Amandine's blog https://www.swissveg.ch/de de Ernährungsinitiative: Die Gegenargumente https://www.swissveg.ch/de/initiative-Ernaehrungssicherheit-gegenargumente <span>Ernährungsinitiative: Die Gegenargumente</span> <span><span lang="" about="/de/user/2566" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Renato</span></span> <span>14. August 2026 - 7:40</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Am 27. September 2026 stimmt die Schweizer Bevölkerung über die «<a href="https://www.initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch" target="_blank">Initiative für eine sichere Ernährung</a>» ab. Keine der grösseren Parteien unterstützt die Initiative. Das Parlament und der Bundesrat lehnen sie einstimmig ab. Swissveg unterstützt die Initiative dennoch. Deshalb ist es interessant sich anzusehen, welche Gegenargumente vorgebracht werden.</p><p>Die Initiative setzt zur Stärkung der Ernährungssicherheit auf drei Hauptpunkte:</p><ul><li>Inländische Produktion nachhaltig stärken</li><li>Eine Selbstversorgung von 70% anstreben, dafür pflanzliche Lebensmittel fördern</li><li>Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und sauberes Trinkwasser sicherstellen</li></ul><p>Die Gegner der Initiative versuchen der Stimmbevölkerung einzureden, dass sie mit Annahme der Initiative keine tierischen Produkte mehr essen dürften. Der <a href="https://www.instagram.com/bauernverband_zuerich/" target="_blank">Zürcher Bauernverband</a> hat für diese Botschaft bereits über 50 Videos auf Instagram gepostet. Sie kämpfen dabei vor allem um ihre Privilegien als Fleisch- und Milchproduzenten, die derzeit Hauptnutzniesser der Landwirtschaftspolitik des Bundes sind. Deshalb haben sich bei den Gegnern vor allem die verschiedensten Vertreter der <a href="https://www.ernaehrungsinitiative-nein.ch/ueber-uns/allianz.html" target="_blank">Fleischbranche</a> zusammen getan, damit sie weiterhin von den Milliarden des Bundes profitieren können. Da es um enorm viel Geld geht, ist ihnen jedes Mittel recht. Die Wahrheit bleibt dabei auf der Strecke. Deshalb hier eine Einordnung der Aussagen der Fleischlobbyisten:</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3>«Vegan-Zwang»-Initiative</h3><p>Die Gegner der <a href="https://www.initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch/" target="_blank">Initiative</a><span class="fussnotenlink">1</span> versuchen sie als Ernährungsvorschrift zu diffamieren. Dabei kommen im Initiativtext keinerlei Verbote vor. Auch mit Annahme der Initiative dürfen alle weiter das essen, was sie möchten. Was sich aber ändern würde: Der Bund würde nicht mehr 6 Millionen Franken Steuergelder in Fleischwerbung investieren. Die Landwirtschaftssubventionen würden nicht mehr sehr einseitig die Tierhaltung fördern. Die Bevölkerung würde nicht mehr zum Fleischkonsum gedrängt. Das hat nichts mit einem «Vegan-Zwang» zu tun.</p><p class="zitat">Heute fördern 78% der 3,6 Milliarden Agrarsubventionen die Tierproduktion.<span class="fussnotenlink">2</span> </p><h3>«60 bis 70 % der landwirtschaftlichen Fläche ist Grasland und kann nur für Fleisch- und Milchproduktion genutzt werden»</h3><p>Die Prozentzahl stammt vom Schweizer Bauernverband und wurde vom Bundesamt für Statistik ungeprüft übernommen. Wenn auf einer Fläche eine Kuh steht, gilt die Fläche als «<a href="/grasland-schweiz">Grasland</a>», völlig unabhängig von der Bodenqualität. An vielen Orten, wo heute Kühe weiden, könnte auch Ackerbau betrieben werden. Und an den Orten, wo dies nicht möglich ist, könnte auch mit der Initiative eine standortangepasste Lebensmittelproduktion betrieben werden. Daran ändert die Initiative nichts. Sie würde aber verändern, dass heute auf mehr als der Hälfte der fruchtbaren Ackerflächen Tierfutter produziert wird. Wegen dieser enormen Verschwendung müssen zurzeit noch rund zwei Drittel der in der Schweiz konsumierten pflanzlichen Lebensmittel importiert werden.<span class="fussnotenlink">3</span> <br />Total werden 29,2 Millionen Tonnen Futtermittel an die Schweizer Nutztiere verfüttert (2024). 22,5 Millionen Tonnen davon sind Gras, Heu etc. – also nicht sehr energiereiche Futtermittel. Insgesamt wurden 2024 rund 1,45 Millionen Tonnen Futter (hauptsächlich Kraftfutter) aus dem Ausland importiert. Tendenz steigend: Innert 20 Jahren hat sich der Import praktisch verdoppelt. <strong>Ohne diese energiereichen Importfuttermittel könnte nur halb so viel Fleisch in der Schweiz erzeugt werden.</strong> <br />Das Graslandargument gilt nur für einen sehr kleinen Teil der tierischen Produkte, die in der Schweiz produziert werden (und dieser Teil wird durch die Initiative nicht beeinträchtigt). Weder Schweine noch Hühner leben vom Grasland. Diese beiden Tierarten machen aber bereits rund drei Viertel des Schweizer Fleischkonsums aus.</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/Futtermittelimporte.webp" alt="Jährliche Futttermittelimporte steigen" /><p class="zitat">Auf 60% unserer Ackerflächen werden Futtermittel angebaut statt pflanzliche Lebensmittel für uns Menschen.</p><h3>«Der Boden muss zur Fruchtbarkeit auch ab und zu als Weide genutzt werden»</h3><p>Die Düngung mit Fäkalien (Mist und Gülle) ist in der Schweiz weit verbreitet. Dies liegt vor allem daran, dass es in der Schweiz einen <a href="https://www.nzz.ch/gesellschaft/schweizer-bauern-spritzen-zu-viel-guelle-auf-ihre-felder-ld.1790031" target="_blank">Überschuss an Fäkalien</a> gibt. Leider gehen sogar viele «Experten» davon aus, dass für die Bodenfruchtbarkeit nur zwei Varianten bestehen: Düngung mit Fäkalien oder mit Kunstdünger. Der dritte Weg ist allerdings für den Boden wesentlich besser: Bio-vegane Landwirtschaft. Diese arbeitet mit der Natur und kann so die Bodenfruchtbarkeit langfristig verbessern. Im Gegensatz zu den Fäkalien werden dabei keine Schädlinge angezogen. Und E-Coli-Bakterien oder Salmonellen werden ebenso wenig auf die Felder ausgebracht, wie Antibiotikarückstände aus der Behandlung der sogenannten Nutztiere. <br />Dass es auch auf Ackerflächen eine Fruchtfolge mit Kunstwiesen braucht, ist nicht korrekt. Um die bio-vegane Landwirtschaft zu fördern, gibt es seit 2025 das <a href="/V-Label-Vegan-Agriculture">V-Label für vegane Landwirtschaft</a>. Auf der Homepage der <a href="https://www.biocyclic-vegan.org" target="_blank">Biocyclic Vegan Agriculture</a> gibt es weitere Informationen zu dieser nachhaltigen Landwirtschaftsart ganz ohne Fäkalien und Weideflächen.<br />Wenn man sich die Argumente der Gegner der Initiative ansieht, ist es gut, dass die Initiative auch Investitionen in Ausbildung und Beratung der Landwirte beinhaltet, damit diese lernen, wie man mit weniger Fäkalien und ohne Wiesen auf Ackerflächen nachhaltige Landwirtschaft betreiben kann. </p><h3>«Die Schweizer Landwirtschaft produziert, was die Konsumenten nachfragen. Der Bund soll da keine Vorschriften machen.»</h3><p>Da die Schweizer Landwirte kaum noch von ihren Produkten leben können, steuert der Bund über die Subventionen, was wirtschaftlich sinnvoll produziert werden kann. Der defizitärste Bereich ist die Produktion tierischer Nahrungsmittel. Am meisten Subventionen werden für die Fleisch-, Milch-, und Zuckerproduktion ausbezahlt. Wobei die Zuckerindustrie aus den Zuckerrüben etwa gleichviel Futtermittel herstellt wie Zucker und somit auch einen Teil der Tierwirtschaft darstellt.<br />Die Schweizer Landwirte produzieren also nicht was der Markt verlangt, sondern was der Bund subventioniert. Dies gilt insbesondere für den konventionellen Tierhaltungsbereich. <br />Doch auch auf den Nachfragebereich der Konsumenten nimmt der Bund heute grossen Einfluss: Er subventioniert jedes Jahr die Fleischwerbung mit rund 6 Millionen Franken. Und durch die Subventionen im Produktionsbereich ermöglicht er Fleisch zu Dumpingpreise im Laden. Würden diese beiden Punkte wegfallen, dürfte der Fleischkonsum stark sinken, da dann pflanzliche Produkte konkurrenzfähiger sind und rund die Hälfte der Plakate mit Fleischwerbung wegfallen.<br />Heute müssen <a href="https://www.sbv-usp.ch/de/services/agristat-statistik-der-schweizer-landwirtschaft/grafiken#prettyPhoto[gal18204]-7" target="_blank">zwei Drittel der pflanzlichen Lebensmittel importiert</a> werden. In diesem Bereich könnte der Selbstversorgungsgrad stark erhöht werden, wenn die Ackerflächen wieder für die Lebensmittelproduktion freigegeben würden.<br />Was, wenn die Fleischnachfrage weniger (schnell) sinkt, als die Produktion? Heute wird die defizitäre Fleischproduktion künstlich mit Steuergeldern am Leben erhalten. Wenn diese staatliche Förderung zumindest zum Teil zu pflanzlichen Produkten verlagert wird, können viele Landwirte vermehrt pflanzliche Lebensmittel anbauen und somit auf ihren Äckern <a href="/land" target="_blank">mehr Lebensmittel</a> produzieren. Eine mögliche Produktionslücke im Fleischbereich kann durch Importe ausgeglichen werden. Die Importe würden sich also von pflanzlichen zu tierischen Produkten verlagern. Gemäss dem bestehenden Ernährungssicherheitsartikel (<a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#a104a" target="_blank">Art. 104a Abschnitt d</a>) müssen diese Importe nachhaltig sein. Mengenmässig dürften sie aber auf jeden Fall deutlich geringer als heute ausfallen.<br />Die Gegner der Initiative warnen vor Importen, welche unsere Umweltstandards nicht einhalten. Gleichzeitig lehnen sie aber auch den Teil der Initiative ab, der für mehr Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und sauberes Trinkwasser sorgt.</p><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/landverbrauch.jpg" alt="Landverbrauch pro kg Nahrungsmittel" class="align-center" /><h3>«Der Bund soll nicht vorschreiben, was wir essen dürfen»</h3><p>Die Initiative enthält keinerlei Vorschriften zur Ernährung. Sie würde aber die heute einseitig auf Fleisch- und Milchkonsum ausgerichtete Subventionspolitik des Bundes beenden. Die einseitige Subventionierung der Fleischwerbung mit jährlich rund 6 Millionen Franken würde beendet werden.</p><h3>«Selbstversorgungsgrad steigern ist gut, aber nicht so»</h3><p>Der mit Abstand grösste Hebel zur Steigerung des Selbstversorgungsgrades ist die Verkürzung der Nahrungskette. Keine andere Massnahme kann so viele Kalorien einsparen, wie diese einfache Umstellung. Dadurch kann man auf derselben Fläche ein Vielfaches an Nahrungskalorien produzieren. Wenn man diese wichtigste Massnahme ablehnt, lehnt man auch die Erhöhung des Selbstversorgungsgrades ab und hält die Schweiz weiterhin von Importen abhängig. Es erstaunt, dass gerade die Kreise, welche Abhängigkeiten vom Ausland ablehnen, bei der Ernährung alles dafür tun, dass diese Abhängigkeit aufrechterhalten bleibt.<br />Dass die Ernährung der grösste Hebel für einen besseren Selbstversorgungsgrad ist, wissen auch die Gegner der Initiative. Sie behaupten sogar, dass <a href="https://www.baizer.ch/aktuell?artID=10061&amp;lvl=2" target="_blank">70 % Selbstversorgungsgrad nur mit rein pflanzlicher Ernährung erreicht werden kann</a>. Die naheliegendste Lösung für das Problem der Auslandabhängigkeit wird damit zugegeben, doch die Ablehnung der pflanzlicheren Ernährung ist so stark, dass sie im Krisenfall lieber hungern, als der Initiative eine Chance zu geben.</p><p>Der Bund hat schon jetzt einen Verfassungsauftrag zur sicheren Versorgung der Bevölkerung (<a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_104" target="_blank">Bundesverfassung Artikel 104</a>). Mit einem Selbstversorgungsgrad von weniger als 50 % kommt er diesem Auftrag aber nicht nach. Die Initiative würde diesem Auftrag Nachdruck verleihen indem mit ihrer Annahme ein Netto-Selbstversorgungsgrad von 70 % zumindest angestrebt würde.</p><h3>«Die Initiative richtet sich gegen die Bauern»</h3><p>Heute leben die Schweizer Bauern, welche Milch oder Fleisch produzieren, grossteils von Staatsgeldern. Sie haben dennoch ein geringes Einkommen und die Überproduktion drückt weiter auf die Preise. Die <a href="/traumatisierte-tierhalter">Suizidrate ist unter Landwirten</a> sehr hoch. Es muss sich – auch für die Bauern – etwas ändern. Die Initiative bietet auch hier eine echte Hilfe für alle Landwirte. Sie fördert die Landwirtschaft durch Unterstützung in der Umstellung auf eine nachhaltigere Produktion. Derzeit müssen z.B. Hersteller von Fleischalternativen wie <a href="https://thegreenmountain.ch/" target="_blank">The Green Mountain</a> und <a href="https://eatplanted.com/" target="_blank">Planted</a> ihr Erbsenprotein vollständig aus dem Ausland importieren, da in der Schweiz das Land für Fleisch- und Milchproduktion verwendet wird. Die Initiative würde die Schweizer Landwirtschaft bei der Neuausrichtung mit Forschung, Beratung und Ausbildung unterstützen.<br />Die Bestände an Milchkühen und Schweinen nehmen seit Jahren ab. Eine Veränderung kommt deshalb auf jeden Fall auf die Schweizer Landwirtschaft zu. Ohne die Initiative gibt es hierfür jedoch keinerlei Unterstützung vom Bund, der dann weiterhin auf Fleisch- und Milchproduktion fokussiert bleibt, obwohl sich der Markt in eine andere Richtung bewegt.<br />Die Initiative bietet deshalb eine grosse Chance für alle in der Landwirtschaft Tätigen, sich auf die neuen Marktverhältnisse anzupassen.</p><h3>«70 % Selbstversorgung in nur 10 Jahren ist unmöglich»</h3><p>Es stimmt, dass die Initiative das 70-Prozent-Ziel anstrebt und dafür den zeitlichen Rahmen von 10 Jahren vorgibt. Ein bestimmtes Ziel innerhalb einer bestimmten Zeit anzustreben ist aber nicht das Gleiche, wie es zwingend bis dann erreicht haben zu müssen. Die Initiative versucht lediglich, eine klare Richtung mit einem zwar ambitionierten, aber durchaus auch erreichbaren, Ziel vorzugeben. Solche Argumente gegen die Machbarkeit der Initiative sind deshalb entweder unehrlich oder uninformiert.<br />Gemäss einer <a href="https://www.agrarforschungschweiz.ch/2025/12/wege-zu-einer-markanten-erhoehung-des-selbstversorgungsgrades-bei-weniger-umweltbelastung/" target="_blank">Studie von 2025 der ETH Zürich mit dem FiBL</a> wäre sogar ein Selbstversorgungsgrad von über 100 % zu erreichen, wenn man die nötigen Massnahmen konsequent umsetzt. Dazu gehören vor allem: Vermeidung von Food-Waste und die Nutzung der Ackerflächen für die Lebensmittelproduktion statt Futtermittelherstellung (Feed-no-Food-Strategie). Gleichzeitig würde die Umweltbelastung durch die Nahrungsmittelproduktion stark gesenkt. Da heute gemäss Bund in der Schweiz rund <a href="https://www.blv.admin.ch/de/menuch-ergebnisse" target="_blank">dreimal mehr Fleisch konsumiert</a> wird, als gesund wäre, ist eine Verlagerung von der Fleischwerbung hin zur Bewerbung pflanzlicher Lebensmittel überfällig. Dadurch könnte mit der Umstellung der Landwirtschaft auch indirekt auf die Nachfrage Einfluss genommen werden. Doch selbst, wenn das Ernährungsverhalten sich kurzfristig nicht stark ändern würde, liesse sich zumindest der Import von pflanzlichen Lebensmitteln stark verringern.</p></div><h3>Fazit</h3><p>Die heutige einseitige Bevorzugung der Fleisch- und Milchproduktion auf Kosten der Umwelt und Gesundheit würde durch die Initiative beendet werden. Der Bund würde die Fleischwerbung nicht mehr finanziell unterstützen. Im Gegensatz zu heute, würde statt der Fleischproduktion vermehrt die pflanzliche Lebensmittelproduktion gefördert. Landwirte, die von der defizitären Tierproduktion auf die Produktion pflanzlicher Lebensmittel umsteigen wollen, würden durch die Initiative vom Bund Unterstützung erhalten. <br />Weder Landwirte noch Konsumenten würden jedoch zu irgend etwas gezwungen. </p><p>Im Parlament hat im <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=71146" target="_blank">Nationalrat</a> und im <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=71128" target="_blank">Ständerat</a> keine einzige Person für die Initiative gestimmt. Auch der <a href="https://www.admin.ch/de/nsb?id=103125" target="_blank">Bundesrat</a> lehnt die Initiative ab. Die SP, Grüne und GLP wollten in einem <a href="https://www.parlament.ch/de/services/news/Seiten/2025/20251217154127212194158159026_bsd120.aspx" target="_blank">Gegenvorschlag</a> die Förderung der pflanzlichen Ernährung ganz herausstreichen, kamen damit aber nicht durch. Wenn es um die Förderung einer pflanzlicheren Ernährung geht, kann man von keiner Seite mit politischer Unterstützung rechnen. Diese Initiative ermöglicht es aber der Bevölkerung den einseitigen Weg der Fleischförderung zu beenden und einen nachhaltigeren Weg einzuschlagen.</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li><a href="https://drive.google.com/file/d/1Zv7whlEy0UOCpu1_Fgv9cs8Jipe6Nle0/view" target="_blank">Initiativtext</a></li><li>Stellungnahme des Bundesrates, dass 78 % der Landwirtschaftssubventionen der Tierhaltung zufliessen: <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243793" target="_blank">Interpellation: Absatzförderung im Einklang mit einer standortangepassten, nachhaltigen Produktion</a></li><li>Agristat: <a href="https://www.sbv-usp.ch/de/services/agristat-statistik-der-schweizer-landwirtschaft/grafiken#prettyPhoto[gal18204]-7 " target="_blank">Selbstversorgungsgrad nach Nahrungsmittel</a></li></ol></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="/unterstuetzung-ernaehrungssicherheit">Swissveg unterstützt die kommende Initiative für mehr Ernährungssicherheit</a>, 26.2.2023</li><li><a href="https://doi.org/10.34776/afs16-212" target="_blank">Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei weniger Umweltbelastung.</a> Agrarforschung Schweiz, 16, 212–224. <a href="https://doi.org/10.34776/afs16-212">https://doi.org/10.34776/afs16-212</a></li><li><a href="https://biozyklisch-vegan.org/faq/" target="_blank">Bio-vegane Landwirtschaft</a></li><li>Transfarmation: <a href="https://www.transfarmation.ch" target="_blank">Beratung für Landwirtschafts­betriebe für eine zukunfts­fähige Land­wirtschaft</a> (noch nicht staatlich gefördert)</li><li>Homepage der Initiative: <a href="https://www.initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch/" target="_blank">Initiative für eine sichere Ernährung</a></li><li>Das <a href="/V-Label-Vegan-Agriculture">V-Label für (bio-)vegane Landwirtschaft</a>.</li><li>Infosperber: <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/ernaehrungsinitiative-bundesrat-verheddert-sich-in-widersprueche/" target="_blank">Ernährungsinitiative: Bundesrat verheddert sich in Widersprüche</a>, 23.7.2026<br>&nbsp;</li></ul></div> Fri, 14 Aug 2026 05:40:43 +0000 Renato 4230 at https://www.swissveg.ch EGMR urteilt: Vegane Ernährung ist ein Menschenrecht https://www.swissveg.ch/de/EGMR-vegan-Menschenrecht <span>EGMR urteilt: Vegane Ernährung ist ein Menschenrecht</span> <span><span lang="" about="/de/user/3032" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Nurdin</span></span> <span>17. Juli 2026 - 17:52</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Am 16. Juli anerkennt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) die vegane Ernährungsweise als ein Menschenrecht. Dieses wegweisende Urteil hat weitreichende Folgen für Spitäler, Gefängnisse und andere Institutionen. Wie kam es dazu und was bedeutet das für die Schweiz?</p><h2>Keine durchgehend tierfreie Kost in Schweizer Einrichtungen</h2><p>Es beginnt vor einigen Jahren in der Westschweiz. Die zwei vegan lebenden Geschwister und aktiven <a href="https://www.swissveg.ch/de/node/155">Antispeziesisten</a> G.K. und A.S. engagieren sich gegen die Unterdrückung und Ausbeutung von Tieren. Im November 2018 landet G.K. in einem Gefängnis im Kanton Genf in Untersuchungshaft und ist dort mit einem Speiseplan konfrontiert, der nur vegetarische und omnivore Kost vorsieht. Es gibt zwar Versuche des Entgegenkommens seitens des Gefängnisses, aber ein Recht auf durchgehend vegane Kost wird G.K. im Laufe des folgenden Jahres trotzdem wiederholt verwehrt. Dies ist besonders brisant, da G.K. gerade aufgrund des besagten Engagements gegen die Ausbeutung von Tieren überhaupt erst dort gelandet war. Auch der zweite Fall lief nicht viel besser: A.S. erhält während eines unfreiwilligen Aufenthalts von Februar bis April 2021 in einer psychiatrischen Einrichtung im Kanton Waadt ebenfalls keine durchgehend vegane Kost.</p><h2>Ein langer Weg: vom Kantonsgericht bis nach Strassburg</h2><p>Sowohl G.K. als auch A.S. beschweren sich wiederholt, da sie sich in ihrer Gewissensfreiheit verletzt fühlen – Gewissensfreiheit ist ein Menschenrecht gemäss Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention (Art 9. EMRK) – doch sie erhalten keine rechtlich verbindlichen Antworten, gegen die sie weitere Schritte ergreifen könnten. Zuletzt gehen sie bis vors Bundesgericht, welches ihre Klage aufgrund des Fehlens dieser rechtsverbindlicher Entscheide, auf welche sich ihre Klage hätte beziehen müssen, ablehnt. Zudem bezieht sich eines der Urteile auch auf die vorherige Anmerkung eines Kantonsgerichts, dass es zu aufwändig gewesen wäre, eine durchgehend vegane Kost zur Verfügung zu stellen und dass eine nur vegetarische Kost für vegan lebende Menschen ausreiche. Vegan lebende Menschen wissen, dass das so natürlich nicht stimmt: vegan zu kochen ist nicht nennenswert aufwändiger, als vegetarisch oder omnivor.</p><p>So bleibt G.K. und A.S. nur noch eines übrig: sie ziehen das Verfahren weiter bis nach Strassburg. Dort haben sie endlich Erfolg – sie erreichen, dass die <strong>vegane Ernährung erstmals durch Menschenrechte geschützt</strong> wird – und schaffen damit ganz nebenbei einen wegweisenden Präzedenzfall für die Zukunft.</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3>Die wichtigsten Punkte des Urteils</h3><p>Am Donnerstag 16.7.2026 <a href="https://hudoc.echr.coe.int/eng#%7B%22display%22:%5B%220%22%5D,%22languageisocode%22:%5B%22ENG%22%5D,%22appno%22:%5B%2255299/20%22,%2231515/22%22%5D,%22documentcollectionid2%22:%5B%22CLIN%22%5D,%22itemid%22:%5B%22002-14630%22%5D%7D" target="_blank">urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)</a> dass G.K. und A.S. in ihrer durch Art. 9 EMRK geschützten Gedanken- und Gewissensfreiheit verletzt worden waren, da sie im unfreiwilligen Gewahrsam jeweils nicht durchgehend eine an ihre ethischen Werthaltungen angepasste Kost erhalten hatten. Ihre vegane Lebensweise sei Gegenstand von Artikel 9, da sie «die notwendige Überzeugungsstärke, Ernsthaftigkeit, Kohäsion und Wichtigkeit» aufweise. Desweiteren verstösst es gegen Art. 13 EMRK (Recht auf wirksame Beschwerde), dass es G.K. und A.S. faktisch verunmöglicht wurde, rechtlich gegen die Einrichtungen vorzugehen, da es sich bei deren Antworten jeweils um keine rechtlich verbindlichen Entscheidungen gehandelt habe und den Klägern vom Bundesgericht kein hinreichendes Interesse an der Sache zugestanden worden war. G.K. und A.S. wurde jeweils eine finanzielle Genugtuung zugesprochen.</p></div><h2>Ein Urteil von grosser Bedeutung</h2><p>Gewiss ist es für G.K. und A.S. bedeutungsvoll, in dieser Sache von der höchsten gerichtlichen Instanz nun endlich Recht erhalten zu haben. Doch auch für die vegane Bewegung als Ganzes ist das Urteil von enormer Bedeutung. Denn es ist nun offiziell anerkannt, dass vegane Ernährung, wenn sie auf einer nachweisbaren ethischen Überzeugung basiert, ein Menschenrecht ist. Art. 9 EMRK, der nebst Gedanken- und Gewissensfreiheit auch die Religionsfreiheit miteinbezieht, war noch nie zuvor auf eine nicht-religiös motivierte Ernährungsweise angewendet worden. Das heisst, während Gefängnisse, Spitäler und andere öffentliche Einrichtungen bereits in religionsbedingten Fällen ihre Speisepläne anpassten (und etwa halal oder koscher kochten), waren sie bisher noch nicht dazu verpflichtet, auf Veganer Rücksicht zu nehmen.</p><h2>EGMR bestätigt: Vegan zu leben ist eine Gewissensfrage</h2><p>Doch genauso wie eine religiös-fundierte Grundüberzeugung für eine Person in unterschiedlichen Lebensbereichen handlungsanleitend ist und in diesem Sinne zu einer Gewissensfrage werden kann, haben auch dem Veganismus zugrundeliegende Motive wie Ablehnung des Speziesismus, Respekt vor der Tierwürde oder Mitleid mit dem Leid der Tiere diese handlungsanleitende Funktion und lassen das Verhalten des Menschen gegenüber Tieren in verschiedenen Situationen wiederholt zur Gewissensfrage werden.</p><h2>Das Urteil aus Strassburg ist für alle Mitgliedstaaten rechtlich bindend</h2><p>Dass der EGMR dies nun anerkannt hat, legt den Grundstein für den angemessenen Respekt seitens der Institutionen und mehr Toleranz seitens der Bevölkerung gegenüber Veganern und ihrer Ernährungsweise. Denn das Urteil ist für die Schweiz und alle 45 weiteren Mitgliedsstaaten des Europarates, welche die Europäischen Menschenrechtskonvention unterzeichnet haben, rechtlich bindend und gilt ohne Einschränkung per sofort.</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3>Menschenrechte stehen über Bundesgesetz</h3><p>In der Schweiz hat die EMRK Vorrang vor den Bundesgesetzen (<a href="http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-II-417%3Ade&amp;lang=de&amp;type=show_document" target="_blank">BGE 125 II 417</a>&nbsp;E. 4d) und der Bundesverfassung (<a href="http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-I-16%3Ade&amp;lang=de&amp;type=show_document" target="_blank">BGE 139 I 16</a>&nbsp;E. 5.1). Deswegen sind Bund und Kantone nun verpflichtet, ihre Gesetze insofern anzupassen, dass nebst religiös-motivierten Ernährungsweisen auch nicht-religiöse Ernährungsweisen wie Vegetarismus und Veganismus im Sinne der Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit rechtlich geschützt und eine Diskriminierung vegan lebender Personen auf gleiche Weise wie eine Diskriminierung von Personen aufgrund ihres Glaubens behandelt und in gleicher Weise strafbar wird. Mit dem Urteil des EGMR rückt diese inklusivere Zukunft nun einen Schritt näher.<br></div></p><h2>Wie geht es nun weiter?</h2><p>Auch wenn Art. 9 EMRK, wenn es um die Ernährung geht, bisher vor allem im Sinne der Religionsfreiheit Anwendung fand, heisst das natürlich nicht, dass Veganismus eine «quasi-Religion» ist, wie manche Medien nun schreiben. Und Veganismus ist auch mehr als «nur ein Lifestyle» oder eine «Modeerscheinung», sondern ein legitimer, <a href="https://www.swissveg.ch/de/node/155">ethisch fundierter</a> und von der Menschenrechtskonvention nun als geschützt anerkannter Einsatz für mehr Gerechtigkeit gegenüber nichtmenschlichen Tieren.</p><p>Es bleibt nun abzuwarten, welche Gesetze Bund und Kantone schaffen werden, um diesen neuen rechtlichen Sachverhalt abzubilden. Ein Beispiel können sie sich hierbei an <a href="https://www.vegansociety.com/news/blog/new-prison-food-rules-what-revised-prison-food-policy-means-imprisoned-vegans" target="_blank">England und Wales</a> nehmen, welche bereits Anfang 2026 erkannt haben, dass die zur Verfügung gestellte Kost in Gefängnissen bedeutsame Auswirkungen auf die Würde und das Wohlergehen der Insassen hat, weshalb nun für alle auch ein veganes Menu angeboten wird.</p><p>Bis die Schweiz ebenfalls so weit ist, können Veganer nun immerhin auf das Urteil des EGMR und dessen rechtliche Geltungskraft hindeuten, wenn sie von Diskriminierung durch Institutionen (oder auch am Arbeitsplatz, im Militärdienst etc.) aufgrund ihrer Ernährungsweise betroffen sind.</p><p>&nbsp;Ein erfreulicher und zukunftsweisender Moment!</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ul><li>Das vollständige <a href="https://hudoc.echr.coe.int/eng#%7B%22display%22:%5B%220%22%5D,%22languageisocode%22:%5B%22ENG%22%5D,%22appno%22:%5B%2255299/20%22,%2231515/22%22%5D,%22documentcollectionid2%22:%5B%22CLIN%22%5D,%22itemid%22:%5B%22002-14630%22%5D%7D" target="_blank">Urteil des EGMR vom 16.7.2026</a></li><li>Die beiden Urteile des Schweizer Bundesgerichtes:<ul><li><a href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=1B_608%2F2019++&amp;rank=1&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=aza%3A%2F%2F11-06-2020-1B_608-2019" target="_blank">Urteil vom 11. Juni 2020</a></li><li><a href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=%222C_495%2F2021%22&amp;rank=1&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=aza%3A%2F%2F09-02-2022-2C_495-2021" target="_blank">Urteil vom 9. Februar 2022</a></li></ul></li></ul></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li>Swissveg-Pressemitteilung: <a href="https://newsletter.swissveg.ch/newsletter.php?data=aWQ9Njg5Jmxhbmc9RA" target="_blank">EGMR bestätigt erstmals: Vegane Ernährung ist ein Menschenrecht</a>, 16.7.2026</li><li>SRF: <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/verpflegung-hinter-gittern-egmr-veganismus-zaehlt-als-quasi-religioese-ueberzeugung" target="_blank">EGMR: Recht auf veganes Essen im Gefängnis</a>, 16.7.2026</li><li>Vegconomist: <a href="https://vegconomist.de/politik-gesellschaft/egmr-schuetzt-ethischen-veganismus-erstmals-als-gewissensfreiheit/" target="_blank">EGMR schützt ethischen Veganismus erstmals als Gewissensfreiheit</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/vegane_lebensweise">Alles rund um die vegane Lebensweise</a></li></ul></div> Fri, 17 Jul 2026 15:52:10 +0000 Nurdin 4217 at https://www.swissveg.ch Über die Postkarte hinaus: Die Schattenseite der Milchindustrie https://www.swissveg.ch/de/schattenseite-milchindustrie <span>Über die Postkarte hinaus: Die Schattenseite der Milchindustrie</span> <span><span lang="" about="/de/user/2634" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Amandine</span></span> <span>20. Juli 2026 - 12:11</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Die Interessenverbände der Agrar- und Lebensmittelindustrie stellen Milch gerne als gesundes, natürliches und umweltfreundliches Lebensmittel dar. Insbesondere in der Schweiz ist die Milchwirtschaft ein fester Bestandteil des kulturellen Erbes und des touristischen Images des Landes. Früher ermöglichte die Verarbeitung von Milch zu Käse den Alpenregionen, verderbliche Lebensmittel für den Winter zu konservieren. Aber ist diese Tradition heute noch relevant?</p><h5>Milchprodukte – alles andere als natürlich</h5><p>Die Milchindustrie präsentiert gerne Bilder von Kühen mit Hörnern, die friedlich auf Alpwiesen grasen. Hinter dieser Darstellung verbirgt sich jedoch eine ganz andere Realität. Von der Zucht der Tiere bis zum Käse im Kühlregal basiert die moderne Milchproduktion auf technischen Eingriffen und internationalen Lieferketten, die mit einer «natürlichen» Landwirtschaft kaum noch etwas zu tun haben.</p><p>Die Zucht von Milchvieh ist schon lange kein Zufall mehr. In modernen Betrieben ist die <strong>künstliche Befruchtung</strong> zur Norm geworden und ermöglicht es, die genetischen Merkmale der als leistungsstärksten geltenden Stieren an Hunderttausende von Kühen weiterzugeben. In der Schweiz veranschaulicht Swissgenetics diese Entwicklung perfekt. Die Genossenschaft gibt an, zwischen 2020 und 2024 mehr als eine Million Dosen Brown Swiss-Samen von über 300 Bullen in 48 Länder auf fünf Kontinenten verkauft zu haben.<span class="fussnotenlink">1</span> Die Auswahlkriterien beziehen sich hauptsächlich auf die Milchleistung, den Körperbau der Tiere, die Eutergesundheit, die Fruchtbarkeit sowie die Langlebigkeit. Milchrinder sind somit das Ergebnis jahrzehntelanger intensiver genetischer Selektion, die darauf abzielt, die wirtschaftliche Leistung der Herden zu maximieren. Diese genetische Vereinheitlichung steht in starkem Kontrast zum Bild von Herden, die im Rhythmus der Natur leben. Die Tiere werden nicht mehr nur gezüchtet: Sie werden nach vom Menschen definierten Leistungszielen ausgewählt und vermehrt.</p><p>Auch das Bild eines Käses, der ausschliesslich aus lokalen Rohstoffen hergestellt wird, ist irreführend. Für die Herstellung von Schweizer AOP-Käsen wie Gruyère, Emmentaler, Vacherin Fribourgeois oder Raclette aus dem Wallis wird Lab benötigt, ein Enzym, das aus dem vierten Magen junger Kälber gewonnen wird. <strong>Dieses Lab wird jedoch in fast allen Fällen importiert</strong>. Die Schweiz produziert so gut wie kein eigenes Lab und ist auf ausländische Lieferanten angewiesen. Ein Teil dieses Labs stammt aus Ländern, in denen die Methoden der Kälberaufzucht sich von den in der Schweiz zugelassenen oder praktizierten unterscheiden.<span class="fussnotenlink">2</span> Mit anderen Worten: Selbst die symbolträchtigsten Käsesorten des kulinarischen Erbes der Schweiz benötigen einen Rohstoff, der aus einer globalisierten Lieferkette stammt.</p><p>&nbsp;</p><h5>Haben Kühe in den Bergen wirklich ihren Platz?</h5><p>Die mageren Bergwiesen sind ein wichtiger Lebensraum für eine grosse Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten. Sie sind jedoch nicht für das Gewicht von Rindern (500 bis 800 kg) geeignet, das weit über dem Gewicht der wildlebenden Arten liegt, die diese Gebiete von Natur aus bevölkern, wie Gämse (25 bis 60 kg) oder Steinböcke (75 bis 120 kg). Indem sie die dünne Schicht der alpinen Vegetation ständig <strong>zertrampeln</strong>,<strong> </strong>schädigen Kühe diese besonders empfindlichen Böden nach und nach. Hinzu kommt die übermässige Einbringung von Nitraten aus ihren Exkrementen, die die Zusammensetzung der Böden tiefgreifend verändert. Diese<strong> Überdüngung</strong> begünstigt die wettbewerbsstärksten Pflanzenarten zum Nachteil der alpinen Flora. So wurden seit 1900 mehr als 95% der Trockenwiesen in der Schweiz zerstört, und sowohl ihre Fläche als auch ihre Qualität nimmt weiterhin ab.<span class="fussnotenlink">3</span> Weiden schränken zudem das natürliche Vordringen von Wäldern und Gebüschen ein, die jedoch eine wesentliche Rolle beim Schutz vor Lawinen spielen. Um sie zu erhalten, sind daher verstärkt künstliche Massnahmen erforderlich.</p><p>Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die durch die globale Erwärmung verschärfte Dürre trifft die Bergregionen immer häufiger. In den Jahren 2003, 2015, 2018, 2022 und 2026 mussten <strong>Hubschrauber der Schweizer Armee</strong> eingesetzt werden, um Wasser bis auf die Sommerweiden zu transportieren und die Tiere zu tränken. Allein im Jahr 2022 leistete die Schweizer Luftwaffe insgesamt 700 Flugstunden, um 4,3 Millionen Liter Wasser zu transportieren.<span class="fussnotenlink">4</span> Und diese beeindruckende Zahl berücksichtigt noch nicht einmal die Transporte, die von privaten Hubschrauber-Frachtunternehmen durchgeführt wurden. Diese Wasserknappheit ist kaum überraschend: Eine einzige Kuh kann bis zu 100 Liter Wasser pro Tag trinken. Versiegen die Quellen, muss dieses Wasser anderweitig bereitgestellt werden.&nbsp;</p><p>Im Jahr 2026 war die Dürre in einigen Regionen der Schweiz so stark, dass die Landwirte gezwungen waren, mitten im Sommer auf ihre Winterfutterreserven zurückzugreifen. Um den Kauf von teurem Futter zu vermeiden, mussten sie die ältesten und leistungsschwächsten Kühe <strong>mehrere Monate vor dem geplanten Termin zum Schlachthof schicken</strong>.<span class="fussnotenlink">5</span> Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Klimaerwärmung drohen diese Probleme bei der Wasser- und Futterversorgung immer häufiger zu werden, was die Frage aufwirft, ob die Haltung grosser Rinderherden auf den Alpwiesen noch nachhaltig ist.</p><p>&nbsp;</p><h5>Eine strukturell ineffiziente Produktion</h5><h4>Pflanzen in Milch umwandeln: eine Verschwendung von Ressourcen</h4><p>Milch wird oft als nachhaltiges Lebensmittel dargestellt, insbesondere weil Kühe Gras verwerten – eine Ressource, die der Mensch nicht direkt verzehren kann. Dieses Argument hält einer genaueren Betrachtung jedoch nur teilweise stand. Tatsächlich wandelt eine Kuh nur einen Bruchteil der in ihrer Nahrung enthaltenen Energie in Milch um: Ein grosser Teil wird für ihren eigenen Stoffwechsel, ihr Wachstum, ihre Fortbewegung oder einfach zur Aufrechterhaltung ihrer Körpertemperatur benötigt. Diese Umwandlung führt zu einem erheblichen<strong> Ressourcenverlust</strong>.</p><p>Die Milchproduktion beansprucht somit weitaus mehr landwirtschaftliche Flächen, Wasser und Energie als die Herstellung pflanzlicher Milchalternativen. Die Tiere benötigen Weideland, aber auch Anbauflächen für die Futterproduktion. 10% dieses Futters wird zudem importiert,<span class="fussnotenlink">6</span> insbesondere in Form von Kraftfutter, das auf Ackerflächen angebaut wird, die direkt für die Produktion von Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr genutzt werden könnten. Pro Jahr erhält eine Milchkuh in der Schweiz im Schnitt 614 kg Kraftfutter.<span class="fussnotenlink">7</span> Selbst das Argument, dass Rinder ausschliesslich Gras fressen, ist daher unvollständig.</p><p>Der Wasserverbrauch verdeutlicht diese Ineffizienz. Kühe trinken täglich mehrere Dutzend Liter Wasser, hinzu kommt der Bewässerungsbedarf für den Futteranbau. Bei gleicher Menge benötigen pflanzliche Milchalternativen deutlich weniger Wasser und landwirtschaftliche Flächen. Die Herstellung von Mandelmilch, die zwar oft wegen ihres Wasserverbrauchs kritisiert wird, erfordert beispielsweise etwa achtzehnmal weniger Land und mehrere hundert Liter Wasser weniger pro produziertem Liter Milch.<span class="fussnotenlink">8</span></p><h4>Millionen Liter Milch gehen verloren</h4><p>Zu dieser biologischen Ineffizienz kommt eine direkte Verschwendung hinzu. Milchkühe leiden häufig an Mastitis, einer Euterentzündung, die in der Regel mit <a href="https://www.swissveg.ch/de/antibiotika"><strong>Antibiotika</strong></a> behandelt wird. Während der gesamten Behandlungsdauer und der gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeit darf ihre Milch nicht verkauft werden, um das Vorhandensein von Arzneimittelrückständen in den für den Verzehr bestimmten Produkten zu vermeiden.</p><p>In der Schweiz führt diese Situation jedes Jahr dazu, dass etwa<strong> 80 Millionen Liter Milch</strong> entsorgt werden, was dem Jahresverbrauch von fast eineinhalb Millionen Menschen entspricht.<span class="fussnotenlink">9</span> Diese Milch wird in der Regel an Kälber verfüttert oder mit der Gülle ausgebracht. Eine Praxis, die auch im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit Bedenken aufwirft, da sie die Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien in der Umwelt begünstigen kann.</p><h4>Überproduktion</h4><p>Die Verschwendung hört damit noch nicht auf. Seit mehreren Jahren produziert die Schweiz <strong>mehr Milch, als der Markt aufnehmen kann.</strong> Nach Angaben der Branchenorganisation Milch (BO Milch) lieferten die Erzeuger im Jahr 2025 rund 126 Millionen Kilogramm Milch mehr, als der Markt benötigte.<span class="fussnotenlink">10</span> Diese Überproduktion übt einen Druck auf die Preise aus und gefährdet die Einkünfte der Landwirte.</p><p>Um diese Überschüsse einzudämmen, führte die BO Milch im Jahr 2026 ein System ein, das Betriebe bestraft, die ihre Referenzmenge überschreiten. Milch, die über diese Schwelle hinaus produziert wird, wird nur zu einem stark reduzierten Preis vergütet. Trotzdem bleiben die Mengen hoch. Die wirtschaftlichen Mechanismen des Sektors zwingen jeden Betrieb dazu, mehr zu produzieren, um den Preisverfall auszugleichen – selbst wenn diese Strategie die Überschusslage noch weiter verschärft.</p><p>Die Folgen sind bis in die Kühlhäuser hinein sichtbar: Im Frühjahr 2026 waren dort mehr als 7000 Tonnen Butter gelagert, das sind etwa 2000 Tonnen mehr als üblich.<span class="fussnotenlink">11</span> Diese Anhäufung verdeutlicht ein Paradoxon: Eine Industrie, die immer mehr produziert, obwohl sie bereits Schwierigkeiten hat, ihre Erzeugnisse abzusetzen.</p><p>&nbsp;</p><h5>Fazit</h5><p>Das idyllische Bild der Milchwirtschaft beruht weitgehend auf einer Erzählung aus der Vergangenheit. Hinter den Postkartenlandschaften verbergen sich<strong> eine stark industrialisierte Produktion, ein hoher Ressourcenverbrauch und ein Wirtschaftssystem, das Überschüsse erzeugt und gleichzeitig die Einkommen der Erzeuger gefährdet</strong>.</p><p>Die Nutzung der Alpwiesen als Weideland erscheint nicht mehr als die sinnvollste Lösung. Diese Flächen liefern nur einen geringen Teil unserer Nahrungsmittel, sind aber von grosser ökologischer Bedeutung. Da der Klimawandel den Druck auf die Berggebiete verstärkt, wäre es sinnvoll, einen Teil der Magerwiesen wieder ihrer natürlichen Dynamik zu überlassen. Eine solche Entwicklung ist jedoch ohne eine Reduzierung der Milch- und Fleischproduktion kaum vorstellbar. Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung würde es ermöglichen, die Bevölkerung mit deutlich weniger Land, Wasser und Energie zu ernähren und gleichzeitig den ökologischen Druck auf die Bergregionen zu verringern.</p><p>Das grösste Hindernis ist jedoch nicht technischer, sondern wirtschaftlicher und politischer Natur. <a href="https://www.swissveg.ch/de/subventionspolitik_vs_kostenwahrheit?language=de">Derzeit fliessen rund 82% der Schweizer Agrarsubventionen in die Tierhaltung.</a> Für viele Betriebe bedeutet eine Verkleinerung ihres Viehbestands oder eine Umstellung auf Pflanzenbau den Verlust eines erheblichen Teils ihrer finanziellen Unterstützung. Hinzu kommt das Fehlen eines echten staatlichen Programms zur Begleitung von Tierhaltern, die die Tierproduktion zugunsten des Pflanzenbaus aufgeben möchten. Der Wandel lastet daher fast vollständig auf den Schultern der Landwirte, die die finanziellen Risiken einer solchen Umstellung allein tragen müssten.</p><p>Die Produzenten befinden sich somit zwischen Hammer und Amboss. Einerseits zwingen sie die niedrigen Milchpreise dazu, immer mehr zu produzieren, um ihr Einkommen zu sichern; andererseits veranlassen die staatlichen Fördermechanismen sie dazu, ihren Viehbestand beizubehalten, anstatt ihren Betrieb weiterzuentwickeln. <strong>Eine nachhaltigere Landwirtschaft kann daher nicht allein auf dem guten Willen der Erzeuger oder Verbraucher beruhen. Sie erfordert eine tiefgreifende Reform der Agrarpolitik, damit staatliche Beihilfen den Wandel tatsächlich begleiten, anstatt ein Modell aufrechtzuerhalten, das heute seine ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Grenzen zeigt.</strong></p><p>&nbsp;</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li>Swissgenetics. (2024, 18. Juni). Swissgenetics: führend im weltweiten Brown Swiss-Zuchtprogramm. <a href="https://www.swissgenetics.com/de/swissgenetics-fuehrend-im-weltweiten-brown-swiss-zuchtprogramm">www.swissgenetics.com/de/swissgenetics-fuehrend-im-weltweiten-brown-swiss-zuchtprogramm</a>&nbsp;</li><li>SRF. (2026, 5. März). Für Schweizer AOP-Käse unverzichtbar: Kälber aus Neuseeland. <a href="https://www.srf.ch/news/dialog/verborgene-abhaengigkeit-fuer-schweizer-aop-kaese-unverzichtbar-kaelber-aus-neuseeland">www.srf.ch/news/dialog/verborgene-abhaengigkeit-fuer-schweizer-aop-kaese-unverzichtbar-kaelber-aus-neuseeland&nbsp;</a></li><li>Bundesamt für Umwelt BAFU. (2025, 12. Dezember). Trockenwiesen und -weiden. <a href="https://www.bafu.admin.ch/de/tww">www.bafu.admin.ch/de/tww</a></li><li>SRF. (2023, 28. Juni). Älpler schlagen Alarm: Z’Alp geht mancherorts das Wasser aus. <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/trockenheit-in-den-bergen-aelpler-schlagen-alarm-z-alp-geht-mancherorts-das-wasser-aus">www.srf.ch/news/schweiz/trockenheit-in-den-bergen-aelpler-schlagen-alarm-z-alp-geht-mancherorts-das-wasser-aus</a></li><li>Nau.ch. (2026, 04. August). Bauern schlachten Tausende Kühe wegen Hitze und Futtermangel. <a href="https://www.nau.ch/news/schweiz/bauern-schlachten-tausende-kuhe-wegen-hitze-und-futtermangel-67154776">www.nau.ch/news/schweiz/bauern-schlachten-tausende-kuhe-wegen-hitze-und-futtermangel-67154776</a>&nbsp;</li><li>Swissmilk. (o. D.) Bei uns finden Milchkühe ohne Mühe Futter. <a href="https://www.swissmilk.ch/de/nachhaltigkeit/tierwohl/bei-uns-finden-milchkuehe-ohne-muehe-futter/">www.swissmilk.ch/de/nachhaltigkeit/tierwohl/bei-uns-finden-milchkuehe-ohne-muehe-futter</a></li><li>Schweizer Bauernverband. (2021, Mai). FOKUS – Das fressen Kuh, Schwein und Co. <a href="https://www.sbv-usp.ch/fileadmin/sbvuspch/04_Medien/Publikationen/FOKUS05_Futtermittel_def_DE_web.pdf">www.sbv-usp.ch/fileadmin/sbvuspch/04_Medien/Publikationen/FOKUS05_Futtermittel_def_DE_web.pdf</a></li><li>Lebensmittellexikon. (o. D.). Virtuelles Wasser in Lebensmitteln. <a href="https://www.lebensmittellexikon.de/v0001020.php">www.lebensmittellexikon.de/v0001020.php</a></li><li>Ktipp. (2022, 19. April). Antibiotikaspritzen im Kuhstall: 80 Millionen Liter Milch pro Jahr unbrauchbar. <a href="https://www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/antibiotikaspritzen-im-kuhstall-80-millionen-liter-milch-pro-jahr-unbrauchbar/">www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/antibiotikaspritzen-im-kuhstall-80-millionen-liter-milch-pro-jahr-unbrauchbar</a></li><li>SRF. (2025, 17. Dezember). Weshalb es in der Schweiz zu viel Milch gibt. <a href="https://www.srf.ch/news/wirtschaft/hiesiger-milchmarkt-weshalb-es-in-der-schweiz-zu-viel-milch-gibt">www.srf.ch/news/wirtschaft/hiesiger-milchmarkt-weshalb-es-in-der-schweiz-zu-viel-milch-gibt</a></li><li>Swissinfo. (2026, 22. Mai). Die Schweizer Milch- und Butterproduktion liegt über dem Bedarf. <a href="https://www.swissinfo.ch/ger/die-schweizer-milch-und-butterproduktion-liegt-%C3%BCber-dem-bedarf/91457620">www.swissinfo.ch/ger/die-schweizer-milch-und-butterproduktion-liegt-%C3%BCber-dem-bedarf/91457620</a>&nbsp;</li></ol></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/kuhmilch"><span lang="de-CH">Allgemeines zur Milch</span></a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/berggebiete"><span lang="de-CH">Berggebiete</span></a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/grasland-schweiz"><span lang="de-CH">Grasland Schweiz: Mehr Lebensmittel durch weniger Tiere?</span></a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/hitzewelle-schweiz">Hitzewelle und Wasserknappheit – Wegen unserer Ernährung?</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/antibiotika"><span lang="de-CH">Einsatz von Antibiotika in der Viehwirtschaft</span></a><span lang="de-CH">&nbsp;</span></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/subventionspolitik_vs_kostenwahrheit">Subventionspolitik vs. Kostenwahrheit</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/weltpflanzenmilchtag-2025">Weltpflanzenmilchtag: Zeit, die Milch neu zu denken</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.playsuisse.ch/de/show/2416567">Miss Kuh</a>: Ein Dokumentarfilm über die genetische Selektion von Milchkühen</p></li></ul></div> Mon, 20 Jul 2026 10:11:30 +0000 Amandine 4218 at https://www.swissveg.ch Über die Postkarte hinaus: Die Schattenseite der Milchindustrie https://www.swissveg.ch/de/schattenseite-milchindustrie <span>Über die Postkarte hinaus: Die Schattenseite der Milchindustrie</span> <span><span lang="" about="/de/user/2634" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Amandine</span></span> <span>20. Juli 2026 - 12:11</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Die Interessenverbände der Agrar- und Lebensmittelindustrie stellen Milch gerne als gesundes, natürliches und umweltfreundliches Lebensmittel dar. Insbesondere in der Schweiz ist die Milchwirtschaft ein fester Bestandteil des kulturellen Erbes und des touristischen Images des Landes. Früher ermöglichte die Verarbeitung von Milch zu Käse den Alpenregionen, verderbliche Lebensmittel für den Winter zu konservieren. Aber ist diese Tradition heute noch relevant?</p><h5>Milchprodukte – alles andere als natürlich</h5><p>Die Milchindustrie präsentiert gerne Bilder von Kühen mit Hörnern, die friedlich auf Alpwiesen grasen. Hinter dieser Darstellung verbirgt sich jedoch eine ganz andere Realität. Von der Zucht der Tiere bis zum Käse im Kühlregal basiert die moderne Milchproduktion auf technischen Eingriffen und internationalen Lieferketten, die mit einer «natürlichen» Landwirtschaft kaum noch etwas zu tun haben.</p><p>Die Zucht von Milchvieh ist schon lange kein Zufall mehr. In modernen Betrieben ist die <strong>künstliche Befruchtung</strong> zur Norm geworden und ermöglicht es, die genetischen Merkmale der als leistungsstärksten geltenden Stieren an Hunderttausende von Kühen weiterzugeben. In der Schweiz veranschaulicht Swissgenetics diese Entwicklung perfekt. Die Genossenschaft gibt an, zwischen 2020 und 2024 mehr als eine Million Dosen Brown Swiss-Samen von über 300 Bullen in 48 Länder auf fünf Kontinenten verkauft zu haben.<span class="fussnotenlink">1</span> Die Auswahlkriterien beziehen sich hauptsächlich auf die Milchleistung, den Körperbau der Tiere, die Eutergesundheit, die Fruchtbarkeit sowie die Langlebigkeit. Milchrinder sind somit das Ergebnis jahrzehntelanger intensiver genetischer Selektion, die darauf abzielt, die wirtschaftliche Leistung der Herden zu maximieren. Diese genetische Vereinheitlichung steht in starkem Kontrast zum Bild von Herden, die im Rhythmus der Natur leben. Die Tiere werden nicht mehr nur gezüchtet: Sie werden nach vom Menschen definierten Leistungszielen ausgewählt und vermehrt.</p><p>Auch das Bild eines Käses, der ausschliesslich aus lokalen Rohstoffen hergestellt wird, ist irreführend. Für die Herstellung von Schweizer AOP-Käsen wie Gruyère, Emmentaler, Vacherin Fribourgeois oder Raclette aus dem Wallis wird Lab benötigt, ein Enzym, das aus dem vierten Magen junger Kälber gewonnen wird. <strong>Dieses Lab wird jedoch in fast allen Fällen importiert</strong>. Die Schweiz produziert so gut wie kein eigenes Lab und ist auf ausländische Lieferanten angewiesen. Ein Teil dieses Labs stammt aus Ländern, in denen die Methoden der Kälberaufzucht sich von den in der Schweiz zugelassenen oder praktizierten unterscheiden.<span class="fussnotenlink">2</span> Mit anderen Worten: Selbst die symbolträchtigsten Käsesorten des kulinarischen Erbes der Schweiz benötigen einen Rohstoff, der aus einer globalisierten Lieferkette stammt.</p><p>&nbsp;</p><h5>Haben Kühe in den Bergen wirklich ihren Platz?</h5><p>Die mageren Bergwiesen sind ein wichtiger Lebensraum für eine grosse Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten. Sie sind jedoch nicht für das Gewicht von Rindern (500 bis 800 kg) geeignet, das weit über dem Gewicht der wildlebenden Arten liegt, die diese Gebiete von Natur aus bevölkern, wie Gämse (25 bis 60 kg) oder Steinböcke (75 bis 120 kg). Indem sie die dünne Schicht der alpinen Vegetation ständig <strong>zertrampeln</strong>,<strong> </strong>schädigen Kühe diese besonders empfindlichen Böden nach und nach. Hinzu kommt die übermässige Einbringung von Nitraten aus ihren Exkrementen, die die Zusammensetzung der Böden tiefgreifend verändert. Diese<strong> Überdüngung</strong> begünstigt die wettbewerbsstärksten Pflanzenarten zum Nachteil der alpinen Flora. So wurden seit 1900 mehr als 95% der Trockenwiesen in der Schweiz zerstört, und sowohl ihre Fläche als auch ihre Qualität nimmt weiterhin ab.<span class="fussnotenlink">3</span> Weiden schränken zudem das natürliche Vordringen von Wäldern und Gebüschen ein, die jedoch eine wesentliche Rolle beim Schutz vor Lawinen spielen. Um sie zu erhalten, sind daher verstärkt künstliche Massnahmen erforderlich.</p><p>Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die durch die globale Erwärmung verschärfte Dürre trifft die Bergregionen immer häufiger. In den Jahren 2003, 2015, 2018, 2022 und 2026 mussten <strong>Hubschrauber der Schweizer Armee</strong> eingesetzt werden, um Wasser bis auf die Sommerweiden zu transportieren und die Tiere zu tränken. Allein im Jahr 2022 leistete die Schweizer Luftwaffe insgesamt 700 Flugstunden, um 4,3 Millionen Liter Wasser zu transportieren.<span class="fussnotenlink">4</span> Und diese beeindruckende Zahl berücksichtigt noch nicht einmal die Transporte, die von privaten Hubschrauber-Frachtunternehmen durchgeführt wurden. Diese Wasserknappheit ist kaum überraschend: Eine einzige Kuh kann bis zu 100 Liter Wasser pro Tag trinken. Versiegen die Quellen, muss dieses Wasser anderweitig bereitgestellt werden.&nbsp;</p><p>Im Jahr 2026 war die Dürre in einigen Regionen der Schweiz so stark, dass die Landwirte gezwungen waren, mitten im Sommer auf ihre Winterfutterreserven zurückzugreifen. Um den Kauf von teurem Futter zu vermeiden, mussten sie die ältesten und leistungsschwächsten Kühe <strong>mehrere Monate vor dem geplanten Termin zum Schlachthof schicken</strong>.<span class="fussnotenlink">5</span> Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Klimaerwärmung drohen diese Probleme bei der Wasser- und Futterversorgung immer häufiger zu werden, was die Frage aufwirft, ob die Haltung grosser Rinderherden auf den Alpwiesen noch nachhaltig ist.</p><p>&nbsp;</p><h5>Eine strukturell ineffiziente Produktion</h5><h4>Pflanzen in Milch umwandeln: eine Verschwendung von Ressourcen</h4><p>Milch wird oft als nachhaltiges Lebensmittel dargestellt, insbesondere weil Kühe Gras verwerten – eine Ressource, die der Mensch nicht direkt verzehren kann. Dieses Argument hält einer genaueren Betrachtung jedoch nur teilweise stand. Tatsächlich wandelt eine Kuh nur einen Bruchteil der in ihrer Nahrung enthaltenen Energie in Milch um: Ein grosser Teil wird für ihren eigenen Stoffwechsel, ihr Wachstum, ihre Fortbewegung oder einfach zur Aufrechterhaltung ihrer Körpertemperatur benötigt. Diese Umwandlung führt zu einem erheblichen<strong> Ressourcenverlust</strong>.</p><p>Die Milchproduktion beansprucht somit weitaus mehr landwirtschaftliche Flächen, Wasser und Energie als die Herstellung pflanzlicher Milchalternativen. Die Tiere benötigen Weideland, aber auch Anbauflächen für die Futterproduktion. 10% dieses Futters wird zudem importiert,<span class="fussnotenlink">6</span> insbesondere in Form von Kraftfutter, das auf Ackerflächen angebaut wird, die direkt für die Produktion von Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr genutzt werden könnten. Pro Jahr erhält eine Milchkuh in der Schweiz im Schnitt 614 kg Kraftfutter.<span class="fussnotenlink">7</span> Selbst das Argument, dass Rinder ausschliesslich Gras fressen, ist daher unvollständig.</p><p>Der Wasserverbrauch verdeutlicht diese Ineffizienz. Kühe trinken täglich mehrere Dutzend Liter Wasser, hinzu kommt der Bewässerungsbedarf für den Futteranbau. Bei gleicher Menge benötigen pflanzliche Milchalternativen deutlich weniger Wasser und landwirtschaftliche Flächen. Die Herstellung von Mandelmilch, die zwar oft wegen ihres Wasserverbrauchs kritisiert wird, erfordert beispielsweise etwa achtzehnmal weniger Land und mehrere hundert Liter Wasser weniger pro produziertem Liter Milch.<span class="fussnotenlink">8</span></p><h4>Millionen Liter Milch gehen verloren</h4><p>Zu dieser biologischen Ineffizienz kommt eine direkte Verschwendung hinzu. Milchkühe leiden häufig an Mastitis, einer Euterentzündung, die in der Regel mit <a href="https://www.swissveg.ch/de/antibiotika"><strong>Antibiotika</strong></a> behandelt wird. Während der gesamten Behandlungsdauer und der gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeit darf ihre Milch nicht verkauft werden, um das Vorhandensein von Arzneimittelrückständen in den für den Verzehr bestimmten Produkten zu vermeiden.</p><p>In der Schweiz führt diese Situation jedes Jahr dazu, dass etwa<strong> 80 Millionen Liter Milch</strong> entsorgt werden, was dem Jahresverbrauch von fast eineinhalb Millionen Menschen entspricht.<span class="fussnotenlink">9</span> Diese Milch wird in der Regel an Kälber verfüttert oder mit der Gülle ausgebracht. Eine Praxis, die auch im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit Bedenken aufwirft, da sie die Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien in der Umwelt begünstigen kann.</p><h4>Überproduktion</h4><p>Die Verschwendung hört damit noch nicht auf. Seit mehreren Jahren produziert die Schweiz <strong>mehr Milch, als der Markt aufnehmen kann.</strong> Nach Angaben der Branchenorganisation Milch (BO Milch) lieferten die Erzeuger im Jahr 2025 rund 126 Millionen Kilogramm Milch mehr, als der Markt benötigte.<span class="fussnotenlink">10</span> Diese Überproduktion übt einen Druck auf die Preise aus und gefährdet die Einkünfte der Landwirte.</p><p>Um diese Überschüsse einzudämmen, führte die BO Milch im Jahr 2026 ein System ein, das Betriebe bestraft, die ihre Referenzmenge überschreiten. Milch, die über diese Schwelle hinaus produziert wird, wird nur zu einem stark reduzierten Preis vergütet. Trotzdem bleiben die Mengen hoch. Die wirtschaftlichen Mechanismen des Sektors zwingen jeden Betrieb dazu, mehr zu produzieren, um den Preisverfall auszugleichen – selbst wenn diese Strategie die Überschusslage noch weiter verschärft.</p><p>Die Folgen sind bis in die Kühlhäuser hinein sichtbar: Im Frühjahr 2026 waren dort mehr als 7000 Tonnen Butter gelagert, das sind etwa 2000 Tonnen mehr als üblich.<span class="fussnotenlink">11</span> Diese Anhäufung verdeutlicht ein Paradoxon: Eine Industrie, die immer mehr produziert, obwohl sie bereits Schwierigkeiten hat, ihre Erzeugnisse abzusetzen.</p><p>&nbsp;</p><h5>Fazit</h5><p>Das idyllische Bild der Milchwirtschaft beruht weitgehend auf einer Erzählung aus der Vergangenheit. Hinter den Postkartenlandschaften verbergen sich<strong> eine stark industrialisierte Produktion, ein hoher Ressourcenverbrauch und ein Wirtschaftssystem, das Überschüsse erzeugt und gleichzeitig die Einkommen der Erzeuger gefährdet</strong>.</p><p>Die Nutzung der Alpwiesen als Weideland erscheint nicht mehr als die sinnvollste Lösung. Diese Flächen liefern nur einen geringen Teil unserer Nahrungsmittel, sind aber von grosser ökologischer Bedeutung. Da der Klimawandel den Druck auf die Berggebiete verstärkt, wäre es sinnvoll, einen Teil der Magerwiesen wieder ihrer natürlichen Dynamik zu überlassen. Eine solche Entwicklung ist jedoch ohne eine Reduzierung der Milch- und Fleischproduktion kaum vorstellbar. Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung würde es ermöglichen, die Bevölkerung mit deutlich weniger Land, Wasser und Energie zu ernähren und gleichzeitig den ökologischen Druck auf die Bergregionen zu verringern.</p><p>Das grösste Hindernis ist jedoch nicht technischer, sondern wirtschaftlicher und politischer Natur. <a href="https://www.swissveg.ch/de/subventionspolitik_vs_kostenwahrheit?language=de">Derzeit fliessen rund 82% der Schweizer Agrarsubventionen in die Tierhaltung.</a> Für viele Betriebe bedeutet eine Verkleinerung ihres Viehbestands oder eine Umstellung auf Pflanzenbau den Verlust eines erheblichen Teils ihrer finanziellen Unterstützung. Hinzu kommt das Fehlen eines echten staatlichen Programms zur Begleitung von Tierhaltern, die die Tierproduktion zugunsten des Pflanzenbaus aufgeben möchten. Der Wandel lastet daher fast vollständig auf den Schultern der Landwirte, die die finanziellen Risiken einer solchen Umstellung allein tragen müssten.</p><p>Die Produzenten befinden sich somit zwischen Hammer und Amboss. Einerseits zwingen sie die niedrigen Milchpreise dazu, immer mehr zu produzieren, um ihr Einkommen zu sichern; andererseits veranlassen die staatlichen Fördermechanismen sie dazu, ihren Viehbestand beizubehalten, anstatt ihren Betrieb weiterzuentwickeln. <strong>Eine nachhaltigere Landwirtschaft kann daher nicht allein auf dem guten Willen der Erzeuger oder Verbraucher beruhen. Sie erfordert eine tiefgreifende Reform der Agrarpolitik, damit staatliche Beihilfen den Wandel tatsächlich begleiten, anstatt ein Modell aufrechtzuerhalten, das heute seine ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Grenzen zeigt.</strong></p><p>&nbsp;</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li>Swissgenetics. (2024, 18. Juni). Swissgenetics: führend im weltweiten Brown Swiss-Zuchtprogramm. <a href="https://www.swissgenetics.com/de/swissgenetics-fuehrend-im-weltweiten-brown-swiss-zuchtprogramm">www.swissgenetics.com/de/swissgenetics-fuehrend-im-weltweiten-brown-swiss-zuchtprogramm</a>&nbsp;</li><li>SRF. (2026, 5. März). Für Schweizer AOP-Käse unverzichtbar: Kälber aus Neuseeland. <a href="https://www.srf.ch/news/dialog/verborgene-abhaengigkeit-fuer-schweizer-aop-kaese-unverzichtbar-kaelber-aus-neuseeland">www.srf.ch/news/dialog/verborgene-abhaengigkeit-fuer-schweizer-aop-kaese-unverzichtbar-kaelber-aus-neuseeland&nbsp;</a></li><li>Bundesamt für Umwelt BAFU. (2025, 12. Dezember). Trockenwiesen und -weiden. <a href="https://www.bafu.admin.ch/de/tww">www.bafu.admin.ch/de/tww</a></li><li>SRF. (2023, 28. Juni). Älpler schlagen Alarm: Z’Alp geht mancherorts das Wasser aus. <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/trockenheit-in-den-bergen-aelpler-schlagen-alarm-z-alp-geht-mancherorts-das-wasser-aus">www.srf.ch/news/schweiz/trockenheit-in-den-bergen-aelpler-schlagen-alarm-z-alp-geht-mancherorts-das-wasser-aus</a></li><li>Nau.ch. (2026, 04. August). Bauern schlachten Tausende Kühe wegen Hitze und Futtermangel. <a href="https://www.nau.ch/news/schweiz/bauern-schlachten-tausende-kuhe-wegen-hitze-und-futtermangel-67154776">www.nau.ch/news/schweiz/bauern-schlachten-tausende-kuhe-wegen-hitze-und-futtermangel-67154776</a>&nbsp;</li><li>Swissmilk. (o. D.) Bei uns finden Milchkühe ohne Mühe Futter. <a href="https://www.swissmilk.ch/de/nachhaltigkeit/tierwohl/bei-uns-finden-milchkuehe-ohne-muehe-futter/">www.swissmilk.ch/de/nachhaltigkeit/tierwohl/bei-uns-finden-milchkuehe-ohne-muehe-futter</a></li><li>Schweizer Bauernverband. (2021, Mai). FOKUS – Das fressen Kuh, Schwein und Co. <a href="https://www.sbv-usp.ch/fileadmin/sbvuspch/04_Medien/Publikationen/FOKUS05_Futtermittel_def_DE_web.pdf">www.sbv-usp.ch/fileadmin/sbvuspch/04_Medien/Publikationen/FOKUS05_Futtermittel_def_DE_web.pdf</a></li><li>Lebensmittellexikon. (o. D.). Virtuelles Wasser in Lebensmitteln. <a href="https://www.lebensmittellexikon.de/v0001020.php">www.lebensmittellexikon.de/v0001020.php</a></li><li>Ktipp. (2022, 19. April). Antibiotikaspritzen im Kuhstall: 80 Millionen Liter Milch pro Jahr unbrauchbar. <a href="https://www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/antibiotikaspritzen-im-kuhstall-80-millionen-liter-milch-pro-jahr-unbrauchbar/">www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/antibiotikaspritzen-im-kuhstall-80-millionen-liter-milch-pro-jahr-unbrauchbar</a></li><li>SRF. (2025, 17. Dezember). Weshalb es in der Schweiz zu viel Milch gibt. <a href="https://www.srf.ch/news/wirtschaft/hiesiger-milchmarkt-weshalb-es-in-der-schweiz-zu-viel-milch-gibt">www.srf.ch/news/wirtschaft/hiesiger-milchmarkt-weshalb-es-in-der-schweiz-zu-viel-milch-gibt</a></li><li>Swissinfo. (2026, 22. Mai). Die Schweizer Milch- und Butterproduktion liegt über dem Bedarf. <a href="https://www.swissinfo.ch/ger/die-schweizer-milch-und-butterproduktion-liegt-%C3%BCber-dem-bedarf/91457620">www.swissinfo.ch/ger/die-schweizer-milch-und-butterproduktion-liegt-%C3%BCber-dem-bedarf/91457620</a>&nbsp;</li></ol></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/kuhmilch"><span lang="de-CH">Allgemeines zur Milch</span></a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/berggebiete"><span lang="de-CH">Berggebiete</span></a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/grasland-schweiz"><span lang="de-CH">Grasland Schweiz: Mehr Lebensmittel durch weniger Tiere?</span></a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/hitzewelle-schweiz">Hitzewelle und Wasserknappheit – Wegen unserer Ernährung?</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/antibiotika"><span lang="de-CH">Einsatz von Antibiotika in der Viehwirtschaft</span></a><span lang="de-CH">&nbsp;</span></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/subventionspolitik_vs_kostenwahrheit">Subventionspolitik vs. Kostenwahrheit</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/weltpflanzenmilchtag-2025">Weltpflanzenmilchtag: Zeit, die Milch neu zu denken</a></p></li><li><p style="line-height:100%;margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.playsuisse.ch/de/show/2416567">Miss Kuh</a>: Ein Dokumentarfilm über die genetische Selektion von Milchkühen</p></li></ul></div> Mon, 20 Jul 2026 10:11:30 +0000 Amandine 4218 at https://www.swissveg.ch Swissmilk-Werbung zur WM: Ist Kuhmilch wirklich die beste Wahl für starke Knochen? https://www.swissveg.ch/de/Pflanzenmilch-Swissmilk-Kampagne <span>Swissmilk-Werbung zur WM: Ist Kuhmilch wirklich die beste Wahl für starke Knochen?</span> <span><span lang="" about="/de/user/3032" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Nurdin</span></span> <span>15. Juli 2026 - 14:53</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Sport ist zurzeit in aller Munde – es ist Fussball-WM und die Schweizer Nati hat es bis ins Viertelfinale geschafft. Klar ist: Um konstant auf hohem Niveau Leistung zu erbringen, ist eine gute Ernährung für Spitzensportler unverzichtbar. Doch welchen Beitrag leistet hierzu eigentlich die Auswahl der richtigen Milch? Und stimmt es wirklich, wie eine neue Kampagne von Swissmilk suggeriert, dass Kuhmilch die beste Option ist für starke Knochen?</p><p>Das Plakat von Swissmilk, welches seit Beginn der WM etappenweise an verschiedenen Werbeflächen zu sehen ist, zeigt drei Fussballer von den Oberschenkeln abwärts. Sie tragen rote Hosen, rote Stulpen und verschiedenfarbige Fussballschuhe. Ihre Schienbeine sind voller Narben und unter ihren Schuhen liegt Dreck. Dazu der Schriftzug: «Stolze Partnerin von Schweizer Knochen» und das Swissmilk-Logo. Hier soll eindeutig suggeriert werden: Milch ist gut für starke Knochen! Doch entspricht das tatsächlich der Wahrheit? Oder wird hier ein veralteter Mythos bedient?</p><h4>Die relevanten Nährstoffe: Protein und Kalzium</h4><p>Um für die eigenen Bedürfnisse die am besten passende Milch zu finden, lohnt &nbsp;es sich, die Werte auf der Rückseite der Packung zu beachten. Dann sieht man schnell, dass <strong>Kuhmilch bei den Makronährstoffen weniger gut</strong> dasteht, als man meinen könnte. Besonders Fett und Zucker enthält Kuhmilch deutlich mehr, als Pflanzenmilch. Und auch beim Protein ist Kuhmilch nicht etwa alleiniger Spitzenreiter, sondern nur an zweiter Stelle hinter Sojamilch – das haben wir <a href="/kuhmilch-pflanzenmilch-bessere-wahl">in diesem Artikel</a> bereits detailliert aufgeschlüsselt. Wer also versucht Kalorien zu reduzieren und dabei etwas mehr Protein zu sich zu nehmen, ist mit Sojamilch am besten bedient. Und wem es nicht so wichtig ist, seinen Protein-Intake zu maximieren, kann guten Gewissens zu Hafer- oder einer anderen Pflanzenmilch greifen.</p><p>Bei den in Kuh- und Pflanzenmilch enthaltenen Mikronährstoffen spielt vor allem <strong>Kalzium</strong> eine wichtige Rolle, da es eng mit Knochengesundheit in Verbindung steht. Es bestimmt (nebst anderen wichtigen Funktionen) die Härte der Knochen, aber nur in Verbindung mit den organischen, elastischen Bindegewebsfasern, in welche das Kalzium eingelagert wird. Wenn im höheren Alter diese organische Knochenstruktur aus hormonell und konstitutionell bedingten Gründen vermindert aufgebaut wird, kann eine Osteoporose entstehen; die Knochensubstanz wird poröser und neigt zu Brüchen. Häufig kommt es dann zu Frakturen des Hüftknochens. Doch wie gelingt es am besten, dies vorzubeugen?</p><h4>Ist Kuhmilch eine gute Kalziumquelle?</h4><p>«Kuhmilch enthält Kalzium. Und gesunde Knochen benötigen Kalzium. Also sollte, wer starke Knochen haben will, unbedingt viel Kuhmilch trinken.» – Ungefähr so lautet der Gedankengang, den die Kampagne der Lobby-Organisation Swissmilk in uns auslösen möchte. Das stimmt so aber nicht, sondern ist stattdessen ein <strong>weitverbreiteter und längst widerlegter Mythos</strong>. Schauen wir einmal genauer hin.</p><p>Die wichtigsten Fakten: Kuhmilch enthält etwa 120 Milligramm Kalzium pro 100 Milliliter. Bei Pflanzenmilchprodukten variiert der Kalziumgehalt von Natur aus, weshalb diese oft zusätzlich angereichert werden, um ebenfalls auf 120 Milligramm zu kommen. In dieser Hinsicht sind Kuh- und die meiste Pflanzenmilch also gleichwertig. Der tägliche Bedarf einer erwachsenen Person liegt bei c.a. 1'000 mg Kalzium pro Tag und Schweizerinnen und Schweizer trinken im Durchschnitt ein Glas Milch pro Tag.</p><p>Wer nun meint, seinen Bedarf mit Kuhmilch zu decken, müsste demnach über vier Gläser (à 200 ml) Kuhmilch pro Tag konsumieren. Damit würde auch viel ungesundes tierisches Fett (30g) und Milchzucker (40g) mit aufgenommen. Diese Zahlen können überraschen, denn vielen ist nicht bewusst, dass Kuhmilch sogar mehr Kalorien enthält als Cola. Aber so viel Kuhmilch zu trinken ist zum Glück auch gar nicht nötig, denn <strong>viel bessere Kalziumquellen finden sich bei pflanzlichen Lebensmitteln:</strong> Sesamsamen zum Beispiel kommen auf stolze 783 Milligramm Kalzium pro 100 Gramm und auch Nüsse, Hülsenfrüchte und andere Gemüse enthalten über 200 Milligram Kalzium. Eine Liste mit hervorragenden pflanzlichen Kalziumquellen haben wir <a href="/kalzium">in einem separaten Artikel</a> zusammengestellt. Und weitere Infos zu anderen wichtigen Nährstoffen gibt es in unserer Broschüre <a href="https://bc.pressmatrix.com/de/profiles/b6b0b8c11377/editions/93b87b7c99a619965eb0/pages/page/9" target="_blank" title="Vegan für die Gesundheit - Nährstoffe">Vegan für die Gesundheit</a>.</p><p>Es stimmt also nicht, dass Kuhmilch ein unentbehrlicher Kalziumlieferant ist. Ganz im Gegenteil: <strong>Für den täglichen Kalziumbedarf kann Kuhmilch problemlos weggelassen werden</strong>, solange genug pflanzliche Lebensmittel, die zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung sowieso bereits dazugehören, gegessen werden.</p><h4>Führt Kalzium zu starken Knochen?</h4><p>Tatsache ist: Die Knochenmasse wird vor allem in den jüngeren Lebensjahren aufgebaut. Dann ist eine ausreichende Kalziumzufuhr besonders wichtig. Etwa ab dem 30. Lebensjahr nimmt die Knochenmasse aufgrund hormoneller und konstitutioneller Veränderungen zunehmend ab. Beispielsweise das Hormon Östrogen hat bekanntlich eine knochenschützende Wirkung, weshalb Frauen ab den Wechseljahren besonders oft von Osteoporose betroffen sind.</p><p>Wer nun aber denkt – wie es die Swissmilk-Plakate suggerieren – er könne &nbsp;seine Knochen im Erwachsenenalter mit dem Konsum von mehr Kuhmilch stärken, liegt schon wieder falsch. Denn auch das ist schon lange wissenschaftlich widerlegt: Im Jahr 2015 kam das wissenschaftliche Journal «The BMJ» beispielsweise in einer grossen systematischen Review von über 40 ernährungsmedizinischen Studien zum Schluss, dass <strong>kein Zusammenhang zwischen Aufnahme von Kalzium über Nahrungsmittel und Knochenbruchrisiko</strong> besteht. Zudem gebe es auch <strong>keine Belege, dass eine Erhöhung der Kalziumaufnahme Knochenbrüche vorbeugen kann</strong>.<sup>1</sup> Eine Metastudie der Universität Zürich mit über 190'000 Teilnehmerinnen kam 2011 ebenfalls zum gleichen Ergebnis: Egal, wie viel Kuhmilch die Probanden tranken, es gab keinen übergeordneten Zusammenhang mit der Anzahl von Hüftfrakturen.<sup>2 </sup>Und eine weitere Review länderspezifischer Daten zum Konsum von Milchprodukten und der Häufigkeit von Hüftfrakturen kam 2020 sogar zu folgendem, paradox anmutenden Resultat: <strong>In den Ländern mit dem höchsten Milch- und Kalziumkonsum gibt es tatsächlich am meisten Hüftfrakturen</strong><sup>3</sup> – ein paradox klingendes Resultat, das aber von der Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt wurde.<sup>4</sup></p><p>Es ist also bestimmt nicht falsch, ausreichend Kalzium zu sich zu nehmen, aber deswegen auf Kuhmilch zu setzen, wäre eindeutig am Tor vorbeigeschossen!</p><h4>Sport, gesunde Ernährung und Vitamin D</h4><p>Apropos Fussball: Ein nebst der Ernährung ebenfalls sehr wichtiger Faktor für die Knochengesundheit ist Sport und Bewegung. Laut Forschern des «National Centre for Sport and Exercise Medicine» lässt sich die Knochenstärke von Osteoporosepatienten durch gezieltes Kraft- und Belastungstraining sowie durch Übungen, welche die Körperhaltung verbessern, maximieren.<sup>5</sup> Es ist naheliegend, dass die selbe Herangehensweise auch vorbeugend wirksam sein dürfte, ganz nach dem Motto: <strong>Knochen, die regelmässig belastet werden, behalten ihre Stärke.</strong> Dies ist der eine Punkt, den das Plakat von Swissmilk korrekt wiedergibt: Sport (etwa Fussball) führt zu starken (Schweizer) Knochen. Nur die Kuhmilch, die hat damit überhaupt nichts zu tun.</p><p>Übrigens gibt es <strong>eine Vielzahl sehr erfolgreicher Sportler und Athleten, welche sich bewusst pflanzenbasiert ernähren</strong>. Wer kennt beispielsweise nicht den Fussballstar Lionel Messi? Dieser stellte 2014 auf eine «plant forward»-Diät um, das heisst, er reduzierte tierische Nahrung auf ein Minimum, um seine Entzündungswerte und die Regenerationsdauer nach dem Training zu verbessern. Oder die Formel 1-Legende Lewis Hamilton, der seit 2017 vegan lebt! Dann gibt es noch die Profi-Tennisspieler Novak Đoković (Welt-Nummer-1) und Venus Williams (Olympiasiegerin) oder den «stärksten Mann Deutschlands», <span class="mw-page-title-main" lang="de" dir="ltr">Patrik Baboumian, welche sich ebenfalls pflanzenbasiert bzw. vegan ernähren.</span></p><p><span class="mw-page-title-main" lang="de" dir="ltr">Man könnte hier tatsächlich noch viele weitere Namen aufzählen. (Eine &nbsp;ausführliche</span><a href="/promis"><span class="mw-page-title-main" lang="de" dir="ltr"> Sammlung vegan lebender Prominenter</span></a><span class="mw-page-title-main" lang="de" dir="ltr"> gibt es auf unserer Webseite.) Auf jeden Fall ist e</span>ines sicher: <strong>Gesunde Knochen und ein aktives, sportliches Leben sind mit pflanzenbasierter bzw. veganer Ernährung durchaus möglich.</strong> Kuhmilch ist hierzu weder notwendig, noch sinnvoll.</p><p>Zum Schluss muss noch erwähnt werden, dass es einen weiteren Mikronährstoff gibt, der für die Knochengesundheit sehr wichtig ist, nämlich Vitamin D. Dieses unterstützt die Kalziumaufnahme und die Mineralisation der Knochen. Leider weisen in der Schweiz über ein Drittel der Erwachsenen und 40-50% der Kinder eine Vitamin-D-Insuffizienz auf.<sup>6</sup> Deswegen lohnt es sich, seinen Vitamin-D-Status abzuklären und eine Supplementierung von Vitamin D in Betracht zu ziehen, ganz egal, wie man sich ernährt.</p><h4>Fazit</h4><p>Swissmilk reduziert mit ihrem Plakat komplexe Sachverhalte auf ein einzelnes Produkt. Das Thema (Pflanzen-)Milch, Kalzium und Knochengesundheit ist aber komplexer, als man denkt. Und Kuhmilch führt eben gerade nicht zu gesünderen Knochen – zumindest fehlt für eine solche Behauptung jede Evidenz.</p><p>Natürlich dürfen Werbekampagnen auch vereinfachen. Sie sollten dabei aber nicht Gesundheitsversprechen vermitteln, welche durch die wissenschaftliche Evidenz nicht gedeckt sind. Darum: Gelbe Karte für Swissmilk!</p><p>&nbsp;</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <p><strong>Quellen</strong></p><p>1: Bolland et al (2015): «Calcium intake and risk of fracture: systematic review» In: The BMJ;351:h4580. <a href="https://doi.org/10.1136/bmj.h4580" target="_blank">doi.org/10.1136/bmj.h4580</a></p><p>2: Bischoff-Ferrari et al: «Milk intake and risk of hip fracture in men and women: A meta-analysis of prospective cohort studies» In: Journal of &nbsp;Bone and Mineral Research, 14. Oktober 2010. <a href="https://doi.org/10.1002/jbmr.279" target="_blank">doi.org/10.1002/jbmr.279</a></p><p>3: Willett &amp; Ludwig (2020): «Milk and Health» In: The New England Journal of Medicine 2020;382:644-54. <a href="https://doi.org/10.1056/NEJMra1903547" target="_blank">doi.org/10.1056/NEJMra1903547.</a> Die Autoren weisen darauf hin, dass dass für die Erklärung dieses Zusammenhangs weitere Faktoren, wie etwa Vitamin-D-Status und Ethnizität, eine Rolle spielen könnten, betonen aber, dass ein niedriger Konsum von Milchprodukten offensichtlich kompatibel sei mit einer niedrigen Hüftfrakturrate.</p><p>4: «<span style="-webkit-text-stroke-width:0px;background-color:rgb(255, 255, 255);color:rgb(0, 0, 0);display:inline !important;float:none;font-family:Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif;font-size:11px;font-style:normal;font-variant-caps:normal;font-variant-ligatures:normal;font-weight:400;letter-spacing:normal;orphans:2;text-align:start;text-decoration-color:initial;text-decoration-style:initial;text-decoration-thickness:initial;text-indent:0px;text-transform:none;white-space:normal;widows:2;word-spacing:0px;">The paradox (that hip fracture rates are higher in developed countries where calcium intake is higher than in developing countries where calcium intake is lower) clearly calls for an explanation. To date, the accumulated data indicate that the adverse effect of protein, in particular animal (but not vegetable) protein, might outweigh the positive effect of calcium intake on calcium balance.»</span> <a href="https://web.archive.org/web/20200709214343/https://www.who.int/nutrition/topics/5_population_nutrient/en/index25.html" target="_blank">(web.archive.org/web/20200709214343/https://www.who.int/nutrition/topics/5_population_nutrient/en/index25.html</a>)</p><p>5: Brooke-Wavell et al (2022): «Strong, steady and straight: UK consensus statement on physical activity and exercise for osteoporosis» In: British Journal of Sports Medicine 2022;56:837-846, <a href="https://doi.org/10.1136/bjsports-2021-104634" target="_blank">doi.org/10.1136/bjsports-2021-104634</a></p><p>6: <a href="https://www.edi.admin.ch/dam/de/sd-web/7ahCvsFYUPsh/stellungnahme-eek-studie-bolland-de.pdf" target="_blank">edi.admin.ch/dam/de/sd-web/7ahCvsFYUPsh/stellungnahme-eek-studie-bolland-de.pdf</a></p></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="/milch">Alles über Milch</a></li><li><a href="/kuhmilch-pflanzenmilch-bessere-wahl">Kuhmilch oder Pflanzendrinks: Was ist die bessere Wahl?</a></li><li><a href="/kalzium">Mehr Infos zu Kalzium</a></li><li><a href="/promis">Vegan lebende Prominente</a></li><li><a href="https://bc.pressmatrix.com/de/profiles/b6b0b8c11377/editions/93b87b7c99a619965eb0/" target="_blank" title="Broschüre: Vegan für die Gesundheit">Broschüre: Vegan für die Gesundheit</a></li></ul></div> Wed, 15 Jul 2026 12:53:34 +0000 Nurdin 4212 at https://www.swissveg.ch Die beliebteste Deklaration für vegane Produkte https://www.swissveg.ch/de/umfrage_deklaration_26 <span>Die beliebteste Deklaration für vegane Produkte</span> <span><span lang="" about="/de/user/2566" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Renato</span></span> <span>13. Juli 2026 - 7:27</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Wie sollen vegane Produkte deklariert werden, damit sie am besten verkauft werden?<br>Um dies herauszufinden hat Swissveg eine repräsentative Umfrage bei YouGov in Auftrag gegeben.</p><p>Die Resultate sind klar: Bei allen angesprochenen Kundengruppen (Veganer, Vegetarier und Flexitarier) wird eine Deklaration mit dem offiziellen <a href="/v-label_allgemein">V-Label</a> gewünscht. Alle anderen Deklarationsarten (oder gar keine Vegan-Deklaration) werden deutlich weniger gewünscht.<br>Nur bei den Omnivoren war die Antwort «weiss nicht» am häufigsten, da diese sich offenbar nicht für die Vegandeklaration interessieren bzw. es ihnen egal ist.</p><a href="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/V-Label%20_Umfrage-2026_Produkt-kaufen.webp"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/V-Label%20_Umfrage-2026_Produkt-kaufen.webp"></a><p>&nbsp;</p><h2>Plant-Based statt vegan?</h2><p>Immer wieder wird darüber diskutiert, ob man besser «plant-based» statt vegan auf ein Produkt schreiben soll. Abgesehen davon, dass diese Begriffe keine Synonyme sind, zeigt die Umfrage deutlich: Plant-based kommt zwar bei den Flexitariern und Omnivoren besser an, als das Wort vegan. Aber deutlich attraktiver ist ein veganes Label. Selbst gar keine Deklaration wird eher begrüsst als die Deklaration «plant-based».</p><p>Ausserdem wird klar, dass der reine Begriff «vegan» ganz anders wahrgenommen wird als ein Qualitäts-Label. Auch wenn der Begriff «vegan» ebenfalls im V-Label enthalten ist, geniesst das V-Label dennoch mit Abstand die grösste Akzeptanz bei Konsumenten.</p><a href="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/V-Label%20_Umfrage-2026_Zielgruppe.webp"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/V-Label%20_Umfrage-2026_Zielgruppe.webp" alt="Deklarationsvorlieben in der Zielgruppe"></a><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <p>Die repräsentative Umfrage wurde von YouGov im Auftrag von Swissveg zwischen dem 15. und 24. Juni 2026 durchgeführt. Befragt wurden 1020 Personen im Alter zwischen 15 und 79 Jahren, die in der Schweiz leben.</p></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="/label-umfrage_2026">V-Label-Umfrage 2026</a></li><li><a href="/v-label-trend">Auch 2023 gehört das V-Label zu den dynamischsten und trendigsten Marken der Schweiz</a></li><li><a href="/label-umfrage_2024">V-Label-Umfrage 2024: Das V-Label stärkt seine Führungsposition</a><br>&nbsp;</li></ul></div> Mon, 13 Jul 2026 05:27:13 +0000 Renato 4214 at https://www.swissveg.ch Umfrage 2026 zeigt: Das V-Label baut seinen Vorsprung als bekanntestes vegan Label aus. https://www.swissveg.ch/de/label-umfrage_2026 <span>Umfrage 2026 zeigt: Das V-Label baut seinen Vorsprung als bekanntestes vegan Label aus.</span> <span><span lang="" about="/de/user/2566" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Renato</span></span> <span>13. Juli 2026 - 9:11</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Schon in der Umfrage von 2024 war das V-Label mit grossem Abstand das bekannteste Label für die Deklaration von veganen Produkten. Die neue Umfrage vom Juni 2026 zeigt nun: Das V-Label konnte seine Führungsposition weiter ausbauen.</p><h2>Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung kennt das V-Label</h2><p>69 % der Schweizer Gesamtbevölkerung kennen das V-Label. Dies sind rund 1,5 % mehr als noch 2024. Unter Veganern und Vegetariern kennen weit über 90 % das V-Label. Und sogar bei den Flexitariern ist es noch bei 76 % bekannt.</p><a href="https://www.swissveg.ch/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/V-Label%20_Umfrage-2026_Bekanntheit-1.webp"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/V-Label%20_Umfrage-2026_Bekanntheit-1.webp" alt="Zunahme der Bekanntheit des V-Labels von 2024 auf 2026" /></a><p>Zum Vergleich: Die Veganblume der englischen Vegan Society hat an Bekanntheit weiter eingebüsst: Von 26 % auf nur noch 19 %. Fast 80 % der Schweizer Bevölkerung kennen die Veganblume nicht.</p><p>Auch langfristig gesehen, wird das V-Label immer bekannter: in unserer ersten Umfrage dazu, 2017, kannten es erst 47 % der Gesamtbevölkerung. Heute (2026) sind es bereits 69 %.</p><a href="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/V-Label%20_Umfrage-2026_Bekanntheit-2.webp"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/V-Label%20_Umfrage-2026_Bekanntheit-2.webp" alt="Bekanntheit des V-Labels ist von 2017 bis 2026 stetig gestiegen." class="align-center" /></a><h2>Einstellung zum V-Label</h2><p>Das V-Label ist nicht nur bekannt, sondern geniesst auch einen positiven Ruf. Über 91 % empfinden das V-Label als positiv oder neutral. Nur 5 % empfinden es als negativ. Hingegen stehen dem Label fast 60 % positiv gegenüber.</p><p>Und das Vertrauen ins V-Label hat ebenfalls von 81 % auf 83 % weiter zugenommen.</p><a href="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/Label%20_Umfrage-2026_Vertrauen.webp"><img src="/sites/swissveg.ch/files/bilder/Diagramme/Label%20_Umfrage-2026_Vertrauen.webp" alt="Das Vertrauen in das V-Label ist sehr gross." /></a><h2>Bei welchen Menschen ist das V-Label am bekanntesten?</h2><p>Neben den Veganern, Vegetariern und Flexitariern, gibt es weitere Gruppen, die das V-Label überdurchschnittlich gut kennen.<br />Fast 90 % der Personen in Ausbildung kennen das V-Label. Und besonders bekannt ist es auch bei Jungen Menschen: 87 % der 15 bis 29-Jährigen kennen es.<br />Besonders hohes Vertrauen geniesst das V-Label auch bei einkommensstarken Personen und bei solchen mit einer höheren Bildung.</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <p>Die repräsentative Umfrage wurde von YouGov im Auftrag von Swissveg zwischen dem 15. und 24. Juni 2026 durchgeführt. Befragt wurden 1020 Personen im Alter zwischen 15 und 79 Jahren, die in der Schweiz leben.</p></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="/umfrage_deklaration_26">Umfrage 2026: Die beliebteste Deklaration für vegane Produkten</a></li><li><a href="/v-label-trend">Auch 2023 gehört das V-Label zu den dynamischsten und trendigsten Marken der Schweiz</a></li><li><a href="/label-umfrage_2024">V-Label-Umfrage 2024: Das V-Label stärkt seine Führungsposition</a><br>&nbsp;</li></ul></div> Mon, 13 Jul 2026 07:11:37 +0000 Renato 4213 at https://www.swissveg.ch Welfare Washing: Ist die Schweiz wirklich ein Vorbild in Sachen «Tierschutz»? https://www.swissveg.ch/de/welfare-washing <span>Welfare Washing: Ist die Schweiz wirklich ein Vorbild in Sachen «Tierschutz»?</span> <span><span lang="" about="/de/user/2634" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Amandine</span></span> <span>26. Juni 2026 - 9:20</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p>Die Welt, in der wir leben, ist von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Speziesismus" target="_blank">Speziesismus</a> stark geprägt. Da unser Ernährungssystem weitgehend auf der Ausbeutung anderer Tiere beruht, können sich die meisten Menschen eine Welt ohne Tierhaltung nicht vorstellen. Daher wird Veganismus und Antispeziesismus oft als radikale Haltung wahrgenommen, da er eine soziale und wirtschaftliche Ordnung in Frage stellt, die weithin als selbstverständlich gilt.</p><p>Vor diesem Hintergrund können sich Tierschützer nicht immer auf einen streng <strong>abolitionistischen Ansatz</strong> beschränken, dessen Ziel die vollständige Beendigung jeglicher Form der Tierausbeutung ist. Auch wenn das Endziel tatsächlich darin besteht, die vom Mensch ausgehende Unterdrückung anderer fühlender Wesen zu beenden und somit die Tierhaltung sowie alle grausamen Praktiken gegenüber Tieren abzuschaffen, müssen wir die sozialen, kulturellen und politischen Rahmenbedingungen berücksichtigen, in denen unser Handeln stattfindet. Deshalb kann der Rückgriff auf <strong>bestimmte, sogenannte «tierschützerische», Strategien</strong> ebenfalls gerechtfertigt sein. Diese bestehen nicht darin, das System als Ganzes radikal zu verändern, sondern konkrete Verbesserungen der Lebensbedingungen der Tiere zu erreichen, die bereits unter den Folgen leiden. Ohne das Ziel der Abschaffung aus den Augen zu verlieren, können solche Massnahmen dazu beitragen, bereits jetzt einen Teil des Tierleids zu verringern, gleichzeitig die Öffentlichkeit für die Situation der Tiere zu sensibilisieren und den Weg für tiefgreifendere Veränderungen zu ebnen.</p><p>In einer Gesellschaft, die sogenannten «Nutztieren» wenig oder gar keine Beachtung schenkt und sie meist auf den Status von Produktionsmitteln oder Konsumgütern reduziert, stellt bereits die blosse Anerkennung ihrer Interessen und das Eintreten für eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen eine bedeutende Infragestellung der bestehenden Ordnung dar. <strong>Jede Massnahme, die dazu beiträgt, das Leid dieser Tiere zu verringern, stellt daher einen greifbaren Fortschritt dar und verdient Anerkennung.</strong></p><p>Es wäre jedoch gefährlich, jede scheinbare Verbesserung mit einem tatsächlichen Fortschritt hin zu mehr Gerechtigkeit für Tiere zu verwechseln. <strong>Zwar können tierschutzorientierte Reformen manchmal dazu beitragen, das Leiden der Tiere tatsächlich zu verringern, doch können sie auch instrumentalisiert werden, um grundlegend problematische Praktiken zu legitimieren und auf Dauer zu festigen. </strong>Es ist daher unerlässlich, unsere langfristigen (abolitionistischen) Ziele im Blick zu behalten und zu unterscheiden zwischen Massnahmen, die das Schicksal der Tiere tatsächlich verbessern, und solchen, die als<em> Welfare Washing</em> zu betrachten sind.</p><h3>Was ist Welfare Washing?</h3><p>Ähnlich wie beim Greenwashing, das Kommunikationsstrategien bezeichnet, mit denen sich ein Unternehmen oder eine Organisation trotz der negativen Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf die Umwelt ein umweltbewusstes Image verschafft, <strong>besteht Welfare Washing im Tierhaltungskontext darin, sich als tierwohlorientiert darzustellen und gleichzeitig die Realität der Tierhaltungspraktiken zu verschleiern, herunterzuspielen oder zu beschönigen.</strong><span class="fussnotenlink">1</span> Diese Strategie kann viele Formen annehmen: Produktverpackungen, Werbekampagnen, Websites, Nachhaltigkeitsberichte oder andere Kommunikationsmittel. Sie stützt sich oft auf den Einsatz vager oder positiv besetzter Begriffe («natürliches Produkt», «Freilandhaltung», «Tierwohl»), auf die Hervorhebung von Gütesiegeln, deren tatsächliche Tragweite manchmal begrenzt ist, sowie auf idealisierte Darstellungen, die glückliche Tiere zeigen, die sich in weitläufigen Freiflächen bewegen.</p><p>An Beispielen für Welfare Washing im Alltag der Verbraucher mangelt es nicht. Man denke beispielsweise an eine Käseverpackung, auf der eine Kuh und ihr Kalb zu sehen sind, die friedlich nebeneinander auf einer Wiese grasen, während in der Milchviehhaltung Kälber in der Regel kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden.<span class="fussnotenlink">2</span> Ebenso können bestimmte Angaben wie «Freilandhaltung» bei den Verbrauchern die Vorstellung wecken, dass die Tiere den Grossteil ihres Lebens im Freien verbringen, obwohl die tatsächlichen Haltungsbedingungen oft weit von dieser Vorstellung entfernt sind.<span class="fussnotenlink">3</span></p><p> </p><figure role="group" class="align-center"><img alt="" data-entity-type="file" data-entity-uuid="d359c86d-fc55-4de9-bce8-2e3d162c831d" height="1414" src="/sites/swissveg.ch/files/2026-07/Beispiele_Welfare_Washing_DE.jpg" width="67.33%" /><figcaption>Einige Beispiele für Welfare Washing in der Werbung. Quelle: <a href="https://www.instagram.com/werbemist.ch/" target="_blank">werbemist.ch</a></figcaption></figure><h3>Ziele und Folgen<span class="fussnotenlink">4</span></h3><p>Über die dabei eingesetzten Kommunikationstechniken hinaus erfüllt Welfare Washing mehrere wesentliche Funktionen. Zum einen lenkt es die Aufmerksamkeit von den problematischsten Aspekten der Tierausbeutung ab, indem es die Diskussion auf Massnahmen konzentriert, die angeblich die Haltungsbedingungen verbessern sollen. <strong>Die Frage lautet dann nicht mehr, ob die Nutzung von Tieren moralisch vertretbar ist, sondern lediglich, wie man sie akzeptabler gestalten kann.</strong> Die Debatte verlagert sich somit vom Bereich der Ethik hin zum Bereich des Managements und der Optimierung bestehender Praktiken.</p><p>Indem sie die Erzeuger, die Lieferketten und die Kontrollbehörden als voll und ganz dem Tierschutz verpflichtet darstellen, zielen Welfare-Washing-Diskurse darauf ab, die Tierfrage zu entpolitisieren. Da die Akteure der Branche sich des Problems angeblich bewusst sind und bereits daran arbeiten, es zu lösen, erscheint jegliches bürgerliches Eingreifen oder Wachsamkeit überflüssig. Die Öffentlichkeit wird somit dazu aufgefordert, den bestehenden Mechanismen zu vertrauen, anstatt das System selbst in Frage zu stellen. <strong>Die moralische Verantwortung wird auf die Institutionen und die Industrie übertragen</strong>, während den Verbrauchern die Vorstellung vermittelt wird, dass es nicht notwendig ist, sich weiter um das Schicksal der Tiere zu sorgen.</p><p>Welfare Washing trägt zudem dazu bei, Schuldgefühle zu vermeiden. Indem es die erzielten Fortschritte und die angeblich geltenden hohen Standards hervorhebt, <strong>ermöglicht es den Verbrauchern, weiterhin tierische Produkte zu kaufen und zu konsumieren – mit dem Gefühl, den wichtigsten ethischen Bedenken bereits Rechnung getragen zu haben</strong>. Das Leid und die Opfer, die dem Tierhaltungssystem innewohnen, rücken dann in den Hintergrund hinter dem Image einer Industrie, die sich um das Wohlergehen der Tiere kümmert.</p><p>Durch die Verbreitung unvollständiger oder idealisierter Darstellungen der Realität trägt Welfare Washing schliesslich dazu bei, <strong>die Unwissenheit der Öffentlichkeit über die tatsächlichen Lebensbedingungen der ausgebeuteten Tiere aufrechtzuerhalten</strong>. Je positiver das vermittelte Bild ist, desto weniger sind die Bürger motiviert, sich zu informieren, Nachforschungen anzustellen oder die Praktiken zu hinterfragen, die sich hinter den von ihnen konsumierten Produkten verbergen. So kommt es, dass man Aussagen wie «In der Schweiz gibt es keine Massentierhaltung», «Tierschutz steht in der Schweizer Landwirtschaft an erster Stelle» oder «Schweizer Kühe sind glückliche Kühe» hört oder sogar als selbstverständlich hinnimmt. Diese Aussagen, die in der Öffentlichkeit weit verbreitet sind, vermitteln ein besonders positives Bild der Tierhaltung, das manchmal in starkem Kontrast zur Realität steht, die die betroffenen Tiere erleben.</p><p> </p><figure role="group"><img alt="Werbung von Swissmilk. " auch="" echt="" im="" k="" raus.="" regelm="" src="/sites/swissveg.ch/files/2026-07/Beispiel_Swissmilk_Welfare_Washing_DE.jpg" stark:="" unsere="" winter="" /><figcaption>Werbung von Swissmilk. Siehe auch <a href="https://www.swissmilk.ch/winter" target="_blank">www.swissmilk.ch/winter</a></figcaption></figure><h3>Welfare Washing in der Schweizer Gesetzgebung</h3><p>Man hört oft, dass die Schweizer Tierschutzgesetzgebung zu den strengsten der Welt gehört. Tatsächlich gibt es ein Bundesgesetz über den Tierschutz (TSchG), das «den Schutz der Würde und des Wohlergehens der Tiere» zum Ziel hat. Konkretisiert wird dieses Gesetz durch die Tierschutzverordnung (TSchV), die Mindestanforderungen an die Tierhaltung festlegt. Allerdings macht diese Gesetzgebung das Wohlergehen der Tiere nicht zu einer absoluten Anforderung, sondern zu einem Aspekt, der mit der Nutzung der Tiere in Einklang gebracht werden muss. So muss jede Person, die mit Tieren umgeht, für deren Wohlergehen sorgen,</p><p class="zitat">«soweit es der Verwendungszweck zulässt» (TSchG, Art. 4).</p><p>Diese Formulierung zeigt, dass <strong>das Wohlergehen der Tiere nicht bedingungslos geschützt ist</strong>: Es bleibt den Zielen untergeordnet, die mit ihrer Nutzung verfolgt werden, insbesondere wenn diese mit Produktion und Rentabilität zusammenhängen.</p><p>Das Gleiche gilt für den Begriff der «Würde des Tieres»: Seit 1992 werden Tiere gesetzlich nicht als Gegenstände, sondern als empfindungsfähige Wesen anerkannt, deren innerer Wert zu achten ist (BV, Art. 120 Abs. 2). Dieser Grundsatz ist jedoch nicht absolut:</p><p class="zitat">«Die Würde des Tieres wird missachtet, wenn eine Belastung des Tieres nicht durch überwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann.» (TSchG, Art. 3 Bst. a)</p><p>Wie das Tierwohl unterliegt auch die Würde der Tiere somit einer <strong>Interessenabwägung</strong>. In der Praxis haben die wirtschaftlichen Erfordernisse der Tierhaltung oft Vorrang vor der Achtung ihres inneren Wertes.</p><p>Das Schweizer Tierschutzsystem ist bei weitem nicht so vorbildlich, wie es scheint, sondern erinnert vielmehr an Welfare Washing: Es vermittelt den Eindruck, dass die Schweizer Landwirtschaft besonders strenge Standards erfüllt und dass die in unserem Land gehaltenen Tiere ein hohes Schutzniveau geniessen, während ihr Wohlergehen und ihre Würde weiterhin den Erfordernissen der Produktion und der Rentabilität untergeordnet sind. Zudem werden die bestehenden Vorschriften weder konsequent durchgesetzt noch systematisch kontrolliert. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserer Kampagne <a href="https://www.swissveg.ch/de/widersprueche-schweizer-politik?language=de">«Widersprüche der Schweizer Politik»</a>, insbesondere in den Abschnitten <a href="https://www.swissveg.ch/de/widersprueche-schweizer-politik?language=de#widerspruch-2 ">«Tierwohl vs. Gewinn»</a> und <a href="https://www.swissveg.ch/de/strenges-tierschutzgesetz-mangelhafter-vollzug?language=de">«Strenges Tierschutzgesetz vs. mangelhafter Vollzug»</a>.</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3>RAUS-Programm</h3><p>Zu den weiteren Beispielen für Welfare Washing im Schweizer Rechtsrahmen zählt das Programm «Regelmässiger Auslauf im Freien» (RAUS). Obwohl dieses Programm eigentlich den Zugang der Tiere zu Aussenbereichen fördern soll, haben dieses Jahr die eidgenössischen Räte einer Lockerung der Kriterien zugestimmt, wodurch bestimmte Auslaufbereiche in Innenräumen als «Auslauf im Freien» eingestuft werden können.<span class="fussnotenlink">5</span> Diese Entwicklung veranschaulicht, wie <strong>Massnahmen, die als tierwohlfördernd dargestellt werden, nach und nach ihrer Substanz beraubt werden können, während sie gleichzeitig ihre Bezeichnung und ihre Kommunikationsfunktion behalten</strong>.</p><h3>Deklarationspflicht</h3><p>Ein anderes Beispiel für Welfare Washing ist die Einführung einer Deklarationspflicht ab dem 1. Juli 2027 für bestimmte tierische Lebensmittel, die von Tieren stammen, bei denen bestimmte schmerzhafte Eingriffe<span class="fussnotenlink">6</span> ohne Betäubung vorgenommen wurden. Diese Vorschrift beendet diese Praktiken jedoch nicht; sie beschränkt sich darauf, die Verbraucherinnen und Verbraucher über deren Existenz zu informieren, während ihre Fortsetzung weiterhin erlaubt ist. Mit anderen Worten: <strong>Sie regelt und normalisiert Praktiken, die als Ursachen für Tierleid anerkannt sind, anstatt sie zu verbieten.</strong> Darüber hinaus reduziert diese Bestimmung die Frage des Tierschutzes allein auf das Fehlen einer Betäubung bei bestimmten Eingriffen. Sie verschleiert die Tatsache, dass zahlreiche andere Praktiken in der Tierhaltung und bei der Schlachtung ebenfalls Stress, Angst und Leiden verursachen können, selbst wenn die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden. Aus ethischer Sicht stellt diese Massnahme daher keinen bedeutenden Fortschritt für die Tiere dar. <strong>Sie vermittelt den Eindruck, dass das Problem angegangen wird, ohne jedoch das System in Frage zu stellen, das diese Praktiken erst ermöglicht.</strong> Um dem Leiden der Tiere ein Ende zu setzen, sind keine neuen Angaben auf den Verpackungen erforderlich, sondern eine tiefgreifende Umgestaltung unseres Ernährungssystems hin zu Modellen, die keine Ausbeutung von Tieren mehr beinhalten. </p></div><h3>Fazit</h3><p>Obwohl der Begriff Welfare Washing noch wenig bekannt ist, handelt es sich um ein Phänomen, das weitaus häufiger auftritt, als zunächst angenommen – sowohl in der öffentlichen Debatte als auch in institutionellen und regulatorischen Rahmenbedingungen. <strong>Diese Praxis trägt aktiv zur Legitimierung eines Systems bei, das auf der Ausbeutung von Tieren basiert. Indem sie problematische Praktiken als scheinbaren Fortschritt darstellt, neutralisiert sie Kritik und verhindert eine grundlegende Hinterfragung dieses Systems.</strong> In diesem Zusammenhang ist es wichtig, Kommunikation nicht mit tatsächlichem Wandel zu verwechseln und anzuerkennen, dass die angekündigten Verbesserungen strukturell begrenzt bleiben, solange die Ausbeutung von Tieren fortbesteht. Es erscheint daher für Tierrechtsorganisationen unerlässlich, diese Verschleierungsmechanismen aufzudecken, um ein breiteres Bewusstsein zu schaffen und einen kritischen Blick auf die Darstellungen des Tierschutzes zu fördern. Gleichzeitig ist es wichtig, realistische Initiativen zu unterstützen, welche das enorme Tierleid zumindest etwas reduzieren.</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li>Kristian Bjørkdahl und Karen Lykke Syse. (2021, 19. Januar). <a href="https://www.researchgate.net/publication/348807837_Welfare_Washing_Disseminating_Disinformation_in_Meat_Marketing">Welfare Washing: Disseminating Disinformation in Meat Marketing</a>, S. 3.</li><li>Swissveg. (2024). <a href="https://bc.pressmatrix.com/de/profiles/b6b0b8c11377/editions/ec2b04aa6a9044b111bc/pages/page/15">Vegan für die Tiere</a>, S. 29</li><li>Swissveg. (o. D.). <a href="https://www.swissveg.ch/de/eier?language=de#tierwohl">Ach du dickes Ei!</a></li><li>Observatoire du spécisme. (2026, 26. April). <a href="https://observatoireduspecisme.ch/nos-dossiers/welfare-washing/welfare-washing-intro/">«Tierwohl»: Welfare Washing im Dienste der speziesistischen Industrie (auf Französisch)</a></li><li>25.3231 Motion: «Anpassung der RAUS-Bestimmungen im Sinne von Umwelt und Tierwohl». Siehe <a href="https://www.swissveg.ch/de/fruehlingssession-2026">Frühlingssession 2026</a> und <a href="https://www.swissveg.ch/de/sommersession-2026">Sommersession 2026</a>.</li><li>Rindfleisch von Tieren, die betäubungslos kastriert oder enthornt wurden; Schweinefleisch, wenn die Kastration, das Kupieren des Schwanzes oder das Abklemmen der Zähne ohne Betäubung erfolgte; Eier und Fleisch von Hühnern, deren Schnabel ohne Schmerzausschaltung gekürzt wurde; Milch von Kühen, bei denen die Enthornung ohne Schmerzausschaltung erfolgte; Betäubungslos gewonnene Froschschenkel; Leber und Fleisch von Gänsen und Enten aus der Stopfmast.&nbsp;&nbsp;<br>Eidgenössisches Departement des Innern, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. (2026, 22. Juni). <a href="https://www.admin.ch/de/newnsb/ila6cbXvURvqAmTVtuXVr">Deklaration tierischer Lebensmittel: Vernehmlassung der Länderlistenverordnung eröffnet</a>.</li></ol></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="https://bc.pressmatrix.com/de/profiles/b6b0b8c11377/editions/ec2b04aa6a9044b111bc/pages/page/7">Tierschutz oder Tierrechte? (Kapitel aus unserer Broschüre «Vegan für die Tiere»)</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/widersprueche-schweizer-politik?language=de#widerspruch-2 ">Widersprüche der Schweizer Politik: Tierwohl vs. Gewinn</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/strenges-tierschutzgesetz-mangelhafter-vollzug?language=de">Widersprüche der Schweizer Politik: Strenges Tierschutzgesetz vs. mangelhafter Vollzug</a></li><li><a href="https://werbemist.ch/">Werbemist.ch: </a><a href="https://bc.pressmatrix.com/de/profiles/b6b0b8c11377/editions/ec2b04aa6a9044b111bc/pages/page/7">«</a><a href="https://werbemist.ch/">Werbung für Tierprodukte erzählt Mist»</a></li></ul></div> Fri, 26 Jun 2026 07:20:16 +0000 Amandine 4211 at https://www.swissveg.ch Welfare Washing: Ist die Schweiz wirklich ein Vorbild in Sachen «Tierschutz»? https://www.swissveg.ch/de/welfare-washing <span>Welfare Washing: Ist die Schweiz wirklich ein Vorbild in Sachen «Tierschutz»?</span> <span><span lang="" about="/de/user/2634" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Amandine</span></span> <span>26. Juni 2026 - 9:20</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p>Die Welt, in der wir leben, ist von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Speziesismus" target="_blank">Speziesismus</a> stark geprägt. Da unser Ernährungssystem weitgehend auf der Ausbeutung anderer Tiere beruht, können sich die meisten Menschen eine Welt ohne Tierhaltung nicht vorstellen. Daher wird Veganismus und Antispeziesismus oft als radikale Haltung wahrgenommen, da er eine soziale und wirtschaftliche Ordnung in Frage stellt, die weithin als selbstverständlich gilt.</p><p>Vor diesem Hintergrund können sich Tierschützer nicht immer auf einen streng <strong>abolitionistischen Ansatz</strong> beschränken, dessen Ziel die vollständige Beendigung jeglicher Form der Tierausbeutung ist. Auch wenn das Endziel tatsächlich darin besteht, die vom Mensch ausgehende Unterdrückung anderer fühlender Wesen zu beenden und somit die Tierhaltung sowie alle grausamen Praktiken gegenüber Tieren abzuschaffen, müssen wir die sozialen, kulturellen und politischen Rahmenbedingungen berücksichtigen, in denen unser Handeln stattfindet. Deshalb kann der Rückgriff auf <strong>bestimmte, sogenannte «tierschützerische», Strategien</strong> ebenfalls gerechtfertigt sein. Diese bestehen nicht darin, das System als Ganzes radikal zu verändern, sondern konkrete Verbesserungen der Lebensbedingungen der Tiere zu erreichen, die bereits unter den Folgen leiden. Ohne das Ziel der Abschaffung aus den Augen zu verlieren, können solche Massnahmen dazu beitragen, bereits jetzt einen Teil des Tierleids zu verringern, gleichzeitig die Öffentlichkeit für die Situation der Tiere zu sensibilisieren und den Weg für tiefgreifendere Veränderungen zu ebnen.</p><p>In einer Gesellschaft, die sogenannten «Nutztieren» wenig oder gar keine Beachtung schenkt und sie meist auf den Status von Produktionsmitteln oder Konsumgütern reduziert, stellt bereits die blosse Anerkennung ihrer Interessen und das Eintreten für eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen eine bedeutende Infragestellung der bestehenden Ordnung dar. <strong>Jede Massnahme, die dazu beiträgt, das Leid dieser Tiere zu verringern, stellt daher einen greifbaren Fortschritt dar und verdient Anerkennung.</strong></p><p>Es wäre jedoch gefährlich, jede scheinbare Verbesserung mit einem tatsächlichen Fortschritt hin zu mehr Gerechtigkeit für Tiere zu verwechseln. <strong>Zwar können tierschutzorientierte Reformen manchmal dazu beitragen, das Leiden der Tiere tatsächlich zu verringern, doch können sie auch instrumentalisiert werden, um grundlegend problematische Praktiken zu legitimieren und auf Dauer zu festigen. </strong>Es ist daher unerlässlich, unsere langfristigen (abolitionistischen) Ziele im Blick zu behalten und zu unterscheiden zwischen Massnahmen, die das Schicksal der Tiere tatsächlich verbessern, und solchen, die als<em> Welfare Washing</em> zu betrachten sind.</p><h3>Was ist Welfare Washing?</h3><p>Ähnlich wie beim Greenwashing, das Kommunikationsstrategien bezeichnet, mit denen sich ein Unternehmen oder eine Organisation trotz der negativen Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf die Umwelt ein umweltbewusstes Image verschafft, <strong>besteht Welfare Washing im Tierhaltungskontext darin, sich als tierwohlorientiert darzustellen und gleichzeitig die Realität der Tierhaltungspraktiken zu verschleiern, herunterzuspielen oder zu beschönigen.</strong><span class="fussnotenlink">1</span> Diese Strategie kann viele Formen annehmen: Produktverpackungen, Werbekampagnen, Websites, Nachhaltigkeitsberichte oder andere Kommunikationsmittel. Sie stützt sich oft auf den Einsatz vager oder positiv besetzter Begriffe («natürliches Produkt», «Freilandhaltung», «Tierwohl»), auf die Hervorhebung von Gütesiegeln, deren tatsächliche Tragweite manchmal begrenzt ist, sowie auf idealisierte Darstellungen, die glückliche Tiere zeigen, die sich in weitläufigen Freiflächen bewegen.</p><p>An Beispielen für Welfare Washing im Alltag der Verbraucher mangelt es nicht. Man denke beispielsweise an eine Käseverpackung, auf der eine Kuh und ihr Kalb zu sehen sind, die friedlich nebeneinander auf einer Wiese grasen, während in der Milchviehhaltung Kälber in der Regel kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden.<span class="fussnotenlink">2</span> Ebenso können bestimmte Angaben wie «Freilandhaltung» bei den Verbrauchern die Vorstellung wecken, dass die Tiere den Grossteil ihres Lebens im Freien verbringen, obwohl die tatsächlichen Haltungsbedingungen oft weit von dieser Vorstellung entfernt sind.<span class="fussnotenlink">3</span></p><p> </p><figure role="group" class="align-center"><img alt="" data-entity-type="file" data-entity-uuid="d359c86d-fc55-4de9-bce8-2e3d162c831d" height="1414" src="/sites/swissveg.ch/files/2026-07/Beispiele_Welfare_Washing_DE.jpg" width="67.33%" /><figcaption>Einige Beispiele für Welfare Washing in der Werbung. Quelle: <a href="https://www.instagram.com/werbemist.ch/" target="_blank">werbemist.ch</a></figcaption></figure><h3>Ziele und Folgen<span class="fussnotenlink">4</span></h3><p>Über die dabei eingesetzten Kommunikationstechniken hinaus erfüllt Welfare Washing mehrere wesentliche Funktionen. Zum einen lenkt es die Aufmerksamkeit von den problematischsten Aspekten der Tierausbeutung ab, indem es die Diskussion auf Massnahmen konzentriert, die angeblich die Haltungsbedingungen verbessern sollen. <strong>Die Frage lautet dann nicht mehr, ob die Nutzung von Tieren moralisch vertretbar ist, sondern lediglich, wie man sie akzeptabler gestalten kann.</strong> Die Debatte verlagert sich somit vom Bereich der Ethik hin zum Bereich des Managements und der Optimierung bestehender Praktiken.</p><p>Indem sie die Erzeuger, die Lieferketten und die Kontrollbehörden als voll und ganz dem Tierschutz verpflichtet darstellen, zielen Welfare-Washing-Diskurse darauf ab, die Tierfrage zu entpolitisieren. Da die Akteure der Branche sich des Problems angeblich bewusst sind und bereits daran arbeiten, es zu lösen, erscheint jegliches bürgerliches Eingreifen oder Wachsamkeit überflüssig. Die Öffentlichkeit wird somit dazu aufgefordert, den bestehenden Mechanismen zu vertrauen, anstatt das System selbst in Frage zu stellen. <strong>Die moralische Verantwortung wird auf die Institutionen und die Industrie übertragen</strong>, während den Verbrauchern die Vorstellung vermittelt wird, dass es nicht notwendig ist, sich weiter um das Schicksal der Tiere zu sorgen.</p><p>Welfare Washing trägt zudem dazu bei, Schuldgefühle zu vermeiden. Indem es die erzielten Fortschritte und die angeblich geltenden hohen Standards hervorhebt, <strong>ermöglicht es den Verbrauchern, weiterhin tierische Produkte zu kaufen und zu konsumieren – mit dem Gefühl, den wichtigsten ethischen Bedenken bereits Rechnung getragen zu haben</strong>. Das Leid und die Opfer, die dem Tierhaltungssystem innewohnen, rücken dann in den Hintergrund hinter dem Image einer Industrie, die sich um das Wohlergehen der Tiere kümmert.</p><p>Durch die Verbreitung unvollständiger oder idealisierter Darstellungen der Realität trägt Welfare Washing schliesslich dazu bei, <strong>die Unwissenheit der Öffentlichkeit über die tatsächlichen Lebensbedingungen der ausgebeuteten Tiere aufrechtzuerhalten</strong>. Je positiver das vermittelte Bild ist, desto weniger sind die Bürger motiviert, sich zu informieren, Nachforschungen anzustellen oder die Praktiken zu hinterfragen, die sich hinter den von ihnen konsumierten Produkten verbergen. So kommt es, dass man Aussagen wie «In der Schweiz gibt es keine Massentierhaltung», «Tierschutz steht in der Schweizer Landwirtschaft an erster Stelle» oder «Schweizer Kühe sind glückliche Kühe» hört oder sogar als selbstverständlich hinnimmt. Diese Aussagen, die in der Öffentlichkeit weit verbreitet sind, vermitteln ein besonders positives Bild der Tierhaltung, das manchmal in starkem Kontrast zur Realität steht, die die betroffenen Tiere erleben.</p><p> </p><figure role="group"><img alt="Werbung von Swissmilk. " auch="" echt="" im="" k="" raus.="" regelm="" src="/sites/swissveg.ch/files/2026-07/Beispiel_Swissmilk_Welfare_Washing_DE.jpg" stark:="" unsere="" winter="" /><figcaption>Werbung von Swissmilk. Siehe auch <a href="https://www.swissmilk.ch/winter" target="_blank">www.swissmilk.ch/winter</a></figcaption></figure><h3>Welfare Washing in der Schweizer Gesetzgebung</h3><p>Man hört oft, dass die Schweizer Tierschutzgesetzgebung zu den strengsten der Welt gehört. Tatsächlich gibt es ein Bundesgesetz über den Tierschutz (TSchG), das «den Schutz der Würde und des Wohlergehens der Tiere» zum Ziel hat. Konkretisiert wird dieses Gesetz durch die Tierschutzverordnung (TSchV), die Mindestanforderungen an die Tierhaltung festlegt. Allerdings macht diese Gesetzgebung das Wohlergehen der Tiere nicht zu einer absoluten Anforderung, sondern zu einem Aspekt, der mit der Nutzung der Tiere in Einklang gebracht werden muss. So muss jede Person, die mit Tieren umgeht, für deren Wohlergehen sorgen,</p><p class="zitat">«soweit es der Verwendungszweck zulässt» (TSchG, Art. 4).</p><p>Diese Formulierung zeigt, dass <strong>das Wohlergehen der Tiere nicht bedingungslos geschützt ist</strong>: Es bleibt den Zielen untergeordnet, die mit ihrer Nutzung verfolgt werden, insbesondere wenn diese mit Produktion und Rentabilität zusammenhängen.</p><p>Das Gleiche gilt für den Begriff der «Würde des Tieres»: Seit 1992 werden Tiere gesetzlich nicht als Gegenstände, sondern als empfindungsfähige Wesen anerkannt, deren innerer Wert zu achten ist (BV, Art. 120 Abs. 2). Dieser Grundsatz ist jedoch nicht absolut:</p><p class="zitat">«Die Würde des Tieres wird missachtet, wenn eine Belastung des Tieres nicht durch überwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann.» (TSchG, Art. 3 Bst. a)</p><p>Wie das Tierwohl unterliegt auch die Würde der Tiere somit einer <strong>Interessenabwägung</strong>. In der Praxis haben die wirtschaftlichen Erfordernisse der Tierhaltung oft Vorrang vor der Achtung ihres inneren Wertes.</p><p>Das Schweizer Tierschutzsystem ist bei weitem nicht so vorbildlich, wie es scheint, sondern erinnert vielmehr an Welfare Washing: Es vermittelt den Eindruck, dass die Schweizer Landwirtschaft besonders strenge Standards erfüllt und dass die in unserem Land gehaltenen Tiere ein hohes Schutzniveau geniessen, während ihr Wohlergehen und ihre Würde weiterhin den Erfordernissen der Produktion und der Rentabilität untergeordnet sind. Zudem werden die bestehenden Vorschriften weder konsequent durchgesetzt noch systematisch kontrolliert. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserer Kampagne <a href="https://www.swissveg.ch/de/widersprueche-schweizer-politik?language=de">«Widersprüche der Schweizer Politik»</a>, insbesondere in den Abschnitten <a href="https://www.swissveg.ch/de/widersprueche-schweizer-politik?language=de#widerspruch-2 ">«Tierwohl vs. Gewinn»</a> und <a href="https://www.swissveg.ch/de/strenges-tierschutzgesetz-mangelhafter-vollzug?language=de">«Strenges Tierschutzgesetz vs. mangelhafter Vollzug»</a>.</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3>RAUS-Programm</h3><p>Zu den weiteren Beispielen für Welfare Washing im Schweizer Rechtsrahmen zählt das Programm «Regelmässiger Auslauf im Freien» (RAUS). Obwohl dieses Programm eigentlich den Zugang der Tiere zu Aussenbereichen fördern soll, haben dieses Jahr die eidgenössischen Räte einer Lockerung der Kriterien zugestimmt, wodurch bestimmte Auslaufbereiche in Innenräumen als «Auslauf im Freien» eingestuft werden können.<span class="fussnotenlink">5</span> Diese Entwicklung veranschaulicht, wie <strong>Massnahmen, die als tierwohlfördernd dargestellt werden, nach und nach ihrer Substanz beraubt werden können, während sie gleichzeitig ihre Bezeichnung und ihre Kommunikationsfunktion behalten</strong>.</p><h3>Deklarationspflicht</h3><p>Ein anderes Beispiel für Welfare Washing ist die Einführung einer Deklarationspflicht ab dem 1. Juli 2027 für bestimmte tierische Lebensmittel, die von Tieren stammen, bei denen bestimmte schmerzhafte Eingriffe<span class="fussnotenlink">6</span> ohne Betäubung vorgenommen wurden. Diese Vorschrift beendet diese Praktiken jedoch nicht; sie beschränkt sich darauf, die Verbraucherinnen und Verbraucher über deren Existenz zu informieren, während ihre Fortsetzung weiterhin erlaubt ist. Mit anderen Worten: <strong>Sie regelt und normalisiert Praktiken, die als Ursachen für Tierleid anerkannt sind, anstatt sie zu verbieten.</strong> Darüber hinaus reduziert diese Bestimmung die Frage des Tierschutzes allein auf das Fehlen einer Betäubung bei bestimmten Eingriffen. Sie verschleiert die Tatsache, dass zahlreiche andere Praktiken in der Tierhaltung und bei der Schlachtung ebenfalls Stress, Angst und Leiden verursachen können, selbst wenn die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden. Aus ethischer Sicht stellt diese Massnahme daher keinen bedeutenden Fortschritt für die Tiere dar. <strong>Sie vermittelt den Eindruck, dass das Problem angegangen wird, ohne jedoch das System in Frage zu stellen, das diese Praktiken erst ermöglicht.</strong> Um dem Leiden der Tiere ein Ende zu setzen, sind keine neuen Angaben auf den Verpackungen erforderlich, sondern eine tiefgreifende Umgestaltung unseres Ernährungssystems hin zu Modellen, die keine Ausbeutung von Tieren mehr beinhalten. </p></div><h3>Fazit</h3><p>Obwohl der Begriff Welfare Washing noch wenig bekannt ist, handelt es sich um ein Phänomen, das weitaus häufiger auftritt, als zunächst angenommen – sowohl in der öffentlichen Debatte als auch in institutionellen und regulatorischen Rahmenbedingungen. <strong>Diese Praxis trägt aktiv zur Legitimierung eines Systems bei, das auf der Ausbeutung von Tieren basiert. Indem sie problematische Praktiken als scheinbaren Fortschritt darstellt, neutralisiert sie Kritik und verhindert eine grundlegende Hinterfragung dieses Systems.</strong> In diesem Zusammenhang ist es wichtig, Kommunikation nicht mit tatsächlichem Wandel zu verwechseln und anzuerkennen, dass die angekündigten Verbesserungen strukturell begrenzt bleiben, solange die Ausbeutung von Tieren fortbesteht. Es erscheint daher für Tierrechtsorganisationen unerlässlich, diese Verschleierungsmechanismen aufzudecken, um ein breiteres Bewusstsein zu schaffen und einen kritischen Blick auf die Darstellungen des Tierschutzes zu fördern. Gleichzeitig ist es wichtig, realistische Initiativen zu unterstützen, welche das enorme Tierleid zumindest etwas reduzieren.</p></div> <div class="fussnoten"> <div class="item"> <ol><li>Kristian Bjørkdahl und Karen Lykke Syse. (2021, 19. Januar). <a href="https://www.researchgate.net/publication/348807837_Welfare_Washing_Disseminating_Disinformation_in_Meat_Marketing">Welfare Washing: Disseminating Disinformation in Meat Marketing</a>, S. 3.</li><li>Swissveg. (2024). <a href="https://bc.pressmatrix.com/de/profiles/b6b0b8c11377/editions/ec2b04aa6a9044b111bc/pages/page/15">Vegan für die Tiere</a>, S. 29</li><li>Swissveg. (o. D.). <a href="https://www.swissveg.ch/de/eier?language=de#tierwohl">Ach du dickes Ei!</a></li><li>Observatoire du spécisme. (2026, 26. April). <a href="https://observatoireduspecisme.ch/nos-dossiers/welfare-washing/welfare-washing-intro/">«Tierwohl»: Welfare Washing im Dienste der speziesistischen Industrie (auf Französisch)</a></li><li>25.3231 Motion: «Anpassung der RAUS-Bestimmungen im Sinne von Umwelt und Tierwohl». Siehe <a href="https://www.swissveg.ch/de/fruehlingssession-2026">Frühlingssession 2026</a> und <a href="https://www.swissveg.ch/de/sommersession-2026">Sommersession 2026</a>.</li><li>Rindfleisch von Tieren, die betäubungslos kastriert oder enthornt wurden; Schweinefleisch, wenn die Kastration, das Kupieren des Schwanzes oder das Abklemmen der Zähne ohne Betäubung erfolgte; Eier und Fleisch von Hühnern, deren Schnabel ohne Schmerzausschaltung gekürzt wurde; Milch von Kühen, bei denen die Enthornung ohne Schmerzausschaltung erfolgte; Betäubungslos gewonnene Froschschenkel; Leber und Fleisch von Gänsen und Enten aus der Stopfmast.&nbsp;&nbsp;<br>Eidgenössisches Departement des Innern, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. (2026, 22. Juni). <a href="https://www.admin.ch/de/newnsb/ila6cbXvURvqAmTVtuXVr">Deklaration tierischer Lebensmittel: Vernehmlassung der Länderlistenverordnung eröffnet</a>.</li></ol></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><a href="https://bc.pressmatrix.com/de/profiles/b6b0b8c11377/editions/ec2b04aa6a9044b111bc/pages/page/7">Tierschutz oder Tierrechte? (Kapitel aus unserer Broschüre «Vegan für die Tiere»)</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/widersprueche-schweizer-politik?language=de#widerspruch-2 ">Widersprüche der Schweizer Politik: Tierwohl vs. Gewinn</a></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/strenges-tierschutzgesetz-mangelhafter-vollzug?language=de">Widersprüche der Schweizer Politik: Strenges Tierschutzgesetz vs. mangelhafter Vollzug</a></li><li><a href="https://werbemist.ch/">Werbemist.ch: </a><a href="https://bc.pressmatrix.com/de/profiles/b6b0b8c11377/editions/ec2b04aa6a9044b111bc/pages/page/7">«</a><a href="https://werbemist.ch/">Werbung für Tierprodukte erzählt Mist»</a></li></ul></div> Fri, 26 Jun 2026 07:20:16 +0000 Amandine 4211 at https://www.swissveg.ch Pflanzlich vs. Tierisch: Der Swissveg-Preisvergleich 2026 https://www.swissveg.ch/de/preisvergleich-fleischalternativen-2026 <span>Pflanzlich vs. Tierisch: Der Swissveg-Preisvergleich 2026</span> <span><span lang="" about="/de/user/3031" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Joelle</span></span> <span>19. Juni 2026 - 10:19</span> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p class="einleitung">Seit der letztjährigen Swissveg-Auswertung 2025 hat sich der Markt für pflanzliche Fleischalternativen weiterentwickelt und die Diskussion um faire Preise für pflanzliche und tierische Produkte hat zusätzlich an Dynamik gewonnen. In den vergangenen Jahren haben sich die Regale der Detailhändler spürbar mit veganen Produkten gefüllt. Gleichzeitig schwankt der Anteil vegetarisch und vegan lebender Menschen leicht, was zeigt, dass Preisfragen und Kaufgewohnheiten weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund untersucht Swissveg regelmässig, wie sich die Preise von Fleisch und pflanzlichen Alternativen in der Schweiz entwickeln. Der aktuelle Report knüpft an die letztjährige Auswertung an und beleuchtet, wie sich Angebot, Nachfrage und Preisstruktur seit 2025 verändert haben.</p><h4>Rückblick Preisvergleich 2025 und Markttrend</h4><p>Die letztjährige Analyse zeigte, dass pflanzliche Fleischalternativen in der Schweiz je nach Produktkategorie noch immer teurer sind als die entsprechenden tierischen Produkte.<strong> Günstige Eigenmarken wie M-Budget oder Prix Garantie</strong> konnten diesen Preisaufschlag teilweise abfedern und sorgten in einzelnen Kategorien sogar für Preisparität oder leicht tiefere Preise. Insgesamt betonten die befragten Detailhändler, dass in den kommenden Jahren weitere Preissenkungen sowie eine Ausweitung des pflanzlichen Sortiments zu erwarten seien. Im Warenkorbvergleich kamen insbesondere Discounter gut weg, die mit tiefen Preisen bei pflanzlichen Produkten nahe an die Kosten für Fleisch herankamen. Ein besonderes Augenmerk lag bereits damals auf <strong>Aldi Suisse</strong>, wo ab 2026 ein gemeinsam mit Swissveg entwickeltes rein veganes Basissortiment dauerhaft erhältlich sein soll.</p><p> </p><h4>MACH-Umfrage 2025</h4><p>Gemäss der aktuellen <a href="https://wemf.ch/de/medienstudien/intramediastudien/mach-consumer/" target="_blank">MACH-Umfrage</a> ernähren sich 2025 rund 5,0 Prozent der Bevölkerung vegetarisch oder vegan, nach einem Höchststand von 5,3 Prozent im Vorjahr. Dieser leichte Rückgang deutet darauf hin, dass sich der starke Aufwärtstrend der letzten Jahre vorerst stabilisiert hat. Gleichzeitig greifen immer mehr Menschen unabhängig von ihrer grundsätzlichen Ernährungsweise zu pflanzlichen Alternativen. Bereits 55 Prozent der Gesamtbevölkerung konsumieren Fleischalternativen und 38,5 Prozent nutzen Milchalternativen. Diese Zahlen zeigen, dass <strong>vegane Produkte in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind</strong> und längst nicht mehr nur für eine klar definierte vegane oder vegetarische Zielgruppe relevant sind. Wie sich diese breite, flexitarisch geprägte Nachfrage weiterentwickelt, wird entscheidend dafür sein, wohin sich die Preise künftig bewegen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob und wie der Detailhandel im Jahr 2026 bereits auf diese veränderte Nachfrage reagiert hat.</p><p> </p><h4>Detailhändler unter der Lupe</h4><p>Für den Preisvergleich 2026 wurden wie im Vorjahr die Sortimente von Fleisch und pflanzlichen Fleischalternativen bei <strong>Coop</strong>, <strong>Migros</strong>, <strong>Aldi Suisse</strong> und <strong>Lidl Schweiz</strong> untersucht. Dabei wurden pro Kategorie jeweils die günstigsten und teuersten Produkte erfasst, um die Preisunterschiede zwischen tierischen und pflanzlichen Varianten möglichst vergleichbar abzubilden.</p><p> </p><figure role="group" class="align-center"><a href="/sites/swissveg.ch/files/2026-05/Preisvergleich_Retailer_Fleisch_Alternativen_2026.webp"><img alt="" data-entity-type="file" data-entity-uuid="35e61176-64ab-488e-9356-87fadc35e92c" src="/sites/swissveg.ch/files/2026-05/Preisvergleich_Retailer_Fleisch_Alternativen_2026.webp" width="80%" /></a> <figcaption><a href="/sites/swissveg.ch/files/2026-05/Preisvergleich_Retailer_Fleisch_Alternativen_2026.webp">Abbildung 1: Darstellung der durchschnittlichen Verkaufspreise von tierischen Fleischwaren und veganen Alternativen (CHF/100 g) bei Coop, Migros, Aldi Suisse und Lidl Schweiz im Jahr 2026, aufgeschlüsselt nach Produktkategorien Aufschnitt, Bratwurst, Burger, Fischstäbchen, Geschnetzeltes, Hackfleisch und paniertes Schnitzel.</a></figcaption></figure><p> </p><p>Die erfassten Preise für 2026 zeigen, dass pflanzliche Alternativen je nach Händler und Produktkategorie weiterhin unterschiedlich stark über oder unter den Preisen der tierischen Vertreter liegen. Bei Lidl Schweiz und Aldi Suisse bewegen sich die Preisunterschiede meist in einem moderaten Bereich, einzelne vegane Produkte wie Hackfleisch sind dort bereits um ein Vielfaches günstiger als das tierische Pendant. In der Migros fällt insbesondere der vegane Aufschnitt deutlich teurer aus als die tierische Variante, während bei Coop mehrere vegane Produkte wie Aufschnitt oder paniertes Schnitzel Aufschläge von teils über einem Franken pro 100 Gramm aufweisen. Insgesamt wird damit klar, dass die Wahl der Verkaufsstelle einen erheblichen Einfluss darauf hat, ob sich pflanzliche Alternativen für Konsumentinnen und Konsumenten preislich lohnen.</p><p> </p><figure role="group"><a href="/sites/swissveg.ch/files/2026-05/Preisvergleich_Retailer_Fleischalternativen_2026_2025.webp"><img alt="" data-entity-type="file" data-entity-uuid="5b0c0473-7111-4ff4-84f0-5d00a808fd32" height="2946" src="/sites/swissveg.ch/files/2026-05/Preisvergleich_Retailer_Fleischalternativen_2026_2025.webp" width="80.24%" /></a> <figcaption><a href="/sites/swissveg.ch/files/2026-05/Preisvergleich_Retailer_Fleischalternativen_2026_2025.webp">Abbildung 2: Darstellung der durchschnittlichen Verkaufspreise veganer Fleischalternativen (CHF/100 g) bei Coop, Migros, Aldi Suisse und Lidl Schweiz in den Jahren 2025 und 2026, aufgeschlüsselt nach Produktkategorien Aufschnitt, Bratwurst, Burger, Fischstäbchen, Geschnetzeltes, Hackfleisch und paniertes Schnitzel.</a></figcaption></figure><p> </p><p>Die Auswertung der Produktpreise zeigt, dass sich das generelle Preisniveau sowohl bei veganen Fleischalternativen als auch bei Fleischwaren tierischen Ursprungs zwischen 2025 und 2026 nur moderat verändert hat. Insgesamt sind eher feine Anpassungen in einzelnen Kategorien erkennbar als grundlegende Verschiebungen. Bei den veganen Produkten bleiben viele Artikel über alle Händler hinweg preislich stabil, einzelne Kategorien werden jedoch spürbar günstiger oder teurer. Auffällig ist insbesondere Aldi Suisse, wo veganes Geschnetzeltes von rund 2,45 auf etwa 1,28 Franken pro 100 Gramm fällt, das Hackfleisch von circa 1,70 auf 1,25 Franken sinkt und panierte Schnitzel von 1,43 auf 1,28 Franken günstiger werden. Auch bei Migros und Coop kommt es zu punktuellen Preissenkungen etwa bei Bratwürsten, Aufschnitt oder Hackfleisch, während andere Kategorien je nach Händler leicht steigen oder sinken. Lidl Schweiz zeigt insgesamt stabile bis steigende Preise: Während Aufschnitt und Burger auf Vorjahresniveau bleiben, verteuern sich insbesondere Bratwürste (von 1,59 auf 2,11 Franken pro 100 Gramm) deutlich, und auch Hackfleisch sowie panierte Schnitzel werden etwas teurer.</p><p> </p><p>Die detaillierte Auswertung der Preisunterschiede nach Kategorien zeigt zusätzlich, dass<strong> veganes Hackfleisch </strong>und<strong> vegane unpanierte Burger</strong> <strong>in allen vier Detailhändlern deutlich günstiger sind als die entsprechenden Fleischprodukte</strong>. Die absolut günstigsten veganen Angebote jeder Kategorie finden sich jeweils bei Aldi Suisse oder Lidl Schweiz, was ihre Rolle als preisliche Anlaufstelle für pflanzliche Produkte unterstreicht. Die stärksten Aufschläge für vegane Varianten treten bei den Fischstäbchen im Coop und beim Aufschnitt in der Migros auf, wo die pflanzlichen Produkte jeweils mehr als doppelt so teuer sind wie die tierischen. Auffällig ist zudem, dass ausgerechnet die veganen Fischstäbchen in der Migros im direkten Vergleich klar günstiger sind als die Variante aus Fisch.</p><p> </p><figure role="group"><a href="/sites/swissveg.ch/files/2026-06/Preisvergleich_Fleischaltern_Alternativen_Guenstiger.webp"><img alt="" data-entity-type="file" data-entity-uuid="1ca9c82e-e835-4b2b-a2aa-f3c35616ca2f" height="1260" src="/sites/swissveg.ch/files/2026-06/Preisvergleich_Fleischaltern_Alternativen_Guenstiger.webp" width="80.24%" /></a> <figcaption><a href="/sites/swissveg.ch/files/2026-06/Preisvergleich_Fleischaltern_Alternativen_Guenstiger.webp">Abbildung 3: Preise in CHF/100 g veganer Alternativen im Verhältnis zu tierischen Produkten in Schweizer Supermärkten.</a></figcaption></figure><p>Ergänzend zur Betrachtung einzelner Produkte zeigt der Blick auf die durchschnittliche Preisentwicklung über alle Kategorien, dass die <strong>Preise veganer Fleischalternativen insgesamt stärker gesenkt</strong> wurden als jene der Fleischprodukte. Coop und Migros reduzieren die Preise ihrer veganen Artikel im Schnitt um rund 3 beziehungsweise 2 Prozent, bei Aldi Suisse liegt das Minus sogar bei gut 12 Prozent, während Lidl Schweiz seine veganen Produkte um etwa 4 Prozent verteuert. Bei den Fleischwaren fallen die Anpassungen deutlich kleiner aus: Coop erhöht die Preise im Mittel um rund 1,5 Prozent, Migros um etwa 0,3 Prozent, während Aldi Suisse seine Fleischprodukte im Schnitt um knapp 1,6 Prozent und Lidl Schweiz um rund 0,6 Prozent senkt.</p><figure role="group" class="align-center"><a href="/sites/swissveg.ch/files/2026-06/Preisvergleich_Fleischaltern_Alternativen_Guenstigste_Produkte_nach_Kategorie.webp"><img alt="" data-entity-type="file" data-entity-uuid="39e6ecbe-1012-43f8-9c3f-b7ce3d66f542" height="1949" src="/sites/swissveg.ch/files/2026-06/Preisvergleich_Fleischaltern_Alternativen_Guenstigste_Produkte_nach_Kategorie.webp" width="46.42%" /></a> <figcaption><a>Abbildung 4: Günstigste vegane Alternativen sind bei Aldi Suisse und Lidl Schweiz zu finden.</a></figcaption></figure><p> </p><h4>Stellungnahme der Detailhändler</h4><p>Die analysierten Detailhändler wurden um eine kurze Stellungnahme zu den präsentierten Resultaten und ihrer Preisstrategie bei pflanzlichen Fleischalternativen gebeten. Die folgenden Rückmeldungen fassen die wichtigsten Punkte zusammen.</p><p><strong>Coop</strong> verweist darauf, dass pflanzliche Fleischalternativen aufgrund anderer Produktionsprozesse, höherer Entwicklungs- und Herstellungskosten sowie kleinerer Produktionsmengen nur bedingt mit Fleischprodukten vergleichbar sind. Diese Faktoren beeinflussten die Preise, während Fleischprodukten teils stark schwankende Marktmechanismen zugrunde liegen. Coop betont das Ziel, faire und marktgerechte Preise anzubieten, weist auf den Einfluss der Einkaufspreise bei Markenprodukten hin und hält fest, dass einzelne pflanzliche Alternativen preislich mit Fleisch mithalten oder sogar günstiger sein können.</p><p><strong>Migros</strong> hält fest, dass sich die Preise je nach Kategorie unterschiedlich entwickeln und verweist darauf, dass pflanzliche Alternativen und Fleischprodukte teils unterschiedliche Rohstoffe, Herstellungsverfahren und Beschaffungswege haben. Ziel sei es, den Kundinnen und Kunden sowohl bei Fleischprodukten als auch bei pflanzlichen Alternativen – inklusive der Eigenmarke V‑Love – ein attraktives und breit abgestütztes Angebot zu bieten, wobei die Preise produktbezogen und auf Basis der jeweiligen Kosten- und Nachfragesituation festgelegt werden. Pflanzliche Produkte bleiben laut Migros ein wichtiger Teil des Sortiments, das laufend weiterentwickelt wird, damit die Kundschaft in verschiedenen Preislagen eine gute Auswahl findet; zu möglichen künftigen Preisanpassungen äussere man sich jedoch nicht im Voraus.</p><p><strong>Aldi Suisse</strong> hebt hervor, dass das Unternehmen als Discounter auf gute Qualität zu möglichst tiefen Preisen setzt. Ermöglicht werde dies durch effiziente Prozesse, ein fokussiertes Sortiment und die Weitergabe von Kostenvorteilen an die Kundschaft. Ein direkter Vergleich mit Fleisch sei nur bedingt sinnvoll, insgesamt sieht Aldi jedoch keinen generellen Mehrpreis bei veganen Fleischalternativen und verweist auf ein bewusst ausgewähltes, laufend ausgebautes Sortiment, das durch Aktionen zusätzlich gefördert wird.</p><p><strong>Lidl Schweiz</strong> versteht pflanzliche Proteinquellen als wichtigen Baustein einer bewussten Ernährung im Sinne der Planetary Health Diet. Gemäss eigener «Protein-Split»-Auswertung liegt der pflanzliche Anteil im Sortiment derzeit bei 18 Prozent und soll bis 2030 auf 20 Prozent steigen, bei Molkereiprodukten ist eine Verdoppelung von 5 auf 10 Prozent pflanzliche Alternativen geplant. Bei der Preisgestaltung betont Lidl die unterschiedlichen Rohstoffmärkte von Fleisch und pflanzlichen Alternativen und stellt Qualität, Textur und Geschmack in den Vordergrund, statt einen aggressiven Preiskampf mit Fleischprodukten zu führen.</p><p> </p><h4>Diskussion &amp; Fazit</h4><p>Der Vergleich der Jahre 2025 und 2026 zeigt, dass der Schweizer Detailhandel sein veganes Angebot zwar ausbaut, dies aber insgesamt in moderatem Tempo tut. Der Preisvergleich 2026 macht sichtbar, dass pflanzliche Alternativen in der Schweiz noch oft teurer sind als Fleisch, <strong>bei gewissen Produkten jedoch je nach Detailhändler deutlich näher an die tierischen Preise heranrücken oder bereits darunter liegen</strong>. Coop und Migros betonen in ihren Stellungnahmen Kostenstrukturen, Produktionsprozesse und den Anspruch auf faire, marktgerechte Preise, während die Zahlen zeigen, dass sie ihre veganen Artikel im Schnitt leicht verbilligen und Fleischprodukte nur geringfügig anpassen. Aldi hebt seine Discount-Strategie und Kostenvorteile hervor und setzt angekündigte Preissenkungen bei veganen Artikeln sichtbar um, während Lidl Schweiz das pflanzliche Sortiment strategisch ausbaut, preislich aber vorsichtiger agiert und stärker auf Qualitätsargumente verweist. Vor dem Hintergrund einer eher stabilen Zahl vegan und vegetarisch lebender Personen und leicht rückläufiger Verkäufe von Fleischalternativen justieren die Detailhändler ihre Sortimente und Preise gezielt, setzen aber<strong> noch keinen breit abgestützten Wachstumsschub</strong> hin zu durchgehend günstigeren pflanzlichen Alternativen in Gang. Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet dies, dass sich der<strong> Griff zu pflanzlichen Optionen finanziell immer häufiger lohnt</strong>, insbesondere wenn<strong> Preise bewusst verglichen und günstige Eigenmarken sowie Discounter genutzt werden</strong>.</p><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3>Methodik</h3><p>Die Datenerhebung erfolgte überwiegend online in Kalenderwoche 16 (2026). Einzelne Produkte wurden ergänzend direkt im Geschäft erfasst, wenn sie online nicht verfügbar waren. Für den Preisvergleich wurde jeweils das günstigste und das teuerste Produkt pro Kategorie berücksichtigt – sowohl für tierische als auch für pflanzliche Varianten. Aus diesen beiden Werten wurde ein Mittelwert gebildet. Um die Vergleichbarkeit zum Vorjahr zu gewährleisten, wurde versucht, dieselben Produkte zu berücksichtigen. Da einige Artikel nicht mehr im Sortiment waren, wurden in solchen Fällen möglichst ähnliche Alternativen gewählt.</p></div><div data-ui-role="accordion" data-ui-collapsed="true"><h3>Limitationen</h3><p>Der Swissveg-Vergleich stellt eine Momentaufnahme dar. Saisonale Preisschwankungen wurden nicht berücksichtigt. Die Datenerhebung erfolgte online bei Coop und Migros sowie vor Ort bei Aldi Suisse und Lidl Schweiz. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Produkte (etwa aufgrund weniger auffälliger Platzierung) übersehen wurden. Zudem bestehen teilweise Abweichungen zwischen den berücksichtigten Produkten im Vergleich zum Vorjahr.</p></div></div> <div class="title-weitere-infos"> Weitere Infos </div><div class="item"> <ul><li><p style="margin-bottom:0cm;"><a href="https://www.swissveg.ch/de/preisvergleich-2025" target="_blank">Pflanzlich vs. Tierisch: Der Swissveg-Preisvergleich 2025</a></p></li><li><a href="https://www.swissveg.ch/de/swissveg-analyse-statistiken-2025" target="_blank">Swissveg-Analyse 2025: Wie steht es um die Anzahl Veganer und Vegetarier?</a></li><li>Vegconomist: <a href="https://vegconomist.de/markt-und-trends/preisstudie-pflanzliche-basics-in-niederlande-supermarkt-30-prozent-gunstiger-als-tierische-produkte/" target="_blank">Preisstudie: Pflanzlicher Warenkorb in niederländischen Supermärkten bis zu 30 % günstiger als tierischer</a>, 19.8.2026</li></ul></div> Fri, 19 Jun 2026 08:19:39 +0000 Joelle 4210 at https://www.swissveg.ch