Gans

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Gans, Gänse, Foie gras

Gänse sind liebevolle Eltern, die sich aufopfernd um ihren Nachwuchs kümmern. Sie gehen starke Bindungen ein und bilden Partnerschaften, die ein Leben lang halten. Leider werden Gänse wie auch Enten oft nur als blosse Nutztiere betrachtet. Sie dienen uns Menschen als Fleisch- und Daunenproduzenten. Die Tiere leiden besonders für die vermeintliche «Delikatesse» Gänsestopfleber, auch Foie Gras genannt.

Fakten und Interessantes

Steckbrief

  • Gänse schlagen mit ihen Warnrufen mindestens genau so zuverlässig Alarm wie Hunde. 

  • Nach dem Schlüpfen wissen die Küken noch nicht wer ihre Mutter ist. Sie prägen sich das Lebewesen ein, das sie zuerst erblicken. Wenn der erste Blick auf einen Menschen fällt, so wird das Kleine versuchen dieser Person zu folgen.  

  • Das Putzen ihres Federkleides ist für die Gänse keine lästige Pflicht, sondern ein Genuss. 

  • Gänse hören, sehen und riechen hervorragend.

  • Gänse können sehr laut sein. Man kann von Weitem hören, wenn sich ein Gänseschwarm schnatternd nähert. 

  • Gänseküken nennt man auch «Gössel». Der Vater heisst «Ganter» und die Mutter «Gans».      

  • Gänse haben im Vergleich zu den Enten einen längeren Hals. 

  • Gänse werden häufig als Weidetiere bezeichnet – sie lieben frisches Gras. Sie sind aber Wasservögel. 1

Interessantes

Wildgänse sind Zugvögel. Sie sind in der Lage, sehr weite Strecken zurückzulegen. Domestizierte Hausgänse sind meistens flugunfähig. Dank ihrer kräftigen Beine sind sie aber gut zu Fuss unterwegs, sie spazieren gerne einige Kilometer pro Tag. Schwimmhäute zwischen den Zehen sowie die Fähigkeit, zu schwimmen, besitzen alle Arten von Gänsen. Unter natürlichen Bedingungen kann eine Gans ein Alter von 15-20 Jahren 3 erreichen. 2 

 

Bedürfnisse

Bewegen

Gänse werden häufig als Weidetiere bezeichnet. Sie mögen frisches Gras und verzehren dabei beachtliche Mengen. Nichts desto trotz sind und bleiben sie Wasservögel. Sie lieben es, zu baden und betreiben gerne ausführliche Gefiederpflege. 

Ruhen

Gänse ruhen gerne nach jeder Mahlzeit. Nachts schlafen Gänse bevorzugt auf dem Wasser, um vor Füchsen und anderen Feinden sicher zu sein. Dabei stecken sie den Kopf unter einen Flügel. 

Fressen

Die Gans ernährt sich herbivor, ist also eine Pflanzenfresserin. Die Nahrung besteht aus Gräsern, Pflanzen, Beeren oder Wurzeln. 

 

Fortpflanzung

Gänse gehen monogame Beziehungen ein, die ein Leben lang halten. Stirbt eine Gans, bleibt ihr Partner oft für den Rest seines Lebens allein. 
Die Paarung findet im Wasser statt. Das mit Federn und Daunen ausgekleidete Nest wird auf dem Boden, in hohem Gras oder Schilf gebaut. Die weibliche Gans legt ihre Eier dort ab. Die Brutzeit beträgt etwa einen Monat. Es brütet allein das Weibchen. Der Ganter behält die Umgebung im Auge. 
Die Aufzucht der Gänseküken wird von Gans und Ganter gemeinsam übernommen. Im Wasser schwimmt die Gans voraus, gefolgt von ihren Küken. Der Ganter schwimmt hinterher und gibt acht, dass kein Junges zurückbleibt. 

Sozialkontakt

Gänse sind gesellige Vögel. Sie kommunizieren mithilfe zahlreicher Laute und Bewegungen miteinander und erkennen sich gegenseitig. 
Gänse sind sehr sensible Tiere und können ebenso Emotionen empfinden wie wir Menschen. Stirbt der Lebenspartner ziehen sie sich zurück und trauern eine lange Zeit. 1

 

Haltungsformen

Eine Gans freut sich über viel Auslauf, saftige Wiesen – und sie liebt es, zu schwimmen. 

Weidehaltung

Über eine Weidehaltungen mit viel Auslauf und reichlich Bademöglichkeiten kann den Bedürfnissen einer Hausgans entsprochen werden. 

Mastbetriebe

Grosse Mastbetriebe bedeuten für die sensiblen Wasservögel, dass ihnen nahezu alles verwehrt wird, was ein artgerechtes Leben für sie bedeuten würde. In der Schweiz gibt es keine Intensiv-Mastbetriebe für Gänse. Weitere Informationen rund um die Gänsemast gibt es im Abschnitt «Fleisch» zu lesen.

 

Zucht und Nutzung

Fleisch

In der Schweiz hat die Weihnachtsgans keine grosse Tradition. Trotzdem werden auch in der Schweiz Gänse gegessen. In der Schweiz werden die Gänse von den Bauern in kleinen Herden aufgezogen. Es existiert hierzulande keine Intensiv-Mast für Gänse. Auch wenn die Haltebedingungen gegenüber den grossen Mastbetrieben im Ausland  besser sind – auch in kleinen Herden werden die Tiere irgendwann ihrem einzigen Bestimmungszweck zugeführt: der Schlachtung und dem anschliessenden Verzehr. 
Länder wie beispielsweise Ungarn oder Polen betreiben grosse Mastbetriebe. Die Tiere müssen sehr schnell an Gewicht zulegen, deswegen nennt man sie auch Schnellmastgänse. Sie leiden unter den Haltungsbedingungen. Zudem wird den Gänsen meist ihr wichtigstes Element vorenthalten: Wasser. Offene Wasserflächen sind sehr wichtig für das Wohlbefinden der Wasservögel. Für die sensiblen Vögel bedeutet das, dass ihnen nahezu alles verwehrt wird, was ein artgemässes Leben für sie bedeuten würde. Gelenkentzündungen, Atemnot, gebrochene Beine oder der vorzeitige Tod durch das Zertrampeln durch Artgenossen können die Folgen der Haltungsbedingungen in der Mast sein. 4

Daunen

Daunen sind Enten- oder Gänseflaum, die den Tieren lebend oder nach dem Schlachten gerupft werden, wodurch jene frieren und wir schön warm haben. Daunen werden zur Füllung von Daunenjacken, Bettdecken und Kopfkissen genutzt. Es gibt zwei Arten, Daunen zu gewinnen: 

Lebendrupf

Ziel des Lebendrupfens ist es, ein Maximum an Federn und Daunen vom lebenden Tier zu gewinnen. Die Gänse leiden sehr während dieser Prozedur, gerupft wird von Hand und das sehr schnell und grob. Vor allem Daunen von wiederholt gerupften «Elterntieren» sind sehr beliebt und werden typischerweise für hochwertige Produkte verwendet.
Der Begriff «Elterntiere» bezieht sich auf Tiere, die ausschliesslich für die Produktion von Nachkommen verwendet werden, die dann für die Fleischindustrie geschlachtet werden. Elterntiere können in ihrem Leben bis zu 16 Mal gerupft werden, sie werden 4 bis 5 Jahre ausgebeutet.
Während des schmerzhaften Rupfens werden die Tiere häufig verletzt. Offene Wunden oder gebrochene Flügel sind keine Seltenheit. Die Wunden werden ohne vorgängige Betäubung genäht. Nach dem Rupfen zeigen die Gänse Anzeichen von Angst und Verzweiflung. 5

Totrupf

Auch das Rupfen von «Schlachttieren» ist nicht wirklich rühmenswert – auch wenn dies viele Firmen gerne so sehen würden. Die Tiere werden dabei hauptsächlich für die Fleischerzeugung verwendet und nicht explizit für den Rupf. Somit bleibt ihnen der Stress, die Angst und der Schmerz durch den Rupf erspart. Allerdings löst der Transport und die Schlachtung ebenso Angst und Stress aus. Das Leid der Tiere wird somit durch den Totrupf nicht umgangen. Dass die Verwertung möglichst vieler Teile des «Schlachtkörpers» die Fleischproduktion noch lukrativer macht und Daunen kein «Abfallprodukt» sind, sondern ein wirtschaftliches Haupt- bzw. Nebenprodukt der Tierhaltung, ist offensichtlich. 6

Foie Gras oder Gänsestopfleber

Stopfleber gehört zu den schlimmsten Qualprodukten. Enten und Gänse werden bis zu viermal täglich auf sehr brutale Weise zwangsgemästet, damit sich ihre Leber vergrössert. Dabei wird den Tieren ein langes Metallrohr gewaltsam in den Hals gestossen, durch das ihnen grosse Mengen Maisbrei in den Magen gepumpt wird. So entsteht «Foie Gras». Umgerechnet auf den Menschen entspricht die Menge, die sie während der grausamen Prozedur essen müssen, zweimal 7 Kilo Spaghetti am Tag. Am Ende ihres kurzen Lebens ist die Leber der Gänse zehnfach vergrössert worden. Die Quälerei findet meist in grossen Industriehallen statt. Tausende Vögel sind dort in enge Käfige eingepfercht, in denen sie weder aufstehen noch sich umdrehen können. Beim Stopfen werden den Tieren schwere Verletzungen zugefügt. Die Speiseröhre kann reissen, es entstehen Knochenbrüche und Herzversagen. Viele Tiere sterben bereits vor der eigentlichen Schlachtung an ihren Verletzungen und Strapazen. In zahlreichen europäischen Ländern ist die Produktion von Gänseleber verboten, so auch seit 40 Jahren in der Schweiz.  Der Import und Verzehr hingegen ist in der Schweiz erlaubt. 
Besonders traurig ist der Umstand, dass Gänsefleisch sowie auch Daunen von Gänsen stammen können, die vorher ihr leidvolles Leben als «Stopfgans» verbracht haben. 7  8

Störungen des Sozialverhaltens

Gänse haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Die Futtersuche auf der Weide, das Schwimmen und Baden, die Körperpflege und das Ausruhen zählen zu den Grundbedürfnissen der Tiere. In grossen Gruppen gehalten, allem beraubt was sie lieben, ohne Wasserzugang und mit sehr wenig Platz kommen die sensiblen Gänse kaum zur Ruhe. Sie können kein einziges Grundbedürfnis ausleben, das führt zu Stress und aggressivem Verhalten untereinander. 

Auswirkungen des Tierschutzgesetzes

Produkte wie Daunen oder Gänsefleisch werden im Ausland produziert und in die Schweiz importiert.  Die Haltungsbedingungen sowie auch die Umstände, wie die Tiere sterben müssen, sind sehr häufig nicht vereinbar mit dem Schweizerischen Tierschutzgesetz. Die Herstellung der Gänsestopfleber ist in der Schweiz seit vielen Jahren verboten, nicht aber deren Import. 
Eine Motion von Matthias Aebischer (SP/BE) zum Importverbot tierquälerisch erzeugter Produkte wurde abgelehnt. Infos dazu gibt es Hier.

Weitere Infos: 
https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20194425
https://www.srf.ch/news/schweiz/staenderaete-winken-ab-schwerer-stand-fuer-importverbot-fuer-quael-fleisch 

Letzte Aktualisierung: 04.12.2020
Fussnoten:
  1. 10  Fakten über Gänse, Vier Pfoten, zuletzt aufgerufen am 13.11.2020
  2. Gänse, Albert Schweitzer Stiftung, zuletzt aufgerufen am 13.11.2020
  3. Lebenserwartung von Gänsen, Vier Pfoten, zuletzt aufgerufen am 13.11.2020
  4. 10 Gründe, warum Sie dieses Jahr keine Martinsgans essen sollten, Peta, zuletzt aufgerufen am 13.11.2020
  5. Lebendrupf, Vier Pfoten, zuletzt aufgerufen am 13.11.2020
  6. Daunen, Swissveg, zuletzt aufgerufen am 13.11.2020
  7. Foie Gras – Eine traurige Delikatesse, Animal Trust, zuletzt aufgerufen am 13.11.2020
  8. Nudeln (Mast), Wikipedia, zuletzt aufgerufen am 13.11.2020
Weitere Infos: