«Antibiotika im Fleisch ist gegen das Tierschutzgesetz»

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Tabletten

57 Tonnen Antibiotika wurden 2012 in der Schweiz an Tiere verabreicht – auch an gesunde. Dies obwohl die Abgabe von Antibiotika an gesunde Tiere eigentlich gemäss dem Schweizer Tierschutzgesetz verboten ist.

Bereits jungen Kälbern wird im Alter von wenigen Wochen standardmässig eine Antibiotika-Kur verabreicht. Insbesondere in grossen Kälbermastbetrieben ist es gemäss Auskunft von Beat Mühlethaler, Geschäftsführer der Kälbermastorganisation Univo, überhaupt nicht mehr anders möglich. Denn durch die Haltungsart von über hundert Tieren auf engem Raum, ist die Ansteckungsgefahr mit verschiedensten Krankheitskeimen besonders hoch. Einzelne kranke Tiere können nicht mehr ausgemacht werden und deshalb wird prophylaktisch die ganze Herde behandelt. Dies geschieht, indem dem Milchpulver, das den Kälbern als tägliche Nahrung dient, 10 Tage lang Antibiotika beigemischt werden. Diese Kur wird dann im Abstand von 14 Tagen noch zwei bis drei Mal durchgeführt.

Bauern horten auf Vorrat

Auch auf gewöhnlichen Höfen gehört der Umgang mit Antibiotika zum Alltag. Bei Milchkühen kommen Krankheiten wie Euterentzündungen oder leichte Verletzungen so häufig vor, dass nicht jedes Mal der Tierarzt gerufen wird, sondern die Bauern das entsprechende Antibiotikum bereits vorratsmässig im Schrank aufbewahren und es selbstständig verabreichen.

Abgabe von Antibiotika verboten

Genau betrachtet, verstösst diese Praxis aber gegen das Tierschutzgesetz. Diese Ansicht vertritt die Zürcher Kantonstierärztin Regula Vogel:

«Wenn eine Haltungsform nur funktioniert, wenn man routinemässig bereits im Voraus Antibiotika verabreichen muss, dann steht dies im Widerspruch zum Tierschutzgesetz.»

Doch gegen die Abgabe von Antibiotika in der Landwirtschaft vorzugehen, ist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Denn sowohl Tierärzte als auch die Bauern profitieren wirtschaftlich von der Behandlung mit Antibiotika. Im Zuge der Revision des Heilmittelgesetzes schlug das Bundesamt für Gesundheit vor, die tierärztliche Antibiotika-Abgabe einzuschränken. Die Vernehmlassung zeigte aber, dass dieser Vorschlag auf sehr starke Opposition stiess. Besonders die Bauernvertreter im Parlament wehrten sich geschlossen gegen diesen Vorschlag, wie Urs Schneeberger vom BAG gegenüber dem Schweizer Fernsehen mitteilte.

Jeder profitiert davon

Der Grund, weshalb überhaupt so grosszügig mit Antibiotika umgegangen wird, ist klar: Fleisch muss günstig sein. Biofleisch wurde 2010 von gerade mal 3,7% aller Fisch- und Fleischkonsumenten eingekauft [Quelle], deshalb stellt die Kundschaft, die aufs Portemonnaie schaut, die Hauptabsatzmöglichkeit dar. Darum lohnt es sich für die Fleischproduzenten nicht, zu viel Platz, zu viel Zeit und zu viel Arbeit in die Tiere zu investieren. Den Preis dafür zahlen in erster Linie die Tiere, die unter diesen Bedingungen ihr Leben fristen müssen. Schon jetzt ist aber absehbar, dass sich dieses Vorgehen an den Menschen rächt. Denn durch die Ernährung mit tierischen Produkten und die darin enthaltenen antibiotikaresistenten Bakterien, verbreiten sich diese Krankheitserreger immer mehr auch bei Menschen. Mehrere Tausend Patienten können deshalb in der Schweiz jedes Jahr wegen resistenter Keime nicht mehr gegen Infektionen behandelt werden.

Bernadette Raschle

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