Ein Leben für den Tierschutz

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Fredy Forster, Gründer der Swissveg-Vorgängerorganisation Schweizer Reformjugend (srj) und Vorstandsmitglied der SVV/Swissveg während 5 Jahren, wird dieses Jahr 70 Jahre alt. Swissveg hat ihn zu seinen Ansichten über die vergangenen Jahrzehnte befragt.

Wann wurde die srj gegründet und was war der Anlass gewesen?

Gegründet wurde die srj 1968. Die Waerlandbewegung, eine damals bekannte vegetarische Organisation, früher die grösste in der Schweiz, hat die Waerlandtagung auf die Beine gestellt. Das Publikum der Tagung war dazumal 70 Jahre und älter gewesen, in meiner jetzigen Altersklasse. Sie wollten gerne ihre Bewegung verjüngen.

Am 22. September 1968 habe ich zusammen mit ein paar Freunden auf dem Campingplatz in Wabern bei Bern die Schweizer Reformjugend gegründet. Die Adressen von weiteren Teilnehmern an der Gründung hatten wir von der Waerlandtagung und von Leuten, die sich über die Annonce in den Reformzeitungen gemeldet hatten.

Dazumal hat man viel von Lebensreform gesprochen, kannst du uns erklären, was dort alles dazugehört hat?

In der Reformjugend wollten wir nicht nur reine Vegetarier, sondern auch vegetarisch angehauchte Leute einbeziehen und auch Leute aus der ganzen Lebensreformbewegung. Die Lebensreformbewegung beinhaltete eine gesunde Ernährung, gesund leben und ein überzeugter und konsequenter Tierschutz. Am Gründungstag haben wir den 14 Personen, die teilgenommen haben, dies so vorgetragen, und so haben wir die Reformjugend gegründet.

Es war ja nicht nur der Gesundheitsbereich bei der Lebensreform. Was gehörte noch dazu?

Die Leute, die wegen dem Tierschutz und aus religiösen Gründen Vegetarier werden, die Adventisten, wollten wir mitintegrieren. Es kamen einige aus diesen Kreisen, andere aus der Yogabewegung und ich aus der Tierschutzbewegung.

Du bist ja mit 15 Vegetarier geworden, was war der Auslöser dafür? Hast du einen Vegetarier gekannt?

Ja, einen kannte ich. Bei uns in Eglisau gab es einen Sonntagschullehrer, der vegetarisch lebte. Irgendwann bin ich mit ihm ins Gespräch gekommen und habe ihm ein Kompliment gemacht, weil er seine Kaninchen sehr schön im Freien halte. Ich habe ihm erzählt, dass ich selber auch gerne welche hätte, doch ich hätte keinen Platz und müsste sie den ganzen Tag eingesperrt lassen. Er meinte, es sei schön, dass ich das auch so sehe. Er fragte mich, wie es denn bei mir aussehe, wenn ich Tiere so gerne mag, ob ich denn Fleisch esse? So habe ich den Zusammenhang bemerkt von Tierhaltung und Tiere leben lassen und habe verstanden, wieso er sich vegetarisch ernährt. Ich hatte dann einen grossen Kampf mit meinen Eltern, weil ich kein Fleisch mehr essen wollte. Meine Mutter hatte Angst davor, «dass wir dich nachher pflegen müssen wenn du krank wirst, weil du nicht isst, was man essen sollte».

Wie haben deine Schul–/ Pfadikollegen darauf reagiert?

Meine Pfadikollegen haben gerne die überzählige Wurst von mir aufgeteilt. Eigentlich war dies ja nicht der Sinn und Zweck. Eigentlich wolle ich, dass sie eine Wurst weniger kaufen. Deshalb habe ich künftig immer rechtzeitig gesagt, dass ich Vegetarier sei. Im Militär war es auch so, dass Kollegen eine Wurst von mir aufteilen wollten. Da habe ich dann entgegnet, dass ich gar keine Wurst hätte und ich nicht über etwas verfüge, dass ich nicht habe. Das Verständnis hat sich allgemein im Rahmen gehalten. Dazumal musste man sich entschuldigen, wenn man einen Spezialwunsch hatte, heute entschuldigen sich die Nicht-Vegetarier,  dass sie es noch nicht geschafft haben, vegetarisch zu leben. Ein grosser Unterschied.

Irgendwann bist du ja auf das Thema Milch aufmerksam ge­worden, wie kam es dazu?

Ich hatte eine Broschüre gelesen: «Soja: Eiweissquelle der Zukunft». Dort war auch die Milchproblematik beschrieben. Ich war noch nie jemand, der gerne Milch trinkt. Als ich gesehen habe, dass es Reformhäuser gibt, bin ich ins nächste Reformhaus in Embrach gegangen, das war winzig klein. Aber dort gab es Sojamilch, ein amerikanisches Produkt in Pulverform. Ich fand diese gleich gut wie gewöhnliche Milch, und ab da habe ich nur noch Sojamilch verwendet.

Wann hast du den Begriff «vegan» zum ersten Mal gehört?

Den Ausdruck vegan hatte ich das erste Mal in Indien gesehen, auf dem Veganlabel mit den Sonnenblumen als Logo. Vegan kannte man schon, aber nicht unter diesem Namen. Dies hat sich sehr geändert. Heute gibt es kaum noch jemanden, der das Wort vegan nicht kennt.

Nach den grossen Veränderungen, die du in den letzten Jahr­zehnten erlebt hast: Wie siehst du die Zukunft auf dem Gebiet?

Ich denke, dass irgendwann die Einsicht kommt, dass wir uns den Luxusartikel Fleisch nicht mehr erlauben können. Und nachdem man auch weiss, dass ein enger Zusammenhang zwischen Fleisch und Milchproduktion besteht, wird der Milchkonsum auch zurückgehen. Es wird immer mehr Vegetarier geben und Personen, die dann noch weiter gehen bis zum Veganer, wobei ich eher den Weg vom Vegetarier zum Veganer sehe und man nicht unbedingt eine «Vegan Society» bräuchte, weil sich sonst dort nur die zusammen tun, die bereits auf dem veganen Niveau sind.

Lieber Fredy, vielen Dank für das Gespräch!

Hoffen wir, dass die nächsten Jahrzehnte einen ebenso star­ken Wandel bringen werden wie die vergangenen.

 

Renato Pichler