Amandine's blog https://www.swissveg.ch/de?language=en de Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche: Wie viel hat sich wirklich verändert? https://www.swissveg.ch/de/stand-tierversuche?language=en <span>Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche: Wie viel hat sich wirklich verändert?</span> <span><span lang="" about="/de/user/3031?language=en" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Joelle</span></span> <span>24. April 2026 - 13:32</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Am 24. April ist der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche. Ein wichtiger Anlass, um nicht nur auf das Leid der Tiere zu schauen, sondern auch auf die Frage: Wo steht die Schweiz heute und wohin bewegt sie sich? In den letzten fünf Jahren gab es zwar politische Debatten, neue Verordnungen und mehr Aufmerksamkeit für alternative Methoden. Doch der grundlegende Systemwechsel lässt weiterhin auf sich warten.</p><h4>Rückblick auf die letzten Jahre</h4><p><strong>2021</strong> war geprägt von einer intensiven öffentlichen Debatte rund um die Volksinitiative für ein Verbot von Tierversuchen. In diesem Jahr wurden in der Schweiz 574’673 Tiere in Versuchen eingesetzt; europaweit litten rund 9,5 Millionen Tiere in Laboren der EU und Norwegens.<sup>1</sup> Das Thema war damit plötzlich nicht mehr nur eine Randfrage der Forschungspolitik, sondern mitten in der Gesellschaft angekommen. Die grosse Hoffnung auf eine Wende erfüllte sich damals aber nicht.</p><p><strong>2022</strong> brachte mit der Abstimmung über die Tierversuchsverbots-Initiative eine klare Entscheidung: Die Vorlage wurde deutlich abgelehnt, während gleichzeitig 585’991 Tiere in der Schweiz in Versuchen verwendet wurden – rund 2 Prozent mehr als im Vorjahr.<sup>1</sup> Für viele Tierschutzorganisationen war das ein Rückschlag, für Universitäten und Pharmaunternehmen dagegen ein Signal, dass die bestehenden Rahmenbedingungen für Tierversuche politisch bestätigt wurden. Die zentrale Frage blieb jedoch: Wenn heute bereits zahlreiche tierfreie Methoden existieren, warum werden sie nicht konsequenter gefördert und eingesetzt?</p><p><strong>2023</strong> zeigte: Von einem Rückgang kann keine Rede sein. Die Zahl der eingesetzten Tiere stieg in der Schweiz auf 595’305, etwa 1,6 % mehr als 2022 und mehr als die Hälfte dieser Tiere war Versuchssituationen mit Belastung (Schweregrade 1–3) ausgesetzt. Auch in Europa blieb der Wandel langsam.<sup>1</sup> Zwar wird immer wieder von Alternativen gesprochen, doch in der Praxis dominieren weiterhin klassische Tierversuche. Besonders kritisch bleibt, dass schwere Belastungen nicht verschwinden, sondern in manchen Bereichen sogar zunehmen, etwa in der Krebsforschung sowie bei Experimenten zu neurologischen und psychischen Erkrankungen.</p><figure role="group" class="align-center"><img alt="" data-entity-type="file" data-entity-uuid="157d9cf9-16ab-4e7c-a2a1-07a4b267710a" height="1749" src="/sites/swissveg.ch/files/2026-04/Grafiken_Versuchstiere_gez%C3%BCchtet.jpg" width="52.82%" /><figcaption>Abbildung 1: Anzahl total gezüchteter Versuchstiere die eingesetzt (türkis) und euthanasiert (rot) wurden von 2021 bis 2024 in der Schweiz. Die Zahlen wurden den Tierversuchsstatistiken des BLV entnommen.</figcaption></figure><p> </p><p><strong>2024</strong> brachte erneut viel politische Bewegung, aber wenig Entlastung für die Tiere. Neue Verordnungen wurden vorbereitet, Initiativen weitergeführt, und der Ruf nach tierfreien Methoden wurde lauter. Dass in der Schweiz 2024 insgesamt 522’636 Tiere eingesetzt wurden – rund 12 Prozent weniger als im Vorjahr – ändert wenig daran, dass die Zahl der stark belastenden Versuche im Schweregrad 3 von 26’390 im Jahr 2023 auf 27’380 Tiere anstieg.<sup>1</sup></p><p><strong>2025</strong> markiert einen spannenden, aber widersprüchlichen Moment. Seit Februar gelten in der Schweiz neue Vorschriften im Tierversuchsrecht, die unter anderem die Zucht und Haltung belasteter Linien stärker begrenzen. Gleichzeitig zeigen die bisherigen Zahlen bis 2024, dass Tierversuche weiterhin fest im System verankert sind und insbesondere stark belastende Versuche nicht einfach verschwinden. Genau hier liegt das eigentliche Problem: Mehr Regulierung bedeutet noch keinen Ausstieg. Erst mit der Tierversuchsstatistik 2025, die das BLV voraussichtlich im Herbst dieses Jahres veröffentlichen wird, wird sich zeigen, ob die neuen Regeln tatsächlich zu weniger Tierleid führen oder ob sie vor allem zu mehr Formalien geführt haben.</p><p> </p><figure role="group" class="align-center"><img alt="" data-entity-type="file" data-entity-uuid="818faf06-03a1-4231-9cc5-44767c6b4d0d" height="1467" src="/sites/swissveg.ch/files/2026-04/Grafiken_Versuchstiere_Schweregrad.jpg" width="52.74%" /><figcaption>Abbildung 2: Anzahl Versuchstiere genutzt für Versuche mit Schweregrad 3 (starke Schmerzen, anhaltendes Leid, schwere Angst oder erhebliche Beeinträchtigung des Wohlbefindens) von 2021 bis 2024 in der Schweiz. Die Zahlen wurden den Tierversuchsstatistiken des BLV entnommen.</figcaption></figure><p> </p><h4>Hier steht die Schweiz heute</h4><p>Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein genauer Blick darauf, wie das System heute konkret ausgestaltet ist. Die aktuellen Entwicklungen im Schweizer Tierversuchsrecht basieren auf einer Revision der Tierschutzverordnung und der Tierversuchsverordnung, mit der der Bundesrat unter anderem mehr Transparenz über Zucht, Nutzung und Tötung von Versuchstieren schaffen will. In der Schweiz dürfen Tierversuche grundsätzlich nur unter strengen Voraussetzungen durchgeführt werden: Sie sind bewilligungspflichtig, die Forschenden müssen nachweisen, dass keine geeigneten Alternativmethoden zur Verfügung stehen (3R-Prinzip: Replace, Reduce, Refine), und sie müssen in einer Güterabwägung belegen, dass der erwartete Erkenntnisgewinn die Belastung der Tiere rechtfertigt. Zusätzlich gelten Vorgaben zur Herkunft und Haltung der Tiere, zur personellen Qualifikation und zur Infrastruktur der Versuchstierhaltungen.</p><p>Mit der Revision, die seit 2025 schrittweise in Kraft tritt, wurden diese Anforderungen weiter verschärft: Es dürfen nur noch so viele Tiere gezüchtet werden, wie für bewilligte Versuche benötigt werden, belastete Linien brauchen eine entsprechende Bewilligung, und Versuchstierhaltungen müssen eine fachkundige Tierärztin oder einen fachkundigen Tierarzt benennen. Ab 2027 sind die Institute zudem verpflichtet, neben den eingesetzten Tieren auch jene zu melden, die nicht verwendet, abgegeben oder getötet wurden. Auf dem Papier gehört die Schweiz damit zu den Ländern mit einer besonders umfassenden Tierschutzgesetzgebung und detaillierten Statistiken im Bereich Tierversuche.</p><p>Aus Sicht der Stiftung Tier im Recht (TIR), die wir für diesen Artikel um eine Einschätzung gebeten haben, zeigt sich in der Praxis jedoch eine andere Seite. Stellvertretende Geschäftsleiterin Vanessa Gerritsen betont, dass zwar die Gesamtzahl der verwendeten Tiere tendenziell eher rückläufig sei, gleichzeitig aber «auffallend und alarmierend […] vor allem der Anstieg der mittel- und schwerbelastenden Tierversuche (Schweregrade 2 und 3)» sei. Nach Einschätzung von Tier im Recht ist das vermeintlich strenge Bewilligungsverfahren «in vielerlei Hinsicht eine Farce», da die gesetzlich vorgeschriebene Güterabwägung in der Praxis sehr häufig nicht rechtskonform vorgenommen werde. Dadurch würden die höheren formellen Anforderungen der Schweiz in ihrer Wirkung teilweise ausgehebelt, sodass das Land aus Tierschutzsicht nicht besser dastehe als viele andere Staaten.</p><p>Kritisch sieht Tier im Recht auch Transparenz und strategische Ausrichtung. Zwar kann die Schweiz sehr detaillierte Zahlen zu Tierversuchen ausweisen, etwa zu Schweregraden und zu nicht im Versuch verwendeten Tieren. Gleichzeitig hinke sie den EU-Mitgliedstaaten bei der Transparenz über einzelne Projekte hinterher, weil – anders als in der EU vorgesehen – keine nicht‑technischen Projektzusammenfassungen veröffentlicht würden. Die Schweizer Lösung mit der Publikation von Projekttitel, Tierart und Schweregrad, aber ohne inhaltliche Erläuterungen, beurteilt Tier im Recht als «höchst ungenügend, intransparent, benutzerunfreundlich» und als einseitige Begünstigung der Interessen von Forschung und Wirtschaft. Während andere Länder wie Grossbritannien oder die Niederlande klare Ausstiegspläne oder zumindest Strategien zur konsequenten Reduktion von Tierversuchen formuliert hätten, setze die Schweiz aus Sicht von Tier im Recht stark auf das 3R-Prinzip, verzichte aber auf ein ebenso klares politisches Bekenntnis zur Abkehr von Tierversuchen.</p><p> </p><h4>Wofür werden Tierversuche durchgeführt?<br /> </h4><figure role="group" class="align-center"><img alt="" data-entity-type="file" data-entity-uuid="dd62e9cd-cabf-42bc-b1c9-0c0c979dc5da" height="1619" src="/sites/swissveg.ch/files/2026-04/Grafiken_Versuchstiere_Versuchsziel.jpg" width="52.48%" /><figcaption>Abbildung 3: Versuchsziele von 2021 bis 2024 in der Schweiz. Die Zahlen wurden den Tierversuchsstatistiken des BLV entnommen.</figcaption></figure><p>Die meisten Tierversuche werden derzeit in der Grundlagenforschung durchgeführt, etwa beim Prüfen wissenschaftlicher Hypothesen, beim Gewinnen von Zellen oder Organen sowie bei der Vermehrung artfremder Organismen. Danach folgen Entdeckung, Entwicklung und Qualitätskontrolle, insbesondere bei der Erprobung neuer Therapien und Wirkstoffe. Einen deutlich geringeren Anteil nehmen Krankheitsdiagnostik, Aus‑ und Weiterbildung sowie der Schutz von Tier, Mensch und Umwelt ein, etwa bei toxikologischen Tests oder Unbedenklichkeitsprüfungen. Unter der Kategorie «Anderer Zusammenhang» werden schliesslich verschiedene Sonderuntersuchungen erfasst, beispielsweise Fütterungsversuche oder Hygienekontrollen in Versuchstierhaltungen.<sup>1</sup></p><p> </p><h4>Was daran kritisch bleibt und was Hoffnung macht</h4><p>Im Kern zeigt sich: Das Leid der Tiere wird besser dokumentiert und verwaltet, aber kaum grundlegend reduziert. Tierversuche werden oft als unvermeidbar dargestellt, obwohl sich die wissenschaftlichen Möglichkeiten stark weiterentwickelt haben. Organ-on-Chip-Systeme (Mikrochip-Plattformen, auf denen menschliche Zellen so angeordnet werden, dass Funktionen eines Organs nachgeahmt werden), komplexe Zellkulturen, computergestützte Modelle und andere tierfreie Verfahren werden zwar immer wieder genannt, kommen aber noch viel zu selten flächendeckend zum Einsatz. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt eindrücklich, wie gering die Übertragbarkeit tierischer Versuchsergebnisse auf den Menschen ist: Trotz einer Übereinstimmung der Gene von rund 85 Prozent zwischen Maus und Mensch liegt die funktionelle Deckung auf Genomebene unter 50 Prozent, sodass selbst kleine Unterschiede, etwa im Herz-Kreislauf-System, der Haut, dem Verdauungstrakt oder dem Immunsystem, grosse Folgen für die Vorhersagbarkeit haben. Diese biologischen Unterschiede tragen dazu bei, dass ein grosser Teil der Medikamente in der klinischen Prüfung scheitert; Schätzungen gehen davon aus, dass rund 90 bis 92 Prozent der Wirkstoffkandidaten in klinischen Studien nicht zugelassen werden, unter anderem, weil Wirksamkeit und Sicherheit aus Tierversuchen nur begrenzt vorhersagbar sind. Hinzu kommen methodische Schwächen wie unvollständige Dokumentation, fehlende Verblindung und mangelhafte statistische Auswertungen, die die Reproduzierbarkeit weiter verringern. Viele Forschende berichten zudem von einer Verzerrung der Studienlage zugunsten tierexperimenteller Verfahren, da Gutachter häufig Tierversuchsdaten verlangen, selbst wenn moderne, humane Alternativen (New Approach Methodologies, NAMs) bereits aussagekräftige Ergebnisse liefern. Diese NAMs bieten nicht nur eine höhere Reproduzierbarkeit und wissenschaftliche Genauigkeit, sondern auch das Potenzial, menschliche Krankheitsprozesse gezielter und skalierbarer zu modellieren.<sup>2,3</sup></p><p> </p><h4>Bestehende Strukturen werden gefestigt statt hinterfragt</h4><p>Dazu kommt ein zweiter Punkt: Viel politischer Wille fliesst in Verbesserungen innerhalb des bestehenden Systems, statt in den systematischen Aufbau von Alternativen. Bessere Haltungsbedingungen, mildere Belastungen oder strengere Kontrollen sind zwar wichtige Schritte, aber keine Lösung für die Tiere selbst. Wer Tierversuche grundsätzlich infrage stellt – aus ethischen, wissenschaftlichen oder gesundheitlichen Gründen – muss genau hier ansetzen.</p><p> </p><h4>Breite Diskussion hat begonnen</h4><p>Trotz allem gibt es auch gute Gründe für Optimismus: Die Debatte ist breiter geworden, NGOs, Forschende und Teile der Politik sprechen heute deutlich häufiger über tierfreie Methoden als noch vor einigen Jahren. Die Öffentlichkeit schaut genauer hin, und immer mehr Menschen verstehen, dass wissenschaftlicher Fortschritt nicht auf dem Leid anderer Lebewesen beruhen muss. Gerade für Menschen, denen Tierwohl, Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Forschung wichtig sind, ist das ein zentraler Punkt: Tierversuche sind kein isoliertes Spezialthema, sondern Teil einer grösseren ethischen Frage. Welche Rolle sollen Tiere in unserer Gesellschaft spielen? Wie ernst meinen wir es mit Mitgefühl, Vorsorgeprinzip und moderner, humanbasierter Wissenschaft? Die Antwort wird nicht allein in Parlamenten oder Labors entschieden, sondern auch in der öffentlichen Diskussion und ganz konkret im Alltag – etwa dann, wenn wir uns im Laden bewusst für tierversuchsfreie und vegan zertifizierte Produkte entscheiden, die beispielsweise mit dem V-Label gekennzeichnet sind.</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li>Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), 2026. Tierversuche. Abgerufen am 10.04.2026, <a href="https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tierversuche.html">https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tierversuche.html</a></li><li>Bailey LH Jarrod, 2025. Breaking down the barriers to animal-free research - Lauren Hope, Jarrod Bailey, 2025. Sage Journals. Abgerufen am 16.04.2026, <a href="https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/02611929251349465?icid=int.sj-abstract.similar-articles.1">https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/02611929251349465?icid=int.sj-abstract.similar-articles.1</a></li><li>Knight A, 2007. Systematic reviews of animal experiments demonstrate poor human clinical and toxicological utility. Alternatives to laboratory animals: ATLA, 35 (6), 641–659. Abgerufen am 16.04.2026, <a href="https://doi.org/10.1177/026119290703500610">https://doi.org/10.1177/026119290703500610</a></li></ol></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tierversuche.html" target="_blank">BLV – Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen</a></li><li><a href="https://www.din.de/de/service-fuer-anwender/normungsportale/gesundheit/aktuelles/organs-on-chip-880826" target="_blank">Organ-on-Chip-Systeme</a></li><li><a href="https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/wissen/tierversuchsfrei/alternativen" target="_blank">Alternativen zu Tierversuchen – Ärzte gegen Tierversuche</a></li><li><a href="https://nat-datenbank.de/" target="_blank">Non Animal Technologies (NAT) Datenbank&nbsp;</a></li><li><a href="https://www.tierimrecht.org/de/bibliothek/" target="_blank">Online-Datenbank der Stiftung Tier im Recht</a></li></ul><p>Frühere Blogbeiträge zu Tierversuchen:</p><ul><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/ausstieg-tierversuche-schweiz" target="_blank">Wie gelingt der Ausstieg aus den Tierversuchen?</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/kosmetik" target="_blank">Was steckt in Kosmetik drin?</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/Tierversuchsverbots-Initiative" target="_blank">Stellungnahme der Swissveg zur Volksinitiative: «Ja zum Verbot für Tier- und Menschenversuchsverbot»</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/herbstsession-2025" target="_blank">Herbstsession 2025</a><br>&nbsp;</li></ul></div> Fri, 24 Apr 2026 11:32:57 +0000 Joelle 4193 at https://www.swissveg.ch Vegan und 100 werden – ein Widerspruch? https://www.swissveg.ch/de/altersstudie?language=en <span>Vegan und 100 werden – ein Widerspruch?</span> <span><span lang="" about="/de/user/3031?language=en" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Joelle</span></span> <span>28. April 2026 - 16:22</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Aktuelle Schlagzeilen klingen, als müssten wir uns irgendwann entscheiden: entweder vegan leben oder gesund alt werden. Doch stimmt das wirklich – oder wird hier aus einzelnen Studien mehr gemacht, als sie tatsächlich aussagen? Wer genauer hinschaut, merkt schnell: Hinter der Diskussion steckt weit mehr als die Frage, ob Fleisch auf den Teller gehört. Es geht um Missverständnisse, alte Vorurteile und darum, was der Körper im Alter wirklich braucht.</p><p>In den vergangenen Wochen ist ein Thema in den Medien verstärkt aufgegriffen worden: Wie realistisch ist es, 100 Jahre alt zu werden – und welche Rolle spielt dabei die Ernährung? Viele Berichte schlagen dabei eine klare Richtung ein: Sie vermitteln den Eindruck, vegan zu leben sei im hohen Alter eher ein Hindernis als ein Vorteil und wir müssen auf tierische Produkte setzen, um wirklich alt zu werden.</p><p>Diese Darstellung stützt sich auf eine Studie mit über 5200 chinesischen Erwachsenen ab 80 Jahren, die über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren in einer Langzeitkohorte beobachtet wurden, also in einer Gruppe von Personen mit gemeinsamen Merkmalen, die über viele Jahre hinweg wiederholt untersucht wird. Analysiert wurde, ob vegan oder vegetarisch lebende Personen seltener 100 Jahre alt werden als Omnivore. Das Ergebnis: Vegetarisch und vegan lebende Teilnehmende hatten (insbesondere in der veganen Gruppe) eine tiefere Wahrscheinlichkeit, das Alter von 100 Jahren zu erreichen. Diese Aussage wurde von manchen Medien so aufbereitet, als zeige die Studie, dass vegane Ernährung generell schlecht für ein langes Leben im Alter sei. Manche Artikel gingen sogar so weit zu schreiben, Menschen sollten im Alter ihre ideologischen Ernährungsvorstellungen zurückstellen.</p><p>Damit wird suggeriert, dass vegan sein und gesund alt werden im Widerspruch ständen. Doch die Studie selbst ist weitaus komplexer und bietet vor allem Anlass zur kritischen Reflexion, nicht zu einer pauschalen Abrechnung mit veganer Ernährung im Alter.</p><p class="text-align-justify" style="orphans:2;widows:2;">&nbsp;</p><h4 class="text-align-justify western" style="line-height:108%;margin-bottom:0.28cm;margin-top:0cm;orphans:2;widows:2;">Die Studie unter der Lupe</h4><p>Die Studie von Li et al. (2026)<sup>1</sup> zeigt zwar einen Zusammenhang zwischen vegetarischer oder veganer Ernährung und einer geringeren Chance, 100 Jahre alt zu werden, sie hat jedoch entscheidende methodische Schwächen, die in der medialen Berichterstattung kaum erwähnt werden:</p><ol><li><p style="orphans:2;widows:2;">Die Studie basiert auf sogenannten retrospektiven Ernährungsangaben: Die über 80-jährigen Teilnehmenden wurden gebeten, rückblickend über ihre Essgewohnheiten zu berichten – eine Methode, die naturgemäss begrenzte Genauigkeit hat.&nbsp;</p></li><li><p style="orphans:2;widows:2;">Die Studie macht keine Aussagen darüber, wie strikt die vegetarische oder vegane Ernährung tatsächlich gelebt wurde.&nbsp;</p></li><li><p style="orphans:2;widows:2;">Der negative Effekt – also die geringere Wahrscheinlichkeit, ein Alter von 100 Jahren zu erreichen – zeigte sich vor allem bei untergewichtigen Personen. Das deutet darauf hin, dass eine Unterversorgung mit Energie und Proteinen oder bestehende Vorerkrankungen die eigentliche Ursache sein könnten, nicht die Ernährungsweise per se.</p></li></ol><p style="orphans:2;widows:2;">Hinzu kommt: Die Studie betrachtet ausschliesslich sehr alte Menschen in China, eine Population mit einem bekanntlich hohen Anteil an Untergewicht und einem hohen Vorkommen chronischer Erkrankungen. Eine gut geplante vegane Ernährung wurde nicht als eigene Gruppe untersucht. Auch die Qualität der Ernährung, bspw. durch eine ungünstige Lebensmittelzusammenstellung, wurde nicht erfasst. Bemerkenswert ist ausserdem: Fisch-, Eier- und Milchkonsumenten erreichten das hohe Alter genauso häufig wie Fleischesser. Es geht also nicht um Fleisch an sich, sondern um eine ausreichende Versorgung mit Proteinen und Nährstoffen.</p><p class="text-align-justify" style="orphans:2;widows:2;">&nbsp;</p><h4 class="text-align-justify western" style="margin-bottom:0.28cm;margin-top:0cm;">Warum Ernährung im Alter noch wichtiger wird</h4><p>Mit den Jahren verändert sich der Körper: Der Grundumsatz sinkt, der Appetit wird geringer und gleichzeitig verliert der Körper nach und nach Muskelmasse. Die Knochen werden anfälliger, die Verdauung arbeitet langsamer und das Risiko für Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Hinzu kommt, dass der Körper bestimmte Nährstoffe im Alter nicht mehr so effizient aufnimmt wie früher: Der Bedarf an Protein, Calcium, Vitamin D und Vitamin B<sub>12</sub> bleibt hoch oder steigt sogar, während das Hunger- und Durstgefühl abnimmt. Umso wichtiger ist eine Ernährung, die auch in kleineren Portionen möglichst viele Nährstoffe liefert.<sup>2</sup></p><p>Besonders Proteine spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie helfen, Muskelmasse zu erhalten, die Beweglichkeit zu sichern und im Alltag länger fit zu bleiben. Mit zunehmendem Alter reagiert der Körper weniger sensibel auf Protein, wodurch Muskelzellen gewissermassen schwerhörig gegenüber Aufbausignalen werden. Aufgrund dessen profitieren ältere Menschen häufig von einer etwas höheren Proteinzufuhr, die möglichst gleichmässig über den Tag verteilt wird.</p><p>Genau an diesem Punkt setzt ein weit verbreitetes Vorurteil an: Wer im Alter ausreichend Protein und Nährstoffe aufnehmen will, brauche zwingend Fleisch, Milch und Eier. Diese Überzeugung ist tief verwurzelt, und die aktuelle Medienberichterstattung rund um Studien zur Lebenserwartung verstärkt sie zusätzlich. Doch sie greift zu kurz. Entscheidend ist nicht die Herkunft der Nährstoffe, sondern ihre ausreichende Zufuhr und Qualität. Dass beides auch mit einer gut geplanten veganen Ernährung möglich ist, zeigt die aktuelle Forschungslage deutlich.</p><p class="text-align-justify" style="line-height:108%;margin-bottom:0.28cm;">&nbsp; <div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"></p><h3>Sind pflanzliche Proteine wirklich «unvollständig»?</h3><p>Ein Vorurteil hält sich hartnäckig: Pflanzliche Proteine seien minderwertig oder „unvollständig“. Tatsächlich stimmt das so nicht.</p><p>Zwar haben viele einzelne pflanzliche Lebensmittel nicht exakt dieselbe Zusammensetzung an Aminosäuren wie tierische Produkte. Doch in der Praxis spielt das kaum eine Rolle. Wer abwechslungsreich isst, kombiniert automatisch unterschiedliche Proteinquellen, und genau dadurch entsteht ein vollständiges Aminosäureprofil. Ein klassisches Beispiel ist die Kombination aus Hülsenfrüchten und Getreide, etwa Linsen mit Vollkornbrot oder Bohnen mit Reis. Auch Nüsse und Samen ergänzen pflanzliche Proteine hervorragend. Einige Lebensmittel liefern sogar bereits allein alle essenziellen Aminosäuren, darunter Soja, Quinoa und Amaranth.</p><p>Auch die Verwertbarkeit pflanzlicher Proteine wird häufig unterschätzt. Soja erreicht eine sehr hohe biologische Wertigkeit, fermentierte Produkte wie Tempeh sind besonders gut verdaulich. Der sogenannte PDCAAS-Wert (ein Mass für die Proteinqualität) erreicht bei Soja bereits die höchste Bewertung mit 1,0; fermentierte Produkte wie Tempeh liegen nahe an dem Bereich. Einfache Zubereitungsmethoden wie Einweichen, Keimen oder schonendes Garen verbessern die Bioverfügbarkeit zusätzlich und machen die Proteine leichter zugänglich. Zwar verlangsamen Ballaststoffe die Aufnahme von Protein leicht, langfristig fördern sie jedoch eine gesunde Darmflora und diese unterstützt wiederum die Verwertung der Proteine.<sup>3</sup></p></div><p class="text-align-justify" style="line-height:108%;margin-bottom:0.28cm;">&nbsp;</p><h4 class="text-align-justify western" style="margin-bottom:0.28cm;margin-top:0cm;">Was die Forschung zeigt</h4><p>Eine gut geplante vegane Ernährung ist nicht nur in jungen Jahren empfehlenswert, sondern kann gerade im höheren Alter besonders vorteilhaft sein. Wer sich pflanzlich ernährt, versorgt seinen Körper mit einer Vielzahl an Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Gleichzeitig profitieren viele ältere Menschen von einer Ernährung, die leicht, nährstoffreich und gut verträglich ist.</p><p>Dass diese Ernährungsweise im Alter nicht nur möglich, sondern auch messbar sinnvoll ist, zeigen aktuelle Studien: Bereits nach 48 Stunden pflanzlicher Ernährung verbesserten sich bei Menschen über 65 Jahren die Insulinempfindlichkeit, die Blutzuckerwerte und die Triglyceride, während Entzündungsmarker, die mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung stehen, deutlich zurückgingen.<sup>4</sup></p><p>Auch langfristige Gesundheitsdaten sprechen für eine pflanzliche Ernährung: Frauen mit einem hohen Anteil pflanzlicher Proteine zeigten in Studien seltener chronische Erkrankungen wie Krebs, Typ-2-Diabetes oder Herzinfarkt, waren körperlich fitter und berichteten häufiger von geistiger Klarheit. Im Gegensatz dazu kann ein hoher Konsum tierischer Proteine Wachstumsfaktoren wie IGF-1 erhöhen, die mit einem höheren Krebsrisiko in Verbindung gebracht werden. Pflanzliche Proteine sind daher nicht nur hochwertig, sondern auch gesundheitsfördernd.<sup>5</sup></p><p>Besonders eindrücklich zeigt dies eine Zwillingsstudie, in der sich nach acht Wochen veganer Ernährung die biologischen Alterungsmarker verbesserten, die den tatsächlichen Zustand der Zell- und Organalterung widerspiegeln. Die Forschenden beobachteten Veränderungen der DNA-Methylierung, die auf eine Verjüngung biologischer Prozesse hindeuten, unabhängig davon, ob die Teilnehmenden weniger Kalorien zu sich nahmen.<sup>6</sup></p><p>Auch grosse Langzeitdaten aus China bestätigen dieses Bild: Eine hochwertige pflanzliche Ernährung steht in Verbindung mit gesünderem Altern und einem geringeren Risiko für chronische Erkrankungen.<sup>7 </sup>Diese Studienresultate unterstützen damit genau das, was sich viele Menschen für das Älterwerden wünschen: Mehr Energie, mehr Beweglichkeit und möglichst lange selbstständig bleiben.</p><p class="text-align-justify">&nbsp;</p><h4 class="text-align-justify western" style="margin-bottom:0.28cm;margin-top:0cm;">Fazit: Vegan essen, aktiv bleiben</h4><p>Vegan und gesund alt werden schliessen sich nicht aus. Entscheidend ist nicht, ob tierische Produkte auf dem Teller liegen, sondern ob der Körper ausreichend Energie, Protein und Nährstoffe erhält. Wer auf Vielfalt und eine gute Planung achtet, kann sich auch im hohen Alter mit einer veganen Ernährung rundum gut versorgen und damit beste Voraussetzungen schaffen, möglichst lange fit, selbstständig und aktiv zu bleiben.</p><p>Dass manche Schlagzeilen daraus trotzdem ein Entweder-Oder machen, sagt am Ende wohl mehr über die Lust an zugespitzten Geschichten aus als über die tatsächliche Studienlage.</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0.42cm;margin-left:1.27cm;text-indent:-1.27cm;">Li Y, Wang K, Lv Y, Jigeer G, Huang Y, Shen X, Shi X, Gao X, 2026. Vegetarian diet and likelihood of becoming centenarians in Chinese adults aged 80 y or older: a nested case-control study. The American Journal of Clinical Nutrition, 123 (2), 101136. <a href="https://doi.org/10.1016/j.ajcnut.2025.101136">https://doi.org/10.1016/j.ajcnut.2025.101136</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0.42cm;margin-left:1.27cm;text-indent:-1.27cm;">Campbell WW, Deutz NEP, Volpi E, Apovian CM, 2023. Nutritional Interventions: Dietary Protein Needs and Influences on Skeletal Muscle of Older Adults. The Journals of Gerontology: Series A, 78 (Supplement_1), 67–72. <a href="https://doi.org/10.1093/gerona/glad038">https://doi.org/10.1093/gerona/glad038</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0.42cm;margin-left:1.27cm;text-indent:-1.27cm;">Berrazaga I, Micard V, Gueugneau M, Walrand S, 2019. The Role of the Anabolic Properties of Plant- versus Animal-Based Protein Sources in Supporting Muscle Mass Maintenance: A Critical Review. Nutrients, 11 (8), 1825. <a href="https://doi.org/10.3390/nu11081825">https://doi.org/10.3390/nu11081825</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0.42cm;margin-left:1.27cm;text-indent:-1.27cm;">Döschner L, Schulze K, Göger L, Bosy-Westphal A, Krüger N, Franz K, Müller-Werdan U, Herpich C, Norman K, 2024. Effects of a Short-Term Vegan Challenge in Older Adults on Metabolic and Inflammatory Parameters-A Randomized Controlled Crossover Study. Molecular Nutrition &amp; Food Research, 68 (4), e2300623. <a href="https://doi.org/10.1002/mnfr.202300623">https://doi.org/10.1002/mnfr.202300623</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0.42cm;margin-left:1.27cm;text-indent:-1.27cm;">Ardisson Korat AV, Shea MK, Jacques PF, Sebastiani P, Wang M, Eliassen AH, Willett WC, Sun Q, 2024. Dietary protein intake in midlife in relation to healthy aging - results from the prospective Nurses’ Health Study cohort. The American Journal of Clinical Nutrition, 119 (2), 271–282. <a href="https://doi.org/10.1016/j.ajcnut.2023.11.010">https://doi.org/10.1016/j.ajcnut.2023.11.010</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0.42cm;margin-left:1.27cm;text-indent:-1.27cm;">Dwaraka VB, Aronica L, Carreras-Gallo N, Robinson JL, Hennings T, Carter MM, Corley MJ, Lin A, Turner L, Smith R, et al., 2024. Unveiling the epigenetic impact of vegan vs. omnivorous diets on aging: insights from the Twins Nutrition Study (TwiNS). BMC Medicine, 22 (1), 301. <a href="https://doi.org/10.1186/s12916-024-03513-w">https://doi.org/10.1186/s12916-024-03513-w</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0.42cm;margin-left:1.27cm;text-indent:-1.27cm;">Jigeer G, Wang K, Lv Y, Tucker KL, Shen X, Chen F, Sun L, Shi X, Li Y, Gao X, 2025. Vegetarian diet and healthy aging among Chinese older adults: a prospective study. npj Aging, 11 (1), 25. <a href="https://doi.org/10.1038/s41514-025-00213-4">https://doi.org/10.1038/s41514-025-00213-4</a></p></li></ol></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/pflanzliche-ernaehrung-senkt-krankheitsrisiko" target="_blank">Pflanzliche Ernährung senkt Krankheitsrisiko</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/vegane-proteine?language=de" target="_blank">Vegane Proteine in der Ernährung</a></li></ul></div> Tue, 28 Apr 2026 14:22:37 +0000 Joelle 4191 at https://www.swissveg.ch Fibermaxxing: Social Media Hype oder sinnvoller Trend? https://www.swissveg.ch/de/fibermaxxing?language=en <span>Fibermaxxing: Social Media Hype oder sinnvoller Trend? </span> <span><span lang="" about="/de/user/3027" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Sarah</span></span> <span>5. März 2026 - 8:00</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Social Media feiert einen neuen Ernährungstrend: «Fibermaxxing». Dabei steigern Menschen gezielt die Aufnahme von Nahrungsfasern, um ihre Gesundheit zu verbessern. Sie versprechen sich davon eine bessere Verdauung, weniger Hungergefühle und ein stärkeres Immunsystem. Doch wie sinnvoll ist dieser Trend wirklich? Wir haben ihn genauer unter die Lupe genommen.</p><p>Die positiven Effekte von Nahrungsfasern auf unsere Gesundheit sind seit Langem wissenschaftlich belegt. Trotzdem wurde dieses Thema bislang oft nur am Rande wahrgenommen, da vor allem der Protein-Trend im Fokus stand. Das ändert sich nun: Die Generation Z hat Nahrungsfasern für sich entdeckt und sorgt damit für einen regelrechten Hype auf TikTok und Instagram. In unzähligen Videos geben Menschen Tipps zur Verbesserung der Ballaststoffaufnahme. Dies soll nicht nur die Verdauung fördern, sondern auch den Blutzuckerspiegel regulieren, beim Abnehmen unterstützen und allgemein zu einem «Glow-up» beitragen. Gar von «natürlichem Ozempic» ist die Rede. Auch die Wellness-Industrie hat den Trend für sich entdeckt: Mittlerweile existieren eine Vielzahl an Supplements, um die Zufuhr an Nahrungsfasern zu maximieren. Das Angebot reicht von Kapseln, Gels bis hin zu angereicherten «Fiber-Limonaden». Sogar Süssungsmittel werden mittlerweile mit Nahrungsfasern angereichert.&nbsp;</p><h4>Pflanzliche Vielfalt</h4><p>Nahrungsfasern sind ausschliesslich in pflanzlichen Lebensmittel enthalten. Dabei handelt es sich um unverdauliche Pflanzenbestandteile, die vom menschlichen Enzymsystem nicht abgebaut werden können. Studien zeigen bei erhöhter Zufuhr von Nahrungsfasern zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit. Dazu zählen die Prävention von Diabetes-Typ-2 und die Senkung des «schlechten» LDL-Cholesterins, was das Risiko für koronare Herzerkrankungen minimieren kann. Insbesondere der Verzehr von Vollkornprodukten wird mit positiven Effekten in Verbindung gebracht, wozu auch die Prävention von Bluthochdruck zählt.&nbsp;<br>Nahrungsfasern bestehen aus langkettigen Vielfachzuckern und lassen sich in lösliche und unlösliche Nahrungsfasern einteilen, die jeweils unterschiedliche Funktionen und Wirkungen im Körper entfalten.&nbsp;</p><h6>Lösliche Nahrungsfasern</h6><p>Zu den wasserlöslichen Nahrungsfasern zählen unter anderem Pektin, resistente Stärke, Inulin sowie Oligofruktose. Sie sind beispielsweise in Haferflocken, Äpfeln, Bohnen, Erbsen oder Avocados enthalten. Lösliche Nahrungsfasern werden im Dickdarm metabolisiert und bilden in Verbindung mit Wasser eine gelartige Konsistenz. Sie dienen den «guten» Darmbakterien als Nahrungsgrundlage, fördern eine funktionierende Verdauung, können die Cholesterinwerte positiv beeinflussen sowie für eine langsamere Verdauung von Kohlenhydraten sorgen.&nbsp;</p><h6>Unlösliche Nahrungsfasern</h6><p>Unlösliche Nahrungsfasern sind Zellulose, Hemizellulose und Lignin. Diese kommen beispielsweise in Vollkorngetreide, Weizenkleie und Leinsamen vor. Unlösliche Nahrungsfasern quellen in Verbindung mit Wasser stark auf und erhöhen dadurch das Stuhlvolumen, was zur einer stärkeren Darmperistaltik und einer Verkürzung der Transitzeit im Dickdarm führt.&nbsp;</p><h4>Wie viel Fibermaxxing ist sinnvoll?&nbsp;</h4><p>Die Schweizer Gesellschaft für Ernährung (SGE) empfiehlt Erwachsenen eine tägliche Zufuhr von 30 Gramm Nahrungsfasern. Dennoch erreicht heute ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung diese empfohlene Menge nicht. Zum Vergleich: Unsere Vorfahren nahmen schätzungsweise rund 100 Gramm pro Tag zu sich. Deshalb macht es für viele Menschen durchaus Sinn, ihre Zufuhr zu erhöhen. Ziel sollte eine moderate, schrittweise Erhöhung der Ballaststoffzufuhr sein, idealerweise über mehrere Wochen. Wichtig ist, auch ausreichend zu trinken, um Verdauungsbeschwerden vorzubeugen. Denn bei sehr plötzlicher, hoher Ballaststoffzufuhr kann es zu Blähungen, Völlegefühl oder Durchfall kommen. Bei bestehenden Verdauungsproblemen, Reizdarmsymptomatik oder häufiger Verstopfung empfiehlt sich eine individuelle Beratung durch Ernährungsfachpersonen.&nbsp;</p><h4>Naturbelassene Lebensmittel bevorzugen&nbsp;</h4><p>Die Nahrungsfasern sollten in erster Linie aus pflanzlichen Nahrungsmitteln stammen und angereicherte Produkte sollten dabei – wenn überhaupt – &nbsp;eher als Ergänzung denn als Hauptquelle dienen. Die Sinnhaftigkeit solcher Produkte darf angezweifelt werden, da in naturbelassenen, pflanzlichen Lebensmitteln ausreichend Nahrungsfasern enthalten sind. Und fast noch wichtiger: Die unterschiedlichen Lebensmittel enthalten auch unterschiedliche Arten von Nahrungsfasern, was bei angereicherten Produkten oftmals nicht der Fall ist. Viele Nahrungsmittel werden mit Inulin angereichert, um ihr Nahrungfasergehalt zu erhöhen. Auch Tapioka-, Akazien und Maisfaser werden gerne dazu genutzt. Die Aufnahme von hochkonzentrierten Nahrungsfasern kann zudem dazu führen, dass Verbraucherinnen und Verbrauchen diese anstelle einer vielfältigen Ernährung konsumieren und so auf die weiteren Vorteile einer ballaststoffreichen, pflanzlichen Ernährung verzichten. Des Weiteren enthalten sogenannte funktionelle Lebensmittel wie «Ballaststoff-Limonaden» meist zugefügten Zucker und/oder Süssstoffe und sind somit nicht «gesünder» als herkömmliche Softdrinks. Die beste Strategie bleibt eine abwechslungsreiche pflanzliche Ernährung mit ausreichend Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten sowie Obst und Gemüse.&nbsp;&nbsp;</p><h4>Kein Wundermittel&nbsp;</h4><p>Wichtig ist, keine Wunder vom Fibermaxxing zu erwarten. Menschen, die bisher zu wenig Ballaststoffe zu sich genommen haben, können von den Vorteilen profitieren. Wer bereits ausreichend Ballaststoffe konsumiert, wird durch eine weitere Steigerung keine spürbaren Verbesserungen erzielen. Gerade bei Kindern und Heranwachsenden muss zudem sichergestellt werden, dass sie dennoch genügend Energie aufnehmen, was durch das starke Sättigungsgefühl verhindert werden könnte. Deshalb gelten für sie auch andere Empfehlungen als für Erwachsene: 10 g /pro 1000 kcal im Vergleich zu 16 g / 1000 kcal bei Frauen bzw. 12,5 g bei Männern.</p><h4>Schon gewusst?&nbsp;</h4><p>Hersteller, die auf Lebensmittelverpackungen Angaben zu Ballaststoffen machen, müssen den genauen Ballaststoffgehalt in der Nährwerttabelle angeben. Wird die Bezeichnung «Ballaststoffquelle» verwendet, muss das Produkt mindestens 3 g Ballaststoffe pro 100 g beziehungsweise 1,5 g pro 100 Kilokalorien (kcal) enthalten. Bei der Angabe «Hoher Ballaststoffgehalt» sind mindestens 6 g Ballaststoffe pro 100 g beziehungsweise 3 g pro 100 kcal erforderlich.</p></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="https://www.swissveg.ch/ausgewogen">Ausgewogene Ernährung</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/naehrstoffe">Lebensmittel &amp; Nährstoffe</a></li></ul></div> Thu, 05 Mar 2026 07:00:00 +0000 Sarah 4185 at https://www.swissveg.ch Frühlingssession 2026 https://www.swissveg.ch/de/fruehlingssession-2026?language=en <span>Frühlingssession 2026</span> <span><span lang="" about="/de/user/2566?language=en" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Renato</span></span> <span>3. März 2026 - 14:26</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Die Wintersession der Räte findet vom 2.-20. März 2026 statt. In diesem Artikel finden Sie eine Übersicht über Themen, die aus unserer Perspektive von Bedeutung sind.</p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20253231" target="_blank">25.3231 Motion:</a> «Anpassung der RAUS-Bestimmungen im Sinne von Umwelt und Tierwohl»</h2><p>(Dienstag, 10.3.26, zwischen 8 und 13 Uhr) Die <a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2013/765/de#art_75" target="_blank">RAUS-Verordnung</a> («Regelmässiger Auslauf im Freien RAUS») soll abgeschwächt werden. Der vorgeschriebene Auslauf auf eine Weide oder einen Aussenlauf soll durch einen sogenannten Innen-Auslauf kompensiert werden. Dabei ist ein Teil des Stalls unter freiem Himmel.<br />Der Bundesrat lehnt diese Motion ab. Der Ständerat hat sie angenommen. Nun entscheidet der Nationalrat darüber.<br />Dieselbe Motion wurde auch im Nationalrat eingereicht: <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20253228" target="_blank">25.3228</a>.</p><p><em>10.3.2026: Die Motion wurde vom Nationalrat (mit Änderungen) angenommen.</em></p><p><a href="https://stopfleber-initiative.ch" target="_blank"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Logos/Stopfleberinitiative.webp" alt="Logo Stopfleber-Initiative" width="21.7%" class="align-right" /></a></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20240089" target="_blank">24.089 Volksinitiative:</a> «Ja zum Importverbot für Stopfleber (<a href="https://stopfleber-initiative.ch" target="_blank">Stopfleber-Initiative</a>)». </h2><p>Und: <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20250404" target="_blank">Indirekter Gegenentwurf zur Stopfleber-Initiative</a> .</p><p><em>Der Nationalrat hat einen weniger weit gehenden Gegenvorschlag angenommen und die Initiative abgelehnt.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20253212" target="_blank">25.3212 Postulat:</a> Wissenschaftliche Alternativen zur Lebensmittelpyramide</h2><p>Vordergründig geht es hier zwar nur um eine andere Darstellung der Ernährungsempfehlungen. Indirekt möchte der Motionär aber auch das Fleisch wieder vermehrt ins Zentrum der Empfehlungen rücken.</p><p><em>12.3.2026: Der Nationalrat hat das Postulat angenommen.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20253421" target="_blank">25.3421 Motion: </a>PFAS-Grenzwerte unter Berücksichtigung der Auswirkungen, insbesondere für die Landwirtschaft oder die Wasserversorger, sachgerecht festlegen und Massnahmen zur Unterstützung der Landwirtschaft einleiten</h2><p>Mit dieser Motion soll es erlaubt sein Fleisch (und andere tierische Produkte), dass zu stark mit PFAS belastet ist mit unbelastetem Fleisch zu vermischen, um die Grenzwerte zu erreichen. Damit soll erreicht werden, dass man auch sehr stark belastete tierische Produkte in den Verkauf bringen kann.</p><p><em>5.3.2026: Die Motion wurde im Ständerat angenommen nachdem sie auch im Nationalrat am 9.9.2025 angenommen wurde.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243030" target="_blank">24.3030 Postulat: </a>Tierspezifische Brandschutzvorschriften für Ställe</h2><p>Immer wieder sterben Tiere bei Bränden von Ställen. Deshalb soll es bessere Brandschutzvorschriften geben. Der Bundesrat argumentiert, dass es die Aufgabe der Kantone sei entsprechende Vorschriften zu erlassen und lehnt deshalb das Postulat ab.</p><p><em>18.3.26: Das Postulat wurde zurückgezogen.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243177" target="_blank">24.3177 Motion:</a> Jagdbanngebiete erhalten und vor übermässigem Schaden schützen</h2><p>Die Motion möchte, dass es für Hobbyjäger einfacher wird Wild in Jagdbanngebieten zu erschiessen, wenn es «notwendig» ist.</p><p><em>19.3.26: Die Motion wurde zurückgezogen.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20254464" target="_blank">25.4464 Motion:</a> Einführung einer Gesetzesgrundlage für den regulierten Abschuss von Wölfen bei Überschreitung eines vordefinierten Schwellenwerts</h2><p>Der Bundesrat soll beauftragt werden, die gesetzlichen Grundlagen zu verabschieden, die den Abschuss von einzelnen Wölfen oder Rudeln erlauben, sobald die Wolfspopulation eine vordefinierte Anzahl Tiere erreicht. </p><p><em>19.3.26: Der Ständerat hat die Motion angenommen.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20254486" target="_blank">25.4486 Interpellation:</a> Gibt es eine Nahrungskonkurrenz bei bestäubenden Insekten?</h2><p>Die einseitige Förderung der <a href="/honig">Honigbiene (als Nutztier)</a> kann Auswirkungen auf die Biodiversität haben. Die Interpellation fordert eine genaue Analyse was für Auswirkungen der Bestand an Honigbienen auf die Wildbienen und andere bestäubende Insekten hat.</p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20223809" target="_blank">22.3809 Motion:</a> Deklarationspflicht und Zollbeschränkungen für Fleisch von mehrtägigen Tiertransporten aus dem Ausland</h2><p>Mehrtägige Tiertransporte sind für die Tiere sehr belastend. In der kleinräumigen Schweiz kommen solche Lebendtiertransporte über mehrere Tage nicht vor. Beim Import von Fleisch kann dieses jedoch von Tieren stammen die einen mehrtägigen Transport erleiden mussten. Deshalb verlangt die Motion hier eine Deklarationspflicht und Zollbeschränkungen einzuführen.</p><p><em>5.3.2026: Die Motion wurde </em><a href="https://www.parlament.ch/de/services/news/Seiten/2026/20260305121800347194158159026_bsd102.aspx" target="_blank"><em>angenommen</em></a><em>.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20250067" target="_blank">25.067 Initiative:</a> «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (<a href="https://initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch" target="_blank">Ernährungsinitiative</a>)». Volksinitiative</h2><p><a href="https://initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch" target="_blank"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Logos/Ernaehrungsinitiative.png" alt="Logo Ernährungsinitiative" /></a>Nachdem alle Fraktionen im <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/abstimmungen/abstimmungs-datenbank-nr?BusinessNumber=25.067" target="_blank">Nationalrat</a> am 17.12.2025 die Initiative und einen möglichen Gegenvorschlag abgelehnt hat, debattiert am 17.3.26 der Ständerat darüber. <br /><br /><em>In der </em><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=71128" target="_blank"><em>Schlussabstimmung</em></a><em> des Nationalrates und des Ständerates am 20.3.26 lehnten ALLE Nationalräte und Ständeräte die Initiative ab.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20254424" target="_blank">25.4424 Interpellation:</a> Raclette bleibt Raclette!</h2><p>Agroscope hat letztes Jahr gezeigt, dass man auch aus pflanzlichen Nebenprodukten (in dem Fall Sonnenblumenpresskuchen ) eine <a href="https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/aktuell/newsroom/2025/11-10_raclette_vegan.html" target="_blank">Raclette-Alternative</a> herstellen kann. Dies passt nicht allen Politikern. Deshalb diese Interpellation.</p><p><em>17.2.2026: Nach der Antwort des Bundesrates wurde im Ständerat keine Diskussion darüber verlangt.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20230302" target="_blank">23.302 Standesinitiative:</a> Den Selbstversorgungsgrad der Schweiz mit Schweizer Zucker erhalten</h2><p>Der Kanton <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20230302" target="_blank">Bern</a> und <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20220322" target="_blank">Thurgau</a> sorgen sich um die Selbstversorgung mit Zucker. Im jetzigen Parlament hat diese Initiative leider grössere Chancen als die generelle Selbstversorgung mit Lebensmitteln und gesundem Trinkwasser (siehe Ernährungsinitiative). Ob dies daran liegt, dass man aus 3 kg Zuckerrüben 1 kg Zucker und 2 kg Futter herstellen kann?</p><p><em>17.3.26: Der Ständerat hat diese Initiative abgeschrieben. Nun befasst sich als nächstes der Nationalrat damit.</em></p></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="https://www.swissveg.ch/sessionen?language=de">Sessionen</a></li><li><a href="/wintersession-2025">Wintersession 2025</a></li><li><a href="/sommersession-2025">Sommersession 2025</a></li><li><a href="/de/sondersession-mai-2025">Sondersession Mai 2025</a></li><li><a href="/fruehlingssession-2025">Frühlingssession 2025</a></li><li>Aktuelles zur Session: <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/sessionen/aktuelle-session" target="_blank">parlament.ch</a></li></ul></div> Tue, 03 Mar 2026 13:26:08 +0000 Renato 4188 at https://www.swissveg.ch Wir feiern 30 Jahre V-Label https://www.swissveg.ch/de/30-jahre-v-label?language=en <span>Wir feiern 30 Jahre V-Label</span> <span><span lang="" about="/de/user/2398" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Christine</span></span> <span>3. Februar 2026 - 8:00</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Das V-Label feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Es wurde 1996 von Swissveg gegründet und ist heute das bekannteste und vertrauenswürdigste Vegi-Label. Mittlerweile tragen über 70'000 Produkte von mehr als 4'800 Unternehmen in über 55 Ländern das V-Label.</p><h2>Vom kleinen Büro in Sennwald zur globalen Bewegung</h2><p><a href="https://www.swissveg.ch/de" target="_blank" title="Swissveg">Swissveg</a>, damals noch unter dem Namen «Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus» (SVV) aktiv, entwickelte 1996 im ersten kleinen Büro in Sennwald (SG) die Idee des V-Labels, um eine klare Kennzeichnung und Orientierungshilfe für Verbraucher und Verbraucherinnen zu schaffen. Die SVV begleitete die Detailhändlerin Migros bei der Einführung ihrer vegetarischen Produktlinie Cornatur und zertifizierte die Produkte von Beginn an mit dem <a href="https://www.v-label.com/ch-de/" target="_blank" title="V-Label">V-Label</a>.</p><style> .centered-figure2 { display: flex; flex-direction: column; align-items: center; margin: 20px auto; } .centered-figure2 img { width: 25%; /* Web: ca. 1/5 der Breite */ height: auto; /* proportional */ display: block; } .centered-figure2 figcaption { margin-top: 10px; font-size: 1.4rem; /* Schriftgröße anpassen */ text-align: center; line-height: 1.3; } /* Mobile */ @media (max-width: 768px) { .centered-figure2 img { width: 100%; /* Mobile: volle Breite */ } } </style><figure class="centered-figure2"><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-01/Migros%20Cornatur%20Quorn_1997.gif" alt=""><figcaption>Migros' Produktlinie Cornatur, 1997 zertifiziert mit dem V-Label</figcaption></figure><p>Renato Pichler, Präsident der SVV und der <a href="https://www.euroveg.eu/" target="_blank" title="EVU">Europäischen Vegetarier-Union (EVU)</a> sowie Gründer der V-Label GmbH, stellte 1999 das V-Label auf dem Europäischen Vegetarierkongress in der Schweiz vor und lud Organisationen aus ganz Europa dazu ein, das Label in ihrem Land einzuführen. Das V-Label-Netzwerk wuchs stetig: Österreich trat 2002 bei und in den 2000er und 2010er Jahren kamen weitere europäische Partnerorganisationen hinzu. Bis 2019 hatte das V-Label die Vereinigten Staaten und Lateinamerika erreicht, 2021 Afrika, 2022 Asien und 2025 Australien. Heute ist das V-Label mit über 35 Partnerorganisationen in mehr als 55 Ländern auf allen Kontinenten vertreten und wird weltweit von Swissveg koordiniert.</p><p>&nbsp;</p><style> .swissveg-grid { display: grid; grid-template-columns: repeat(2, 1fr); /* Web: 3 Spalten */ gap: 10px; max-width: 100%; box-sizing: border-box; justify-content: center; } .swissveg-grid figure { margin: 0; display: flex; flex-direction: column; align-items: center; } .swissveg-grid img { height: 350px; /* Alle Bilder gleich hoch */ width: auto; /* Breite proportional */ display: block; } .swissveg-grid figcaption { margin-top: 6px; font-size: 1.4rem; line-height: 1.3; text-align: center; } /* Mobile */ @media (max-width: 768px) { .swissveg-grid { grid-template-columns: 1fr; /* Mobile: 1 Spalte */ } .swissveg-grid img { width: 100%; /* Mobile: volle Breite */ height: auto; /* proportional */ } } </style><div class="swissveg-grid"><figure><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-01/Europ%C3%A4ischer%20Vegetarierkongress_1999_.jpg" alt=""><figcaption>Europäischer Vegetarierkongress in Widnau (SG), 1999</figcaption></figure><figure><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-01/EVU-Vorstand_1999_.jpg" alt=""><figcaption>Vorstand der Europäischen Vegetarier-Union (EVU), 1999</figcaption></figure></div><style> .centered-figure { display: flex; flex-direction: column; align-items: center; /* Bild zentrieren */ margin: 20px auto; } .centered-figure img { width: 80%; /* Web: 50% der Breite */ height: auto; /* proportional */ display: block; } .centered-figure figcaption { margin-top: 10px; font-size: 1.4rem; /* gewünschte Schriftgröße */ text-align: center; line-height: 1.3; } /* Mobile */ @media (max-width: 768px) { .centered-figure img { width: 100%; /* Mobile: volle Breite */ } } </style><p>&nbsp;</p><p>Bereits ab 1976 wurde das heutige V-Symbol als Erkennungszeichen für die vegetarische Lebensweise genutzt. Das «V mit Blatt» erlangte internationale Bekanntheit durch die Präsentation am ersten Europäischen Vegetarierkongress 1985. Noch im selben Jahr wurde die Europäische Vegetarier Union (EVU) gegründet, welche seither das V-Symbol als festen Bestandteil ihres Vereinslogos nutzt. Seit 2008 werden die Markenrechte für die kommerzielle Nutzung des Labels zur Kennzeichnung von Produkten und Dienstleistungen von der eigens dafür gegründeten, unabhängigen V-Label GmbH in der Schweiz verwaltet.</p><h2>Das V-Label entwickelt sich weiter&nbsp;</h2><p>Die weltweite V-Label-Bewegung wurde von Renato Pichler initiiert. Zufrieden blickt er auf die Entwicklungen der letzten 30 Jahre zurück:&nbsp;</p><p class="zitat">«Seit 1996 kennzeichnen wir vegane und vegetarische Produkte für mehr Transparenz und für einen tierfreundlicheren und nachhaltigeren Konsum. Das V-Label hat nicht nur das wachsende Angebot geprägt, sondern auch Non-Profit-Organisationen gestärkt und den internationalen Austausch zwischen ihnen gefördert.»&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Dieser Austausch ist zentral für die Weiterentwicklung des Labels. Regelmässig finden internationale V-Label-Partnertreffen statt: erstmals 2014 im Swissveg-Büro in Winterthur mit Partnern aus Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und der Türkei. Es folgten Treffen in Berlin (2016), Warschau (2018), Alicante (2019), Prag (2023) und Wien (2025).&nbsp;&nbsp;<style> .swissveg2-grid { display: grid; grid-template-columns: repeat(3, 1fr); gap: 20px; } .swissveg2-grid figure { margin: 0; display: flex; flex-direction: column; justify-content: flex-end; } .swissveg2-grid img { width: 100%; height: auto; display: block; } .swissveg2-grid figcaption { margin-top: 6px; font-size: 1.4rem; line-height: 1.3; text-align: center; } /* Mobile */ @media (max-width: 768px) { .swissveg2-grid { grid-template-columns: 1fr; } } </style></p><div class="swissveg2-grid"><figure><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-01/Partnertreffen%20Winterthur_2014.jpg"><figcaption>Erstes Partnertreffen in Winterthur, 2014</figcaption></figure><figure><img src="https://www.swissveg.ch/sites/swissveg.ch/files/2026-01/IMG_20161026_163732k.jpg"><figcaption>Partnertreffen in Berlin, 2016</figcaption></figure><figure><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-01/Partnertreffe_Warschau_2018.jpg"><figcaption>Partnertreffen in Warschau, 2018</figcaption></figure><figure><img src="https://www.swissveg.ch/sites/swissveg.ch/files/2026-01/Partnertreffen%20Alicante_2019.jpg"><figcaption>Partnertreffen in Alicante, 2019</figcaption></figure><figure><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-01/Partnertreffen%20Prag_2023.jpg"><figcaption>Partnertreffen in Prag, 2023</figcaption></figure><figure><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-01/Partnertreffen%20Wien_2025.jpg"><figcaption>Partnertreffen in Wien, 2025</figcaption></figure></div><p>&nbsp;</p><p>Das V-Label passt sich laufend neuen Anforderungen an: 2023 wurden die veganen und vegetarischen Labels modernisiert, um die Kennzeichnung für Konsumenten und Konsumentinnen verständlicher zu machen. Zudem gewinnt das V-Label im Non-Food-Bereich an Bedeutung. Renato Pichler erklärt:&nbsp;</p><p class="zitat">«Das V-Label fasst zunehmend Fuss im Non-Food-Bereich und erleichtert es den Verbrauchern, auch bei Kosmetika, Reinigungsmitteln, Kleidung und vielem mehr bewusste Entscheidungen zu treffen.»</p><style> .centered-figure5 { display: flex; flex-direction: column; align-items: center; margin: 20px auto; } .centered-figure5 img { width: 50%; /* Web: ca. 1/5 der Breite */ height: auto; /* proportional */ display: block; } .centered-figure5 figcaption { margin-top: 10px; font-size: 1.4rem; /* Schriftgröße anpassen */ text-align: center; line-height: 1.3; } /* Mobile */ @media (max-width: 768px) { .centered-figure5 img { width: 100%; /* Mobile: volle Breite */ } } </style><figure class="centered-figure5"><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-01/Modernisierung%20Logos.png" alt=""><figcaption>Modernisierung des V-Labels</figcaption></figure><p>&nbsp;</p><p>Zu den jüngsten Entwicklungen gehört die Lancierung des <a href="https://c-label.com/" target="_blank" title="C-Label">C-Labels</a> und <a href="https://f-label.com/" target="_blank" title="F-Label">F-Labels</a> Anfang 2025. Sie ermöglichen eine transparente Kennzeichnung von Produkten aus Zellkultur sowie aus biotechnologischer Fermentation. Im November 2025 wurde zudem gemeinsam mit Biocyclic Vegan International und ihrer Labelorganisation Biocyclic Vegan Label Ltd. (BVL) das «<a href="https://www.swissveg.ch/de/V-Label-Vegan-Agriculture?language=en" target="_blank" title="V-Label Vegan Agriculture">V-Label Vegan Agriculture</a>» eingeführt. Diese neue Labelvariante erlaubt die Lizenzierung von Landwirtschaftsbetrieben und unterstützt so die Entwicklung einer konsequent veganen und nachhaltigen Lebensmittelproduktion. Zu den ersten lizenzierten Betrieben zählen Solawi Halde in Altdorf (SZ), Ferme du Château in Payerne (VD) und Moosfeld Gemüse in Singen (DE).</p><style> .centered-figure3 { display: flex; flex-direction: column; align-items: center; margin: 20px auto; } .centered-figure3 img { width: 55%; height: auto; /* proportional */ display: block; } .centered-figure3 figcaption { margin-top: 10px; font-size: 1.4rem; /* Schriftgröße anpassen */ text-align: center; line-height: 1.3; } /* Mobile */ @media (max-width: 768px) { .centered-figure3 img { width: 100%; /* Mobile: volle Breite */ } } </style><figure class="centered-figure3"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Logos/Solawi_Halde_2k.jpg" alt=""><figcaption>Renato Pichler (rechts) übergibt Christian Mächler von der Solawi Halde (Mitte) das V-Label-Zertifikat</figcaption></figure><h2>Für eine tierfreundlichere und nachhaltigere Zukunft</h2><p>Das V-Label ist mittlerweile das bekannteste und vertrauenswürdigste vegetarische und vegane Label – weltweit wie auch in der Schweiz. Heute tragen weltweit über 70'000 Produkte von 4'800 Unternehmen das V-Label. Aktuell sind 7’077 Produkte von 255 Unternehmen in der Schweiz und in Liechtenstein durch Swissveg lizenziert.&nbsp; Konsumenten und Konsumentinnen verbinden das V-Label mit Vertrauen, Qualität und Gesundheit. Inzwischen kennen über zwei Drittel (68 %) der Schweizer Gesamtbevölkerung das Label, Tendenz weiter steigend.<span class="fussnotenlink">1</span> 95 % der Zielgruppe (flexitarisch, vegetarisch, vegan) vertrauen dem V-Label, 95 % der Konsumenten und Konsumentinnen &nbsp;fühlen sich dadurch besser informiert und 88 % empfinden, dass es das Einkaufen erleichtert.<span class="fussnotenlink">1, 2</span></p><p>&nbsp;</p><p><style> .swissveg1-grid { display: flex; justify-content: center; /* Ganze Reihe zentrieren */ gap: 20px; max-width: 100%; box-sizing: border-box; } /* Figure als flex-Container */ .swissveg1-grid figure { margin: 0; flex: 1; /* Gleichmäßige Breite */ max-width: 45%; /* Zusammen ca. 70% */ display: flex; align-items: flex-end; /* Bilder unten ausrichten */ justify-content: center; height: 400px; /* gleiche Höhe */ } .swissveg1-grid img { width: auto; /* proportional */ height: 100%; /* passt sich der Figure-Höhe an */ display: block; object-fit: contain; /* kein Zuschneiden */ } /* Mobile */ @media (max-width: 768px) { .swissveg1-grid { flex-direction: column; /* 1 Spalte */ align-items: center; } .swissveg1-grid figure { max-width: 100%; height: auto; /* Höhe proportional */ } .swissveg1-grid img { width: 100%; /* volle Breite */ height: auto; } } </style></p><div class="swissveg1-grid"><figure><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-01/V-Label-2_Umfrage_2024.webp" alt=""></figure><figure><img src="/sites/swissveg.ch/files/2026-01/V-Label-7_Umfrage_2024.webp" alt=""></figure></div><p>&nbsp;</p><p>Mit 30 Jahren Erfahrung ist Swissveg Vorreiterin einer weltweiten Bewegung, die in einem kleinen Büro in Sennwald begann. Der Weg des V-Labels spiegelt den Aufschwung der veganen Bewegung wider. Auch zu Beginn seines vierten Jahrzehnts steht das Label für Vertrauen und Transparenz. Das 30-jährige Jubiläum markiert einen neuen Abschnitt auf dem Weg zu einer tierfreundlicheren und nachhaltigeren Zukunft, der auf den Errungenschaften der letzten drei Jahrzehnte aufbaut.</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/label-umfrage_2024" target="_blank" title="Umfrage">Repräsentative Umfrage</a> von YouGov, 2024</li><li><a href="https://www.v-label.com/de/news-de/studie-von-proveg-und-v-label-95-prozent-der-konsumentinnen-fuehlen-sich-durch-das-v-label-besser-informiert/" target="_blank" title="Studie">Studie </a>von ProVeg und V-Label, 2022</li></ol></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/meilensteine" title="Meilensteine">Geschichte der Swissveg/SVV</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/ueber_uns" title="Portrait">Portrait der Swissveg</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/V-Label-Vegan-Agriculture" title="V-Label">Allgemeines zum V-Label</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/label-umfrage_2024" title="V-Label-Umfrage">V-Label-Umfrage 2024</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/V-Label-Vegan-Agriculture" title="V-Label Vegan Agriculture">V-Label Vegan Agriculture</a></li><li><a href="https://c-label.com/" title="C-Label">C-Label</a></li><li><a href="https://f-label.com/" title="F-Label">F-Label</a></li></ul></div> Tue, 03 Feb 2026 07:00:00 +0000 Christine 4184 at https://www.swissveg.ch Wintersession 2025 https://www.swissveg.ch/de/wintersession-2025?language=en <span>Wintersession 2025</span> <span><span lang="" about="/de/user/2566?language=en" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Renato</span></span> <span>2. Dezember 2025 - 9:04</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Die Wintersession der Räte findet vom 1.-19. Dezember 2025 statt. In diesem Artikel finden Sie eine Übersicht über Themen, die aus unserer Perspektive von Bedeutung sind.</p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20253231" target="_blank">25.3231 Motion:</a> «Anpassung der RAUS-Bestimmungen im Sinne von Umwelt und Tierwohl»</h2><p>Die RAUS-Verordnung («Regelmässiger Auslauf im Freien RAUS») soll abgeschwächt werden. Der vorgeschriebene Auslauf auf eine Weide oder einen Aussenlauf soll durch einen sogenannten Innen-Auslauf kompensiert werden. Dabei ist ein Teil des Stalls unter freiem Himmel.<br />Der Bundesrat lehnt diese Motion ab. Der Ständerat hat sie angenommen. Nun entscheidet der Nationalrat darüber.<br />Dieselbe Motion wurde auch im Nationalrat eingereicht: <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20253228" target="_blank">25.3228</a>.<br /><em>Auf Frühlingssession verschoben.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20253715" target="_blank">25.3715 Motion:</a> «Abschüsse von Wölfen in Jagdbanngebiete ermöglichen»</h2><p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Wildtiere/wolf.webp" alt="Wolf" width="20.08%" class="align-right" />Der Bundesrat wird beauftragt, einen Entwurf zu einem Erlass der Bundesversammlung vorzulegen, der das Jagdgesetz so ändert, dass Wölfe, für die eine ordentliche Abschussbewilligung vorliegt, auch in Jagdbanngebieten geschossen werden dürfen, wenn es für den Schutz der Lebensräume, für die Erhaltung der Artenvielfalt, zur Hege oder zur Verhütung von übermässigen Wildschäden notwendig ist. Der Ständerat hat diese Motion am 25.9.25 angenommen. Nun entscheidet der Nationalrat darüber.<br /><em>Die Jagdbanngebiete sind der letzte Rückzugsort für die Wildtiere. Würden die Jäger auch dort noch Tiere erschiessen, bedeutet dies ein zusätzlicher Stress für alle dort vorhandenen Wildtiere.</em></p><p><em>3.12.25: Der Nationalrat hat diese Motion leider angenommen. Nun geht es an den Bundesrat.</em></p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20253549" target="_blank">25.3549 Motion:</a> «Im Rudel lebender Problemwolf. Handeln muss möglich sein!»</h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, die Jagdgesetzgebung so zu ändern, dass folgende Punkte abgedeckt sind:<br />1. Es muss möglich sein, den Abschuss von Problemwölfen, die erheblichen Schaden an Nutztieren anrichten oder Menschen gefährden (Art. 9b Abs. 1 Jagdverordnung, JSV), zu bewilligen, auch wenn diese Wölfe zu einem Rudel gehören oder sich im Streifgebiet eines Rudels aufhalten.<br />2. Reaktive Regulierung (Art. 4c Abs. 1 JSV): Schäden sind auf dem ganzen Gebiet zu berücksichtigen, und zwar auch vorausschauend und nicht erst post factum. Der Ständerat hat diese Motion am 25.9.25 angenommen. Nun entscheidet der Nationalrat darüber.<br /><em>Diese Motion würde jeden Wolfabschuss rechtfertigen, da «vorausschauend» alles behauptet aber nichts überprüft werden kann. Schon heute ist es möglich </em><a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/schweizer-wolfsbilanz-so-viele-woelfe-wurden-praeventiv-geschossen" target="_blank"><em>präventiv Wölfe zu erschiessen</em></a><em>. Der Schutz der Nutztiere durch </em><a href="https://www.gruppe-wolf.ch/Herdenschutz.htm" target="_blank"><em>Herdenschutzhunde und andere Massnahmen </em></a><em>hat sich bewährt. Es wäre sinnvoller dies weiter auszubauen.</em></p><p><em>3.12.25: Der Nationalrat hat diese Motion leider angenommen.</em></p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20250067" target="_blank">25.067 Geschäft des Bundesrates:</a> «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)». Volksinitiative</h2><p><em>17.12.2025: Der Nationalrat hat sich gegen die Initiative ausgesprochen und auch einen möglichen Gegenvorschlag abgelehnt. Von Links bis rechts wurde eine vermehrt pflanzlichere Ernährung abgelehnt. </em><a href="https://www.parlament.ch/de/services/news/Seiten/2025/20251217161554051194158159026_bsd124.aspx" target="_blank"><em>Keine einzige Fraktion befürwortete die Initiative.</em></a></p><p><em>Nach der Session hat auch die </em><a href="https://www.parlament.ch/press-releases/Pages/mm-wak-s-2026-01-23.aspx?lang=1031" target="_blank"><em>Kommission des Ständerates die Initiative abgelehnt</em></a><em>.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20240080" target="_blank">24.080 Geschäft des Bundesrates:</a> «Für eine Einschränkung von Feuerwerk»</h2><p>Der Nationalrat diskutiert über diese Initiative.</p><p><em>11.12.26: Der Nationalrat hat den indirekten Gegenentwurf mit Anpassungen angenommen.</em></p><p> </p><h2><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20250059">25.059 Geschäft des Bundesrates:</a> «Ja zum Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte (Pelzinitiative)». Volksinitiative und indirekter Gegenvorschlag (Änderung des Tierschutzgesetzes)</h2><p><em>8.12.25: Der Ständerat hat die Diskussion darüber auf die lange Bank geschoben indem er eine Fristverlängerung verlangt hat.</em></p><p> </p></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="https://www.swissveg.ch/sessionen?language=de">Sessionen</a></li><li><a href="/fruehlingssession-2026">Frühlingssession 2026</a></li><li><a href="/sommersession-2025">Sommersession 2025</a></li><li><a href="/de/sondersession-mai-2025">Sondersession Mai 2025</a></li><li>Aktuelles zur Session: <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/sessionen/aktuelle-session" target="_blank">parlament.ch</a></li></ul></div> Tue, 02 Dec 2025 08:04:30 +0000 Renato 4182 at https://www.swissveg.ch Swissveg-Analyse 2025: Wie steht es um die Anzahl Veganer und Vegetarier? https://www.swissveg.ch/de/swissveg-analyse-statistiken-2025?language=en <span>Swissveg-Analyse 2025: Wie steht es um die Anzahl Veganer und Vegetarier?</span> <span><span lang="" about="/de/user/2566?language=en" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Renato</span></span> <span>13. November 2025 - 13:14</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Nach der stetig steigenden Anzahl Vegetarier und Veganer in den letzten Jahren und dem Höhepunkt von letztem Jahr (5,3 %), ist die Anzahl dieses Jahr leicht auf 5,0 % gesunken. Somit isst jede zwanzigste Person in der Schweiz kein Fleisch. Dies liegt 35 % höher als noch vor 5 Jahren. Die Veganer haben hingegen vor allem in der Romandie stark zugelegt (von 0,1 % auf 0,4 %). Die Zahl der «Flexitarier» hat weiter leicht zugenommen. Fast ein Viertel der Bevölkerung (23,9 %) hat somit bewusst ihren Fleischkonsum reduziert.</p><p>Gemäss der <a href="https://wemf.ch/de/medienstudien/intramediastudien/mach-consumer/" target="_blank">MACH-Umfrage</a> bei 30378 Personen im Alter ab 14 Jahren ist die Anzahl der Personen, die kein Fleisch konsumieren (Vegetarier + Veganer) mit 6,3 % (2024: 6,4 %) in der Deutschschweiz fast konstant geblieben. Im Detail und in den anderen Regionen gibt es aber Veränderungen:</p><h3>Regionale Unterschiede: Deutschschweiz hat Führung ausgebaut</h3><p>Bei den vegetarisch lebenden Personen ist der Abstand der Deutschschweiz zur Romandie und zum Tessin grösser geworden. Obwohl sich bereits 5,7 % (5,5 %) in der Deutschschweiz vegetarisch ernähren, sind es in der Romandie nur 1,5 % (2,3 %) und im Tessin nur 1,6 % (1,8 %).&nbsp;&nbsp;<br>In Klammern jeweils die <a href="/swissveg-report-statistiken-2024">Vorjahreszahlen</a>.</p><p>Etwas anders sieht es bei den Veganern aus: Hier haben die Romandie und das Tessin aufgeholt:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Deutschschweiz: 0,6 %; Romandie: 0,4 %; Tessin: 0,3 %. Sowohl in der Romandie als auch im Tessin waren es letztes Jahr erst 0,1 %.</p><p>&nbsp;</p><p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/MACH_2025_vegetarisch_nach_RegionDE.webp" alt="In der Deutschschweiz hat es am meisten Vegetarier." width="55.36%"></p><h3>&nbsp;</h3><h3>Altersverteilung: Junge führend</h3><p>Auch weiterhin ist die vegetarische und vegane Ernährung vor allem bei Jungen beliebt. Von den sich vegetarisch ernährenden Personen sind 58&nbsp;% im Alter zwischen 14 und 34 Jahre. 28 % im Alter zwischen 35 und 54 Jahre und 14 % über 55 Jahre.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Bei den sich vegan Ernährenden sind sogar 71 % unter 35 Jahre alt.</p><p>Obwohl es hier einen leichten Rückgang gegenüber 2024 gab, ist es der zweithöchste je gemessene Wert.</p><p>&nbsp;</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/MACH_2025_Vegetarisch_14-34_DE.webp" alt="Vegetarisch und vegan lebende Menschen zwischen 14 und 34 Jahre." width="52.8%"><p>Erwähnenswert ist, dass diese Altersverteilung bei den Flexitariern gerade umgekehrt ist: Je älter eine Person, desto eher ernährt sie sich flexitarisch. Während bei den über 55-Jährigen 28 % angeben, bewusst ihren Fleischkonsum reduziert zu haben, tun dies bei den 14 bis 34-Jährigen nur 20 %.</p><p>&nbsp;</p><h3>Geschlechterverteilung: Frauen lieben Vegi</h3><p>Obwohl weiterhin Zweidrittel der Vegetarier Frauen sind, hat die Anzahl der weiblichen Vegetarier deutlicher abgenommen als die Anzahl der männlichen Vegetarier. Bei den Männern blieb der Anteil der Vegetarier fast konstant: 3,3 % gegenüber 3,4 % im Jahr 2024. Bei den Frauen waren es 6,7 % gegenüber 7,2 % im Vorjahr. Dafür hat der Anteil der Flexitarier unter den Frauen um 0,7 % zugenommen.</p><p>&nbsp;</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/MACH_2025__vegetarisch-nach-Geschlecht_DE.webp" alt="Anzahl Vegetarier nach Geschlecht." width="64.19%"><h3>&nbsp;</h3><h3>Bildungsniveau: Veganer bauen Vorsprung aus</h3><p>Hier hat sich der Unterschied gegenüber dem Vorjahr insbesondere bei den Veganern akzentuiert: Während in der Gesamtbevölkerung der Anteil der Hochschulabsolventen bei 39,7 % liegt, liegt dieser bei den Veganern bei 63,9 % (bei Vegetariern ist er bei 54,9 %). Während der Anteil bei den Vegetariern kaum zugenommen hat, ist er bei den Veganern gegenüber dem Vorjahr um fast 10 % gestiegen.</p><p>&nbsp;</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/MACH_2025_hoehere_Ausbildung_DE_1.webp" alt="Höhere Ausbildung nach Ernährungsweise." width="58.98%"><p>&nbsp;</p><h3>Konsum von Alternativprodukten: Bei allen beliebt</h3><p>Alternativen zu Kuhmilch- und Schlachtprodukten werden bei allen immer beliebter.</p><p>Bereits 55 % (51,5 %) der Gesamtbevölkerung konsumiert Fleischalternativen. Und über ein Drittel, 38,5 %, konsumiert auch Milchalternativen. Gegenüber dem Vorjahr ist die stärkste Zunahme des Konsums an Fleischalternativen bei Veganern zu verzeichnen: Von 84,5 % auf 96,2 %. Aber auch der Konsum der Milchalternativen ist bei Veganern bemerkenswert stark angestiegen: Von 84,6 % auf 94,1 %.</p><p>&nbsp;</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/MACH_2025_Alternativprodukten_Gesamtbevoelkerung_DE.webp" alt="Konsum Alternativprodukte in der Gesamtbevölkerung: Fleischalternaitven, Milchalternativen, Joghurt- und Quarkalternativen und Käsealternativen." width="69.06%"><p>&nbsp;</p><p>Gemäss «<a href="https://www.euromonitor.com/plant-based-dairy-in-switzerland/report" target="_blank">Plant Based Cheese Report</a>» des Euromonitor Survey von 2025 ist der Umsatz von Käsealternativen in der Schweiz in den letzten Jahren stetig und stark angestiegen:</p><p>&nbsp;</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/MACH_2025_Umsatz_veganer_Kaese_DE.webp" alt="Umsatzzahlen von veganem Käse in der Schweiz" width="72.98%"><p>&nbsp;</p><h3>Land der Köche?</h3><p>In der Schweiz kochen 69,2&nbsp;% täglich oder zumindest mehrmals wöchentlich. Unter den Veganern sind es sogar 81,2&nbsp;% und unter den Vegetariern 77,6&nbsp;%. Der höhere Anteil mag daran liegen, dass Auswärts essen – vor allem auf dem Land – nicht immer einfach ist, wenn man ein schmackhaftes Vegi-Menü möchte. Immerhin bezeichnen sich 65&nbsp;% der Veganer als Feinschmecker. In der Gesamtbevölkerung sind dies nur 57&nbsp;%. Ein Glas Wein gehört jedoch bei den meisten Veganern und Vegetariern nicht zu einem guten Essen. Wobei dies auch sonst nur noch von weniger als der Hälfte der Bevölkerung so gesehen wird.</p><p>Vegetarier und Veganer achten beim Lebensmitteleinkauf auch viel häufiger auf bio und fair-trade. Während weniger als die Hälfte der Bevölkerung angibt auf bio zu achten, sind es bei den Vegetariern und Veganern weit über 80&nbsp;%. Auf fairen Handel achten immerhin rund 62&nbsp;% der Bevölkerung, doch rund 90&nbsp;% der Veganer und 83&nbsp;% der Vegetarier.</p><p>&nbsp;</p><p class="text-align-center">Die wichtigsten Daten aus dieser Analyse haben wir auch in diesem Interview behandelt:<br><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/ZyvzSibADq8?si=Dbouu2--wCQcoX2R" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen=""></iframe></p></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="/swissveg-report-statistiken-2024">Swissveg-Report 2024: Statistiken zu Vegetariern/Veganern in der Schweiz</a></li><li><a href="/warum-veg-umfrage-2017">Warum lebt jemand vegetarisch/vegan (Umfrage von 2017)</a></li></ul></div> Thu, 13 Nov 2025 12:14:20 +0000 Renato 4175 at https://www.swissveg.ch Palmöl: zwischen Zerstörung und Effizienz https://www.swissveg.ch/de/palmoel?language=en <span>Palmöl: zwischen Zerstörung und Effizienz</span> <span><span lang="" about="/de/user/3027" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Sarah</span></span> <span>10. November 2025 - 16:24</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Ob Aufstrich, Glace oder Bodylotion: Palmöl ist das am häufigsten genutzte und produzierte Öl der Welt. Die meisten Menschen sind sich bewusst, dass dessen Herstellung äusserst problematisch ist. Auch die Industrie hat das Problem erkannt und in den letzten zwanzig Jahren Bemühungen unternommen, die Produktion nachhaltiger zu gestalten. Doch können wir diesen Versprechen trauen?</p><p>Die Bilder verzweifelter Orang-Utans im abgebrannten Regenwald gingen vor rund 20 Jahren um die Welt. Sie standen exemplarisch für das immense Leid und die Zerstörung, die durch den intensiven Palmölanbau in Indonesien und Malaysia entsteht. Die Industrie reagierte und gründete 2004 den Verein Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO). Gründungsmitglieder sind der WWF, die Migros, Unilever und der internationale Pflanzenölverarbeiter AAK. Seither ist es ruhiger geworden um das Thema. Doch verschwunden ist die Problematik nicht, ganz im Gegenteil: Seit 2010 ist die weltweite Palmölproduktion um rund 70 Prozent angestiegen.<span class="fussnotenlink">1</span> Auf Borneo bedecken die Plantagen ca. 15 Prozent der gesamten Fläche und sind für einen enormen Regenwaldverlust verantwortlich.<span class="fussnotenlink">2</span> Der grösste Produzent ist Indonesien, das Land liefert über die Hälfte der globalen Palmölernte. Auch die Schweiz gehört zu den Abnehmern: Über 14 000 Tonnen Palmöl wurden laut dem Palmöl Netzwerk Schweiz letztes Jahr importiert. Zum ersten Mal seit Jahren gab es wieder einen Anstieg. Die Hauptprobleme des intensiven Palmölanbaus sind die Abholzung und die damit verbundenen Biodiversitätsund Habitatverluste für zahlreiche Tierarten, die Vertreibung indigener Gemeinschaften sowie schlechte Arbeitsbedingungen mit teilweise Kinderarbeit.</p><h3>Irreführende Versprechungen?</h3><p>Auch wenn das RSPO-Siegel mittlerweile auf vielen Produkten der hiesigen Supermärkte prangt, ist nachhaltig zertifiziertes Palmöl nach wie vor ein Nischenprodukt und macht lediglich 20 Prozent der weltweiten Produktion aus. Damit Produzenten das RSPO-Label erhalten, müssen sie Mitglied des Vereins sein und verschiedene Kriterien und Standards erfüllen: </p><ul><li>Keine Rodung von Primärwäldern und ökologisch wertvollen Waldflächen</li><li>Schutz von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten</li><li>Schutz von Wasser, Boden und Luft </li><li>Einhaltung gesetzlicher Regelungen, darunter Landnutzungs- und Eigentumsrechte</li><li>Keine Kinderarbeit</li><li>Unabhängige Kontrolle der Plantagen </li></ul><p>Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen werfen dem RSPO seit seiner Gründung Greenwashing vor und kritisieren, dass die Standards zu wenig streng seien und die Kontrollen nicht ausreichten. Die Kritik ist teilweise berechtigt, wie Recherchen von Foodwatch und des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) zeigen. 2024 haben die Organisationen eine Beschwerde bei Edeka eingereicht und fordern darin die Supermarktkette auf, ihrer Verantwortung bezüglich Menschenrechten in der Palmöllieferkette nachzukommen.<span class="fussnotenlink">3</span></p><h3>Welche Alternativen gibt es?</h3><p>Viele Menschen möchten aus genannten Gründen auf Palmöl verzichten. Das haben auch die Hersteller erkannt und bieten eine Vielzahl an «Palm oil free» gelabelten Produkten an. Meist wird das Öl durch Kokosfett ersetzt, das über ähnliche Eigenschaften verfügt, aber ein besseres Image hat. Doch das täuscht leider: Das tropische Öl wird ebenfalls in Monokultur- Plantagen angebaut und ist dabei weit weniger ertragreich als Palmöl. Das bedeutet, dass für denselben Ertrag viel mehr Fläche benötigt wird. Teilweise wird auch Raps- oder Sonnenblumenöl als Ersatz verwendet. Diese Öle haben allerdings den Nachteil, dass sie (teil-)gehärtet werden müssen, was negative gesundheitliche Auswirkungen haben kann. Die drei wichtigsten Ölpflanzen Soja, Raps und Sonnenblumen, werden auf insgesamt 203 Millionen Hektaren angebaut und liefern etwa 52 Prozent des weltweiten Pflanzenöls. Die Ölpalme hingegen benötigt nur 23 Millionen Hektaren Fläche und generiert 40 Prozent des weltweiten Öls – sie ist somit deutlich effizienter.<span class="fussnotenlink">4</span></p><figure role="group"><img alt="" data-entity-type="file" data-entity-uuid="62cceb7f-72a1-4aa9-a7b9-3cbf93a7e853" height="212" src="/sites/swissveg.ch/files/2025-10/palmoel-blog-ertragvergleich.png" width="820" /><figcaption>Der Vergleich zeigt eindrücklich, wie effizient Palmöl im Vergleich zu anderen Ölpflanzen ist: Verglichen wird der Ölertrag pro Hektar Anbaufläche in Tonnen. </figcaption></figure><h3>Detailhandel in der Schweiz</h3><p>Die grossen Schweizer Detaillisten sind sich der Problematik bewusst und versuchen auf verschiedene Weise, für mehr Nachhaltigkeit und Transparenz zu sorgen. So ist Coop seit 2004 Mitglied des RSPO und geht noch einen Schritt weiter, indem er sein Palmöl von drei Bio Suisse zertifizierten Palmölplantagen in der Elfenbeinküste bezieht und es sowohl in Bio- wie auch in konventionellen Produkten einsetzt. Auch die Migros setzt auf RSPO-Palmöl. Aldi Suisse verwendet bei den Eigenmarkenprodukten Palmöl mit dem RSPO-Label. Bei den Bio-Produkten versucht der Detailhändler, auf tropische Fette zu verzichten. Lidl Schweiz bezieht für seine Eigenmarken ebenfalls Palmöl aus nachhaltigen Quellen.</p><p>Zudem arbeitet das Palmöl Netzwerk Schweiz eng mit diesen Händlern zusammen, um die Lieferketten transparenter zu gestalten und nachhaltige Standards zu fördern. Der WWF veröffentlicht jährlich den sogenannten Palmöl-Check, mit dem grosse Unternehmen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsleistung bewertet werden. Die Bewertungsskala reicht von 0 bis 25 Punkten, wobei höhere Werte eine bessere Nachhaltigkeitsperformance anzeigen. Alle vier genannten Schweizer Detailhändler erzielen Scores von über 19 Punkten, was der WWF als «Leading the Way» – also führend – bezeichnet.</p><h3>Palmöl von Kleinbauern </h3><p>Nebst dem RSPO existieren auch langjährige Initiativen von Bio-Produzierenden wie etwa das Serendipalm- Projekt des Bio-Seifenproduzenten Dr. Bronner's. Im westafrikanischen Ghana produzieren rund 600 Kleinbauern Bio- und Fairtrade-zertifiziertes Palmöl, das unter anderem auch von Rapunzel Naturkost und Gepa verwendet wird. Ziel des Projekts ist es, lokale Gemeinschaften und umweltfreundliche Anbaumethoden zu stärken, soziale Fairness zu fördern und Umweltstandards einzuhalten. Die Initiative legt Wert auf transparente Lieferketten, direkte Partnerschaften mit Kleinbauern und das Vermeiden von Greenwashing. Dies zeigt, dass es wenig zielführend ist, Palmöl pauschal zu verteufeln, sondern auf verlässliche Labels gesetzt werden sollte. Das RSPO-Siegel ist sicherlich nicht zertifiziertem Öl vorzuziehen, aber aufgrund der tiefen Standards dennoch bedingt empfehlenswert. Achten Sie auf vertrauenswürdige Siegel wie die Bio-Knospe oder das EU-Bio-Siegel, auch Fairtrade-Label wie Fair for Life sind gute Indikatoren, dass zumindest gewisse Standards bezüglich fairer Arbeitsbedingungen eingehalten werden. </p><p>Für die Zukunft besteht ein grosses Potenzial bei innovativen biotechnologischen Verfahren wie der Präzisionsfermentation betreffend Ersatzprodukte für Palmöl. Sie ermöglicht die Herstellung pflanzlicher Fettbestandteile im Labor, ähnlich jener von tierischen Produkten, wie etwa Milchbestandteilen oder Kollagen. Die Technologie könnte die Branche mit dieser nachhaltigen, transparenten und ethisch vertretbaren Alternative revolutionieren.</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <p>1 FAOSTAT. (o. D.). <a href="http://www.fao.org/faostat/en/#compare">www.fao.org/faostat/en/#compare</a><br>2 Morgans, C. L., Meijaard, E., Santika, T., Law, E., Budiharta, S.,Ancrenaz, M. &amp; Wilson, K. A. (2018). Evaluating the<br>effectiveness of palm oil certification in delivering multiple sustainability objectives. Environmental Research Letters, 13(6), 064032.<a href="https://doi.org/10.1088/1748-9326/aac6f4">https://doi.org/10.1088/1748-9326/aac6f4</a><br>3 Pressemitteilung. (o. D.). ECCHR. <a href="http://www.ecchr.eu/pressemitteilung/kritik-an-rspo-zertifiziertem-palmoel-vonnaturaceites">www.ecchr.eu/pressemitteilung/kritik-an-rspo-zertifiziertem-palmoel-von…</a><br>4 Murphy, D. J. (2025b). Agronomy and Environmental Sustainability of the Four Major Global Vegetable Oil Crops: Oil Palm, Soybean, Rapeseed, and Sunflower. Agronomy, 15(6), 1465. <a href="https://doi.org/10.3390/agronomy15061465">https://doi.org/10.3390/agronomy15061465</a></p></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/oekologie?language=fr">Welche ökologischen Auswirkungen hat der Fleischkonsum?</a></li></ul></div> Mon, 10 Nov 2025 15:24:23 +0000 Sarah 4173 at https://www.swissveg.ch Weltpflanzenmilchtag: Zeit, die Milch neu zu denken https://www.swissveg.ch/de/weltpflanzenmilchtag-2025?language=en <span>Weltpflanzenmilchtag: Zeit, die Milch neu zu denken</span> <span><span lang="" about="/de/user/2398?language=en" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Christine</span></span> <span>20. August 2025 - 10:11</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Am Freitag, 22. August, ist Weltpflanzenmilchtag. Dieser ruft zum Umdenken auf, denn trotz rückläufigem Konsum wird Kuhmilch in der Schweiz weiterhin stark subventioniert. Warum es einen Milchkonsum braucht, der zukunftsfähig ist.</p><h2>Das Milchmärchen</h2><p>Für viele gehören Milch und Kühe zur Schweiz, wie ihre Berge und Seen. Doch dieses Image ist kein Zufall: Seit Jahrzehnten steckt die Milchindustrie jedes Jahr mehrere Millionen in irreführende Werbung mit glücklichen Kühen auf saftig grünen Wiesen – mitfinanziert durch unsere Steuergelder.<span class="fussnotenlink">1</span></p><p>Diese Werbeanstrengungen zeigen ihre Wirkung: Vielen Konsument:innen ist nicht bewusst, woher ihre Milch eigentlich stammt. Eine von Proviande durchgeführte Umfrage zeigt, dass nicht einmal die Hälfte der Befragten wusste, dass eine Kuh ein Kalb gebären muss, um Milch zu geben.<span class="fussnotenlink">2</span> Entsprechend ist davon auszugehen, dass die meisten Menschen nicht realisieren, welche enormen Strapazen die Kuh für die Milch erleiden muss, die letztlich nicht ihr Kalb, sondern wir Menschen konsumieren.</p><h2>Das verborgene Leid der Kühe</h2><p>Milchkühe werden jährlich künstlich besamt, damit sie ein Kalb gebären und Milch produzieren. Mutter und Kalb werden meist schon wenige Stunden nach der Geburt getrennt, um eine zu enge Bindung zu verhindern. Nach der Trennung ruft die Kuh oft tagelang nach ihrem Kalb. Die männlichen Kälber werden aus wirtschaftlichen Gründen getötet.</p><p>Aufgrund der Hochleistungszucht und der Anforderung, konstant viel Milch zu geben, leben Milchkühe in der Schweiz heute nur noch fünf bis sechs Jahre, obwohl ihre natürliche Lebenserwartung 20 bis 25 Jahre beträgt. Eine sogenannte Hochleistungskuh produziert rund 7000 Liter Milch pro Jahr.<span class="fussnotenlink">3</span> Diese extrem hohe, angezüchtete Milchleistung führt häufig zu schweren Euterentzündungen, weshalb der Antibiotikaeinsatz in der Milchproduktion zum Standard gehört. Ausserdem leben über 40 Prozent der Milchkühe in der Schweiz in Anbindehaltung, was bedeutet, dass sie sich kaum bewegen können.<span class="fussnotenlink">4</span></p><h2>Warum Kuhmilch ein Klimakiller ist – und nicht automatisch starke Knochen macht</h2><p>Die Herstellung von Kuhmilch ist extrem ressourcenintensiv. Sie verursacht grosse Mengen an Treibhausgasen und trägt somit erheblich zum Klimawandel bei. <span class="fussnotenlink">5</span> Zudem benötigt die Milchproduktion viel Wasser und Land und belastet Böden, Luft und Gewässer durch Nährstoffüberschüsse. <span class="fussnotenlink">6, 7, 8</span> Zudem gefährdet die Milchwirtschaft die Artenvielfalt, wie eine Studie des WWF zeigt. <span class="fussnotenlink">9</span></p><p>Doch nicht nur für die Umwelt ist Kuhmilch problematisch – auch die gesundheitlichen Vorteile sind umstritten. Der weit verbreitete Glaubenssatz „Milch ist gesund und stärkt die Knochen“ trifft so nicht zu. Osteoporose (Knochenschwund) tritt gerade in Ländern mit hohem Milchkonsum besonders häufig auf. <span class="fussnotenlink">10</span></p><h2>Die gute Nachricht: Es geht auch anders!</h2><p><style> .responsive-img { width: 100%; max-width: 50%; height: auto; display: block; margin: 1.5em auto; } @media (max-width: 768px) { .responsive-img { max-width: 100%; } } .fussnotenlink { vertical-align: super; font-size: 0.8em; } </style></p><p>All diese Fakten klingen zunächst ernüchternd – doch es gibt eine einfache Lösung: pflanzliche Milchalternativen! Für Hafer-, Soja-, Mandelmilch und Co. muss kein Tier leiden. Sie sind deutlich besser für die Umwelt und können sogar zu starken Knochen beitragen.</p><p>Die Zahlen sprechen für sich: Die Produktion pflanzlicher Milchalternativen verursacht deutlich weniger Treibhausgase und verbraucht weniger Wasser und Land als Kuhmilch. Zwar wird Mandelmilch oft wegen ihres Wasserverbrauchs kritisiert, mit rund 271 Litern Wasser pro Liter liegt sie jedoch immer noch weit unter dem Wert für Kuhmilch, für die etwa 628 Liter pro Liter benötigt werden.<span class="fussnotenlink">11</span></p><img class="responsive-img" src="/sites/swissveg.ch/files/Wasserverbrauch.png" alt="Wasserverbrauch"><img class="responsive-img" src="/sites/swissveg.ch/files/Treibhausgase_0.png" alt="Treibhausgase"><img class="responsive-img" src="/sites/swissveg.ch/files/Landverbrauch.png" alt="Landverbrauch"><p>Die Auswahl an Pflanzenmilch ist gross und die vielen Alternativen bringen unterschiedliche Nährstoffprofile mit. Sojamilch enthält sogar mehr Protein als Kuhmilch und bietet zusätzliche gesundheitliche Vorteile. Auch eine Studie von Agroscope zeigt: Pflanzliche Alternativen auf Soja-, Mandel- und Cashewbasis sind gute Quellen für Mineralstoffe und Spurenelemente.<span class="fussnotenlink">12</span> Wichtig ist dabei vor allem die Kalziumanreicherung. In der Regel enthalten konventionelle Pflanzenmilchprodukte – wie Kuhmilch – etwa 120 mg Kalzium pro 100 ml. Bio-Varianten sind oft nicht standardmässig angereichert, aber ebenfalls mit Kalziumzusatz erhältlich. <img class="responsive-img" src="/sites/swissveg.ch/files/Proteingehalt.png" alt="Proteingehalt"></p><h2>Pflanzenmilch auf dem Vormarsch</h2><p>Pflanzliche Milch erfreut sich wachsender Beliebtheit: Seit 2017 steigt die Nachfrage nach Milchersatzprodukten in der Schweiz stetig an. Der Umsatz hat sich mehr als verdoppelt, und Hafermilch ist mittlerweile die meistverkaufte Pflanzenmilch.<span class="fussnotenlink">13</span> Neben Hafermilch gibt es auch pflanzliche Varianten aus Kartoffel, Erbse, Lupine, Kokos, Cashew, Mandel, Hanf, Kichererbse, Soja oder Haselnuss. Die Auswahl kann sich sehen lassen!</p><p>Von 2003 bis 2023 ist der Pro-Kopf-Konsum von Trinkmilch von 66 kg auf knapp 45 kg gesunken – ein Rückgang von 32 Prozent.<span class="fussnotenlink">14</span> Trotzdem dominiert Kuhmilch weiterhin den Markt: Alternativen zu Milchprodukten machten 2021 im Detailhandel lediglich 4,2 Prozent des Marktanteils aus.<span class="fussnotenlink">15</span> Hinzu kommt, dass pflanzliche Alternativen oft deutlich teurer sind als ihre tierischen Pendants. Ein Grund dafür sind staatliche Subventionen für Kuhmilch, wodurch diese künstlich verbilligt wird, während pflanzliche Alternativen benachteiligt werden. Das ist weder fair noch zukunftsfähig.</p><p>Dabei ist klar: Das Potenzial für mehr pflanzliche Milch ist gross – und ihre Förderung dringend nötig. Genau deshalb braucht es den Weltpflanzenmilchtag.</p><p>&nbsp;</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li><p class="sdfootnote">Bundesamt für Landwirtschaft. (2024). Absatzförderung. Agrarbericht 2024. <a href="https://www.agrarbericht.ch/de/politik/produktion-und-absatz/absatzfoerderung?highlight=absatzf%C3%B6rderung">https://www.agrarbericht.ch/de/politik/produktion-und-absatz/absatzfoerderung?highlight=absatzf%C3%B6rderung</a></p></li><li><p class="sdfootnote">Proviande. (2023).&nbsp;Studie zum Fleischkonsum zeigt: 72 % haben sehr grosses Vertrauen in Schweizer Fleisch. &nbsp;<a href="https://www.proviande.ch/de/studie-zum-fleischkonsum-zeigt-72-haben-sehr-grosses-vertrauen-in-schweizer-fleisch">https://www.proviande.ch/de/studie-zum-fleischkonsum-zeigt-72-haben-sehr-grosses-vertrauen-in-schweizer-fleisch</a></p></li><li><p class="sdfootnote">Schweizer Milch - unverzichtbar für die Landwirtschaft. (o. D.). Schweizer Bäuerinnen &amp; Bauern. <a href="http://www.schweizerbauern.ch/wissen-facts/lebensmittel/milch">www.schweizerbauern.ch/wissen-facts/lebensmittel/milch</a></p></li><li><p class="sdfootnote">Tierwohl im Stall - 42 Prozent der Milchkühe leben in einem Anbindestall. (2022). Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).</p></li><li><p class="sdfootnote">Twine, R. (2021). Emissions from Animal Agriculture – 16.5% Is the New Minimum Figure. Sustainability, 13(11), 6276. doi.org/10.3390/su13116276</p></li><li><p class="sdfootnote">Ritchie, H. (2020, 24. Januar). You Want to Reduce the Carbon Footprint of Your Food? Focus On What You Eat, Not Whether Your Food Is Local. Our World in Data. <a href="http://www.ourworldindata.org/food-choice-vs-eating-local">www.ourworldindata.org/food-choice-vs-eating-local</a></p></li><li><p class="sdfootnote">Lebensmittellexikon. (o. D.). Virtuelles Wasser in Lebensmitteln. <a href="http://www.lebensmittellexikon.de/v0001020.php">www.lebensmittellexikon.de/v0001020.php</a></p></li><li><p class="sdfootnote">Bundesamt für Umwelt BAFU. (o. D.). Landwirtschaft als Luftschadstoffquelle. <a href="http://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/luft/fachinformationen/luftschadstoffquellen/landwirtschaft-als-luftschadstoffquelle.html">www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/luft/fachinformationen/luftschads…</a></p></li><li><p class="sdfootnote">WWF Deutschland. (2022, 12. Mai). Ernährung und Biodiversität: Der Jaguar in der Pfanne. <a href="http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/besseresserinnen/ernaehrung-und-biodiversitaet">www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/besseresser…</a></p></li><li><p class="sdfootnote">Willett, W. C. &amp; Ludwig, D. S. (2020). Milk and Health. The New England Journal of Medicine, 382(7), 644–654. doi.org/10.1056/nejmra1903547</p></li><li><p class="sdfootnote">Lebensmittellexikon. (o. D.). Virtuelles Wasser in Lebensmitteln. <a href="http://www.lebensmittellexikon.de/v0001020.php">www.lebensmittellexikon.de/v0001020.php</a></p></li><li><p class="sdfootnote">Burton-Pimentel, K. J., &amp; Barbara Walther, B. (2023). Pflanzendrinks – eine Alternative zu Milch? Agrarforschung Schweiz 14, 214-228.</p></li><li><p class="sdfootnote">News Service Bund. (2022). Milchersatzprodukte immer beliebter. <a href="https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=89701">https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=89701</a></p></li><li><p class="sdfootnote">Schweizer Bauernverband. (2024). Milchstatistik der Schweiz 2023. <a href="https://www.sbv-usp.ch/de/services/agristat-statistik-der-schweizer-landwirtschaft/milchstatistik-der-schweiz-mista">https://www.sbv-usp.ch/de/services/agristat-statistik-der-schweizer-landwirtschaft/milchstatistik-der-schweiz-mista</a></p></li><li><p class="sdfootnote">News Service Bund. (2022). Milchersatzprodukte immer beliebter. <a href="https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=89701">https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=89701</a></p></li></ol></div></div> Wed, 20 Aug 2025 08:11:41 +0000 Christine 4157 at https://www.swissveg.ch Tiere töten traumatisiert die Tierhalter https://www.swissveg.ch/de/traumatisierte-tierhalter?language=en <span>Tiere töten traumatisiert die Tierhalter</span> <span><span lang="" about="/de/user/2566?language=en" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Renato</span></span> <span>12. August 2025 - 11:33</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Landwirte sollen Einfühlungsvermögen mit ihren Tieren zeigen, um sie gut zu behandeln. Gleichzeitig sollen sie ihre jungen, gesunden Tiere zum Schlachter bringen, um sie dort zur Fleischgewinnung töten zu lassen. Ist dies der Grund, weshalb die Suizidrate unter Landwirten weltweit wesentlich höher ist, als in der Durchschnittsbevölkerung?</p><p>Für Grossbritannien hat man diese psychische Belastung der Landwirte mit einer Umfrage genauer untersucht.<span class="fussnotenlink">1</span><br />Über 90 % der Junglandwirte bezeichnen die psychische Gesundheit als die grösste versteckte Gefahr, der die britische Landwirtschaft heute ausgesetzt ist. Das Problem scheint also wesentlich grösser zu sein, als man bisher angenommen hat.</p><p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Nutztiere/schweine_haenger.webp" alt="Schweineanhänger im Schlachthof" class="align-right" />Die Untersuchung aus Grossbritannien ergab alarmierende Erkenntnisse:<br />Mehr als die Hälfte (56 %) der Tierhalter fühlen sich bei ihrer Arbeit moralisch «extrem» bis «mässig» betroffen und 45 % gaben an, dass sie Gefühle des Mitgefühls gegenüber ihren Tieren unterdrücken. 35 % haben sich durch einige Aspekte ihrer Arbeit mit Tieren traumatisiert. Diese Folgen unterdrückter Gefühle sind nicht überraschend.<span class="fussnotenlink">2</span> Noch problematischer ist es dadurch, dass fast die Hälfte (48 %) angegeben haben manchmal nicht über diesen schwierigsten Teil ihrer Arbeit mit Freunden oder der Familie sprechen zu können.</p><p>Um nicht direkt mit dem Töten ihrer Tiere konfrontiert zu werden, übergeben die meisten Landwirte diese Aufgabe anderen. Eine Person beschreibt dies so: <em>«In der Vergangenheit haben wir unsere eigenen Hühner, Truthähne und Gänse gegessen. Ich habe sie selbst getötet und fühlte mich dabei immer schrecklich. Wenn ich sie selbst töten, ausnehmen und zubereiten musste, fiel es mir schwer, sie zu essen, und deshalb lasse ich die Schafe von jemand anderem schlachten.»</em></p><p>Die moralischen Bedenken, sind weltweit verbreitet und scheinen zuzunehmen. Jedoch wagt kaum jemand darüber zu sprechen. Deutlich wird dies aus diesem Statement einer betroffenen Person: </p><p class="zitat"><em>«Immer mehr Landwirte sind moralisch betroffen über das, was sie tun, indem sie sich um Tiere kümmern, die dann getötet werden. Das ist neu und weltweit, und jeder weiss es, aber man kann es als Landwirt nicht sagen, es ist Hochverrat.»</em><span class="fussnotenlink">3</span></p><p>Dreiviertel aller befragten Landwirte glauben, dass (auch) andere Landwirte mit ihrem Gewissen zu kämpfen haben, wenn es darum geht Tiere zum Schlachten zu bringen. Und rund die Hälfte glaubt, dass dieser Aspekt unterschätzt wird.</p><h3>Offen für Veränderung</h3><p>Fast Zweidrittel der Befragten (63 %) wäre offen für eine Verringerung ihres Tierbestands, und 49 % würden eine völlige Einstellung der Tierhaltung in Betracht ziehen, wenn es finanziell tragfähige Alternativen gäbe. 70 % der Landwirte würden es begrüssen, wenn die Regierung sie bei der Umstellung auf eine tierfreie Landwirtschaft finanziell unterstützen würde. Und 74 % der Landwirte würde es begrüssen, wenn die Regierung eine Umschulung der Landwirte auf eine tierfreie Landwirtschaft unterstützen würde.</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/2025-08/Blog-Ferkel-Bild.jpg" data-entity-uuid="9c3adbe0-86ce-4c81-8c78-785133f91631" data-entity-type="file" alt="" width="500" height="375" class="align-left" /><p>Es ist somit offensichtlich, dass hauptsächlich finanzielle Probleme die Tierhalter davon abhalten von der Tierhaltung weg zu kommen. In der Schweiz werden leider weiterhin rund <a href="/de/unterstuetzung-ernaehrungssicherheit">82 % aller Landwirtschaftssubventionen</a> im Zusammenhang mit der Tierhaltung ausbezahlt. Dies erschwert eine Umstellung auf einen Betrieb ohne Tierhaltung, weil dadurch viele Subventionsansprüche wegfallen.</p><p>Vom Staat kann man auch in der Schweiz kaum Hilfe für eine Umstellung erwarten. Aber immerhin gibt es eine private Organisation, welche Beratung für eine Umstellung auf eine tierleidfreie Landwirtschaft anbietet: <a href="https://www.transfarmation.ch" target="_blank">Transfarmation</a>.</p><p>Wichtig wäre in der Schweiz auch, dass die Möglichkeit einer <a href="/de/vuturum-24">bioveganen Landwirtschaft</a> bekannter wird. Derzeit lernen angehende Landwirte in der Schweiz nicht, wie man eine Landwirtschaft ohne Fäkaliendüngung oder Kunstdünger betreibt.</p><p> </p><h3>Einige weitere Aussagen zu dieser Problematik von Schweizer Landwirten:</h3><p class="zitat">Ich begann die Konsumenten zu verachten, weil sie keine Ahnung hatten, was für ein Leid hinter jedem Liter Milch steckt. Doch ich richtete die Wut vor allem gegen mich selbst und konnte letztendlich nur noch mit Pillen weitermachen. <br />(Urs, 55, Landwirt Kanton LU)</p><p class="zitat">«Ein Mann heult nicht» das lernte ich früh, doch blieb es mein Geheimnis das ich mit den Kühen meiner Kindheit teilte. Doch weil ich keinen Ausweg wusste, habe ich mich mehr und mehr dem Alkohol zugewendet. <br />(Thomas, 35, Landwirt Kanton ZH)</p><p class="zitat">Wenn du die Tiere in ihrem Wesen einmal wahrnimmst, ein einziges Mal richtig wahr nimmst, dann wirst du fortan nur noch mit extremen innerlichen Konflikten ihre Bedürfnisse übergehen. <br />(Peter, 50, Landwirt Kanton BE)</p><p class="zitat">Jedes Mal wenn ich den Schweinen in die Augen schaute, sah ich ihren Wunsch zu vertrauen. Bis zu den Punkt, dass ich lieber mich selber umbringen wollte, statt dieser unschuldigen Wesen. <br />(Martin, 40, Landwirt Kanton BE)</p><p class="zitat">Irgendwann weisst du nicht mehr, was richtig und was falsch ist. Alles dreht sich im Kopf. Dein inneres Wertesystem schaut auf dich hinunter und du lachst es an wie eine Fratze. Manchmal dachte ich sogar, ich sei in einer Art Truman Show, weisst du, dieser Film, in dem ein Mann in einer Art Show ist. <br />(Jörg, 53, Landwirt Kanton ZH)</p><p><span class="fussnotenlink">Die obigen Zitate der Schweizer Bauern wurden von TransFARMation zur Verfügung gestellt. Besten Dank.</span></p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li>Flores, C., Knowles, R., Bryant, C. et al. ‘Death by a thousand cuts’: The Role of Moral Distress and Moral Injury in Farmer Mental Ill-Health. &nbsp;Journal of Agricultural and Environmental Ethics 38, 18 (2025). <a href="https://doi.org/10.1007/s10806-025-09955-3">https://doi.org/10.1007/s10806-025-09955-3</a>&nbsp;</li><li>Emotion suppression and mortality risk over a 12-year follow-up, Journal of Psychosomatic Research, Volume 75, Issue 4, 2013, Pages 381-385, ISSN 0022-3999, <a href="https://doi.org/10.1016/j.jpsychores.2013.07.014">https://doi.org/10.1016/j.jpsychores.2013.07.014</a>&nbsp;</li><li>Bryant, C. J., &amp; van der Weele, C. (2021). The farmers’ dilemma: Meat, means, and morality (Vol. 167, p. 105605). Appetite. <a href="https://doi.org/10.1016/j.appet.2021.105605">https://doi.org/10.1016/j.appet.2021.105605</a>&nbsp;</li></ol></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li>Dieser Artikel wurde im <a href="/veginfo">Veg-Info 2025-4</a> Ende 2025 veröffentlicht.</li><li>VUTURUM 2024: <a href="/de/vuturum-24">Zukunft der Schweizer Landwirtschaft – bio-vegan oder weiter wie bisher?</a></li><li><a href="/de/node/174">Psychologische Folgen des Fleischkonsums</a></li><li><a href="https://www.n-tv.de/wirtschaft/Verzweiflung-unter-Landwirten-gross-Kuemmerer-sollen-Suizide-verhindern-id30677773.html" target="_blank">Häufung von Selbsttötungen: Verzweiflung unter Landwirten groß - "Kümmerer" sollen Suizide verhindern</a>, 4.4.2026, ntv</li></ul></div> Tue, 12 Aug 2025 09:33:14 +0000 Renato 4159 at https://www.swissveg.ch