agriculture</a> gibt es weitere Informationen zu dieser nachhaltigen Landwirtschaftsart ganz ohne Fäkalien und Weideflächen. <br />Dabei integriert man durchaus auch Leguminosen wie z.B. Kleegras oder Luzerne in die Fruchtfolge. Die Pflanzen können dann aber auch als Biomasse, Mulch oder Kompost verwendet werden. Daraus Tierfutter herzustellen ist nicht notwendig. <br />Wenn man sich die Argumente der Gegner der Initiative ansieht, ist es gut, dass die Initiative auch Investitionen in Ausbildung und Beratung der Landwirte beinhaltet, damit diese lernen, wie man mit weniger Fäkalien und ohne Wiesen auf Ackerflächen nachhaltige Landwirtschaft betreiben kann. </p><h3><a class="ck-anchor" id="unwetter"></a>«Pflanzenproduktion ist zu unsicher: Ein Unwetter kann schnell alles zerstören.»</h3><p>Ende August gab es ein Unwetter mit Hagel. Dieser verursachte grosse Zerstörungen in landwirtschaftlichen Kulturen und wurde von den Gegnern der Initiative genutzt, um die pflanzliche Lebensmittelproduktion als unsicher darzustellen. Dabei gehen jedoch mehrere Tatsachen vergessen:  <br />Viele der landwirtschaftlichen Kulturen dienen der Futtermittelproduktion. Auch diese werden durch Unwetter geschädigt und sind genauso gefährdet. Die Produktion von Gemüse und Obst braucht jedoch wesentlich weniger Fläche. Deshalb kann sie einfacher gegen Unwetter geschützt werden (z.B. mit Hagelschutznetzen oder Gewächshäusern). Dies ist bei den riesigen Futtermittelfeldern kaum möglich. Kleinere Gemüsefelder kann man auch eher bewässern. Die Dürre von diesem Jahr hat deshalb eher negative Auswirkungen auf die Futtermittelproduktion gehabt. Durch die Dürre musste sogar <a href="https://www.schweizerbauer.ch/artikel/markt-preise/marktmeldungen/nun-kommt-futter-aus-kanada" target="_blank">Heu aus Kanada</a> importiert werden. Zudem musste der Bundesrat <a href="https://www.admin.ch/de/newnsb/aVb4HHWIhUB0" target="_blank">Futter aus dem Pflichtlager freigeben</a>, da Niedrigwasser im Rhein den Futterimport reduzierte und die Trockenheit im Inland das Futterangebot zusätzlich verminderte. Schlechtes Wetter ist für die Tierhaltung in mehrfacher Hinsicht problematischer.</p><h3>«Die Schweizer Landwirtschaft produziert, was die Konsumenten nachfragen. Der Bund soll da keine Vorschriften machen.»</h3><p>Da die Schweizer Landwirte kaum noch von ihren Produkten leben können, steuert der Bund über die Subventionen, was wirtschaftlich sinnvoll produziert werden kann. Der defizitärste Bereich ist die Produktion tierischer Nahrungsmittel. Am meisten Subventionen werden für die Fleisch-, Milch-, und Zuckerproduktion ausbezahlt. Wobei die Zuckerindustrie aus den Zuckerrüben etwa gleichviel <a href="https://www.zucker.ch/futtermittel" target="_blank">Futtermittel</a> herstellt, wie Zucker und somit auch einen Teil der Tierwirtschaft darstellt. <br />Die Schweizer Landwirte produzieren also nicht was der Markt verlangt, sondern was der Bund subventioniert. Dies gilt insbesondere für den konventionellen Tierhaltungsbereich.  <br />Doch auch auf den Nachfragebereich der Konsumenten nimmt der Bund heute grossen Einfluss: Er subventioniert jedes Jahr die Fleischwerbung mit rund 6 Millionen Franken. Und durch die Subventionen im Produktionsbereich ermöglicht er Fleisch zu Dumpingpreisen im Laden. Würden diese beiden Punkte wegfallen, dürfte der Fleischkonsum stark sinken, da dann pflanzliche Produkte konkurrenzfähiger sind und rund die Hälfte der Plakate mit Fleischwerbung wegfallen. <br />Heute müssen <a href="https://www.sbv-usp.ch/de/services/agristat-statistik-der-schweizer-landwirtschaft/grafiken#prettyPhoto[gal18204]-7" target="_blank">zwei Drittel der pflanzlichen Lebensmittel importiert</a> werden. In diesem Bereich könnte der Selbstversorgungsgrad stark erhöht werden, wenn die Ackerflächen wieder für die Lebensmittelproduktion freigegeben würden. <br />Was, wenn die Fleischnachfrage weniger (schnell) sinkt, als die Fleischproduktion? Heute wird die defizitäre Fleischproduktion künstlich mit Steuergeldern am Leben erhalten. Wenn diese staatliche Förderung zumindest zum Teil zu pflanzlichen Produkten verlagert wird, können viele Landwirte vermehrt pflanzliche Lebensmittel anbauen und somit auf ihren Äckern <a href="/land" target="_blank">mehr Lebensmittel</a> produzieren. Eine mögliche Produktionslücke im Fleischbereich kann durch vorübergehende Importe ausgeglichen werden. Die Importe würden sich also von pflanzlichen zu tierischen Produkten verlagern. Mengenmässig dürften sie aber auf jeden Fall deutlich geringer als heute ausfallen. <br />Die Gegner der Initiative warnen vor Importen, welche unsere Umweltstandards nicht einhalten. Gleichzeitig lehnen sie aber auch den Teil der Initiative ab, der für mehr Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und sauberes Trinkwasser im Inland sorgt.</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/landverbrauch.jpg" alt="Landverbrauch pro kg Nahrungsmittel" class="align-center" /><h3>«Der Bund soll nicht vorschreiben, was wir essen dürfen»</h3><p>Die Initiative enthält keinerlei Vorschriften zur Ernährungsweise. Sie würde aber die heute einseitig auf Fleisch- und Milchkonsum ausgerichtete Subventionspolitik des Bundes beenden. Die einseitige Subventionierung der Fleischwerbung mit jährlich rund 6 Millionen Franken würde aufhören.</p><p>Derzeit erhalten alleine die Rinderzuchtverbände, welche die Leistung der krankheitsanfälligen Hochleistungsrinder noch weiter steigern, 24 Millionen Franken Steuergelder pro Jahr. Für die Pflanzenzucht gibt der Staat nur rund 7 Millionen jährlich aus. Damit werden die Schweizer Rinder noch mehr von (importiertem) Kraftfutter abhängig. Auch diese <a href="https://www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/milchkuehe-millionen-von-steuerfranken-fuer-die-zucht-von-turbokuehen" target="_blank">einseitige Bevorzugung tierischer Produkte</a> würde die Initiative korrigieren.</p><p>Selbst die angestrebten 70 % Selbstversorgungsgrad liessen sich ohne drastische Ernährungsveränderungen seitens der Bevölkerung erreichen, wie mehrere Berechnungen belegen.<span class="fussnotenlink">5</span> Würden auf den fruchtbaren Ackerflächen weniger Futtermittel und mehr pflanzliche Lebensmittel angebaut, ginge der Import von pflanzlichen Lebensmittel stark zurück, während der Import von Fleisch nicht so stark ansteigen würde. Dies liegt daran, dass von derselben Ackerfläche viel mehr Nahrungskalorien erzeugt werden können, wenn man direkt für die menschliche Ernährung produziert (Verkürzung der Nahrungskette). Das importierte Fleisch würde den Import von Futtermitteln stark reduzieren, da für ein Kilogramm Fleisch ein Vielfaches an Futtermitteln benötigt werden.</p><p>Aus Saldo 13/2026 vom 26.8.2026:</p><a href="https://www.saldo.ch/artikel/artikeldetail/schweizer-bauern-setzen-zu-sehr-auf-tierhaltung"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/saldo_tierhaltung.webp" alt="salso-Artikel Screenshot" /></a><p> </p><p>Infosperber, 26.7.2026: </p><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/der-konsum-von-fleisch-muesste-stark-reduziert-werden-falsch/"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/infosperber_fleischkonsum_initiative.webp" alt="Screenshot des Artikels im Infosperber" /></a><p> </p><p>Natürlich kann man den Selbstversorgungsgrad noch deutlich mehr steigern und die Importe reduzieren, wenn der Konsum tierischer Produkte spürbar gesenkt wird, aber für die 70 % ist es nicht zwingend nötig, wenn alle anderen Massnahmen umgesetzt werden. Langfristig würde der Fleischkonsum durch die Massnahmen jedoch sinken – ganz ohne jeden Zwang, durch weniger Fleischwerbung, Aufklärung über die Notwendigkeit einer vermehrt pflanzlichen Ernährung und weniger einseitige (finanzieller) Bevorzugung der Fleischproduktion. Der leicht erhöhte Fleischimport wäre also nur kurzfristig in der Übergangsphase notwendig – falls überhaupt. Langfristig könnte sich der Fleischimport sogar auf tieferem Niveau einpendeln, als heute.</p><h3><a class="ck-anchor" id="fleischimporte"></a>«Die Initiative führt zu mehr Fleischimporten»</h3><p>Wie oben aufgezeigt, kann die Initiative umgesetzt werden, ohne dass sich das Konsumverhalten in der Schweiz ändert: Durch vermehrten Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln statt Futtermitteln auf den fruchtbaren Äckern wird der Import von pflanzlichen Lebensmitteln stark reduziert. Derzeit müssen <a href="https://www.sbv-usp.ch/de/services/agristat-statistik-der-schweizer-landwirtschaft/grafiken#prettyPhoto[gal18204]-7" target="_blank">zwei Drittel</a> unserer pflanzlichen Nahrungsmittel (Gemüse, Früchte, Getreide, Hülsenfrüchte...) importiert werden. <br />Theoretisch stimmt es, dass dies auch dazu führen würde, dass bei gleichbleibendem Fleischkonsum der Import von Fleisch leicht erhöht werden muss, da die Initiative keinerlei Ernährungsvorschriften für die Bevölkerung enthält. Allerdings bewirkt die Initiative eine freiwillige Reduktion des heutigen Fleischkonsums, indem der Bund keine Steuergelder mehr für Fleischwerbung ausgibt. Diese Gelder können durch die Initiative zur Bewerbung von gesunden pflanzlichen Lebensmitteln hin verlagert werden.  <br />Zudem würde die Förderung des Bundes von pflanzlichen Lebensmitteln die <a href="/preisvergleich-fleischalternativen-2026">Preisdifferenz</a> zwischen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln zugunsten gesunder, pflanzlicher Lebensmittel verändern. <br />Diese beiden Massnahmen (Werbung und Preis)  würden den Fleischkonsum zugunsten pflanzlicher Lebensmittel reduzieren, ohne dass irgend jemand zu etwas gezwungen wird. Langfristig kann es also durchaus sein, dass der Fleischimport gegenüber heute durch die Initiative sinken wird.</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/DerFeineUnterschied.webp" alt="Schweizer Hülsenfrüchte - Der feine Unterschied." width="42.93%" class="align-center" /><h3>«Die Initiative ist unsozial, da dadurch das Fleisch teurer wird.»</h3><p>Heute wird Fleisch zu Dumpingpreisen verkauft. Dies ist möglich, da ein Grossteil des Preises durch unsere Steuern, über die Subventionen bezahlt wird. Da die Fleischproduktion jedoch sehr aufwändig ist (zuerst Futtermittel anpflanzen oder importieren, damit die Tiere füttern, dann die Tiere schlachten und einen Teil davon als Fleisch verkaufen), ist Fleisch dennoch für die <a href="https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/wirtschaftliche-soziale-situation-bevoelkerung/einkommen-verbrauch-vermoegen/haushaltsbudget/haushaltsausgaben.assetdetail.32667074.html" target="_blank">grössten Ausgaben aller Lebensmittelgruppen</a> eines Haushaltes verantwortlich. <br />Die heutige einseitige Förderung von Fleisch (und Milch und Zucker) führt dazu, dass gerade ärmere Menschen mehr davon konsumieren. Dies zeigt sich auch in den Statistiken: Ernährungsbedingte Erkrankungen (inkl. Adipositas) sind bei ärmeren Bevölkerungsschichten weiter verbreitet. Heute erhält man zum Beispiel <a href="https://www.migros.ch/de/product/230500171000" target="_blank">Cervelats</a> zu einem günstigeren Preis als den kaum subventionierten gesunden <a href="https://www.migros.ch/de/product/275780501000" target="_blank">Bio-Brokkoli</a>. Dies ist die Folge unserer heutigen Politik. Es stimmt, dass die Fleischpreise vermutlich etwas ansteigen dürften, da sie künftig weniger über unsere Steuern bezahlt würden. Dafür würden die Produkte, welche in der Schweiz aus gesundheitlicher Sicht zu wenig konsumiert werden (z.B. Hülsenfrüchte) eher günstiger werden. Damit könnten sich künftig Menschen mit einem geringeren Einkommen eher eine gesunde Ernährung leisten und würden sich zusätzliche Folgekosten durch Krankheiten teilweise ersparen. Und wenn sich die Werbung auf pflanzliche Lebensmittel verlagert, könnte der Einkauf von Fleisch geringer ausfallen und dadurch dieses Sparpotential ausgeschöpft werden. Derzeit wird – gemäss Bund – <a href="https://www.blv.admin.ch/de/menuch-ergebnisse" target="_blank">dreimal mehr Fleisch</a> konsumiert, als gesund wäre. Eine Verlagerung der Werbung zu gesünderen, pflanzlichen Produkten hätte dadurch auch einen positiven sozialen Aspekt.</p><p>Natürlich muss man wegen der Initiative nicht von Fleisch auf Brokkoli umsteigen (obwohl dies gesund wäre). Die Initiative betrifft z.B. auch den Anbau von Hülsenfrüchten, aus denen wiederum Fleischalternativen hergestellt werden können. Diese sind heute wegen der einseitigen Politik <a href="/preisvergleich-fleischalternativen-2026" target="_blank">oft noch teurer als Fleisch</a>, obwohl sie deutlich günstiger zu produzieren sind. Die Initiative würde hier eine Entwicklung in Gang bringen, welche die pflanzlichen Fleischalternativen besser und günstiger werden lässt. Davon profitieren alle, insbesondere aber auch diejenigen, die sich heute aus Kostengründen eher ungesund ernähren.</p><h3>«Selbstversorgungsgrad steigern ist gut, aber nicht so»</h3><p>Der mit Abstand grösste Hebel zur Steigerung des Selbstversorgungsgrades ist die Verkürzung der Nahrungskette. Keine andere Massnahme kann so viele Kalorien einsparen, wie diese einfache Umstellung. Dadurch kann man auf derselben Fläche ein Vielfaches an Nahrungskalorien produzieren. Wenn man diese wichtigste Massnahme ablehnt, lehnt man auch die Erhöhung des Selbstversorgungsgrades ab und hält die Schweiz weiterhin von Importen abhängig. Es erstaunt, dass gerade diejenigen Kreise, welche Abhängigkeiten vom Ausland ablehnen, bei der Ernährung alles dafür tun, dass diese Abhängigkeit aufrechterhalten bleibt. <br />Dass die Ernährung der grösste Hebel für einen besseren Selbstversorgungsgrad ist, wissen auch die Gegner der Initiative. Sie behaupten sogar, dass <a href="https://www.baizer.ch/aktuell?artID=10061&amp;lvl=2" target="_blank">70 % Selbstversorgungsgrad nur mit rein pflanzlicher Ernährung erreicht werden kann</a>. Die naheliegendste Lösung für das Problem der Auslandabhängigkeit wird damit zugegeben, doch die Ablehnung der pflanzlicheren Ernährung ist so stark, dass sie im Krisenfall lieber hungern, als der Initiative eine Chance zu geben.</p><p>Der Bund hat schon jetzt einen Verfassungsauftrag zur sicheren Versorgung der Bevölkerung (<a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_104" target="_blank">Bundesverfassungsartikel 104</a>). Mit einem Selbstversorgungsgrad von weniger als 50 % kommt er diesem Auftrag aber nicht nach. Die Initiative würde diesem Auftrag Nachdruck verleihen indem mit ihrer Annahme ein Netto-Selbstversorgungsgrad von 70 % zumindest angestrebt würde.</p><p>Den Politikern ist durchaus klar, dass die heutige starke Abhängigkeit von Importen eine Gefahr für Krisenzeiten darstellt. Doch statt das Problem an der Wurzel zu entschärfen, <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/bireweich-oder-bitternoetig-der-bund-ruft-die-bevoelkerung-auf-einen-notvorrat-anzulegen" target="_blank">empfehlen sie der Bevölkerung einen Notvorrat</a> anzulegen und lehnen die Ernährungsinitiative als Teil der Lösung ab.</p><h3>«Die Initiative richtet sich gegen die Bauern»</h3><p>Heute leben die Schweizer Bauern, welche Milch oder Fleisch produzieren, grossteils von <a href="https://www.iwp.swiss/publikationen/landwirtschaftssubventionen-ein-entscheid-gegen-den-markt" target="_blank">Staatsgeldern</a>. Sie haben dennoch ein geringes Einkommen und die Überproduktion drückt weiter auf die Preise. Die <a href="/traumatisierte-tierhalter">Suizidrate ist unter Landwirten</a> sehr hoch. Es muss sich – auch für die Bauern – etwas ändern. Die Initiative bietet hier eine echte Hilfe. Sie fördert die Landwirtschaft durch Unterstützung in der Umstellung auf eine nachhaltigere Produktion. Derzeit müssen z.B. Hersteller von Fleischalternativen wie <a href="https://thegreenmountain.ch/" target="_blank">The Green Mountain</a> und <a href="https://eatplanted.com/" target="_blank">Planted</a> ihr Erbsenprotein vollständig aus dem Ausland importieren, da in der Schweiz das Land für Fleisch- und Milchproduktion verwendet wird. Die Initiative würde die Schweizer Landwirtschaft bei der Neuausrichtung mit Forschung, Beratung und Ausbildung unterstützen. <br />Die Bestände an Milchkühen und Schweinen nehmen seit Jahren ab. Eine Veränderung kommt deshalb auf jeden Fall auf die Schweizer Landwirtschaft zu. Ohne die Initiative gibt es hierfür jedoch keinerlei Unterstützung vom Bund, der dann weiterhin auf Fleisch- und Milchproduktion fokussiert bleibt, obwohl sich der Markt in eine andere Richtung bewegt. <br />Die Initiative bietet deshalb eine grosse Chance für alle in der Landwirtschaft Tätigen, sich auf die neuen Marktverhältnisse anzupassen.</p><h3>«70 % Selbstversorgung in nur 10 Jahren ist unmöglich»</h3><p>Es stimmt, dass die Initiative das 70-Prozent-Ziel anstrebt und dafür den zeitlichen Rahmen von 10 Jahren vorgibt. Ein bestimmtes Ziel innerhalb einer bestimmten Zeit anzustreben ist aber nicht das Gleiche, wie es zwingend bis dann erreicht haben zu müssen. Die Initiative versucht lediglich, eine klare Richtung mit einem zwar ambitionierten, aber durchaus erreichbaren Ziel vorzugeben. Das Parlament weiss, dass es bei der Umsetzung von Initiativen einen Spielraum hat. Diesen hat es z.B. auch bei der <a href="https://www.srf.ch/news/begrenzungsinitiative/begrenzungsinitiative-es-begann-mit-dem-ja-zur-masseneinwanderungsinitiative" target="_blank">Masseneinwanderungsinitiative</a> und bei der Ausschaffungsinitiative genutzt. Wobei mit der Ernährungsinitiative, die <a href="https://mailchi.mp/initiative-sichere-ernaehrung/medienmitteilung-juli-2026-aufsichtsbeschwerde" target="_blank">Initianten selbst klar vorgeben</a>, dass die 70 % zwar angestrebt werden sollen, es aber nicht innerhalb 10 Jahren um jeden Preis umgesetzt werden muss. Da das heutige Parlament dafür verantwortlich ist, dass die Fleischindustrie massiv gegenüber dem Pflanzenanbau bevorzugt wird, ist ein gewisser Druck von der Initiative notwendig, damit überhaupt eine Veränderung angestossen werden kann.</p><p>In den vergangenen 20 Jahren hat der Selbstversorgungsgrad von 57 % auf 42 % abgenommen. Die Politik ist offenbar unfähig oder nicht gewillt, diesen Trend zu ändern. Deshalb braucht es diese Volksinitiative. Die Lebensmittel-Abhängigkeit vom Ausland darf nicht immer mehr zunehmen. </p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/Entwicklung-Selbstversorgungsgrad_2005-2024_DE.webp" alt="Selbstversorgungsgrad ist innert 10 Jahren von 57% auf 42% gesunken." width="38.21%" class="align-center" /><p>Gemäss einer <a href="https://www.agrarforschungschweiz.ch/2025/12/wege-zu-einer-markanten-erhoehung-des-selbstversorgungsgrades-bei-weniger-umweltbelastung/" target="_blank">Studie von 2025 der ETH Zürich mit dem FiBL</a> wäre sogar ein Selbstversorgungsgrad von über 100 % zu erreichen, wenn man die nötigen Massnahmen konsequent umsetzt. Dazu gehören vor allem: Vermeidung von Food-Waste und die Nutzung der Ackerflächen für die Lebensmittelproduktion statt Futtermittelherstellung (Feed-no-Food-Strategie). Gleichzeitig würde die Umweltbelastung durch die Nahrungsmittelproduktion stark gesenkt. </p><p>Im Parlament haben die Gegner der Initiative vorgebracht, dass man zuletzt einen Selbstversorgungsgrad von über 70 % im Zweiten Weltkrieg hatten und man eine solche «Anbauschlacht» wie damals nicht nochmals wolle. Dabei scheinen sie zu vergessen, dass sich die Landwirtschaft in den letzten 100 Jahren weiterentwickelt hat. Die Bauern pflügen die Äcker nicht mehr mit Ochsen und die heutigen Nutzpflanzen sind deutlich ertragreicher. Deshalb ist ein Vergleich mit der Landwirtschaft vor rund 100 Jahren nicht sinnvoll. Wie die oben zitierte ETH-Studie aufzeigt, ist mit den heutigen Mitteln ein Selbstversorgungsgrad von weit über 70 % problemlos möglich, nur ist dies offensichtlich von den Politikern nicht gewollt.</p></div><h3>Fazit</h3><p>Die heutige einseitige Bevorzugung der Fleisch- und Milchproduktion auf Kosten der Umwelt und Gesundheit würde durch die Initiative beendet werden. Der Bund würde die Fleischwerbung nicht mehr finanziell unterstützen. Im Gegensatz zu heute würde statt der Fleischproduktion vermehrt die pflanzliche Lebensmittelproduktion gefördert. Landwirte, die von der defizitären Tierproduktion auf die Produktion pflanzlicher Lebensmittel umsteigen wollen, würden durch die Initiative vom Bund Unterstützung erhalten.  <br />Weder Landwirte noch Konsumenten würden jedoch zu irgend etwas gezwungen. </p><p>In der heutigen unsicheren Zeit reicht es nicht einen <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/bireweich-oder-bitternoetig-der-bund-ruft-die-bevoelkerung-auf-einen-notvorrat-anzulegen" target="_blank">Notvorrat</a> anzulegen, wie es der Bund empfiehlt. Man muss auch etwas zur Ernährungssicherheit im Inland tun. Diese Initiative bietet die Gelegenheit dazu.</p><p>Im Parlament hat im <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=71146" target="_blank">Nationalrat</a> und im <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=71128" target="_blank">Ständerat</a> keine einzige Person für die Initiative gestimmt. Auch der <a href="https://www.admin.ch/de/nsb?id=103125" target="_blank">Bundesrat</a> lehnt die Initiative ab. Die SP, Grüne und GLP wollten in einem <a href="https://www.parlament.ch/de/services/news/Seiten/2025/20251217154127212194158159026_bsd120.aspx" target="_blank">Gegenvorschlag</a> die Förderung der pflanzlichen Ernährung ganz herausstreichen, kamen damit aber nicht durch. Wenn es um die Förderung einer pflanzlicheren Ernährung geht, kann man von keiner Seite mit politischer Unterstützung rechnen. Diese Initiative ermöglicht es aber der Bevölkerung den einseitigen Weg der Fleischförderung zu beenden und einen nachhaltigeren Weg einzuschlagen.</p><h3>Gespräch mit der Initiantin der Initiative</h3><p>Statt nur über die Initiative zu sprechen, haben wir mit der Initiantin, Franziska Herren, direkt gesprochen und ihr die wichtigsten Fragen zur Initiative gestellt. Hier in unserem Swissveg-Podcast auf Folge 9 nachzuhören <a href="/podcast">www.swissveg.ch/podcast</a> oder direkt über Youtube:</p><p><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/S9g2N866dgw?si=N5uw1b2pp0_9OjST" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen=""></iframe></p><p>Zudem findet man hier die Arena-Sendung des SRF zur Initiative: <a href="https://www.srf.ch/play/tv/arena/video/abstimmungs-arena-zur-ernaehrungsinitiative?urn=urn:srf:video:fa5dd3b9-0b6f-4a5a-97c9-d55195251fc3" target="_blank">Abstimmungs-Arena zur Ernährungsinitiative</a>.</p><p> </p><h3>Nachtrag: Abstimmungsresultat</h3><p>Die <a href="https://www.admin.ch/de/ernaehrungsinitiative" target="_blank">Initiative wurde leider abgelehnt</a>. Am Sonntag, 27. September 2026 lehnte die Schweizerische Stimmbevölkerung die «Initiative für eine sichere Ernährung» deutlich ab. Sie kam auf 27,5 % Ja-Stimmen und 72,5 % Nein-Stimmen. Die Stimmbeteiligung betrug 47 %.<br />Die Angst davor, dass der Bund sich in die Ernährung der Bevölkerung einmischen könnte, war zu gross. Dies lag insbesondere daran, dass der Bundesrat in der Abstimmungsbroschüre behauptet hatte, es müsse «massive staatliche Eingriffe in den Konsum» geben, wenn die Initiative angenommen werde. Gegen diese Falschbehauptung hatten die Initianten der Initiative <a href="https://mailchi.mp/initiative-sichere-ernaehrung/medienmitteilung-juli-2026-aufsichtsbeschwerde" target="_blank">Aufsichtsbeschwerde</a> eingereicht.</p><p>Das Abstimmungsresultat zeigt auch, dass es eine stärkere Lobby für die pflanzliche Ernährung braucht. Wenn Sie wollen, dass Swissveg bei der nächsten Initiative mehr Mittel zur Verfügung hat, können Sie uns als <a href="/beitrittsformular">Mitglied</a> unterstützen.</p><p> </p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li><a href="https://drive.google.com/file/d/1Zv7whlEy0UOCpu1_Fgv9cs8Jipe6Nle0/view" target="_blank">Initiativtext</a></li><li>Stellungnahme des Bundesrates, dass 78 % der Landwirtschaftssubventionen der Tierhaltung zufliessen: <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243793" target="_blank">Interpellation: Absatzförderung im Einklang mit einer standortangepassten, nachhaltigen Produktion</a></li><li>Agristat: <a href="https://www.sbv-usp.ch/de/services/agristat-statistik-der-schweizer-landwirtschaft/grafiken#prettyPhoto[gal18204]-7 " target="_blank">Selbstversorgungsgrad nach Nahrungsmittel</a></li><li>Greenpeace Schweiz: «<a href="https://www.greenpeace.ch/de/publikation/63781/der-futtermittel-schwindel/" target="_blank">Der Futtermittel-Schwindel</a>», 2.2.2021</li><li>Saldo: <a href="https://www.saldo.ch/artikel/artikeldetail/schweizer-bauern-setzen-zu-sehr-auf-tierhaltung" target="_blank">Schweizer Bauern setzen zu sehr auf Tierhaltung</a>, 26.8.2026; Infosperber: <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/der-konsum-von-fleisch-muesste-stark-reduziert-werden-falsch/" target="_blank">Der Konsum von Fleisch müsste «stark reduziert» werden: falsch!</a>, 26.7.2026; Infosperber: <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/ernaehrungsinitiative-niemand-muss-weniger-fleisch-essen/" target="_blank">Ernährungsinitiative: Niemand muss weniger Fleisch essen!</a>, 28.8.2026</li></ol></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="/unterstuetzung-ernaehrungssicherheit">Swissveg unterstützt die kommende Initiative für mehr Ernährungssicherheit</a>, 26.2.2023</li><li><a href="https://doi.org/10.34776/afs16-212" target="_blank">Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei weniger Umweltbelastung.</a> Agrarforschung Schweiz, 16, 212–224. <a href="https://doi.org/10.34776/afs16-212">https://doi.org/10.34776/afs16-212</a></li><li><a href="https://biozyklisch-vegan.org/faq/" target="_blank">Bio-vegane Landwirtschaft</a></li><li>Transfarmation: <a href="https://www.transfarmation.ch" target="_blank">Beratung für Landwirtschafts­betriebe für eine zukunfts­fähige Land­wirtschaft</a> (noch nicht staatlich gefördert)</li><li>Homepage der Initiative: <a href="https://www.initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch/" target="_blank">Initiative für eine sichere Ernährung</a></li><li>Das <a href="/V-Label-Vegan-Agriculture">V-Label für (bio-)vegane Landwirtschaft</a>.</li><li>Infosperber: <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/ernaehrungsinitiative-bundesrat-verheddert-sich-in-widersprueche/" target="_blank">Ernährungsinitiative: Bundesrat verheddert sich in Widersprüche</a>, 23.7.2026</li><li>Infosperber: <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/der-konsum-von-fleisch-muesste-stark-reduziert-werden-falsch/" target="_blank">Der Konsum von Fleisch müsste «stark reduziert» werden: falsch!</a>, 26.7.2026.</li><li>Schweizer Bauernverband: <a href="https://web.archive.org/web/20260922085003/https://www.sbv-usp.ch/de/ernaehrungsinitiative-bedeutet-vegan-zwang" target="_blank">Ernährungsinitiative bedeutet Vegan-Zwang</a>&nbsp;</li><li>Blick: <a href="https://www.blick.ch/politik/abstimmungen/bund-will-trotz-initiativ-ablehnung-mehr-vegi-produkte/4mswn0p" target="_blank">Bund will trotzdem mehr Vegi-Produkte</a>, 27.6.2026<br>&nbsp;</li></ul></div> Fri, 14 Aug 2026 05:40:43 +0000 Renato 4230 at https://www.swissveg.ch Ernährungsinitiative: Die Gegenargumente https://www.swissveg.ch/de/initiative-Ernaehrungssicherheit-gegenargumente <span>Ernährungsinitiative: Die Gegenargumente</span> <span><span lang="" about="/de/user/2566" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Renato</span></span> <span>14. August 2026 - 7:40</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Am 27. September 2026 stimmt die Schweizer Bevölkerung über die «<a href="https://www.initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch" target="_blank">Initiative für eine sichere Ernährung</a>» ab. Keine der grösseren Parteien unterstützt die Initiative. Das Parlament und der Bundesrat lehnen sie einstimmig ab. Swissveg unterstützt die Initiative dennoch. Darum ist es interessant sich anzusehen, welche Gegenargumente vorgebracht werden.</p><p>Die Initiative setzt zur Stärkung der Ernährungssicherheit auf drei Hauptpunkte:</p><ul><li>Inländische Produktion nachhaltig stärken</li><li>Eine Selbstversorgung von 70% anstreben, dafür pflanzliche Lebensmittel fördern</li><li>Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und sauberes Trinkwasser sicherstellen</li></ul><p class="zitat">«In der Schweiz vergisst man, dass wir bei einem Problem an den Grenzen <a href="https://www.youtube.com/live/6iQU-ebAIQY?si=NTxpZYUnoSf1gApd&amp;t=776" target="_blank">jeden zweiten Tag nichts zu essen</a> haben, weil wir importieren.» Bundesrat Guy Parmelin</p><p>Die Gegner der Initiative versuchen der Stimmbevölkerung einzureden, dass sie mit Annahme der Initiative keine tierischen Produkte mehr essen dürften. Der <a href="https://www.instagram.com/bauernverband_zuerich/" target="_blank">Zürcher Bauernverband</a> hat für diese Botschaft bereits über 50 Videos auf Instagram gepostet. Sie kämpfen dabei vor allem um ihre Privilegien als Fleisch- und Milchproduzenten, die derzeit Hauptnutzniesser der Landwirtschaftspolitik des Bundes sind. Deshalb haben sich bei den Gegnern vor allem die verschiedensten Vertreter der <a href="https://www.ernaehrungsinitiative-nein.ch/ueber-uns/allianz.html" target="_blank">Fleischbranche</a> zusammen getan, damit sie weiterhin von den Milliarden des Bundes profitieren können. Da es um enorm viel Geld geht, ist ihnen jedes Mittel recht. Die Wahrheit bleibt dabei auf der Strecke. Deshalb hier eine Einordnung der Aussagen der Fleischlobbyisten:</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3>«Vegan-Zwang»-Initiative</h3><p>Die Gegner der <a href="https://www.initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch/" target="_blank">Initiative</a><span class="fussnotenlink">1</span> versuchen sie als Ernährungsvorschrift zu diffamieren. Sie haben sogar einen «<a href="https://www.ernaehrungsinitiative-nein.ch/unterstuetzung/tag-des-letzten-cervelats.html" target="_blank">Tag des letzten Cervelats</a>» lanciert, um Angst vor den Folgen der Initiative zu verbreiten. Dabei kommen im Initiativtext keinerlei Verbote vor. Auch mit Annahme der Initiative dürfen alle weiter das essen, was sie möchten. Was sich aber ändern würde: Der Bund würde nicht mehr 6 Millionen Franken Steuergelder in Fleischwerbung investieren. Die Landwirtschaftssubventionen würden nicht mehr sehr einseitig die Tierhaltung fördern. Die Bevölkerung würde nicht mehr zum Fleischkonsum gedrängt. Falls man diese Verlagerung als «Vegan-Zwang» ansieht, wäre die heutige Situation ein «Fleisch-Zwang».</p><p><strong>Der heutige «Fleisch-Zwang» durch den Bund:</strong></p><ul><li>Finanzierung von Fleischwerbung (rund 6 Millionen)</li><li>Finanzierung der <a href="https://www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/milchkuehe-millionen-von-steuerfranken-fuer-die-zucht-von-turbokuehen" target="_blank">Rinderzuchtverbände</a> (24 Millionen)</li><li>Agrarsubventionen für den Tierhaltungsbereich (78 % der 3,6 Milliarden)</li><li>Intensives Dauergrünland (Weideflächen): 600 Franken pro Hektare (mehrere hundert Millionen pro Jahr als «<a href="https://www.agrarbericht.ch/de/politik/direktzahlungen/versorgungssicherheitsbeitraege" target="_blank">Versorgungssicherheitsbeiträge</a>»)</li><li>In der Kochausbildung, werden alle gezwungen Fleisch zuzubereiten</li></ul><p>Das Argument des «Vegan-Zwangs» beruht auf der Annahme, dass ein Selbstversorgungsgrad von 70 % nur durch eine <a href="https://web.archive.org/web/20260902144220/https://www.ernaehrungsinitiative-nein.ch/argumente.html" target="_blank">radikale Ernährungsumstellung</a>, weg von tierischen Produkten, möglich ist. Diese Annahme der Gegner bedeutet: Die Gegner der Initiative gehen davon aus, dass die Fleischproduktion eine riesige Verschwendung von wertvollem Ackerland ist. Deshalb ist ein höherer Selbstversorgungsgrad nur mit mehr Lebensmittelproduktion für die menschliche Ernährung möglich.<br />Ausserdem hungern sie in Krisenzeiten lieber als auf ihr Fleisch zu verzichten.</p><p>Da heute gemäss Bund in der Schweiz rund <a href="https://www.blv.admin.ch/de/menuch-ergebnisse" target="_blank">dreimal mehr Fleisch konsumiert</a> wird, als gesund wäre, ist eine Verlagerung von der Fleischwerbung hin zur Bewerbung pflanzlicher Lebensmittel überfällig. Dadurch könnte mit der Umstellung der Landwirtschaft auch indirekt auf die Nachfrage Einfluss genommen werden. Doch selbst, wenn das Ernährungsverhalten sich kurzfristig nicht stark ändern würde, liesse sich zumindest der Import von pflanzlichen Lebensmitteln und den Futtermitteln stark verringern.</p><p>Gemessen an der <a href="https://link.springer.com/article/10.1186/s44263-026-00306-6" target="_blank">Planetary Health Diet</a> wird in der Schweiz 8,5 Mal soviel Fleisch konsumiert, wie empfohlen. Und 3,5 Mal soviel Milchprodukte, als gut wären. Hingegen wird rund zwanzig Mal weniger Gemüse konsumiert, als gut für die Gesundheit und den Planeten wäre. Auch unter diesem Gesichtspunkt wäre es gut, wenn der Bund seine finanzielle Bevorzugung der Produktion tierischer Nahrungsmittel beendet. Es braucht definitiv keine vom Bund bezahlte Fleischwerbung.</p><p class="zitat">Heute fördern 78% der 3,6 Milliarden Agrarsubventionen die Tierproduktion.<span class="fussnotenlink">2</span> </p><h3>«60 bis 70 % der landwirtschaftlichen Fläche ist Grasland und kann nur für Fleisch- und Milchproduktion genutzt werden»</h3><p>Die Prozentzahl stammt vom Schweizer Bauernverband und wurde vom Bundesamt für Statistik ungeprüft übernommen. Wenn auf einer Fläche eine Kuh steht, gilt die Fläche als «<a href="/grasland-schweiz">Grasland</a>», völlig unabhängig von der Bodenqualität. An vielen Orten, wo heute Kühe weiden, könnte auch Ackerbau betrieben werden. Und an den Orten, wo dies nicht möglich ist, könnte auch mit der Initiative eine standortangepasste Lebensmittelproduktion betrieben werden. Daran ändert die Initiative nichts. Sie würde aber verändern, dass heute auf mehr als der Hälfte der fruchtbaren Ackerflächen Tierfutter produziert wird. Wegen dieser enormen Verschwendung müssen zurzeit noch rund zwei Drittel der in der Schweiz konsumierten pflanzlichen Lebensmittel importiert werden.<span class="fussnotenlink">3</span>  <br />Im Jahr 2024 wurden 29,2 Millionen Tonnen Futtermittel an die Schweizer Nutztiere verfüttert (neuere Zahlen sind noch nicht verfügbar). 22,5 Millionen Tonnen davon sind Gras, Heu etc. – also nicht sehr energiereiche Futtermittel. Insgesamt wurden 2024 rund 1,45 Millionen Tonnen Futter (hauptsächlich Kraftfutter) aus dem Ausland importiert, Tendenz steigend: Innert 20 Jahren hat sich der Import praktisch verdoppelt. <strong>Ohne diese energiereichen Importfuttermittel könnte nur halb so viel Fleisch in der Schweiz erzeugt werden.</strong><span class="fussnotenlink"><strong>4</strong> </span> <br />Das Graslandargument gilt nur für einen sehr kleinen Teil der tierischen Produkte, die in der Schweiz produziert werden (und dieser Teil wird durch die Initiative nicht beeinträchtigt). Weder Schweine noch Hühner leben vom Grasland. Diese beiden Tierarten machen aber bereits rund <a href="/grasland-schweiz">drei Viertel</a> des Schweizer Fleischkonsums aus.</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/Futtermittelimporte.webp" alt="Jährliche Futttermittelimporte steigen" /><p class="zitat">Auf 60% unserer Ackerflächen werden Futtermittel angebaut statt pflanzliche Lebensmittel für uns Menschen.</p><h3>«Der Boden muss zur Fruchtbarkeit auch ab und zu als Weide genutzt werden»</h3><p>Die Düngung mit Fäkalien (Mist und Gülle) ist in der Schweiz weit verbreitet. Dies liegt vor allem daran, dass es in der Schweiz einen <a href="https://www.nzz.ch/gesellschaft/schweizer-bauern-spritzen-zu-viel-guelle-auf-ihre-felder-ld.1790031" target="_blank">Überschuss an Fäkalien</a> gibt. Leider gehen sogar viele «Experten» davon aus, dass für die Bodenfruchtbarkeit nur zwei Varianten bestehen: Düngung mit Fäkalien oder mit Kunstdünger. Der dritte Weg ist allerdings für den Boden wesentlich besser: Bio-vegane Landwirtschaft. Diese arbeitet mit der Natur und kann so die Bodenfruchtbarkeit langfristig verbessern. Im Gegensatz zu den Fäkalien werden dabei keine Schädlinge angezogen. Und E-Coli-Bakterien oder Salmonellen werden ebenso wenig auf die Felder ausgebracht, wie Antibiotikarückstände aus der Behandlung der sogenannten "Nutztiere".  <br />Dass es auch auf Ackerflächen eine Fruchtfolge mit Kunstwiesen braucht, ist nicht ganz korrekt. Um die bio-vegane Landwirtschaft zu fördern, gibt es seit 2025 das <a href="/V-Label-Vegan-Agriculture">V-Label für vegane Landwirtschaft</a>. Auf der Homepage der <a href="https://www.biocyclic-vegan.org" target="_blank">Biocyclic Vegan Agriculture</a> gibt es weitere Informationen zu dieser nachhaltigen Landwirtschaftsart ganz ohne Fäkalien und Weideflächen. <br />Dabei integriert man durchaus auch Leguminosen wie z.B. Kleegras oder Luzerne in die Fruchtfolge. Die Pflanzen können dann aber auch als Biomasse, Mulch oder Kompost verwendet werden. Daraus Tierfutter herzustellen ist nicht notwendig. <br />Wenn man sich die Argumente der Gegner der Initiative ansieht, ist es gut, dass die Initiative auch Investitionen in Ausbildung und Beratung der Landwirte beinhaltet, damit diese lernen, wie man mit weniger Fäkalien und ohne Wiesen auf Ackerflächen nachhaltige Landwirtschaft betreiben kann. </p><h3><a class="ck-anchor" id="unwetter"></a>«Pflanzenproduktion ist zu unsicher: Ein Unwetter kann schnell alles zerstören.»</h3><p>Ende August gab es ein Unwetter mit Hagel. Dieser verursachte grosse Zerstörungen in landwirtschaftlichen Kulturen und wurde von den Gegnern der Initiative genutzt, um die pflanzliche Lebensmittelproduktion als unsicher darzustellen. Dabei gehen jedoch mehrere Tatsachen vergessen:  <br />Viele der landwirtschaftlichen Kulturen dienen der Futtermittelproduktion. Auch diese werden durch Unwetter geschädigt und sind genauso gefährdet. Die Produktion von Gemüse und Obst braucht jedoch wesentlich weniger Fläche. Deshalb kann sie einfacher gegen Unwetter geschützt werden (z.B. mit Hagelschutznetzen oder Gewächshäusern). Dies ist bei den riesigen Futtermittelfeldern kaum möglich. Kleinere Gemüsefelder kann man auch eher bewässern. Die Dürre von diesem Jahr hat deshalb eher negative Auswirkungen auf die Futtermittelproduktion gehabt. Durch die Dürre musste sogar <a href="https://www.schweizerbauer.ch/artikel/markt-preise/marktmeldungen/nun-kommt-futter-aus-kanada" target="_blank">Heu aus Kanada</a> importiert werden. Zudem musste der Bundesrat <a href="https://www.admin.ch/de/newnsb/aVb4HHWIhUB0" target="_blank">Futter aus dem Pflichtlager freigeben</a>, da Niedrigwasser im Rhein den Futterimport reduzierte und die Trockenheit im Inland das Futterangebot zusätzlich verminderte. Schlechtes Wetter ist für die Tierhaltung in mehrfacher Hinsicht problematischer.</p><h3>«Die Schweizer Landwirtschaft produziert, was die Konsumenten nachfragen. Der Bund soll da keine Vorschriften machen.»</h3><p>Da die Schweizer Landwirte kaum noch von ihren Produkten leben können, steuert der Bund über die Subventionen, was wirtschaftlich sinnvoll produziert werden kann. Der defizitärste Bereich ist die Produktion tierischer Nahrungsmittel. Am meisten Subventionen werden für die Fleisch-, Milch-, und Zuckerproduktion ausbezahlt. Wobei die Zuckerindustrie aus den Zuckerrüben etwa gleichviel <a href="https://www.zucker.ch/futtermittel" target="_blank">Futtermittel</a> herstellt, wie Zucker und somit auch einen Teil der Tierwirtschaft darstellt. <br />Die Schweizer Landwirte produzieren also nicht was der Markt verlangt, sondern was der Bund subventioniert. Dies gilt insbesondere für den konventionellen Tierhaltungsbereich.  <br />Doch auch auf den Nachfragebereich der Konsumenten nimmt der Bund heute grossen Einfluss: Er subventioniert jedes Jahr die Fleischwerbung mit rund 6 Millionen Franken. Und durch die Subventionen im Produktionsbereich ermöglicht er Fleisch zu Dumpingpreisen im Laden. Würden diese beiden Punkte wegfallen, dürfte der Fleischkonsum stark sinken, da dann pflanzliche Produkte konkurrenzfähiger sind und rund die Hälfte der Plakate mit Fleischwerbung wegfallen. <br />Heute müssen <a href="https://www.sbv-usp.ch/de/services/agristat-statistik-der-schweizer-landwirtschaft/grafiken#prettyPhoto[gal18204]-7" target="_blank">zwei Drittel der pflanzlichen Lebensmittel importiert</a> werden. In diesem Bereich könnte der Selbstversorgungsgrad stark erhöht werden, wenn die Ackerflächen wieder für die Lebensmittelproduktion freigegeben würden. <br />Was, wenn die Fleischnachfrage weniger (schnell) sinkt, als die Fleischproduktion? Heute wird die defizitäre Fleischproduktion künstlich mit Steuergeldern am Leben erhalten. Wenn diese staatliche Förderung zumindest zum Teil zu pflanzlichen Produkten verlagert wird, können viele Landwirte vermehrt pflanzliche Lebensmittel anbauen und somit auf ihren Äckern <a href="/land" target="_blank">mehr Lebensmittel</a> produzieren. Eine mögliche Produktionslücke im Fleischbereich kann durch vorübergehende Importe ausgeglichen werden. Die Importe würden sich also von pflanzlichen zu tierischen Produkten verlagern. Mengenmässig dürften sie aber auf jeden Fall deutlich geringer als heute ausfallen. <br />Die Gegner der Initiative warnen vor Importen, welche unsere Umweltstandards nicht einhalten. Gleichzeitig lehnen sie aber auch den Teil der Initiative ab, der für mehr Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und sauberes Trinkwasser im Inland sorgt.</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/landverbrauch.jpg" alt="Landverbrauch pro kg Nahrungsmittel" class="align-center" /><h3>«Der Bund soll nicht vorschreiben, was wir essen dürfen»</h3><p>Die Initiative enthält keinerlei Vorschriften zur Ernährungsweise. Sie würde aber die heute einseitig auf Fleisch- und Milchkonsum ausgerichtete Subventionspolitik des Bundes beenden. Die einseitige Subventionierung der Fleischwerbung mit jährlich rund 6 Millionen Franken würde aufhören.</p><p>Derzeit erhalten alleine die Rinderzuchtverbände, welche die Leistung der krankheitsanfälligen Hochleistungsrinder noch weiter steigern, 24 Millionen Franken Steuergelder pro Jahr. Für die Pflanzenzucht gibt der Staat nur rund 7 Millionen jährlich aus. Damit werden die Schweizer Rinder noch mehr von (importiertem) Kraftfutter abhängig. Auch diese <a href="https://www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/milchkuehe-millionen-von-steuerfranken-fuer-die-zucht-von-turbokuehen" target="_blank">einseitige Bevorzugung tierischer Produkte</a> würde die Initiative korrigieren.</p><p>Selbst die angestrebten 70 % Selbstversorgungsgrad liessen sich ohne drastische Ernährungsveränderungen seitens der Bevölkerung erreichen, wie mehrere Berechnungen belegen.<span class="fussnotenlink">5</span> Würden auf den fruchtbaren Ackerflächen weniger Futtermittel und mehr pflanzliche Lebensmittel angebaut, ginge der Import von pflanzlichen Lebensmittel stark zurück, während der Import von Fleisch nicht so stark ansteigen würde. Dies liegt daran, dass von derselben Ackerfläche viel mehr Nahrungskalorien erzeugt werden können, wenn man direkt für die menschliche Ernährung produziert (Verkürzung der Nahrungskette). Das importierte Fleisch würde den Import von Futtermitteln stark reduzieren, da für ein Kilogramm Fleisch ein Vielfaches an Futtermitteln benötigt werden.</p><p>Aus Saldo 13/2026 vom 26.8.2026:</p><a href="https://www.saldo.ch/artikel/artikeldetail/schweizer-bauern-setzen-zu-sehr-auf-tierhaltung"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/saldo_tierhaltung.webp" alt="salso-Artikel Screenshot" /></a><p> </p><p>Infosperber, 26.7.2026: </p><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/der-konsum-von-fleisch-muesste-stark-reduziert-werden-falsch/"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/infosperber_fleischkonsum_initiative.webp" alt="Screenshot des Artikels im Infosperber" /></a><p> </p><p>Natürlich kann man den Selbstversorgungsgrad noch deutlich mehr steigern und die Importe reduzieren, wenn der Konsum tierischer Produkte spürbar gesenkt wird, aber für die 70 % ist es nicht zwingend nötig, wenn alle anderen Massnahmen umgesetzt werden. Langfristig würde der Fleischkonsum durch die Massnahmen jedoch sinken – ganz ohne jeden Zwang, durch weniger Fleischwerbung, Aufklärung über die Notwendigkeit einer vermehrt pflanzlichen Ernährung und weniger einseitige (finanzieller) Bevorzugung der Fleischproduktion. Der leicht erhöhte Fleischimport wäre also nur kurzfristig in der Übergangsphase notwendig – falls überhaupt. Langfristig könnte sich der Fleischimport sogar auf tieferem Niveau einpendeln, als heute.</p><h3><a class="ck-anchor" id="fleischimporte"></a>«Die Initiative führt zu mehr Fleischimporten»</h3><p>Wie oben aufgezeigt, kann die Initiative umgesetzt werden, ohne dass sich das Konsumverhalten in der Schweiz ändert: Durch vermehrten Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln statt Futtermitteln auf den fruchtbaren Äckern wird der Import von pflanzlichen Lebensmitteln stark reduziert. Derzeit müssen <a href="https://www.sbv-usp.ch/de/services/agristat-statistik-der-schweizer-landwirtschaft/grafiken#prettyPhoto[gal18204]-7" target="_blank">zwei Drittel</a> unserer pflanzlichen Nahrungsmittel (Gemüse, Früchte, Getreide, Hülsenfrüchte...) importiert werden. <br />Theoretisch stimmt es, dass dies auch dazu führen würde, dass bei gleichbleibendem Fleischkonsum der Import von Fleisch leicht erhöht werden muss, da die Initiative keinerlei Ernährungsvorschriften für die Bevölkerung enthält. Allerdings bewirkt die Initiative eine freiwillige Reduktion des heutigen Fleischkonsums, indem der Bund keine Steuergelder mehr für Fleischwerbung ausgibt. Diese Gelder können durch die Initiative zur Bewerbung von gesunden pflanzlichen Lebensmitteln hin verlagert werden.  <br />Zudem würde die Förderung des Bundes von pflanzlichen Lebensmitteln die <a href="/preisvergleich-fleischalternativen-2026">Preisdifferenz</a> zwischen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln zugunsten gesunder, pflanzlicher Lebensmittel verändern. <br />Diese beiden Massnahmen (Werbung und Preis)  würden den Fleischkonsum zugunsten pflanzlicher Lebensmittel reduzieren, ohne dass irgend jemand zu etwas gezwungen wird. Langfristig kann es also durchaus sein, dass der Fleischimport gegenüber heute durch die Initiative sinken wird.</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/DerFeineUnterschied.webp" alt="Schweizer Hülsenfrüchte - Der feine Unterschied." width="42.93%" class="align-center" /><h3>«Die Initiative ist unsozial, da dadurch das Fleisch teurer wird.»</h3><p>Heute wird Fleisch zu Dumpingpreisen verkauft. Dies ist möglich, da ein Grossteil des Preises durch unsere Steuern, über die Subventionen bezahlt wird. Da die Fleischproduktion jedoch sehr aufwändig ist (zuerst Futtermittel anpflanzen oder importieren, damit die Tiere füttern, dann die Tiere schlachten und einen Teil davon als Fleisch verkaufen), ist Fleisch dennoch für die <a href="https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/wirtschaftliche-soziale-situation-bevoelkerung/einkommen-verbrauch-vermoegen/haushaltsbudget/haushaltsausgaben.assetdetail.32667074.html" target="_blank">grössten Ausgaben aller Lebensmittelgruppen</a> eines Haushaltes verantwortlich. <br />Die heutige einseitige Förderung von Fleisch (und Milch und Zucker) führt dazu, dass gerade ärmere Menschen mehr davon konsumieren. Dies zeigt sich auch in den Statistiken: Ernährungsbedingte Erkrankungen (inkl. Adipositas) sind bei ärmeren Bevölkerungsschichten weiter verbreitet. Heute erhält man zum Beispiel <a href="https://www.migros.ch/de/product/230500171000" target="_blank">Cervelats</a> zu einem günstigeren Preis als den kaum subventionierten gesunden <a href="https://www.migros.ch/de/product/275780501000" target="_blank">Bio-Brokkoli</a>. Dies ist die Folge unserer heutigen Politik. Es stimmt, dass die Fleischpreise vermutlich etwas ansteigen dürften, da sie künftig weniger über unsere Steuern bezahlt würden. Dafür würden die Produkte, welche in der Schweiz aus gesundheitlicher Sicht zu wenig konsumiert werden (z.B. Hülsenfrüchte) eher günstiger werden. Damit könnten sich künftig Menschen mit einem geringeren Einkommen eher eine gesunde Ernährung leisten und würden sich zusätzliche Folgekosten durch Krankheiten teilweise ersparen. Und wenn sich die Werbung auf pflanzliche Lebensmittel verlagert, könnte der Einkauf von Fleisch geringer ausfallen und dadurch dieses Sparpotential ausgeschöpft werden. Derzeit wird – gemäss Bund – <a href="https://www.blv.admin.ch/de/menuch-ergebnisse" target="_blank">dreimal mehr Fleisch</a> konsumiert, als gesund wäre. Eine Verlagerung der Werbung zu gesünderen, pflanzlichen Produkten hätte dadurch auch einen positiven sozialen Aspekt.</p><p>Natürlich muss man wegen der Initiative nicht von Fleisch auf Brokkoli umsteigen (obwohl dies gesund wäre). Die Initiative betrifft z.B. auch den Anbau von Hülsenfrüchten, aus denen wiederum Fleischalternativen hergestellt werden können. Diese sind heute wegen der einseitigen Politik <a href="/preisvergleich-fleischalternativen-2026" target="_blank">oft noch teurer als Fleisch</a>, obwohl sie deutlich günstiger zu produzieren sind. Die Initiative würde hier eine Entwicklung in Gang bringen, welche die pflanzlichen Fleischalternativen besser und günstiger werden lässt. Davon profitieren alle, insbesondere aber auch diejenigen, die sich heute aus Kostengründen eher ungesund ernähren.</p><h3>«Selbstversorgungsgrad steigern ist gut, aber nicht so»</h3><p>Der mit Abstand grösste Hebel zur Steigerung des Selbstversorgungsgrades ist die Verkürzung der Nahrungskette. Keine andere Massnahme kann so viele Kalorien einsparen, wie diese einfache Umstellung. Dadurch kann man auf derselben Fläche ein Vielfaches an Nahrungskalorien produzieren. Wenn man diese wichtigste Massnahme ablehnt, lehnt man auch die Erhöhung des Selbstversorgungsgrades ab und hält die Schweiz weiterhin von Importen abhängig. Es erstaunt, dass gerade diejenigen Kreise, welche Abhängigkeiten vom Ausland ablehnen, bei der Ernährung alles dafür tun, dass diese Abhängigkeit aufrechterhalten bleibt. <br />Dass die Ernährung der grösste Hebel für einen besseren Selbstversorgungsgrad ist, wissen auch die Gegner der Initiative. Sie behaupten sogar, dass <a href="https://www.baizer.ch/aktuell?artID=10061&amp;lvl=2" target="_blank">70 % Selbstversorgungsgrad nur mit rein pflanzlicher Ernährung erreicht werden kann</a>. Die naheliegendste Lösung für das Problem der Auslandabhängigkeit wird damit zugegeben, doch die Ablehnung der pflanzlicheren Ernährung ist so stark, dass sie im Krisenfall lieber hungern, als der Initiative eine Chance zu geben.</p><p>Der Bund hat schon jetzt einen Verfassungsauftrag zur sicheren Versorgung der Bevölkerung (<a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_104" target="_blank">Bundesverfassungsartikel 104</a>). Mit einem Selbstversorgungsgrad von weniger als 50 % kommt er diesem Auftrag aber nicht nach. Die Initiative würde diesem Auftrag Nachdruck verleihen indem mit ihrer Annahme ein Netto-Selbstversorgungsgrad von 70 % zumindest angestrebt würde.</p><p>Den Politikern ist durchaus klar, dass die heutige starke Abhängigkeit von Importen eine Gefahr für Krisenzeiten darstellt. Doch statt das Problem an der Wurzel zu entschärfen, <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/bireweich-oder-bitternoetig-der-bund-ruft-die-bevoelkerung-auf-einen-notvorrat-anzulegen" target="_blank">empfehlen sie der Bevölkerung einen Notvorrat</a> anzulegen und lehnen die Ernährungsinitiative als Teil der Lösung ab.</p><h3>«Die Initiative richtet sich gegen die Bauern»</h3><p>Heute leben die Schweizer Bauern, welche Milch oder Fleisch produzieren, grossteils von <a href="https://www.iwp.swiss/publikationen/landwirtschaftssubventionen-ein-entscheid-gegen-den-markt" target="_blank">Staatsgeldern</a>. Sie haben dennoch ein geringes Einkommen und die Überproduktion drückt weiter auf die Preise. Die <a href="/traumatisierte-tierhalter">Suizidrate ist unter Landwirten</a> sehr hoch. Es muss sich – auch für die Bauern – etwas ändern. Die Initiative bietet hier eine echte Hilfe. Sie fördert die Landwirtschaft durch Unterstützung in der Umstellung auf eine nachhaltigere Produktion. Derzeit müssen z.B. Hersteller von Fleischalternativen wie <a href="https://thegreenmountain.ch/" target="_blank">The Green Mountain</a> und <a href="https://eatplanted.com/" target="_blank">Planted</a> ihr Erbsenprotein vollständig aus dem Ausland importieren, da in der Schweiz das Land für Fleisch- und Milchproduktion verwendet wird. Die Initiative würde die Schweizer Landwirtschaft bei der Neuausrichtung mit Forschung, Beratung und Ausbildung unterstützen. <br />Die Bestände an Milchkühen und Schweinen nehmen seit Jahren ab. Eine Veränderung kommt deshalb auf jeden Fall auf die Schweizer Landwirtschaft zu. Ohne die Initiative gibt es hierfür jedoch keinerlei Unterstützung vom Bund, der dann weiterhin auf Fleisch- und Milchproduktion fokussiert bleibt, obwohl sich der Markt in eine andere Richtung bewegt. <br />Die Initiative bietet deshalb eine grosse Chance für alle in der Landwirtschaft Tätigen, sich auf die neuen Marktverhältnisse anzupassen.</p><h3>«70 % Selbstversorgung in nur 10 Jahren ist unmöglich»</h3><p>Es stimmt, dass die Initiative das 70-Prozent-Ziel anstrebt und dafür den zeitlichen Rahmen von 10 Jahren vorgibt. Ein bestimmtes Ziel innerhalb einer bestimmten Zeit anzustreben ist aber nicht das Gleiche, wie es zwingend bis dann erreicht haben zu müssen. Die Initiative versucht lediglich, eine klare Richtung mit einem zwar ambitionierten, aber durchaus erreichbaren Ziel vorzugeben. Das Parlament weiss, dass es bei der Umsetzung von Initiativen einen Spielraum hat. Diesen hat es z.B. auch bei der <a href="https://www.srf.ch/news/begrenzungsinitiative/begrenzungsinitiative-es-begann-mit-dem-ja-zur-masseneinwanderungsinitiative" target="_blank">Masseneinwanderungsinitiative</a> und bei der Ausschaffungsinitiative genutzt. Wobei mit der Ernährungsinitiative, die <a href="https://mailchi.mp/initiative-sichere-ernaehrung/medienmitteilung-juli-2026-aufsichtsbeschwerde" target="_blank">Initianten selbst klar vorgeben</a>, dass die 70 % zwar angestrebt werden sollen, es aber nicht innerhalb 10 Jahren um jeden Preis umgesetzt werden muss. Da das heutige Parlament dafür verantwortlich ist, dass die Fleischindustrie massiv gegenüber dem Pflanzenanbau bevorzugt wird, ist ein gewisser Druck von der Initiative notwendig, damit überhaupt eine Veränderung angestossen werden kann.</p><p>In den vergangenen 20 Jahren hat der Selbstversorgungsgrad von 57 % auf 42 % abgenommen. Die Politik ist offenbar unfähig oder nicht gewillt, diesen Trend zu ändern. Deshalb braucht es diese Volksinitiative. Die Lebensmittel-Abhängigkeit vom Ausland darf nicht immer mehr zunehmen. </p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/Entwicklung-Selbstversorgungsgrad_2005-2024_DE.webp" alt="Selbstversorgungsgrad ist innert 10 Jahren von 57% auf 42% gesunken." width="38.21%" class="align-center" /><p>Gemäss einer <a href="https://www.agrarforschungschweiz.ch/2025/12/wege-zu-einer-markanten-erhoehung-des-selbstversorgungsgrades-bei-weniger-umweltbelastung/" target="_blank">Studie von 2025 der ETH Zürich mit dem FiBL</a> wäre sogar ein Selbstversorgungsgrad von über 100 % zu erreichen, wenn man die nötigen Massnahmen konsequent umsetzt. Dazu gehören vor allem: Vermeidung von Food-Waste und die Nutzung der Ackerflächen für die Lebensmittelproduktion statt Futtermittelherstellung (Feed-no-Food-Strategie). Gleichzeitig würde die Umweltbelastung durch die Nahrungsmittelproduktion stark gesenkt. </p><p>Im Parlament haben die Gegner der Initiative vorgebracht, dass man zuletzt einen Selbstversorgungsgrad von über 70 % im Zweiten Weltkrieg hatten und man eine solche «Anbauschlacht» wie damals nicht nochmals wolle. Dabei scheinen sie zu vergessen, dass sich die Landwirtschaft in den letzten 100 Jahren weiterentwickelt hat. Die Bauern pflügen die Äcker nicht mehr mit Ochsen und die heutigen Nutzpflanzen sind deutlich ertragreicher. Deshalb ist ein Vergleich mit der Landwirtschaft vor rund 100 Jahren nicht sinnvoll. Wie die oben zitierte ETH-Studie aufzeigt, ist mit den heutigen Mitteln ein Selbstversorgungsgrad von weit über 70 % problemlos möglich, nur ist dies offensichtlich von den Politikern nicht gewollt.</p></div><h3>Fazit</h3><p>Die heutige einseitige Bevorzugung der Fleisch- und Milchproduktion auf Kosten der Umwelt und Gesundheit würde durch die Initiative beendet werden. Der Bund würde die Fleischwerbung nicht mehr finanziell unterstützen. Im Gegensatz zu heute würde statt der Fleischproduktion vermehrt die pflanzliche Lebensmittelproduktion gefördert. Landwirte, die von der defizitären Tierproduktion auf die Produktion pflanzlicher Lebensmittel umsteigen wollen, würden durch die Initiative vom Bund Unterstützung erhalten.  <br />Weder Landwirte noch Konsumenten würden jedoch zu irgend etwas gezwungen. </p><p>In der heutigen unsicheren Zeit reicht es nicht einen <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/bireweich-oder-bitternoetig-der-bund-ruft-die-bevoelkerung-auf-einen-notvorrat-anzulegen" target="_blank">Notvorrat</a> anzulegen, wie es der Bund empfiehlt. Man muss auch etwas zur Ernährungssicherheit im Inland tun. Diese Initiative bietet die Gelegenheit dazu.</p><p>Im Parlament hat im <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=71146" target="_blank">Nationalrat</a> und im <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=71128" target="_blank">Ständerat</a> keine einzige Person für die Initiative gestimmt. Auch der <a href="https://www.admin.ch/de/nsb?id=103125" target="_blank">Bundesrat</a> lehnt die Initiative ab. Die SP, Grüne und GLP wollten in einem <a href="https://www.parlament.ch/de/services/news/Seiten/2025/20251217154127212194158159026_bsd120.aspx" target="_blank">Gegenvorschlag</a> die Förderung der pflanzlichen Ernährung ganz herausstreichen, kamen damit aber nicht durch. Wenn es um die Förderung einer pflanzlicheren Ernährung geht, kann man von keiner Seite mit politischer Unterstützung rechnen. Diese Initiative ermöglicht es aber der Bevölkerung den einseitigen Weg der Fleischförderung zu beenden und einen nachhaltigeren Weg einzuschlagen.</p><h3>Gespräch mit der Initiantin der Initiative</h3><p>Statt nur über die Initiative zu sprechen, haben wir mit der Initiantin, Franziska Herren, direkt gesprochen und ihr die wichtigsten Fragen zur Initiative gestellt. Hier in unserem Swissveg-Podcast auf Folge 9 nachzuhören <a href="/podcast">www.swissveg.ch/podcast</a> oder direkt über Youtube:</p><p><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/S9g2N866dgw?si=N5uw1b2pp0_9OjST" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen=""></iframe></p><p>Zudem findet man hier die Arena-Sendung des SRF zur Initiative: <a href="https://www.srf.ch/play/tv/arena/video/abstimmungs-arena-zur-ernaehrungsinitiative?urn=urn:srf:video:fa5dd3b9-0b6f-4a5a-97c9-d55195251fc3" target="_blank">Abstimmungs-Arena zur Ernährungsinitiative</a>.</p><p> </p><h3>Nachtrag: Abstimmungsresultat</h3><p>Die <a href="https://www.admin.ch/de/ernaehrungsinitiative" target="_blank">Initiative wurde leider abgelehnt</a>. Am Sonntag, 27. September 2026 lehnte die Schweizerische Stimmbevölkerung die «Initiative für eine sichere Ernährung» deutlich ab. Sie kam auf 27,5 % Ja-Stimmen und 72,5 % Nein-Stimmen. Die Stimmbeteiligung betrug 47 %.<br />Die Angst davor, dass der Bund sich in die Ernährung der Bevölkerung einmischen könnte, war zu gross. Dies lag insbesondere daran, dass der Bundesrat in der Abstimmungsbroschüre behauptet hatte, es müsse «massive staatliche Eingriffe in den Konsum» geben, wenn die Initiative angenommen werde. Gegen diese Falschbehauptung hatten die Initianten der Initiative <a href="https://mailchi.mp/initiative-sichere-ernaehrung/medienmitteilung-juli-2026-aufsichtsbeschwerde" target="_blank">Aufsichtsbeschwerde</a> eingereicht.</p><p>Das Abstimmungsresultat zeigt auch, dass es eine stärkere Lobby für die pflanzliche Ernährung braucht. Wenn Sie wollen, dass Swissveg bei der nächsten Initiative mehr Mittel zur Verfügung hat, können Sie uns als <a href="/beitrittsformular">Mitglied</a> unterstützen.</p><p> </p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li><a href="https://drive.google.com/file/d/1Zv7whlEy0UOCpu1_Fgv9cs8Jipe6Nle0/view" target="_blank">Initiativtext</a></li><li>Stellungnahme des Bundesrates, dass 78 % der Landwirtschaftssubventionen der Tierhaltung zufliessen: <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243793" target="_blank">Interpellation: Absatzförderung im Einklang mit einer standortangepassten, nachhaltigen Produktion</a></li><li>Agristat: <a href="https://www.sbv-usp.ch/de/services/agristat-statistik-der-schweizer-landwirtschaft/grafiken#prettyPhoto[gal18204]-7 " target="_blank">Selbstversorgungsgrad nach Nahrungsmittel</a></li><li>Greenpeace Schweiz: «<a href="https://www.greenpeace.ch/de/publikation/63781/der-futtermittel-schwindel/" target="_blank">Der Futtermittel-Schwindel</a>», 2.2.2021</li><li>Saldo: <a href="https://www.saldo.ch/artikel/artikeldetail/schweizer-bauern-setzen-zu-sehr-auf-tierhaltung" target="_blank">Schweizer Bauern setzen zu sehr auf Tierhaltung</a>, 26.8.2026; Infosperber: <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/der-konsum-von-fleisch-muesste-stark-reduziert-werden-falsch/" target="_blank">Der Konsum von Fleisch müsste «stark reduziert» werden: falsch!</a>, 26.7.2026; Infosperber: <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/ernaehrungsinitiative-niemand-muss-weniger-fleisch-essen/" target="_blank">Ernährungsinitiative: Niemand muss weniger Fleisch essen!</a>, 28.8.2026</li></ol></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="/unterstuetzung-ernaehrungssicherheit">Swissveg unterstützt die kommende Initiative für mehr Ernährungssicherheit</a>, 26.2.2023</li><li><a href="https://doi.org/10.34776/afs16-212" target="_blank">Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei weniger Umweltbelastung.</a> Agrarforschung Schweiz, 16, 212–224. <a href="https://doi.org/10.34776/afs16-212">https://doi.org/10.34776/afs16-212</a></li><li><a href="https://biozyklisch-vegan.org/faq/" target="_blank">Bio-vegane Landwirtschaft</a></li><li>Transfarmation: <a href="https://www.transfarmation.ch" target="_blank">Beratung für Landwirtschafts­betriebe für eine zukunfts­fähige Land­wirtschaft</a> (noch nicht staatlich gefördert)</li><li>Homepage der Initiative: <a href="https://www.initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch/" target="_blank">Initiative für eine sichere Ernährung</a></li><li>Das <a href="/V-Label-Vegan-Agriculture">V-Label für (bio-)vegane Landwirtschaft</a>.</li><li>Infosperber: <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/ernaehrungsinitiative-bundesrat-verheddert-sich-in-widersprueche/" target="_blank">Ernährungsinitiative: Bundesrat verheddert sich in Widersprüche</a>, 23.7.2026</li><li>Infosperber: <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/der-konsum-von-fleisch-muesste-stark-reduziert-werden-falsch/" target="_blank">Der Konsum von Fleisch müsste «stark reduziert» werden: falsch!</a>, 26.7.2026.</li><li>Schweizer Bauernverband: <a href="https://web.archive.org/web/20260922085003/https://www.sbv-usp.ch/de/ernaehrungsinitiative-bedeutet-vegan-zwang" target="_blank">Ernährungsinitiative bedeutet Vegan-Zwang</a>&nbsp;</li><li>Blick: <a href="https://www.blick.ch/politik/abstimmungen/bund-will-trotz-initiativ-ablehnung-mehr-vegi-produkte/4mswn0p" target="_blank">Bund will trotzdem mehr Vegi-Produkte</a>, 27.6.2026<br>&nbsp;</li></ul></div> Fri, 14 Aug 2026 05:40:43 +0000 Renato 4230 at https://www.swissveg.ch EGMR urteilt: Vegane Ernährung ist ein Menschenrecht https://www.swissveg.ch/de/EGMR-vegan-Menschenrecht <span>EGMR urteilt: Vegane Ernährung ist ein Menschenrecht</span> <span><span lang="" about="/de/user/3032" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Nurdin</span></span> <span>17. Juli 2026 - 17:52</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Am 16. Juli anerkennt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) die vegane Ernährungsweise als ein Menschenrecht. Dieses wegweisende Urteil hat weitreichende Folgen für Spitäler, Gefängnisse und andere Institutionen. Wie kam es dazu und was bedeutet das für die Schweiz?</p><h2>Keine durchgehend tierfreie Kost in Schweizer Einrichtungen</h2><p>Es beginnt vor einigen Jahren in der Westschweiz. Die zwei vegan lebenden Geschwister und aktiven <a href="https://www.swissveg.ch/de/node/155">Antispeziesisten</a> G.K. und A.S. engagieren sich gegen die Unterdrückung und Ausbeutung von Tieren. Im November 2018 landet G.K. in einem Gefängnis im Kanton Genf in Untersuchungshaft und ist dort mit einem Speiseplan konfrontiert, der nur vegetarische und omnivore Kost vorsieht. Es gibt zwar Versuche des Entgegenkommens seitens des Gefängnisses, aber ein Recht auf durchgehend vegane Kost wird G.K. im Laufe des folgenden Jahres trotzdem wiederholt verwehrt. Dies ist besonders brisant, da G.K. gerade aufgrund des besagten Engagements gegen die Ausbeutung von Tieren überhaupt erst dort gelandet war. Auch der zweite Fall lief nicht viel besser: A.S. erhält während eines unfreiwilligen Aufenthalts von Februar bis April 2021 in einer psychiatrischen Einrichtung im Kanton Waadt ebenfalls keine durchgehend vegane Kost.</p><h2>Ein langer Weg: vom Kantonsgericht bis nach Strassburg</h2><p>Sowohl G.K. als auch A.S. beschweren sich wiederholt, da sie sich in ihrer Gewissensfreiheit verletzt fühlen – Gewissensfreiheit ist ein Menschenrecht gemäss Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention (Art 9. EMRK) – doch sie erhalten keine rechtlich verbindlichen Antworten, gegen die sie weitere Schritte ergreifen könnten. Zuletzt gehen sie bis vors Bundesgericht, welches ihre Klage aufgrund des Fehlens dieser rechtsverbindlicher Entscheide, auf welche sich ihre Klage hätte beziehen müssen, ablehnt. Zudem bezieht sich eines der Urteile auch auf die vorherige Anmerkung eines Kantonsgerichts, dass es zu aufwändig gewesen wäre, eine durchgehend vegane Kost zur Verfügung zu stellen und dass eine nur vegetarische Kost für vegan lebende Menschen ausreiche. Vegan lebende Menschen wissen, dass das so natürlich nicht stimmt: vegan zu kochen ist nicht nennenswert aufwändiger, als vegetarisch oder omnivor.</p><p>So bleibt G.K. und A.S. nur noch eines übrig: sie ziehen das Verfahren weiter bis nach Strassburg. Dort haben sie endlich Erfolg – sie erreichen, dass die <strong>vegane Ernährung erstmals durch Menschenrechte geschützt</strong> wird – und schaffen damit ganz nebenbei einen wegweisenden Präzedenzfall für die Zukunft.</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3>Die wichtigsten Punkte des Urteils</h3><p>Am Donnerstag 16.7.2026 <a href="https://hudoc.echr.coe.int/eng#%7B%22display%22:%5B%220%22%5D,%22languageisocode%22:%5B%22ENG%22%5D,%22appno%22:%5B%2255299/20%22,%2231515/22%22%5D,%22documentcollectionid2%22:%5B%22CLIN%22%5D,%22itemid%22:%5B%22002-14630%22%5D%7D" target="_blank">urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)</a> dass G.K. und A.S. in ihrer durch Art. 9 EMRK geschützten Gedanken- und Gewissensfreiheit verletzt worden waren, da sie im unfreiwilligen Gewahrsam jeweils nicht durchgehend eine an ihre ethischen Werthaltungen angepasste Kost erhalten hatten. Ihre vegane Lebensweise sei Gegenstand von Artikel 9, da sie «die notwendige Überzeugungsstärke, Ernsthaftigkeit, Kohäsion und Wichtigkeit» aufweise. Desweiteren verstösst es gegen Art. 13 EMRK (Recht auf wirksame Beschwerde), dass es G.K. und A.S. faktisch verunmöglicht wurde, rechtlich gegen die Einrichtungen vorzugehen, da es sich bei deren Antworten jeweils um keine rechtlich verbindlichen Entscheidungen gehandelt habe und den Klägern vom Bundesgericht kein hinreichendes Interesse an der Sache zugestanden worden war. G.K. und A.S. wurde jeweils eine finanzielle Genugtuung zugesprochen.</p></div><h2>Ein Urteil von grosser Bedeutung</h2><p>Gewiss ist es für G.K. und A.S. bedeutungsvoll, in dieser Sache von der höchsten gerichtlichen Instanz nun endlich Recht erhalten zu haben. Doch auch für die vegane Bewegung als Ganzes ist das Urteil von enormer Bedeutung. Denn es ist nun offiziell anerkannt, dass vegane Ernährung, wenn sie auf einer nachweisbaren ethischen Überzeugung basiert, ein Menschenrecht ist. Art. 9 EMRK, der nebst Gedanken- und Gewissensfreiheit auch die Religionsfreiheit miteinbezieht, war noch nie zuvor auf eine nicht-religiös motivierte Ernährungsweise angewendet worden. Das heisst, während Gefängnisse, Spitäler und andere öffentliche Einrichtungen bereits in religionsbedingten Fällen ihre Speisepläne anpassten (und etwa halal oder koscher kochten), waren sie bisher noch nicht dazu verpflichtet, auf Veganer Rücksicht zu nehmen.</p><h2>EGMR bestätigt: Vegan zu leben ist eine Gewissensfrage</h2><p>Doch genauso wie eine religiös-fundierte Grundüberzeugung für eine Person in unterschiedlichen Lebensbereichen handlungsanleitend ist und in diesem Sinne zu einer Gewissensfrage werden kann, haben auch dem Veganismus zugrundeliegende Motive wie Ablehnung des Speziesismus, Respekt vor der Tierwürde oder Mitleid mit dem Leid der Tiere diese handlungsanleitende Funktion und lassen das Verhalten des Menschen gegenüber Tieren in verschiedenen Situationen wiederholt zur Gewissensfrage werden.</p><h2>Das Urteil aus Strassburg ist für alle Mitgliedstaaten rechtlich bindend</h2><p>Dass der EGMR dies nun anerkannt hat, legt den Grundstein für den angemessenen Respekt seitens der Institutionen und mehr Toleranz seitens der Bevölkerung gegenüber Veganern und ihrer Ernährungsweise. Denn das Urteil ist für die Schweiz und alle 45 weiteren Mitgliedsstaaten des Europarates, welche die Europäischen Menschenrechtskonvention unterzeichnet haben, rechtlich bindend und gilt ohne Einschränkung per sofort.</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3>Menschenrechte stehen über Bundesgesetz</h3><p>In der Schweiz hat die EMRK Vorrang vor den Bundesgesetzen (<a href="http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-II-417%3Ade&amp;lang=de&amp;type=show_document" target="_blank">BGE 125 II 417</a>&nbsp;E. 4d) und der Bundesverfassung (<a href="http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-I-16%3Ade&amp;lang=de&amp;type=show_document" target="_blank">BGE 139 I 16</a>&nbsp;E. 5.1). Deswegen sind Bund und Kantone nun verpflichtet, ihre Gesetze insofern anzupassen, dass nebst religiös-motivierten Ernährungsweisen auch nicht-religiöse Ernährungsweisen wie Vegetarismus und Veganismus im Sinne der Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit rechtlich geschützt und eine Diskriminierung vegan lebender Personen auf gleiche Weise wie eine Diskriminierung von Personen aufgrund ihres Glaubens behandelt und in gleicher Weise strafbar wird. Mit dem Urteil des EGMR rückt diese inklusivere Zukunft nun einen Schritt näher.<br></div></p><h2>Wie geht es nun weiter?</h2><p>Auch wenn Art. 9 EMRK, wenn es um die Ernährung geht, bisher vor allem im Sinne der Religionsfreiheit Anwendung fand, heisst das natürlich nicht, dass Veganismus eine «quasi-Religion» ist, wie manche Medien nun schreiben. Und Veganismus ist auch mehr als «nur ein Lifestyle» oder eine «Modeerscheinung», sondern ein legitimer, <a href="https://www.swissveg.ch/de/node/155">ethisch fundierter</a> und von der Menschenrechtskonvention nun als geschützt anerkannter Einsatz für mehr Gerechtigkeit gegenüber nichtmenschlichen Tieren.</p><p>Es bleibt nun abzuwarten, welche Gesetze Bund und Kantone schaffen werden, um diesen neuen rechtlichen Sachverhalt abzubilden. Ein Beispiel können sie sich hierbei an <a href="https://www.vegansociety.com/news/blog/new-prison-food-rules-what-revised-prison-food-policy-means-imprisoned-vegans" target="_blank">England und Wales</a> nehmen, welche bereits Anfang 2026 erkannt haben, dass die zur Verfügung gestellte Kost in Gefängnissen bedeutsame Auswirkungen auf die Würde und das Wohlergehen der Insassen hat, weshalb nun für alle auch ein veganes Menu angeboten wird.</p><p>Bis die Schweiz ebenfalls so weit ist, können Veganer nun immerhin auf das Urteil des EGMR und dessen rechtliche Geltungskraft hindeuten, wenn sie von Diskriminierung durch Institutionen (oder auch am Arbeitsplatz, im Militärdienst etc.) aufgrund ihrer Ernährungsweise betroffen sind.</p><p>&nbsp;Ein erfreulicher und zukunftsweisender Moment!</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ul><li>Das vollständige <a href="https://hudoc.echr.coe.int/eng#%7B%22display%22:%5B%220%22%5D,%22languageisocode%22:%5B%22ENG%22%5D,%22appno%22:%5B%2255299/20%22,%2231515/22%22%5D,%22documentcollectionid2%22:%5B%22CLIN%22%5D,%22itemid%22:%5B%22002-14630%22%5D%7D" target="_blank">Urteil des EGMR vom 16.7.2026</a></li><li>Die beiden Urteile des Schweizer Bundesgerichtes:<ul><li><a href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=1B_608%2F2019++&amp;rank=1&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=aza%3A%2F%2F11-06-2020-1B_608-2019" target="_blank">Urteil vom 11. Juni 2020</a></li><li><a href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=%222C_495%2F2021%22&amp;rank=1&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=aza%3A%2F%2F09-02-2022-2C_495-2021" target="_blank">Urteil vom 9. Februar 2022</a></li></ul></li></ul></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li>Swissveg-Pressemitteilung: <a href="https://newsletter.swissveg.ch/newsletter.php?data=aWQ9Njg5Jmxhbmc9RA" target="_blank">EGMR bestätigt erstmals: Vegane Ernährung ist ein Menschenrecht</a>, 16.7.2026</li><li>SRF: <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/verpflegung-hinter-gittern-egmr-veganismus-zaehlt-als-quasi-religioese-ueberzeugung" target="_blank">EGMR: Recht auf veganes Essen im Gefängnis</a>, 16.7.2026</li><li>Vegconomist: <a href="https://vegconomist.de/politik-gesellschaft/egmr-schuetzt-ethischen-veganismus-erstmals-als-gewissensfreiheit/" target="_blank">EGMR schützt ethischen Veganismus erstmals als Gewissensfreiheit</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/vegane_lebensweise">Alles rund um die vegane Lebensweise</a></li></ul></div> Fri, 17 Jul 2026 15:52:10 +0000 Nurdin 4217 at https://www.swissveg.ch Über die Postkarte hinaus: Die Schattenseite der Milchindustrie https://www.swissveg.ch/de/schattenseite-milchindustrie <span>Über die Postkarte hinaus: Die Schattenseite der Milchindustrie</span> <span><span lang="" about="/de/user/2634" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Amandine</span></span> <span>20. Juli 2026 - 12:11</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Die Interessenverbände der Agrar- und Lebensmittelindustrie stellen Milch gerne als gesundes, natürliches und umweltfreundliches Lebensmittel dar. Insbesondere in der Schweiz ist die Milchwirtschaft ein fester Bestandteil des kulturellen Erbes und des touristischen Images des Landes. Früher ermöglichte die Verarbeitung von Milch zu Käse den Alpenregionen, verderbliche Lebensmittel für den Winter zu konservieren. Aber ist diese Tradition heute noch relevant?</p><h5>Milchprodukte – alles andere als natürlich</h5><p>Die Milchindustrie präsentiert gerne Bilder von Kühen mit Hörnern, die friedlich auf Alpwiesen grasen. Hinter dieser Darstellung verbirgt sich jedoch eine ganz andere Realität. Von der Zucht der Tiere bis zum Käse im Kühlregal basiert die moderne Milchproduktion auf technischen Eingriffen und internationalen Lieferketten, die mit einer «natürlichen» Landwirtschaft kaum noch etwas zu tun haben.</p><p>Die Zucht von Milchvieh ist schon lange kein Zufall mehr. In modernen Betrieben ist die <strong>künstliche Befruchtung</strong> zur Norm geworden und ermöglicht es, die genetischen Merkmale der als leistungsstärksten geltenden Stieren an Hunderttausende von Kühen weiterzugeben. In der Schweiz veranschaulicht Swissgenetics diese Entwicklung perfekt. Die Genossenschaft gibt an, zwischen 2020 und 2024 mehr als eine Million Dosen Brown Swiss-Samen von über 300 Bullen in 48 Länder auf fünf Kontinenten verkauft zu haben.<span class="fussnotenlink">1</span> Die Auswahlkriterien beziehen sich hauptsächlich auf die Milchleistung, den Körperbau der Tiere, die Eutergesundheit, die Fruchtbarkeit sowie die Langlebigkeit. Milchrinder sind somit das Ergebnis jahrzehntelanger intensiver genetischer Selektion, die darauf abzielt, die wirtschaftliche Leistung der Herden zu maximieren. Diese genetische Vereinheitlichung steht in starkem Kontrast zum Bild von Herden, die im Rhythmus der Natur leben. Die Tiere werden nicht mehr nur gezüchtet: Sie werden nach vom Menschen definierten Leistungszielen ausgewählt und vermehrt.</p><p>Auch das Bild eines Käses, der ausschliesslich aus lokalen Rohstoffen hergestellt wird, ist irreführend. Für die Herstellung von Schweizer AOP-Käsen wie Gruyère, Emmentaler, Vacherin Fribourgeois oder Raclette aus dem Wallis wird Lab benötigt, ein Enzym, das aus dem vierten Magen junger Kälber gewonnen wird. <strong>Dieses Lab wird jedoch in fast allen Fällen importiert</strong>. Die Schweiz produziert so gut wie kein eigenes Lab und ist auf ausländische Lieferanten angewiesen. Ein Teil dieses Labs stammt aus Ländern, in denen die Methoden der Kälberaufzucht sich von den in der Schweiz zugelassenen oder praktizierten unterscheiden.<span class="fussnotenlink">2</span> Mit anderen Worten: Selbst die symbolträchtigsten Käsesorten des kulinarischen Erbes der Schweiz benötigen einen Rohstoff, der aus einer globalisierten Lieferkette stammt.</p><p>&nbsp;</p><h5>Haben Kühe in den Bergen wirklich ihren Platz?</h5><p>Die mageren Bergwiesen sind ein wichtiger Lebensraum für eine grosse Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten. Sie sind jedoch nicht für das Gewicht von Rindern (500 bis 800 kg) geeignet, das weit über dem Gewicht der wildlebenden Arten liegt, die diese Gebiete von Natur aus bevölkern, wie Gämse (25 bis 60 kg) oder Steinböcke (75 bis 120 kg). Indem sie die dünne Schicht der alpinen Vegetation ständig <strong>zertrampeln</strong>,<strong> </strong>schädigen Kühe diese besonders empfindlichen Böden nach und nach. Hinzu kommt die übermässige Einbringung von Nitraten aus ihren Exkrementen, die die Zusammensetzung der Böden tiefgreifend verändert. Diese<strong> Überdüngung</strong> begünstigt die wettbewerbsstärksten Pflanzenarten zum Nachteil der alpinen Flora. So wurden seit 1900 mehr als 95% der Trockenwiesen in der Schweiz zerstört, und sowohl ihre Fläche als auch ihre Qualität nimmt weiterhin ab.<span class="fussnotenlink">3</span> Weiden schränken zudem das natürliche Vordringen von Wäldern und Gebüschen ein, die jedoch eine wesentliche Rolle beim Schutz vor Lawinen spielen. Um sie zu erhalten, sind daher verstärkt künstliche Massnahmen erforderlich.</p><p>Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die durch die globale Erwärmung verschärfte Dürre trifft die Bergregionen immer häufiger. In den Jahren 2003, 2015, 2018, 2022 und 2026 mussten <strong>Hubschrauber der Schweizer Armee</strong> eingesetzt werden, um Wasser bis auf die Sommerweiden zu transportieren und die Tiere zu tränken. Allein im Jahr 2022 leistete die Schweizer Luftwaffe insgesamt 700 Flugstunden, um 4,3 Millionen Liter Wasser zu transportieren.<span class="fussnotenlink">4</span> Und diese beeindruckende Zahl berücksichtigt noch nicht einmal die Transporte, die von privaten Hubschrauber-Frachtunternehmen durchgeführt wurden. Diese Wasserknappheit ist kaum überraschend: Eine einzige Kuh kann bis zu 100 Liter Wasser pro Tag trinken. Versiegen die Quellen, muss dieses Wasser anderweitig bereitgestellt werden.&nbsp;</p><p>Im Jahr 2026 war die Dürre in einigen Regionen der Schweiz so stark, dass die Landwirte gezwungen waren, mitten im Sommer auf ihre Winterfutterreserven zurückzugreifen. Um den Kauf von teurem Futter zu vermeiden, mussten sie die ältesten und leistungsschwächsten Kühe <strong>mehrere Monate vor dem geplanten Termin zum Schlachthof schicken</strong>.<span class="fussnotenlink">5</span> Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Klimaerwärmung drohen diese Probleme bei der Wasser- und Futterversorgung immer häufiger zu werden, was die Frage aufwirft, ob die Haltung grosser Rinderherden auf den Alpwiesen noch nachhaltig ist.</p><p>&nbsp;</p><h5>Eine strukturell ineffiziente Produktion</h5><h4>Pflanzen in Milch umwandeln: eine Verschwendung von Ressourcen</h4><p>Milch wird oft als nachhaltiges Lebensmittel dargestellt, insbesondere weil Kühe Gras verwerten – eine Ressource, die der Mensch nicht direkt verzehren kann. Dieses Argument hält einer genaueren Betrachtung jedoch nur teilweise stand. Tatsächlich wandelt eine Kuh nur einen Bruchteil der in ihrer Nahrung enthaltenen Energie in Milch um: Ein grosser Teil wird für ihren eigenen Stoffwechsel, ihr Wachstum, ihre Fortbewegung oder einfach zur Aufrechterhaltung ihrer Körpertemperatur benötigt. Diese Umwandlung führt zu einem erheblichen<strong> Ressourcenverlust</strong>.</p><p>Die Milchproduktion beansprucht somit weitaus mehr landwirtschaftliche Flächen, Wasser und Energie als die Herstellung pflanzlicher Milchalternativen. Die Tiere benötigen Weideland, aber auch Anbauflächen für die Futterproduktion. 10% dieses Futters wird zudem importiert,<span class="fussnotenlink">6</span> insbesondere in Form von Kraftfutter, das auf Ackerflächen angebaut wird, die direkt für die Produktion von Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr genutzt werden könnten. Pro Jahr erhält eine Milchkuh in der Schweiz im Schnitt 614 kg Kraftfutter.<span class="fussnotenlink">7</span> Selbst das Argument, dass Rinder ausschliesslich Gras fressen, ist daher unvollständig.</p><p>Der Wasserverbrauch verdeutlicht diese Ineffizienz. Kühe trinken täglich mehrere Dutzend Liter Wasser, hinzu kommt der Bewässerungsbedarf für den Futteranbau. Bei gleicher Menge benötigen pflanzliche Milchalternativen deutlich weniger Wasser und landwirtschaftliche Flächen. Die Herstellung von Mandelmilch, die zwar oft wegen ihres Wasserverbrauchs kritisiert wird, erfordert beispielsweise etwa achtzehnmal weniger Land und mehrere hundert Liter Wasser weniger pro produziertem Liter Milch.<span class="fussnotenlink">8</span></p><h4>Millionen Liter Milch gehen verloren</h4><p>Zu dieser biologischen Ineffizienz kommt eine direkte Verschwendung hinzu. Milchkühe leiden häufig an Mastitis, einer Euterentzündung, die in der Regel mit <a href="https://www.swissveg.ch/de/antibiotika"><strong>Antibiotika</strong></a> behandelt wird. Während der gesamten Behandlungsdauer und der gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeit darf ihre Milch nicht verkauft werden, um das Vorhandensein von Arzneimittelrückständen in den für den Verzehr bestimmten Produkten zu vermeiden.</p><p>In der Schweiz führt diese Situation jedes Jahr dazu, dass etwa<strong> 80 Millionen Liter Milch</strong> entsorgt werden, was dem Jahresverbrauch von fast eineinhalb Millionen Menschen entspricht.<span class="fussnotenlink">9</span> Diese Milch wird in der Regel an Kälber verfüttert oder mit der Gülle ausgebracht. Eine Praxis, die auch im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit Bedenken aufwirft, da sie die Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien in der Umwelt begünstigen kann.</p><h4>Überproduktion</h4><p>Die Verschwendung hört damit noch nicht auf. Seit mehreren Jahren produziert die Schweiz <strong>mehr Milch, als der Markt aufnehmen kann.</strong> Nach Angaben der Branchenorganisation Milch (BO Milch) lieferten die Erzeuger im Jahr 2025 rund 126 Millionen Kilogramm Milch mehr, als der Markt benötigte.<span class="fussnotenlink">10</span> Diese Überproduktion übt einen Druck auf die Preise aus und gefährdet die Einkünfte der Landwirte.</p><p>Um diese Überschüsse einzudämmen, führte die BO Milch im Jahr 2026 ein System ein, das Betriebe bestraft, die ihre Referenzmenge überschreiten. Milch, die über diese Schwelle hinaus produziert wird, wird nur zu einem stark reduzierten Preis vergütet. Trotzdem bleiben die Mengen hoch. Die wirtschaftlichen Mechanismen des Sektors zwingen jeden Betrieb dazu, mehr zu produzieren, um den Preisverfall auszugleichen – selbst wenn diese Strategie die Überschusslage noch weiter verschärft.</p><p>Die Folgen sind bis in die Kühlhäuser hinein sichtbar: Im Frühjahr 2026 waren dort mehr als 7000 Tonnen Butter gelagert, das sind etwa 2000 Tonnen mehr als üblich.<span class="fussnotenlink">11</span> Diese Anhäufung verdeutlicht ein Paradoxon: Eine Industrie, die immer mehr produziert, obwohl sie bereits Schwierigkeiten hat, ihre Erzeugnisse abzusetzen.</p><p>&nbsp;</p><h5>Fazit</h5><p>Das idyllische Bild der Milchwirtschaft beruht weitgehend auf einer Erzählung aus der Vergangenheit. Hinter den Postkartenlandschaften verbergen sich<strong> eine stark industrialisierte Produktion, ein hoher Ressourcenverbrauch und ein Wirtschaftssystem, das Überschüsse erzeugt und gleichzeitig die Einkommen der Erzeuger gefährdet</strong>.</p><p>Die Nutzung der Alpwiesen als Weideland erscheint nicht mehr als die sinnvollste Lösung. Diese Flächen liefern nur einen geringen Teil unserer Nahrungsmittel, sind aber von grosser ökologischer Bedeutung. Da der Klimawandel den Druck auf die Berggebiete verstärkt, wäre es sinnvoll, einen Teil der Magerwiesen wieder ihrer natürlichen Dynamik zu überlassen. Eine solche Entwicklung ist jedoch ohne eine Reduzierung der Milch- und Fleischproduktion kaum vorstellbar. Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung würde es ermöglichen, die Bevölkerung mit deutlich weniger Land, Wasser und Energie zu ernähren und gleichzeitig den ökologischen Druck auf die Bergregionen zu verringern.</p><p>Das grösste Hindernis ist jedoch nicht technischer, sondern wirtschaftlicher und politischer Natur. <a href="https://www.swissveg.ch/de/subventionspolitik_vs_kostenwahrheit?language=de">Derzeit fliessen rund 82% der Schweizer Agrarsubventionen in die Tierhaltung.</a> Für viele Betriebe bedeutet eine Verkleinerung ihres Viehbestands oder eine Umstellung auf Pflanzenbau den Verlust eines erheblichen Teils ihrer finanziellen Unterstützung. Hinzu kommt das Fehlen eines echten staatlichen Programms zur Begleitung von Tierhaltern, die die Tierproduktion zugunsten des Pflanzenbaus aufgeben möchten. Der Wandel lastet daher fast vollständig auf den Schultern der Landwirte, die die finanziellen Risiken einer solchen Umstellung allein tragen müssten.</p><p>Die Produzenten befinden sich somit zwischen Hammer und Amboss. Einerseits zwingen sie die niedrigen Milchpreise dazu, immer mehr zu produzieren, um ihr Einkommen zu sichern; andererseits veranlassen die staatlichen Fördermechanismen sie dazu, ihren Viehbestand beizubehalten, anstatt ihren Betrieb weiterzuentwickeln. <strong>Eine nachhaltigere Landwirtschaft kann daher nicht allein auf dem guten Willen der Erzeuger oder Verbraucher beruhen. Sie erfordert eine tiefgreifende Reform der Agrarpolitik, damit staatliche Beihilfen den Wandel tatsächlich begleiten, anstatt ein Modell aufrechtzuerhalten, das heute seine ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Grenzen zeigt.</strong></p><p>&nbsp;</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li>Swissgenetics. (2024, 18. Juni). Swissgenetics: führend im weltweiten Brown Swiss-Zuchtprogramm. <a href="https://www.swissgenetics.com/de/swissgenetics-fuehrend-im-weltweiten-brown-swiss-zuchtprogramm">www.swissgenetics.com/de/swissgenetics-fuehrend-im-weltweiten-brown-swiss-zuchtprogramm</a>&nbsp;</li><li>SRF. (2026, 5. März). Für Schweizer AOP-Käse unverzichtbar: Kälber aus Neuseeland. <a href="https://www.srf.ch/news/dialog/verborgene-abhaengigkeit-fuer-schweizer-aop-kaese-unverzichtbar-kaelber-aus-neuseeland">www.srf.ch/news/dialog/verborgene-abhaengigkeit-fuer-schweizer-aop-kaese-unverzichtbar-kaelber-aus-neuseeland&nbsp;</a></li><li>Bundesamt für Umwelt BAFU. (2025, 12. Dezember). Trockenwiesen und -weiden. <a href="https://www.bafu.admin.ch/de/tww">www.bafu.admin.ch/de/tww</a></li><li>SRF. (2023, 28. Juni). Älpler schlagen Alarm: Z’Alp geht mancherorts das Wasser aus. <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/trockenheit-in-den-bergen-aelpler-schlagen-alarm-z-alp-geht-mancherorts-das-wasser-aus">www.srf.ch/news/schweiz/trockenheit-in-den-bergen-aelpler-schlagen-alarm-z-alp-geht-mancherorts-das-wasser-aus</a></li><li>Nau.ch. (2026, 04. August). Bauern schlachten Tausende Kühe wegen Hitze und Futtermangel. <a href="https://www.nau.ch/news/schweiz/bauern-schlachten-tausende-kuhe-wegen-hitze-und-futtermangel-67154776">www.nau.ch/news/schweiz/bauern-schlachten-tausende-kuhe-wegen-hitze-und-futtermangel-67154776</a>&nbsp;</li><li>Swissmilk. (o. D.) Bei uns finden Milchkühe ohne Mühe Futter. <a href="https://www.swissmilk.ch/de/nachhaltigkeit/tierwohl/bei-uns-finden-milchkuehe-ohne-muehe-futter/">www.swissmilk.ch/de/nachhaltigkeit/tierwohl/bei-uns-finden-milchkuehe-ohne-muehe-futter</a></li><li>Schweizer Bauernverband. (2021, Mai). FOKUS – Das fressen Kuh, Schwein und Co. <a href="https://www.sbv-usp.ch/fileadmin/sbvuspch/04_Medien/Publikationen/FOKUS05_Futtermittel_def_DE_web.pdf">www.sbv-usp.ch/fileadmin/sbvuspch/04_Medien/Publikationen/FOKUS05_Futtermittel_def_DE_web.pdf</a></li><li>Lebensmittellexikon. (o. D.). Virtuelles Wasser in Lebensmitteln. <a href="https://www.lebensmittellexikon.de/v0001020.php">www.lebensmittellexikon.de/v0001020.php</a></li><li>Ktipp. (2022, 19. April). Antibiotikaspritzen im Kuhstall: 80 Millionen Liter Milch pro Jahr unbrauchbar. <a href="https://www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/antibiotikaspritzen-im-kuhstall-80-millionen-liter-milch-pro-jahr-unbrauchbar/">www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/antibiotikaspritzen-im-kuhstall-80-millionen-liter-milch-pro-jahr-unbrauchbar</a></li><li>SRF. (2025, 17. Dezember). Weshalb es in der Schweiz zu viel Milch gibt. <a href="https://www.srf.ch/news/wirtschaft/hiesiger-milchmarkt-weshalb-es-in-der-schweiz-zu-viel-milch-gibt">www.srf.ch/news/wirtschaft/hiesiger-milchmarkt-weshalb-es-in-der-schweiz-zu-viel-milch-gibt</a></li><li>Swissinfo. (2026, 22. Mai). Die Schweizer Milch- und Butterproduktion liegt über dem Bedarf. <a href="https://www.swissinfo.ch/ger/die-schweizer-milch-und-butterproduktion-liegt-%C3%BCber-dem-bedarf/91457620">www.swissinfo.ch/ger/die-schweizer-milch-und-butterproduktion-liegt-%C3%BCber-dem-bedarf/91457620</a>&nbsp;</li></ol></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/kuhmilch"><span lang="de-CH">Allgemeines zur Milch</span></a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/berggebiete"><span lang="de-CH">Berggebiete</span></a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/grasland-schweiz"><span lang="de-CH">Grasland Schweiz: Mehr Lebensmittel durch weniger Tiere?</span></a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/hitzewelle-schweiz">Hitzewelle und Wasserknappheit – Wegen unserer Ernährung?</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/antibiotika"><span lang="de-CH">Einsatz von Antibiotika in der Viehwirtschaft</span></a><span lang="de-CH">&nbsp;</span></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/subventionspolitik_vs_kostenwahrheit">Subventionspolitik vs. Kostenwahrheit</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/weltpflanzenmilchtag-2025">Weltpflanzenmilchtag: Zeit, die Milch neu zu denken</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.playsuisse.ch/de/show/2416567">Miss Kuh</a>: Ein Dokumentarfilm über die genetische Selektion von Milchkühen</p></li></ul></div> Mon, 20 Jul 2026 10:11:30 +0000 Amandine 4218 at https://www.swissveg.ch Über die Postkarte hinaus: Die Schattenseite der Milchindustrie https://www.swissveg.ch/de/schattenseite-milchindustrie <span>Über die Postkarte hinaus: Die Schattenseite der Milchindustrie</span> <span><span lang="" about="/de/user/2634" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Amandine</span></span> <span>20. Juli 2026 - 12:11</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Die Interessenverbände der Agrar- und Lebensmittelindustrie stellen Milch gerne als gesundes, natürliches und umweltfreundliches Lebensmittel dar. Insbesondere in der Schweiz ist die Milchwirtschaft ein fester Bestandteil des kulturellen Erbes und des touristischen Images des Landes. Früher ermöglichte die Verarbeitung von Milch zu Käse den Alpenregionen, verderbliche Lebensmittel für den Winter zu konservieren. Aber ist diese Tradition heute noch relevant?</p><h5>Milchprodukte – alles andere als natürlich</h5><p>Die Milchindustrie präsentiert gerne Bilder von Kühen mit Hörnern, die friedlich auf Alpwiesen grasen. Hinter dieser Darstellung verbirgt sich jedoch eine ganz andere Realität. Von der Zucht der Tiere bis zum Käse im Kühlregal basiert die moderne Milchproduktion auf technischen Eingriffen und internationalen Lieferketten, die mit einer «natürlichen» Landwirtschaft kaum noch etwas zu tun haben.</p><p>Die Zucht von Milchvieh ist schon lange kein Zufall mehr. In modernen Betrieben ist die <strong>künstliche Befruchtung</strong> zur Norm geworden und ermöglicht es, die genetischen Merkmale der als leistungsstärksten geltenden Stieren an Hunderttausende von Kühen weiterzugeben. In der Schweiz veranschaulicht Swissgenetics diese Entwicklung perfekt. Die Genossenschaft gibt an, zwischen 2020 und 2024 mehr als eine Million Dosen Brown Swiss-Samen von über 300 Bullen in 48 Länder auf fünf Kontinenten verkauft zu haben.<span class="fussnotenlink">1</span> Die Auswahlkriterien beziehen sich hauptsächlich auf die Milchleistung, den Körperbau der Tiere, die Eutergesundheit, die Fruchtbarkeit sowie die Langlebigkeit. Milchrinder sind somit das Ergebnis jahrzehntelanger intensiver genetischer Selektion, die darauf abzielt, die wirtschaftliche Leistung der Herden zu maximieren. Diese genetische Vereinheitlichung steht in starkem Kontrast zum Bild von Herden, die im Rhythmus der Natur leben. Die Tiere werden nicht mehr nur gezüchtet: Sie werden nach vom Menschen definierten Leistungszielen ausgewählt und vermehrt.</p><p>Auch das Bild eines Käses, der ausschliesslich aus lokalen Rohstoffen hergestellt wird, ist irreführend. Für die Herstellung von Schweizer AOP-Käsen wie Gruyère, Emmentaler, Vacherin Fribourgeois oder Raclette aus dem Wallis wird Lab benötigt, ein Enzym, das aus dem vierten Magen junger Kälber gewonnen wird. <strong>Dieses Lab wird jedoch in fast allen Fällen importiert</strong>. Die Schweiz produziert so gut wie kein eigenes Lab und ist auf ausländische Lieferanten angewiesen. Ein Teil dieses Labs stammt aus Ländern, in denen die Methoden der Kälberaufzucht sich von den in der Schweiz zugelassenen oder praktizierten unterscheiden.<span class="fussnotenlink">2</span> Mit anderen Worten: Selbst die symbolträchtigsten Käsesorten des kulinarischen Erbes der Schweiz benötigen einen Rohstoff, der aus einer globalisierten Lieferkette stammt.</p><p>&nbsp;</p><h5>Haben Kühe in den Bergen wirklich ihren Platz?</h5><p>Die mageren Bergwiesen sind ein wichtiger Lebensraum für eine grosse Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten. Sie sind jedoch nicht für das Gewicht von Rindern (500 bis 800 kg) geeignet, das weit über dem Gewicht der wildlebenden Arten liegt, die diese Gebiete von Natur aus bevölkern, wie Gämse (25 bis 60 kg) oder Steinböcke (75 bis 120 kg). Indem sie die dünne Schicht der alpinen Vegetation ständig <strong>zertrampeln</strong>,<strong> </strong>schädigen Kühe diese besonders empfindlichen Böden nach und nach. Hinzu kommt die übermässige Einbringung von Nitraten aus ihren Exkrementen, die die Zusammensetzung der Böden tiefgreifend verändert. Diese<strong> Überdüngung</strong> begünstigt die wettbewerbsstärksten Pflanzenarten zum Nachteil der alpinen Flora. So wurden seit 1900 mehr als 95% der Trockenwiesen in der Schweiz zerstört, und sowohl ihre Fläche als auch ihre Qualität nimmt weiterhin ab.<span class="fussnotenlink">3</span> Weiden schränken zudem das natürliche Vordringen von Wäldern und Gebüschen ein, die jedoch eine wesentliche Rolle beim Schutz vor Lawinen spielen. Um sie zu erhalten, sind daher verstärkt künstliche Massnahmen erforderlich.</p><p>Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die durch die globale Erwärmung verschärfte Dürre trifft die Bergregionen immer häufiger. In den Jahren 2003, 2015, 2018, 2022 und 2026 mussten <strong>Hubschrauber der Schweizer Armee</strong> eingesetzt werden, um Wasser bis auf die Sommerweiden zu transportieren und die Tiere zu tränken. Allein im Jahr 2022 leistete die Schweizer Luftwaffe insgesamt 700 Flugstunden, um 4,3 Millionen Liter Wasser zu transportieren.<span class="fussnotenlink">4</span> Und diese beeindruckende Zahl berücksichtigt noch nicht einmal die Transporte, die von privaten Hubschrauber-Frachtunternehmen durchgeführt wurden. Diese Wasserknappheit ist kaum überraschend: Eine einzige Kuh kann bis zu 100 Liter Wasser pro Tag trinken. Versiegen die Quellen, muss dieses Wasser anderweitig bereitgestellt werden.&nbsp;</p><p>Im Jahr 2026 war die Dürre in einigen Regionen der Schweiz so stark, dass die Landwirte gezwungen waren, mitten im Sommer auf ihre Winterfutterreserven zurückzugreifen. Um den Kauf von teurem Futter zu vermeiden, mussten sie die ältesten und leistungsschwächsten Kühe <strong>mehrere Monate vor dem geplanten Termin zum Schlachthof schicken</strong>.<span class="fussnotenlink">5</span> Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Klimaerwärmung drohen diese Probleme bei der Wasser- und Futterversorgung immer häufiger zu werden, was die Frage aufwirft, ob die Haltung grosser Rinderherden auf den Alpwiesen noch nachhaltig ist.</p><p>&nbsp;</p><h5>Eine strukturell ineffiziente Produktion</h5><h4>Pflanzen in Milch umwandeln: eine Verschwendung von Ressourcen</h4><p>Milch wird oft als nachhaltiges Lebensmittel dargestellt, insbesondere weil Kühe Gras verwerten – eine Ressource, die der Mensch nicht direkt verzehren kann. Dieses Argument hält einer genaueren Betrachtung jedoch nur teilweise stand. Tatsächlich wandelt eine Kuh nur einen Bruchteil der in ihrer Nahrung enthaltenen Energie in Milch um: Ein grosser Teil wird für ihren eigenen Stoffwechsel, ihr Wachstum, ihre Fortbewegung oder einfach zur Aufrechterhaltung ihrer Körpertemperatur benötigt. Diese Umwandlung führt zu einem erheblichen<strong> Ressourcenverlust</strong>.</p><p>Die Milchproduktion beansprucht somit weitaus mehr landwirtschaftliche Flächen, Wasser und Energie als die Herstellung pflanzlicher Milchalternativen. Die Tiere benötigen Weideland, aber auch Anbauflächen für die Futterproduktion. 10% dieses Futters wird zudem importiert,<span class="fussnotenlink">6</span> insbesondere in Form von Kraftfutter, das auf Ackerflächen angebaut wird, die direkt für die Produktion von Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr genutzt werden könnten. Pro Jahr erhält eine Milchkuh in der Schweiz im Schnitt 614 kg Kraftfutter.<span class="fussnotenlink">7</span> Selbst das Argument, dass Rinder ausschliesslich Gras fressen, ist daher unvollständig.</p><p>Der Wasserverbrauch verdeutlicht diese Ineffizienz. Kühe trinken täglich mehrere Dutzend Liter Wasser, hinzu kommt der Bewässerungsbedarf für den Futteranbau. Bei gleicher Menge benötigen pflanzliche Milchalternativen deutlich weniger Wasser und landwirtschaftliche Flächen. Die Herstellung von Mandelmilch, die zwar oft wegen ihres Wasserverbrauchs kritisiert wird, erfordert beispielsweise etwa achtzehnmal weniger Land und mehrere hundert Liter Wasser weniger pro produziertem Liter Milch.<span class="fussnotenlink">8</span></p><h4>Millionen Liter Milch gehen verloren</h4><p>Zu dieser biologischen Ineffizienz kommt eine direkte Verschwendung hinzu. Milchkühe leiden häufig an Mastitis, einer Euterentzündung, die in der Regel mit <a href="https://www.swissveg.ch/de/antibiotika"><strong>Antibiotika</strong></a> behandelt wird. Während der gesamten Behandlungsdauer und der gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeit darf ihre Milch nicht verkauft werden, um das Vorhandensein von Arzneimittelrückständen in den für den Verzehr bestimmten Produkten zu vermeiden.</p><p>In der Schweiz führt diese Situation jedes Jahr dazu, dass etwa<strong> 80 Millionen Liter Milch</strong> entsorgt werden, was dem Jahresverbrauch von fast eineinhalb Millionen Menschen entspricht.<span class="fussnotenlink">9</span> Diese Milch wird in der Regel an Kälber verfüttert oder mit der Gülle ausgebracht. Eine Praxis, die auch im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit Bedenken aufwirft, da sie die Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien in der Umwelt begünstigen kann.</p><h4>Überproduktion</h4><p>Die Verschwendung hört damit noch nicht auf. Seit mehreren Jahren produziert die Schweiz <strong>mehr Milch, als der Markt aufnehmen kann.</strong> Nach Angaben der Branchenorganisation Milch (BO Milch) lieferten die Erzeuger im Jahr 2025 rund 126 Millionen Kilogramm Milch mehr, als der Markt benötigte.<span class="fussnotenlink">10</span> Diese Überproduktion übt einen Druck auf die Preise aus und gefährdet die Einkünfte der Landwirte.</p><p>Um diese Überschüsse einzudämmen, führte die BO Milch im Jahr 2026 ein System ein, das Betriebe bestraft, die ihre Referenzmenge überschreiten. Milch, die über diese Schwelle hinaus produziert wird, wird nur zu einem stark reduzierten Preis vergütet. Trotzdem bleiben die Mengen hoch. Die wirtschaftlichen Mechanismen des Sektors zwingen jeden Betrieb dazu, mehr zu produzieren, um den Preisverfall auszugleichen – selbst wenn diese Strategie die Überschusslage noch weiter verschärft.</p><p>Die Folgen sind bis in die Kühlhäuser hinein sichtbar: Im Frühjahr 2026 waren dort mehr als 7000 Tonnen Butter gelagert, das sind etwa 2000 Tonnen mehr als üblich.<span class="fussnotenlink">11</span> Diese Anhäufung verdeutlicht ein Paradoxon: Eine Industrie, die immer mehr produziert, obwohl sie bereits Schwierigkeiten hat, ihre Erzeugnisse abzusetzen.</p><p>&nbsp;</p><h5>Fazit</h5><p>Das idyllische Bild der Milchwirtschaft beruht weitgehend auf einer Erzählung aus der Vergangenheit. Hinter den Postkartenlandschaften verbergen sich<strong> eine stark industrialisierte Produktion, ein hoher Ressourcenverbrauch und ein Wirtschaftssystem, das Überschüsse erzeugt und gleichzeitig die Einkommen der Erzeuger gefährdet</strong>.</p><p>Die Nutzung der Alpwiesen als Weideland erscheint nicht mehr als die sinnvollste Lösung. Diese Flächen liefern nur einen geringen Teil unserer Nahrungsmittel, sind aber von grosser ökologischer Bedeutung. Da der Klimawandel den Druck auf die Berggebiete verstärkt, wäre es sinnvoll, einen Teil der Magerwiesen wieder ihrer natürlichen Dynamik zu überlassen. Eine solche Entwicklung ist jedoch ohne eine Reduzierung der Milch- und Fleischproduktion kaum vorstellbar. Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung würde es ermöglichen, die Bevölkerung mit deutlich weniger Land, Wasser und Energie zu ernähren und gleichzeitig den ökologischen Druck auf die Bergregionen zu verringern.</p><p>Das grösste Hindernis ist jedoch nicht technischer, sondern wirtschaftlicher und politischer Natur. <a href="https://www.swissveg.ch/de/subventionspolitik_vs_kostenwahrheit?language=de">Derzeit fliessen rund 82% der Schweizer Agrarsubventionen in die Tierhaltung.</a> Für viele Betriebe bedeutet eine Verkleinerung ihres Viehbestands oder eine Umstellung auf Pflanzenbau den Verlust eines erheblichen Teils ihrer finanziellen Unterstützung. Hinzu kommt das Fehlen eines echten staatlichen Programms zur Begleitung von Tierhaltern, die die Tierproduktion zugunsten des Pflanzenbaus aufgeben möchten. Der Wandel lastet daher fast vollständig auf den Schultern der Landwirte, die die finanziellen Risiken einer solchen Umstellung allein tragen müssten.</p><p>Die Produzenten befinden sich somit zwischen Hammer und Amboss. Einerseits zwingen sie die niedrigen Milchpreise dazu, immer mehr zu produzieren, um ihr Einkommen zu sichern; andererseits veranlassen die staatlichen Fördermechanismen sie dazu, ihren Viehbestand beizubehalten, anstatt ihren Betrieb weiterzuentwickeln. <strong>Eine nachhaltigere Landwirtschaft kann daher nicht allein auf dem guten Willen der Erzeuger oder Verbraucher beruhen. Sie erfordert eine tiefgreifende Reform der Agrarpolitik, damit staatliche Beihilfen den Wandel tatsächlich begleiten, anstatt ein Modell aufrechtzuerhalten, das heute seine ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Grenzen zeigt.</strong></p><p>&nbsp;</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li>Swissgenetics. (2024, 18. Juni). Swissgenetics: führend im weltweiten Brown Swiss-Zuchtprogramm. <a href="https://www.swissgenetics.com/de/swissgenetics-fuehrend-im-weltweiten-brown-swiss-zuchtprogramm">www.swissgenetics.com/de/swissgenetics-fuehrend-im-weltweiten-brown-swiss-zuchtprogramm</a>&nbsp;</li><li>SRF. (2026, 5. März). Für Schweizer AOP-Käse unverzichtbar: Kälber aus Neuseeland. <a href="https://www.srf.ch/news/dialog/verborgene-abhaengigkeit-fuer-schweizer-aop-kaese-unverzichtbar-kaelber-aus-neuseeland">www.srf.ch/news/dialog/verborgene-abhaengigkeit-fuer-schweizer-aop-kaese-unverzichtbar-kaelber-aus-neuseeland&nbsp;</a></li><li>Bundesamt für Umwelt BAFU. (2025, 12. Dezember). Trockenwiesen und -weiden. <a href="https://www.bafu.admin.ch/de/tww">www.bafu.admin.ch/de/tww</a></li><li>SRF. (2023, 28. Juni). Älpler schlagen Alarm: Z’Alp geht mancherorts das Wasser aus. <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/trockenheit-in-den-bergen-aelpler-schlagen-alarm-z-alp-geht-mancherorts-das-wasser-aus">www.srf.ch/news/schweiz/trockenheit-in-den-bergen-aelpler-schlagen-alarm-z-alp-geht-mancherorts-das-wasser-aus</a></li><li>Nau.ch. (2026, 04. August). Bauern schlachten Tausende Kühe wegen Hitze und Futtermangel. <a href="https://www.nau.ch/news/schweiz/bauern-schlachten-tausende-kuhe-wegen-hitze-und-futtermangel-67154776">www.nau.ch/news/schweiz/bauern-schlachten-tausende-kuhe-wegen-hitze-und-futtermangel-67154776</a>&nbsp;</li><li>Swissmilk. (o. D.) Bei uns finden Milchkühe ohne Mühe Futter. <a href="https://www.swissmilk.ch/de/nachhaltigkeit/tierwohl/bei-uns-finden-milchkuehe-ohne-muehe-futter/">www.swissmilk.ch/de/nachhaltigkeit/tierwohl/bei-uns-finden-milchkuehe-ohne-muehe-futter</a></li><li>Schweizer Bauernverband. (2021, Mai). FOKUS – Das fressen Kuh, Schwein und Co. <a href="https://www.sbv-usp.ch/fileadmin/sbvuspch/04_Medien/Publikationen/FOKUS05_Futtermittel_def_DE_web.pdf">www.sbv-usp.ch/fileadmin/sbvuspch/04_Medien/Publikationen/FOKUS05_Futtermittel_def_DE_web.pdf</a></li><li>Lebensmittellexikon. (o. D.). Virtuelles Wasser in Lebensmitteln. <a href="https://www.lebensmittellexikon.de/v0001020.php">www.lebensmittellexikon.de/v0001020.php</a></li><li>Ktipp. (2022, 19. April). Antibiotikaspritzen im Kuhstall: 80 Millionen Liter Milch pro Jahr unbrauchbar. <a href="https://www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/antibiotikaspritzen-im-kuhstall-80-millionen-liter-milch-pro-jahr-unbrauchbar/">www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/antibiotikaspritzen-im-kuhstall-80-millionen-liter-milch-pro-jahr-unbrauchbar</a></li><li>SRF. (2025, 17. Dezember). Weshalb es in der Schweiz zu viel Milch gibt. <a href="https://www.srf.ch/news/wirtschaft/hiesiger-milchmarkt-weshalb-es-in-der-schweiz-zu-viel-milch-gibt">www.srf.ch/news/wirtschaft/hiesiger-milchmarkt-weshalb-es-in-der-schweiz-zu-viel-milch-gibt</a></li><li>Swissinfo. (2026, 22. Mai). Die Schweizer Milch- und Butterproduktion liegt über dem Bedarf. <a href="https://www.swissinfo.ch/ger/die-schweizer-milch-und-butterproduktion-liegt-%C3%BCber-dem-bedarf/91457620">www.swissinfo.ch/ger/die-schweizer-milch-und-butterproduktion-liegt-%C3%BCber-dem-bedarf/91457620</a>&nbsp;</li></ol></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/kuhmilch"><span lang="de-CH">Allgemeines zur Milch</span></a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/berggebiete"><span lang="de-CH">Berggebiete</span></a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/grasland-schweiz"><span lang="de-CH">Grasland Schweiz: Mehr Lebensmittel durch weniger Tiere?</span></a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/hitzewelle-schweiz">Hitzewelle und Wasserknappheit – Wegen unserer Ernährung?</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/antibiotika"><span lang="de-CH">Einsatz von Antibiotika in der Viehwirtschaft</span></a><span lang="de-CH">&nbsp;</span></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/subventionspolitik_vs_kostenwahrheit">Subventionspolitik vs. Kostenwahrheit</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/weltpflanzenmilchtag-2025">Weltpflanzenmilchtag: Zeit, die Milch neu zu denken</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.playsuisse.ch/de/show/2416567">Miss Kuh</a>: Ein Dokumentarfilm über die genetische Selektion von Milchkühen</p></li></ul></div> Mon, 20 Jul 2026 10:11:30 +0000 Amandine 4218 at https://www.swissveg.ch