Weltgesundheitsorganisation WHO: "Würste erzeugen Krebs"

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Zum ersten Mal gab es von der WHO deutliche Worte zu den Gesundheitsproblemen beim Fleischkonsum: Swissveg begrüsst diese neueste WHO-Veröffentlichung.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat 800 Studien zum Thema Fleischkonsum und Krebs analysiert. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Konsum von verarbeitetem Fleisch ist krebserregend und gehört gemäss WHO in dieselbe Kategorie wie Asbest und Tabakrauch. Und beim unverarbeiteten roten Fleisch ist es wahrscheinlich, dass dieses das Risiko für mehrere Krebsarten erhöht.
Nach der Medienmitteilung der Eidgenössischen Ernährungskommission (EEK) vom Mai 2014 ist dies bereits die zweite Meldung von öffentlicher Stelle innert kurzer Zeit, die auf den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Zivilisationskrankheiten aufmerksam macht. Denn auch die EEK kam zum Schluss, dass der Konsum von gewissen Fleischarten mit erhöhtem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus Typ 2 und bestimmten Formen von Krebs verbunden sein kann.
Doch die Fleischindustrie spielt das Problem herunter. Die WHO-Studie sei «alter Wein in neuen Schläuchen», meint Ruedi Hadorn, Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbands. Dieser Aussage stimmt Swissveg zu: Der Zusammenhang zwischen Wurstkonsum und Dickdarmkrebs ist Experten schon seit vielen Jahren bekannt und wird immer wieder diskutiert. Das spricht aber eher dafür, dass an dem Zusammenhang durchaus etwas dran ist.
Swissveg ist der Überzeugung, dass diese Fakten ernst genommen werden müssen. Der Fleischkonsum ist nachweislich aus gesundheitlicher, ökologischer und tierschützerischer Sicht bedenklich. Es ist deshalb ein wichtiger Schritt in eine nachhaltige Zukunft, pflanzliche Alternativen anstelle von Fleisch zu konsumieren.

Wie bei allen Veröffentlichungen hat Swissveg auch bei der neuen im Fachmagazin Lancet Oncology veröffentlichten Studie die Autoren genauer angesehen: Handelt es sich dabei um überzeugte Fleischgegner? Die Recherche zeigt erstaunliches:

Als Beobachter/Beisitzer waren Vertreter von diesen Organisationen eingeladen:

  • North American Meat Institute, USA
  • Kraft Heinz Company, USA
  • National Pork Producers Council, USA
  • National Meat Institute (INAC) Uruguay
  • American Cancer Society, USA
  • Beef Checkoff, USA

Von keiner Vegetarierorganisation wurden Vertreter eingeladen.

In US-Amerikanischen medizinischen Publikationen ist es heute (endlich) für alle Autoren Pflicht, ihre Interessenverbindungen anzugeben. Bei der Publikation der WHO wurden folgende Verbindungen angegeben:

  • Ein Autor erhielt Beraterhonorare der Beef Checkoff für Forschung zu rotem Fleisch und Krebs.
  • Ein Autor erhielt einen Lohn vom North American Meat Institute (NAMI) und der North American Meat Institute Foundation (NAMIF).
  • Einer vertrtitt die NAMI und die NAMIF in der Öffentlichkeit, in wissenschaftlichen Treffen und gegenüber der Regierung.
  • Einer ist angestellt im National Pork Producers Council
  • Einer ist angestellt in der National Cattlemen’s Beef Association und hat Verträge mit Beef Checkoff. 

Dies verdeutlicht einmal mehr, dass es sich bei der WHO nicht um eine neutrale Organisation handelt, sondern eine die sich stark in den Händen der Fleischindustrie befindet. Um so mehr erstaunt es, dass nun nicht einmal diese Wissenschaftler weiterhin abstreiten können, dass Wurstwaren krebserzeugend sind.

Wenn aus diesen Erkenntnissen der WHO Konsequenzen gezogen würden, würde dies Swissveg begrüssen. Da die Machtverhältnisse in der Schweiz nicht viel anders sind, wie in der WHO, erwarten wir jedoch keine grosse Reaktion.

Die Reaktion muss deshalb direkt von den Konsumenten kommen, die nicht mehr bereit sind die krebserregenden Produkte zu kaufen und zu konsumieren und stattdessen auf gesündere pflanzliche Nahrungsmittel umsteigen.

Fussnoten:

 

Weitere Infos:

Studien-Vorabveröffentlichung der WHO im Fachmagazin Lancet Oncology: Carcinogenicity of consumption of red and processed meat, 26. Oktober 2015.